Borkum im Winter

Borkum

Gebiet

Borkum ist die westlichste der ostfriesischen Inseln und mit 31 km² auch die größte. Sie liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Teile der Insel sowie die angrenzenden Wattflächen stehen somit unter Schutz. Borkum ist landschaftlich sehr vielfältig: hier finden sich neben Watt, Strand und Primär-, Weiß-, Grau- und Braundünen auch bewaldete Dünentäler mit sumpfigen Bereichen (Waterdelle), Salzwiesen, eingedeichte Marschen (Wiesen und hauptsächlich Weiden mit Grabensystemen), ausgedehnte Schilfflächen (zum Beispiel auf der Ronden Plate) mit Prielen, sowie einen kleinen Sumpfwald (Greune Stee). An der Stelle, an der Borkum erst 1864 zusammengewachsen ist, beziehungsweise durch Deichbau zusammenwuchs, liegt heute der Tüskendörsee. Im Westen von Borkum liegen das Stadtgebiet und Hafen. Mit dieser Lebensraumvielfalt ist Borkum auch die artenreichste der ostfriesischen Inseln.
Wir waren 2016 zwischen den Jahren auf Borkum unterwegs. Nicht die ideale Zeit, um den Vogelzug zu erwischen, aber Wintergäste und Strandvögel waren dennoch reichlich vorhanden. Eindeutiger Nachteil ist, dass die Insel zu dieser Zeit quasi ausgebucht ist, und sich so viele Menschen dort tummeln wie in den Sommerferien. Wer also zeitlich ausweichen kann, dem sei das wärmstens empfohlen, allein schon wegen der Verfügbarkeit und der Preise der Unterkünfte. Außerdem empfehlen wir zum Vorankommen auf der Insel ein Fahrrad, da sie, im Vergleich zu den anderen ostfriesischen Inseln, ziemlich groß ist und man zu Fuß an die interessanten Stellen ewig läuft.
Die Insel bietet auch neben der Vogelbeobachtung viele Möglichkeiten: der Ortskern ist zum Teil recht schön und es gibt zahlreiche Restaurants. Besuche auf dem ausgedienten Feuerschiff Borkum Riff IV und im Thermalbad können wir auch empfehlen. Und die geführte Wattwanderung war auch interessant – dann weiß man zumindest, was die ganzen Vögel im Watt eigentlich so futtern.

Vorbereitung

Viel zum Thema Vogelbeobachtung auf Borkum habe ich online nicht gefunden.
In der Zeitschrift für Vogelbeobachter „Der Falke“ ist 2013 (Heft Nr. 60) ein Beobachtungstipp zu Borkum enthalten: „Die Insel Borkum in Niedersachsen – Die Vielfalt der Nordsee auf einer Insel vereint“. Im Sonderheft „Eulen“ (2014) erschien ein Artikel über die Sumpfohreule, die wir auf Borkum jedoch vergeblich gesucht hatten.

Bilder

Die besten Bilder gibts in der Galerie.
 

Gute Beobachtungsplätze

Die Karte zeigt die von uns identifizierten Birding-Hotspots auf Borkum, es ist aber gut möglich, dass wir nicht alles entdeckt haben. Und im Sommer sieht es sicherlich auch ganz anders aus…

Unsere Reise war größtenteils von Schlechtwetter geprägt: auf der Hinfahrt fiel der Katamaran wegen eines Sturms aus, die Fähre fuhr glücklicherweise noch, was den Mägen einiger Passagiere jedoch nicht sonderlich gut tat. Dann tobte der Orkan. Als wir mit den bepackten Rädern zu unserer Unterkunft fuhren, brachten die Böen uns einige Male komplett zum Stehen – wir hatten Gegenwind. Nach einer stürmischen Nacht wurde das Wetter für zwei Tage besser, bevor Nebel einsetzte. Am Tag der Abreise kam der nächste Sturm, der das Spektiv trotz Rucksack-Beschwerung vom Deich fegte und die Fährfahrt wieder interessant gestaltete. So waren die Beobachtungsbedingungen wirklich alles andere als ideal, dafür haben wir aber doch einiges mitnehmen können.

