Rückreise zu Land – nach San Jose

Donnerstag 26.02.2026, San Jose

Den letzten Tag nutzen wir für die inzwischen übliche morgendliche Vogeltour. Um kurz vor 6 klingelt der Wecker, den wir gar nicht brauchen. Die Brüllaffen sind seit einer halben Stunde mit Stimmübungen beschäftigt, und die Vögel beschweren sich lautstark über den Krach. Oder umgekehrt? Egal, wir sind jedenfalls wach. Also los, solange es kühl ist. Frühstück gibt’s danach. Der Bus fährt erst kurz nach Mittag, wir haben also Zeit, um zum Playa Negra zu laufen.

Es ist hier angenehm, tagsüber nur 30°C, nachts etwa 22°C, so sind wir ausgeruht und können morgens laufen. Naja… Wir schleichen, denn es gibt viel zu sehen. Es muss nicht immer gleich der Nationalpark sein. Hier wird heute Müll geholt – ja, Costa Rica ist eines der wenigen Länder hier, die eine funktionierende Müllentsorgung haben. Woanders wird der Müllhaufen hinterm Haus ja einfach angezündet, wenn zu groß, oder eben in den Bach gekippt. Vor dem Plastik gab es in diesen Ländern nur natürliche Verpackungen, da war das kein Problem. Dann wurde Plastik eingeführt, aber keine Entsorgung. Da können die einzelnen Menschen genau gar nichts tun, das ist echt ein Dilemma, aus dem wir als Menschheit schleunigst raus müssen.

Hier also stapeln sich schwarze Müllsäcke an der Straße, und das lockt Geier an. In kleinen Trupps hopsen sie die Straße entlang, ärgern sich gegenseitig, und schauen, wo es was zu holen gibt. Irgendwie schon drollig, diese Geier. Je länger ich sie beobachte, desto schöner finde ich sie. Jaja, der kahle Kopf, Aasfresser, eklig… Nein, das verfliegt mit der Zeit. Sie sind zusammen mit den Grackeln auch ein bisschen Ersatz für Krähen, die es hier gar nicht gibt.

Rabengeier
Die Gicht der immerwährenden Brandung erzeugt schönes Licht und salzig beschlagene Brillen.
Aguti, so groß wie ein Kaninchen.

Viel Strand ist nicht mehr da. Eine heftige Hurrikan-Saison hat vor einigen Jahren den meisten Strand vor Cahuita weggespült. Jetzt nagen die Wellen am Festland, sie reichen teils fast an die Straße heran. Ein Haus wird wohl bald vom Meer geschluckt werden. Ein paar Sandsäcke stabilisieren einen Surfer Shop, aber große Schutzmaßnahmen gibt es nicht. Der Ort wird wohl wandern müssen. Der steigende Meeresspiegel hilft da auch nicht bei.

Fischadler, gibt’s auch daheim. Trotzdem schön, klaro.

Wir tapern die Straße am Strand Playa Negra mit seinem schwarzen Sand entlang. Die Häuser haben viel Abstand und große Gärten, da sehen wir viele flattrige Federkleider. Ein Specht nimmt eine am Baum hängende Frucht aus. Eine Drossel, der Nationalvogel von Costa Rica, stöbert durch die Vorgärten. Ein Kolibri sammelt die Blüten einer großen Staude ab. Kiskadees bauen ein Nest oben auf nem Strommast. Tangare flirten im Gebüsch. Ein Habicht ruft vom Baum zu uns herab. Das übliche Geschnabel, Gesinge und Geflatter des Morgens, nur eben mit ganz anderen Vögeln. Echt schön!

Bananaquit – lustiger Name und sehr klein
Weibchen der Summer Tanager frisst Frucht
Broad-winged Hawk sorgt für Panik bei den kleinen Vögeln
Black-cheeked Woodpecker pickt Frucht
Summer Tanager – wechselt gerade ins Männchen-Kleid
Kiskadee oder bei uns der Pikachu-Vogel
Northern yellow warbler. Wahrscheinlich.
Endlich erwischt – white-crowned Amazon
Aguti. Die Fellzeichnung ist so schön.
Ich sag ja: Meerschweinchen auf Stelzen.
Ruft laut Pikachu!
Noch ein Kiskadee. Weil sie so sehr zu kurz gekommen sind
Tropical Kingbird

Nach ner guten Stunde und stolzen 2 km machen wir uns auf den Rückweg. Je langsamer wir waren, desto besser, denn dann gab es viel zu beobachten. Die Sonne steht jetzt um kurz nach 7 schon so hoch, dass wir den Schatten suchen. Heute ist keine Wolke am Himmel. Leider haben wir damit gar nicht gerechnet, sonst hätten wir es bestimmt zum Sonnenaufgang ans Meer geschafft. Nunja. Schlaf ist keine Luxusdroge, sondern war eben auch mal wichtig. Wir schauen noch nach dem Freddy mit Fredchen, und ob der FFF noch aktiv ist. Ist er.

Zwei-Finger-Freddy mit Freddychen. Da freut sich der FFF!