Nordstrand (A)

Meerstrandläufer

Das erste, was uns fast über die Füße lief, als wir an unserem ersten Abend den Nordstrand in Ortsnähe betraten, war ein im Spülsaum pickender Meerstrandläufer. So kann der Urlaub anfangen. Das kleine Vögelchen war gar nicht scheu und ist sogar als wir standen und uns bewegten, bis auf 2 Meter herangekommen. Die Sanderlinge, die ebenfalls am Nordstrand unterwegs waren, verhielten sich deutlich scheuer und hielten einen größeren Abstand. Ansonsten waren wir selten am Nordstrand unterwegs. Er ist sehr breit und bei Niedrigwasser sind aufgrund der großen Abstände kaum Vögel zu sehen. Die üblichen Möwen wie Silbermöwen, Lachmöwen, Heringsmöwe, Mantelmöwe und Sturmmöwe kann man aber auch hier erspähen. Auf der großen Sandbank ruhen regelmäßig Robben und Seehunde.

Greune Stee (B)

Birkenwald

Die Greune Stee ist neben der Waterdelle der einzige richtige Wald auf Borkum. Er wurde in einer Dünenlandschaft von einem Lehrer und seinen Schülern angelegt und ist heute ein interessantes Sumpfwäldchen, durch welches befestigte und unbefestigte Wege führen. Er ist immer wieder unterbrochen durch trockene, sandige und unbewaldete Rücken sowie sumpfige Stellen mit Schilfbewuchs, in denen sich viel entdecken lässt. Durch den Wald hat Borkum auch ein gutes Spektrum an waldbewohnenden Vogelarten zu bieten, zumal im Wäldchen reichlich Nistkästen hängen. Bei unserem Besuch in der Greunen Stee waren trotz der späten Jahreszeit reichlich Kleinvögel am ziehen: Trupps von Erlenzeisigen, Kohl-, Blau- und Schwanzmeisen waren unterwegs, zudem konnten wir zahlreiche Amseln, Wintergoldhähnchen, Buchfinken, Sumpfmeisen (Borkum hat wohl die einzige Brutpopulation der ostfriesischen Inseln), Rotkehlchen, Zaunkönige, und Rabenkrähen sehen und hören. Sogar ein Buntspecht hat sich gezeigt, sowie ein Mäusebussard (leider kein Raufußbussard…), der am Waldrand angesessen ist. Besonders bei stürmischem Wetter ist ein Besuch des Wäldchens zu empfehlen, weil viele Vögel der Umgebung in der relativen Windstille Schutz zu suchen scheinen. Auch für Waldschnepfen bietet sich der feuchte Wald im Sommer sicherlich an.

Ronde Plate (C)

Ronde Plate

Die Ronde Plate, welche aus Schilfbeständen, Salzwiesen und Prielen besteht, schließt sich im Südosten an die Greune Stee an. Wenn man letztere durchquert, gelangt man zu einem Weg, welcher durch die Wiesen der Ronden Plate zum Strand hin führt. Durch den Orkan am Vortrag war dieser Weg leider überschwemmt und selbst mit Gummistiefeln wäre kein Durchkommen möglich gewesen. Von der Strandseite aus vom Dünenkamm bietet sich jedoch der Blick auf offene Wasserflächen, welche von Brandgänsen und verschiedenen Enten genutzt wurden (Spektivdistanz). In den Schilfbeständen waren zahlreiche Zaunkönige sowie Rotkehlchen unterwegs.

Buhnen am Weststrand (D)

Sanderling

Die Buhnen am Weststrand sind dem asphaltierten Deich vorgelagert, welcher keinen wirklich schönen Anblick bietet. Von ihm aus kann man jedoch das Gebiet der Greunen Stee und der Ronden Plate teilweise einsehen. An den Buhnen sind bei Hochwasser zahlreiche Vögel unterwegs, wir sahen hier beispielsweise Austernfischer, Meerstrandläufer, zahlreiche Sanderlinge, Steinwälzer, Silbermöwen und Rabenkrähen. Bei Ebbe weideten Ringelgänse den Algenbewuchs auf den Buhnen ab.