Der kleine Supermarkt im Ort sollte um 7 öffnen, hat um kurz nach 8 noch nicht auf. Pura Vida, das reine Leben. Der Ausdruck der Ticos, der auf alles passt. Wie geht’s? Pura Vida. Hallo… Pura Vida. Wie wars? Pura Vida. Buenas! Pura Vida. Hasta Luego! Pura Vida. Verflixt, der Bus ist schon weg. Pura Vida. Oh dear, that was pretty unfortunate! Pura Vida. Ohmeingott, Du hast ein Bein gebrochen? Pura Vida. Steht auf jedem zweiten Souvenir, wird auf Shirts gedruckt, und wirklich oft gesagt. Verrückt? Pura Vida.

Fruchtberg zum Frühstück. Zuhause kommt der kalte Entzug

Anja schnippelt Mango und Papaya, und kocht Tee, ich düse zum großen Supermarkt und hole ein paar Haferflocken. In die kommt Osaft. Danach noch nen Kaffee, dann können wir packen gehen. Das ist in ein paar Minuten erledigt, so haben wir doch noch Zeit, bis wir um 11 raus sein müssen. Die Stunde bis zum Bus überbrücken wir mit einem letzten Batido (Anja Ananas, Uwe Maracuja) am Strand.

Das Busterminal ist nicht weit und recht klein, trotzdem gibt es 5 Gates mit klar beschilderten Linien. Wir unterhalten uns mit einem Tico, radebrechen auf Spanisch, eine Niederländerin unterstützt. Dann kommt der Bus, ein ordentlicher Reisebus mit Klimaanlage. Gut so, denn wir fahren 4,5 h bis San Jose. In Limon ein Zwischenstopp an einem größeren Terminal, dort kaufen wir eine Empanada, eine lecker gefüllte Teigtasche. Dann hupt der Bus bald, es geht weiter.

Am Busterminal in Limon
Typischer Stand mit allerlei Allerlei.

Wieder schrauben wir uns über den 1600 Meter hohen Pass, diesmal aber ohne Regen. Die Berge sind steil, dicht bewaldet. Hier wohnt niemand, es gibt keine Straßen, nicht einmal Forstwege, also auch keine Forstwirtschaft. Urwald um uns herum. In den Bergen waren wir wenig gewesen. Schade. Das nächste Mal würden wir hier mehr Zeit verbringen, auch wenn es dort öfter nasskalt ist. Da gibt es mehr endemische Vögel, also solche, die nur hier zuhause sind.

Der Beweis, dass Fotos aus dem fahrenden Bus heraus schier unmöglich sind.

Da es die einzige Straße ist, und dazu noch steil, geht es langsam voran. Aber es geht, und der zähe Verkehr ist wohl normal, denn wir kommen pünktlich in San Jose an. Das ist gut, denn in dem Viertel, in dem unser Bus sein Terminal ansteuert, sollte man im Dunkeln nicht draußen herumlaufen. Die Gegend sieht nicht so super aus. An der Bustür warten auch schon einige Taxifahrer. Anja findet einen für uns, und der ist offenbar Profi, rauscht nur so durch die Stadt und weiß den Verkehr zu nehmen. Perfekt. Irgendwas quietscht, aber ob das die Reifen sind, oder Anja auf dem Rücksitz, weiß ich nicht (Anja meint das waren die Reifen)

Wir kommen etwas erschöpft, aber entspannt im Backpackers Costa Rica an, in dem wir die ersten Nächte verbracht haben. Bewusst haben wir uns hierfür entschieden, um den Kreis zu schließen. Wir haben ein ruhiges, kleines, günstiges Zimmerchen mit Stockbett für uns. Allerdings wackelt alles, wenn der Zug laut pfeifend die unbeschrankten Bahnübergänge quert. Da war doch was. Also Ohrstöpsel, passt schon.

Hier ging es los, hier hört es auf. Im Backpackers Costa Rica in San Jose.

Das Hostel empfand ich vor knapp 4 Wochen als ziemlich heruntergekommen, improvisiert und dreckig. Alles fand ich angeranzt, halb kaputt, abgenutzt. Der Geruch war auch eigenartig, wenn auch nicht lästig. Seither waren wir in nem guten Dutzend anderen Unterkünften, und haben 2-3 Dutzend Restaurants gesehen. Tja. Was soll ich sagen?

Jetzt erlebe ich das Backpackers Costa Rica als absolut super organisiert, hervorragend sauber, alles funktioniert – halb kaputt ist eben auch halb ganz. So ändert es sich in kurzer Zeit. Und jetzt bin ich wirklich gespannt, wie ich unser schönes kleines Häuschen empfinden werde. Ich muss dazusagen, dass wir nicht in teuren Lodges umd Hotels gewohnt haben. Die Nacht hat pro Person meist um die 15 – 20 € gekostet. Teurer und edler geht natürlich immer. Das Backpackers heute kostet nur 10 € pro Person und Nacht.

Okay, das Casado zum Abendessen finde ich jetzt doch nicht so gut wie beim ersten Aufenthalt. Da haben so einige Sodas die Messlatte hoch gesteckt. Viele sagen, man fährt nicht wegen des Essens hierher. Wir haben da jetzt eine eigene Meinung aufbauen können: Zwar gibt es viel reifes Obst, allerings kaum Vielfalt oder Unbekanntes. Es gibt oft Reis mit Bohnen in Varianten, dafür aber es ist fast immer lecker, und es variiert im Detail. Zu Fleischgerichten können wir uns keine Meinung erlauben, wir haben uns ausschließlich vegetarisch ernährt. Dies war aber auch kein Problem, da gibt es andere Länder, in denen man nicht in jedem kleinen Restaurant eine vollwertige vegetarische Mahlzeit findet. Die Batidos rocken so richtig. Und Kaffee gibt’s immer und reichlich. Ich empfinde es als keine kulinarische Erlebnisreise, aber eben auch nicht als Einschränkung oder Verzicht. Gallo Pinto zum Frühstück und Casado sonst am Tag würde ich jederzeit wieder gerne essen. Nur… vielleicht nicht im Backpackers Costa Rica.

Ich hatte überlegt, ein Best-of von Elektro- und Wasserinstallationen zu erstellen. Ich habe darauf verzichtet, denn es wäre ein Herabschauen auf den Lebensstandard in einem Land, das so viel richtig macht. Das will ich nicht. Letztlich hat jede noch so wackelige Steckdose funktioniert, wir hatten keinen Stromausfall. Wasserhähne gibt es eben in verschiedenen Bauweisen, ich stand schon mal in den USA ratlos in der Dusche und hab nicht kapiert, wie ich das Wasser zum Laufen bringen soll. Und jegliches Leitungswasser war trinkbar, besser als vielerorts in USA und Kanada. Die Straßen brauchen öfter mal robustere Autos, aber sie werden instand gehalten. Busse und Fähren fahren zuverlässig.

Da will ich nicht aus dem over-engineered Deutschland kommen und aufzeigen, wo man überall was besser machen könnte. Das ist eh so ne typisch deutsche Sache: immer was finden, was nicht perfekt ist. Klar macht uns genau dies zu den perfekten Ingenieuren, aber es vermiest uns ebenso den Genuss an dem, was eben da ist und funktioniert. Mehr Pura Vida würde uns in Deutschland definitiv gut tun.

Nationalpark Cahuita

Mittwoch 25.02.2026, Cahuita

Die Nacht war ruhig. Das ist fast schon ungewohnt! Schlaf gab es reichlich, aber wir haben es nicht mehr so eilig. Zwar stehen wir schon um 6 Uhr auf, aber irgendwie sind wir doch erst um halb 8 am Park. Diesmal keine umständliche Online-Buchung, sondern wir spenden, was es uns wert ist. Da wir haben, können wir auch geben. Ohne die Nationalparks kein so schöner Urlaub, und vor allem kein so schönes Reich für Tiere und Pflanzen, in denen der Mensch wirklich nur zeitweiliger Gast ist.

Nachts hat es kräftig geregnet, jetzt ist es stark bewölkt, nur wenig Licht kommt bis an den Boden. Trotzdem entdecken wir gleich nach dem Eingang 2 neue Vögelchen, ein guter Start, der Hoffnung macht. Bald entdecken wir das Nest eines Kolibris, und dürfen beobachten, wie er daran weiterbaut. Das ist so winzig! Bis wir später auf dem Rückweg hier vorbeikommen, sind die Küken vermutlich schon flügge – so scheint es zumindest bei diesen so unfassbar schnellen Flatterschwirlen.

White-Whiskered Puffbird
Cocoa Woodcreeper, also der Schoko-Baumläufer?
Rufous-tailed Hummingbird, mal wieder
Itziwitziwinzig!

Der Weg ist zunächst breit und gut ausgetreten, links begleitet uns immer mit ein paar Metern Abstand der Karibikstrand. Warun sich alle Bäume gen Meer neigen, verstehen wir nicht. Eigentlich komnt der Wind vom Meer, so dass Windflüchter landeinwärts zeigen würden. Ist es das Licht. Oder gibt der Boden so stark nach?

Rechterhand finden wir bald die Quelle der Moskitos: da steht der halbe Wald unter Wasser. Teils nicht tief, teils aber mit klarer Warnung vor Krokodilen. Und das Wasser muss ja wohin. Wir dürfen einen Bach queren, wo er ins Meer fließt. Knietief ist das Wasser, will uns die Füße wegziehen. Oder sind das schon Krokodile. Hmmm. Wir kommen beide mit all unseren Füße drüben an. Eine Familie mit 2 Kids hat mehr Mühe, denn die jungen Mädels haben so richtig Angst vor Krokos, und wollen auf der anderen Seite ein Beweisfoto, dass sie es überlebt haben. Echte Abenteuer hier!