Watt am Südstrand (E)

Steinwälzer

Am Südende des Asphaltdeiches liegt eine kleine Bucht, welche recht vielversprechend ist. Wir konnten hier einen äußerst zutraulichen Steinwälzer fotografieren, bis ein freilaufender Hund alle Vögel vertrieb. Zudem hielten sich ein Sandregenpfeifer, ein Kiebitzregenpfeifer und Große Brachvögel an der Wasserkante auf. Sanderlinge und Austernfischer waren auch reichlich zu sehen.

Tüskendörsee (F)

Auf dem Borkumer Ostland, in der Nähe des Flughafens, befindet sich inmitten von Weiden und Salzwiesen der Tüskendörsee, unserer Meinung nach das lohnendste Vogelbeobachtungsgebiet auf Borkum. Vom Deich aus hat man einen guten Blick auf den See und das Grünland sowie verschiedene Gräben und Wasserläufe, dreht man sich Richtung Meer, hat man das Watt und die dem Deich vorgelagerten Salzwiesen im Blick.
See
Ein Spektiv bietet sich aufgrund der großen Beobachtungsdistanz an. Auf dem kurzrasigen Deich tummeln sich ebenfalls weidende Weißwangengänse, Ringelgänse, Graugänse sowie nahrungssuchende Dohlen, welche übrigens auch im Borkumer Ortskern sehr häufig sind. Aber zunächst zurück zum See: bei unserem ersten Besuch war die Wasseroberfläche voll (!) mit Spießenten, Pfeifenten, Stockenten, Schnatterenten und Blässhühnern. Zahlreiche Löffelenten drehten ihre Runden und mit der Zeit flogen immer mehr Tiere ein. Sogar einige Krickenten und Schellenten waren zu sehen. Am entferntesten Ufer dümpelten zahlreiche Graugänse und Brandgänse. Über den Weiden drehte ein Trupp aus hunderten Kiebitzen seine Runden, zu dem sich noch tausende Goldregenpfeifer gesellten. Wunderschön, das sind fast alles Arten, die wir in Süddeutschland eher selten vors Spektiv bekommen! Auf der Seeseite des Deichs in den Salzwiesen und im Watt war aufgrund des hohen Wasserstands gerade auch ziemlich viel los. Hier sahen wir Ringelgänse, zahlreiche Goldregenpfeifer, Rotschenkel, Austernfischer, Kiebitze und Eiderenten, wenige Kiebitzregenpfeifer und Knutts. Einige Große Brachvögel staksten umher und Sanderlinge flitzten zwischen ihren langen Beinen hindurch. Auch Kormorane, welche wir auf Borkum eher selten gesehen haben, hielten sich an den Salzwiesen auf. Auf dem Deich beseitige eine Angestellte des Küstenschutzes sowie Vogelwartin die Orkanschäden. Sie riet uns, auf jeden Fall am Hoge Hörn vorbeizuschauen, da dort gerade circa 8000 Große Brachvögel bei Hochwasser in den Primärdünenfeldern rasteten, was wohl eine ungewöhnlich große Anzahl war. Sie erzählte weiter, dass bisher erst wenige Ohrenlerchen und Schneeammern und keine Raufußbussarde gesichtet wurden (wir haben leider keine gesehen) und die Chancen auf Sumpfohreulen momentan leider gering sind.

Hoge Hörn (G)