Unbeeindruckt zeigt sich der Semipalmated Plover

Bald wird es aber wilder. Offenbar hat nicht der viele Regen, sondern fiese Wellen erst den Strand und dann den Weg weggewaschen. Dann war der Weg weg. Haha. Tschuldigung. Der musste wohl die letzten beiden Tage an ein paar Stellen neu gemacht werden. Teils ist es jetzt grenzwertig. Noch eine Hurricane-Saison, und weitere Teile des Weges verschwinden im Meer. So steigen wir über die Abbruchkante, Bäume, Wurzeln, und bekommen ein paar Mal fast nasse Füße.

Einmal erwischt es mich dann eiskalt. Okay, nein, nicht eiskalt, das Wasser hat sicher über 2 °C, aber doch sehr überraschend. Dass jede siebte Welle größer ist, das kennt man ja. Aber hier kommen irgendwann sehr überraschend sehr große Wellen an. Vielleicht jede 49. Welle? Ich hab noch nicht mitgezählt. Immerhin bin ich nicht der Einzige hier, der mit patschnassen Schuhen umherquelcht. So klingt das: quelch quelch quelch.

Black-Crowned Antshrike. Im Zweifel ein Kabevau – kleiner brauner Vogel.
Schöne dicke Wurzeln…
… helfen hier auch nicht mehr.

An einer Stelle sind Reste eines alten Stegs im Meer, vielleicht ein früherer Bootsanleger. Und natürlich sitzen gleich Seevögel auf den Pfosten. Genauer: Royal Tern, also Seeschwalben. Die sind echt schön und eindrucksvoll. Aber nur, bis ein Fregattvogel dahergeschwebt kommt. Dessen Eleganz und schiere Größe lässt die Seeschwalben wie Spatzen aussehen.

Royal Tern
Fregattvogel
Größenvergleich
Ein schöner Angelhaken, dieser Schnabel.

Es wird voller. Vermutlich kommen heute all diejenigen, die gern die letzten beiden Tage den Nationalpark besucht hätten. Niemand grüßt mehr. Große Gruppen latschen einfach durch, schauen gar nicht mehr nach rechts und links. Trampeln achtlos auf den Autobahnen der Blattschneiderameisen herum, das macht mich regelrecht wütend! Am liebsten würde ich jeden anpflaumen, er möge doch aufpassen, wo er hintrete. Aber das geht ja auch nicht. Schade eigentlich.

Keine Lianen, auch nicht die Glasfaseranschlüsse der Affen. Sondern Wurzeln der Epiphyten, also der Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen.
Einsiedlerkrebse auf Abwegen?

Katrin ist die Tage im nahegelegenen Puerto Viejo, wir haben uns gestern kurzerhand verabredet, uns hier zu treffen. Irgendwo läuft man sich ja auf dem Wanderweg über die Füße. Und tatsächlich, gerade als wir am Punto Cahuita den Rückweg antreten, holt sie uns ein. Max ist inzwischen auf der Heimreise, so sind wir jetzt wieder nur zu dritt.

Vor dem Punta Cahuita ist ein Riff. Weit draußen brechen sich riesige Wellen, hier kommen nur noch kleine Wellchen ans Ufer gespült. Krass finde ich, dass der ganze Strand weniger aus kleinen Steinchen sondern vielmehr aus Korallenstückchen besteht. Auch hier steht es nicht gut um die Korallen, wie überall auf der Welt. Man kann hier schnorcheln gehen, wir sehen aber niemanden draußen. Ob es sich überhaupt noch lohnt, können wir nicht sagen.

Auf dem Rückweg erleben wir trotz der vielen Menschenbesucher noch einiges. Kapuzineraffen sind hier ziemlich dreist, laufen neben Wanderern mit, und sobald jemand einen Rucksack öffnet, wird Essen geklaut, im Zweifel mit Kratzen und Beißen. Die Äffchen sind zwar klein, aber sehr durchsetzungsstark. Das Gute an den vielen Leuten ist, dass wenig unentdeckt bleibt. So sehen wir eine Boa, Waschbären in ihrem natürlichen Habitat, Blattschneiderameisen beim Blattschneiden, zwei kleine Echsen, und eine winzige, dafür sehr giftige Viper. Wow.

Boah, ne Boa, knapp 2 Meter lang!
Waschbär…
… mit Kinderzimmer
Schnippeldischnapp, der Busch ist fast schon ganz kahl.
Greifschwanz-Lanzenotter, oder Eyelash Viper

Und am Eingang des Nationalparks hängt ein Freddy mit Fredchen herum. Und zwar derart prominent, dass da fast kein Durchkommen ist. Permanent stehen 2 Dutzend Leute und gucken, fotografieren, zeigen drauf. Freddy stört das nicht.

Freddy!
Pura Vida
FFF – Freddys Freudiger Fanclub

Wir setzen uns an ein Restaurant mit Blick auf den Strand, da laufen Markus und Julia auf uns zu, die beiden waren ebenfalls bei Katrins Geburtstag in Montezuma dabei gewesen. Tsk, das Land ist doch klein! Zusammen genießen wir Batidos und knabbern was, für mich wieder Reis mit Bohnen. Ich hab das noch immer nicht satt. Anja nimmt Patacones, das sind frittierte Kochbananen. Diese sind als kleine Schälchen geformt und wechselweise mit Bohnenpaste, Guacamole und Tomatensalat gefüllt. Auch ziemlich nice.

Wir merken, dass wir 7 Stunden im Park auf den Beinen waren, und viel zu wenig getrunken haben. Anja hat Kopfweh, wohl doch zu viel Sonne abbekommen. So verabschieden wir uns bald schon wieder von den dreien, und ziehen uns erst einmal in unser kleines Fass zurück. Die Duschen hier sind einmalig, die genießen wir heute mehrfach: Regenbrause, Körperbrausen und Fußdusche, und das heiße Wasser schafft es endlich, die ölige Schicht aus Sonnencreme und Insektenschutz zu lösen. Endlich mal nicht mehr klebrig. Yay.

Später geht’s Anja besser, wir shoppen ein paar kulinarische Andenken im wohlsortierten Supermarkt, kaufen das Busticket für morgen nach San Jose, und essen in unserer Unterkunft Brot, Avocado, Tomate, Gurke. Das bekommt uns heute gut. Noch einen Tee zum Abschluss, schon ist Schlafenszeit. Die Moskitos treiben uns ins Fass.

Nach Cahuita

Dienstag 24.02.2026, Cahuita

Du bist immer noch mit dabei? Wow! Hab ich gar nicht gemerkt – aber wie auch? Ich verzichte bewusst auf jegliches Tracking. Somit weiß ich nicht, wer hier alles mitliest – bin jetzt aber doch neugierig. Tust Du mir nen Gefallen? Schreibst Du mir ne Mail? Egal wie kurz, sogar ein „Ich lese mit“ genügt, aber gern darfst Du mir verraten, wie es Dir beim Lesen so ging, oder was Dir beim Lesen besonders gefallen hat. Fragen beantworte ich natürlich auch, klaro. Danke Dir!

An das frühe Aufstehen gewöhne ich mich eher, als an die Hitze. Immerhin, die Nacht war angenehm, der Schlaf tief und fest. Da um 7 Uhr unser Boot nach Moin abfährt, sind wir früh am Moin auf und mampfen unser Moinstück. Geregnet hat es, ich glaube, heute wird es wechselhaft. Die Boote sind dafür gerüstet. Außer dem Dach haben sie rollbare Seitenwände aus Plastikplane, da müssen dann 4 Passagiere zusammenarbeiten und auf- oder abrollen. Geht alles.

Tschöö Tortuguero!

Aber erstmal hin zum Anleger. Und nochmal zurückflitzen, fast hätte Anja ihr Handy unterm Kopfkissen vergessen! Ist ja nicht weit hier, und so checken wir pünktlich ein. Unkompliziert, ohne Computer und so. Einfach Vorname, Zielort, Personenzahl auf Papier. Kringel drum heißt: sie sind da. Das Boot ist voll, eine schmale Variante, kaum 1,60 m breit und dafür wieder 12 m lang. Crazy. Austarieren durch Umplatzieren der Fahrgäste zwecks Wasserlage, dann geht es mit Vollgas und knapp 30 km/h über den Kanal gen Süden.

Das linke ist unser Bootchen.

Leise ist das nicht, und es bleibt so laut für die nächsten 3,5h. Ich dachte ja anfangs, ich kann die Reise in laute Tage und leise Tage einteilen. Aber das wurde nichts. Fluglärm, Stadtlärm, Partylärm, Straßenlärm, Dschungellärm, Vogelgebrüll, Affengebrüll, Zikadengebrüll, Hundegebrüll, Moskitogebrüll… und Amerikaner, die sind auch immer laut. Also, heute ist es erst Bootsmotorenlärm, dann Verkehrslärm, dann… ach , egal. Leise ist es daheim wieder.

Auf der Fahrt sehen wir mehr, als auf der Bootstour mit Guide – da waren es wahrscheinlich einfach zu viele Boote auf einmal. Jetzt ist leider keine Zeit zum genüsslichen Beobachten, und heftige Regenschauer zwingen uns zum gelegentlichen abrollen der Seitenwände, um sie wenig später wieder hochzurollen, wenn das Wasser nur noch von unten spritzt. Wir wollen alle gern noch rausschauen und was sehen. Anja entdeckt die sechste Art der hiesigen Eisvögel. Yay. 3 dicke Krokodile sehen wir am Ufer liegen, eines davon sicher 3-4 Meter lang. Wie viele wir nicht gesehen haben, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Ein Zwischenstopp zwecks Tanken und Wasserlassen auf halber Strecke, dann geht es weiter. Kanäle verbinden die Flüsse. Mehrmals queren wir eine Flussmündung und können die Brandung des karibischen Meeres sehen. Das Wasser scheint oftmals sehr flach, mehrmals verlangsamt der Kapitän auf Schleichfahrt und tastet sich durch besonders seichte Stellen. Ständig weichen wir Baumstämmen aus. Einmal durchqueren wir einen dicken, grünen Teppich aus Wasserpflanzen. Kommen Boote entgegen, machen beide langsam, wegen der Wellen. Und wir lernen, dass es noch einige wirklich absolut abgelegene Lodges gibt, wo man wirklich komplette Ruhe hat, weit ab der Zivzidingsda.