Robbe
Die Wege rund um das Hoge Hörn haben uns, zusammen mit der Greunen Stee und den nördlichen Dünenzügen, am besten gefallen. Mit dem Fahrrad ist man schnell am Sternklipp, einer Aussichtsdüne im Ostland, von der sich eine gute Aussicht auf die umliegenden Dünenfelder und Salzwiesen ergibt. Von dort führt ein unbefestigter Weg in Richtung Osten durch Salzwiesen und Dünen bis fast an die östlichste Spitze der Insel, die eine weite Sandfläche bildet – das Hoge Hörn. Aufgrund der Zeiten von Ebbe und Flut haben wir es leider nicht geschafft, die tausenden Brachvögel hier rasten zu sehen, wir waren bei ablaufendem Wasser hier (bei Hochwasser ist hier einer der größten Rastplätze von Borkum). Aber nicht ohne Erfolge: am Sternklipp tobten zahlreiche Stieglitze, Grünfinken, Buchfinken, Zaunkönige und Meisen durch die Büsche, in den Dünenfeldern war eine Kornweihe (und wieder ein Mäusebussard…) unterwegs. Im Meer vor Hoge Hörn (von der Strandskulptur aus gesichtet) rasteten zahlreiche Eiderenten mit einer Eisente in ihrer Mitte. Entlang des Strandes trafen wir wieder das komplette Möwenspektrum sowie die üblichen Sanderlinge und Austerfischer an, in den Dünen am Strand lag eine kleines, flauschiges Robbenjunges. Der Rückweg vom Strand durch die Ostlagunen war wegen des vorangegangenen Orkans weitflächig überschwemmt, wir wateten kilometerweit durch das Wasser in den Dünentälern, während die Kornweihe über unseren Köpfen kreiste und Singschwäne vorüberzogen.

Grünland (H)

Das Grünland auf Borkum ist aufgrund der zahlreichen rastenden Gänse, Kiebitze und anderer Vogelarten immer einen Blick wert. Großflächige Weiden befinden sich östlich des Ortes (Binnenweide) sowie im Bereich des Tüskendörsees (Außenweide), aber auch im Bereich des Upholmhofs und im Ort selber nördlich des alten Leuchtturms gibt es Weiden, die sich als recht ergiebig darstellten, was die Vogelbeobachtung angeht. Direkt aus unserem Zimmerfenster konnten wir die Weiden am Weidenweg betrachten und morgens beim Frühstück Gänse zählen, was den süddeutschen Birder in uns ziemlich freudig hüpfen lässt… zumal von unseren üblichen süddeutschen Gänsen Kanadagans, Nilgans und Schwanengans weit und breit nichts zu sehen war. Dafür saßen tausende Ringelgänse, Weißwangengänse, Graugänse und Saatgänse auf den Wiesen, schnatternd und futternd und schlafend. Desweiteren erspähten wir auf den Weiden zahlreiche Große Brachvögel, Alpenstrandläufer und Kiebitze, auch Fasane sind unterwegs. Von den selteneren Gänsen konnten wir im Dunst leider keine erspähen, zumal die Beobachtungsdistanzen von den Wegen aus zum Teil sehr groß sind, aber mit etwas mehr Beobachtungszeit lässt sich hier sicher einiges finden.

Waterdelle und Muschelfeld (I)

An einem überaus nebligen und nieseligen Tag besuchten wir die weiten Dünenzüge im Norden der Insel, in denen sich ein bewaldetes Dünental, der Bruchwald der Waterdelle, befindet. Im Muschelfeld haben sedimentierte Muscheln Schill gebildet. Landschaftlich ist die Gegend sehr schön und mit Fahrrädern auf den befestigten Wegen gut zu erkunden. Im Sommer brüten hier sicherlich viele Brandgänse, im Winter war eher wenig los mit Ausnahme einer Kornweihe, die beständig auf Nahrungssuche durch die Dünen zog.

Salzwiesen und Watt im Süden (J)

Am Abfahrtstag stürmte es mal wieder, und nachdem das Spektiv am Tüskendörsee bei Regen in die Gänsehinterlassenschaften geweht wurde, versuchten wir es an der Salzwiese mit Betretungserlaubnis (auf dem markierten Weg) an der Dammstraße nördlich von Borkum Reede. Glücklicherweise war gerade Hochwasser, und in bester Spektiv- und Fernglasdistanz rasteten tausende Austernfischer am Rande der Salzwiese. Daneben waren zahlreiche Entenarten (Pfeifenten, Spießenten, Schellenten) vor Ort und auch die tausende Großen Brachvögel, die gerade nicht am Hoge Hörn saßen, sondern uns scheinbar zu Neujahr mit einer spektakulären Flugshow begrüßen wollten. Überwältigt durch diese Masse an wunderschönen Vögeln haben wir beschlossen, doch wieder einmal zur Zugzeit an die Nordsee zu kommen – ob nach Borkum oder auf eine der Nachbarinseln, bleibt jedoch abzuwarten…Austernfischer