Um 10:45 kommen wir in Moin an, dort warten Taxis und ein Kleinbus. Fast werden wir mit zwei erkälteten und rund gebauten Niederländern in eine Limousine gestopft, aber es wird einiges hin und her gepackt, es wird sich geeinigt, und wir fahren im Kleinbus, werden bis vor die Haustür unserer Bleibe in Cahuita gebracht. Das war mal unkompliziert.

Flusshafen in Moin

Jetzt haben wir 3 Stunden Zeit, denn das Gepäck können wir zwar schon abstellen, aber Check-In ist erst um 3. Wir gehen zum Eingang des Nationalparks, nur eine Minute zu Fuß entfernt, um zu lernen, dass dieser seit gestern geschlossen hat. Wege müssen instand gesetzt werden, es hatte zu viel geregnet und gestürmt. Aber morgen ist er wieder geöffnet. So haben wir heute nichts weiter vor.

Und wie wir gerade auf den schönen Strand schauen, werden wir gegrüßt! Die 2 Schweizer, die wir auf der Tour in Tortuguero kennengelernt haben, wollten auch just eben in den Nationalpark. Die beiden haben jetzt auch nichts mehr vor, so beschließen wir kurzerhand, gemeinsam was zu Mittag zu essen, und unterhalten uns gute 2 Stunden lang. So schnell kann’s gehen. Schön und lecker war’s.

Dann schlendern wir durch das kleine Städtchen, bleiben am anderen Ende im kühlen Schatten sitzen, da weht der Wind angenehm vom Meer her. Und da sitzt doch glatt… ja… das Fellknäuel muss ein Freddy sein! Es pennt. Nach 10 Minuten wacht es auf, biegt sich einen Zweig gen Mund, mampft ein paar Blätter an, und döst weiter. Pura Vida, wie die Ticos sagen. Reinstes Vorbild für stressgeplagte Städter und IT-Fuzzies. Solche Ruhe. Ganz bei sich sein. Nur den Moment leben. Buddha war Hektiker dagegen.

Freddy!

Der Check-In ist einfach. Wir haben ein kleines rundes Fass, sowas wollten wir schon immer mal ausprobieren tatsächlich ist es sehr gemütlich und hat mehr Regale und Ablagen, als alle anderen Unterkünfte zusammen. Naja, gefühlt zumindest. Jedenfalls kommen wir mit unseren großen Rucksäcken entgegen meiner Befürchtungen hier gut klar. Sehr cool: hier im Garten sind Agutis, das sind quasi Meerschweinchen auf Stelzen. Aehr niedlich, meist recht scheu. Hier sitzen sie einfach im Garten!

Wir laufen nochmal durch den kleinen Ort, gehen dann im großen Supermarkt einkaufen. Der ist sehr gut sortiert, hat sogar geschnitten Brot! Wir kaufen die größte Mango der Welt, dazu Avocado, Tomate, Gurke, und was Brotiges. Osaft, und ne große Flasche Bier. Und Chips, diesmal aus Mango, und welche aus Yukka. Gut gerüstet geht’s heim, da ein bisschen tüddeln, dann ist auch schon Zeit für Abendessen. Wir essen im nahegegelenen Soda, welches der Reiseführer empfiehlt. Ich probiere marinierten Fisch. Der ist überraschend zäh und hat Gräten, geschmacklich imtemsiv und gut. Der Rest des Casado ist aber eher so… meh. Nunja, dann eben heim und den Abend mit Bier und Chips ausklingen lassen.

Gut ausgestattet geht’s in den Abend. Echt viele Moskitos hier.

Irgendwie merken wir, die Luft ist raus. Unser Erlebnisdrang ist gesättigt, das Ende der Reise naht. Wir werden langsamer und müssen nicht mehr jeden Winkel erforschen und alles sehen und jede Gelegenheit nutzen. Morgen wartet der Nationalpark auf uns, das wird sicher noch ein längeres Erlebnis, und hoffentlich sehen wir noch ein paar schöne Sachen. Aber würde ich jetzt einfach men Tag herumgammeln, wäre ich vermutlich auch zufrieden.

Nur muss vor der langen Rückreise der Bewegungsdrang befriedigt werden. Einen Tag Bus, dann Großstadt, dann einen Tag Flugreise… Da ist es besser, wenn ich kein Zappelphilipp bin. Also werden wir morgen schon früh losgehen. Um 7 macht der Nationalpark auf, mal schauen, ob wir das schaffen.

Mit Schreiben bin ich meist einen Tag hintendran. Abends ist es oft zu spät, und ich schreibe häufig in der Siesta, oder auf langen Fahrten, und abends wird ergänzt, korrigiert und veröffentlicht. Im Bus kann ich gut Fotos von der Kamera aufs Handy bringen, bearbeiten, und hier einfügen. Da bin ich auch ungestört beim Schreiben. Einzig die Tastatur kann ich nicht so oft verwenden wie erhofft, und so entsteht doch mehr als die Hälfte der Texte per Daumenhüpferei.

Wichtig ist mir nur, immer spätestens am darauffolgenden Tag zu schreiben, denn sonst verschwinden schon wieder so viele Details und Wahrnehmungen. So kannst Du Dich täglich auf einen neuen Beitrag freuen. Und bald darf ich hoffentlich eine Nachricht von Dir lesen 🙂

Cerro Tortuguero

Montag 23.02.2026, Tortuguero

Morgenstund hat Wurm im Schnabel. Der frühe Vogel kann mir mal vor die Linse fliegen. Klar sind wir wieder unterwegs im ersten Licht des Tages. Es ist bedeckt, tröpfelt gelegentlich, aber geht. Wir gehen den langen Weg nördlich des Dorfes entlang dem Strand. Nur Vögel lassen sich keine blicken. Zunächst. Damn klart der Himmel auf, und offenbar haben die Federknäuel verknautscht nur drauf gewartet, denn auf einmal ist viel los: Kolibris schwirren um Blüten, ein Specht zerlegt nen morschen Baum, eine Geierversammlung auf einem kahlen Baum breitet alle Flügel zum Trocknen und Wärmen aus. Und dann.

Dann tauchen Tukane auf, diesmal die kleinste der hiesigen Arten. Gleich drei machen sich in einem Baum über ihr Früchtefrühstück her. Zwei fliegende Bananen gesellen sich im Nachbarbaum dazu, und wir sind glücklich. Anschließend entdeckt Anja noch zwei neue Vogelarten, der Morgen hat sich bereits gelohnt. Jetzt steigt die Sonne höher, wir haben noch keine Sonnencreme, dafür aber Hunger. Jetzt ruft unser Früchtefrühstück.

Truthahn- und Rabengeier entfalten ihre dunklen Mäntel zum Trocknen
Pale-billed Woodpecker
Blue-gray Tanager
Rufous-tailed Hummingbird
Collared Aracari, der kleinste Tukan hier
Dem Schnabel kann kein Obst der Welt widerstehen
Black-cheeked Woodpecker
Fliegende Banane, auch bekannt als Keel-billed Tukan
Auch mit so nem Schnabel ist Gefiederpflege zerstörungsfrei möglich.

Wir kochen Tee, Anja schnippelt Papaya und Mango klein, dazu Haferflocken in Osaft. Eine Tasse Kaffee für mich hinterher, dann kann der Tag starten. Wir wollen zum Cerro Tortuguero, einem alten Vulkanschlot, der dem Zahn der Zeit trotzt. Das Boot dorthin fährt regelmäßig, wir haben noch eine gute Stunde, um mit der sehr hakeligen Website der Nationalparkorganisation zu kämpfen und uns Tickets zu kaufen. Es klappt dann im dritten Anlauf, yay.

Eine viertel Stunde gemütliche Fahrt den breiten Fluss hinab, und wir sind da. Das Flussufer hier ist vielversprechend, alle paar Meter sitzt ein Reiher und frühstückt Fisch, dann werden aucj Eisvögel da sein. Hier ist wenig los, nur 5 andere Leute sind mit uns hierher gefahren. Das ist gut, mehr Ruhe, mehr zu sehen.

Wir gehen zuerst den kleinen Berg rauf. Der Weg ist komplett mit breiten Betonstufen und Geländer gebaut, so geht es gut 100 Meter in die Höhe. Irgendwie sind die Bauten der Nationalparks die solidesten und ordentlichsten hier. So geht auch niemand auf eigene Faust durch den Wald, auch die Begegnung mit Bullet Ants ist verringert. Das sind 2-3 cm große Ameisen, deren Biss 40 mal stärker ist als der einer Wespe, und für 24 Stunden sehr sehr starke Schmerzen bereitet. Wir sehen 2 davon. Wow.

Hübscher Farn. Ich mag fraktale Strukturen in der Natur.

Oben ist die Aussicht klasse! Bemerkenswert finde ich, dass jede Baumkrone anders aussieht. Der Wald ist auch von oben schön. Dann komnt Regen – aber wir sind ja schlau, haben Regenschirme dabei, und warten auf besser Wetter. Das kommt nicht, dafür aber andere, ziemlich nasse Leute, so dass wir uns an den Abstieg machen. Wir sehen ein gutes Dutzend der ziemlich kleinen Pfeilgiftfrösche, knallerot, küssen verboten. Die Spitze eines Pfeils über dessen Rücken streichen, und schon ist ein Piekser damit fatal. Krass.

Eine Zikadenart klingt wie eine kleine Motorsäge, auch bezüglich der Lautstärke. Zum Glück fällen sie keine Bäume. Und zum Glück sind es nur ein paar, sonst hätten sie uns die Ohren zersägt. Daneben erklingt ein regelmäßiges Klacken oder Schnalzen – vergeblich halten wir nach de. dafür verantwortlichen Vogel Ausschau, bis wir feststellen, dass es von Fröschen kommt. Hmpf.

Aber Vögelchen sehen wir ne Menge, auch einige zum ersten Mal!

Yellow-billed Cockoo
Yellow-billed Cockoo
Blue-gray Tanager, nochmal in schöner
Hier wachsen Ersatzschnäbel für die vielen Vögelchen.
Kein Gefieder, sondern ein Blatt mit 6 Beinen. Klasse Tarnung…
… funktioniert aber nicht beim Masked Tityra
Common Fruit Crow. Keine Krähe, aber klingt ein bisschen so
Slaty-tailed Trogon
Die schlaue Ornithologin, die all die schönen Federtierchen findet und erkennt.

Am Bootsanleger am Fluss machen wir Rast. Es regnet auch gerade wieder etwas, hört wieder auf. Da hören wir ein lautes Platschen von der anderen Seite des Flusses. Dann noch eins. Wir nehmen Fernglas, Kamera, sehen einen dritten Platscher. Und dann die Ursache: eine, nein, gleich zwei Tayra jagen Iguanas, die sich ob ihrer körperlichen Unterlegenheit einfach der Schwerkraft hingeben und sich nach unten verabschieden. Aus über 20 Metern höhe lassen sie sich in den Fluss fallen, um den eleganten, flinken Räubern zu entkommen, die in dieser luftigen Höhe wild herumspringen. Was ein Spektakel!

Die Tayra kannten wir noch gar nicht. Das sind Marder-artige Prädatoren, deren Körper 50-70 cm lang sind, dazu ein nochmal so langer Schwanz. Wow. Sie räumen einen Baum ab, erwischen aber scheinbar keinen. Wir warten, und bald geht es auf dem benachbarten Baum zur Sache! Wir sind begeistert und fasziniert.

Eine Tayra

Auf dem Rückweg finden wir noch Fledermäuse in einer Felsspalte, und dürfen Klammeraffen (Spider Monkeys) aus nächster Nähe beim Essen zuschauen. Was für ein Tag.

Klammeraffen können auch einfach am Schwanz hängen, dann haben sie alle Hände frei zum Mampfen.
Geht aber auch weniger umständlich.

Über 4 Stunden haben wir auf den 3 km zugebracht, und wir haben es sehr genossen. Die Rückfahrt bringt uns zum Kaffee am Nachmittag. Jetzt ist der Kopf voll, heute muss nichts mehr sein. So passiert auch nicht mehr viel. Eigentlich nichts. Ah, doch: wir entdecken, woher die ganzen großen Löcher im Garten unserer Unterkunft kommen. Da wohnen Krabben, mit ihren 10 cm breiten Körpern huschen sie geschwind durchs Grün und wissen immer, wo ihr Bau ist.

Wir machen die Bootsfahrt nach Moin klar, und lassen den Tag ausklingen. Es ist eh wieder ziemlich regnerisch. Abends treffe ich Barbara bei der Küche an. Sie ist Biologin, vor 30 Jahren aus Deutschland hierher gekommen und geblieben. Sie setzt sich stark für den Naturschutz ein, verdient das Geld mit geführten Touren und gibt es für den Wald und dessen Bewohner aus. Natürlich kennt sie hier alles und jeden, und verspricht, mit Katrin Kontakt aufzunehmen, die ja nächste Woche hier Kamerafallen für Jaguare kontrollieren will, eines von Barbaras Herzensprojekten. Wie immer ist die Zuarbeit von Freiwilligen in der Feldforschung nicht ganz einfach, da gäbe es öfter Probleme. Gut, wenn Barbara sich kümmert, dann wird das bestimmt was.

Wir  verabschieden uns mental bereits von Tortuguero, diesem ganz besonderen Ort, abseits der Zisivi… Zivzila… der Festlandgesellschaft. Gute Nacht.

Nationalpark Tortuguero

Sonntag 22.02.2026,Tortuguero

Lang Ausschlafen ist hier nicht, klar, denn morgens ist draußen was los in der Natur. Und morgens um 5:50 trifft sich unsere Gruppe zur Bootstour. Guide Angelo montiert einen Elektromotor, denn in bestimmte Bereiche darf man nicht mit knatternden Verbrennern rein. Er weist uns Plätze auf dem kleinen Kahn zu, wir sind zu neunt: außer uns noch 2 deutsche und ein schweizer Paar, und eine junge schwedische Familie, also eine unaufgeregte, ruhige Truppe. Das passt zu Angelo, der kein Redenschwinger und Geschichtenerzähler ist, und sehr gemächlich mit 2 km/h dahingleitet, während andere Boote schnell an uns vorbeiziehen und tiefer in die Flüsschen fahren.

Aber hier ist es wie beim Pilzesuchen: wie viel man sieht, hängt nicht von der zurückgelegten Strecke ab, sondern vom aufmerksamen Schauen. Das tun wir, und entdecken einiges. Die Bäume sind hoch, teils sehr alt. Hier wächst eine Mandelbaumart, deren Holz schwerer als Wasser ist. So konnte er früher zu Holzwirtschaftszeiten nicht geflößt werden und blieb stehen. Gut so, denn die Mandeln sind Nahrung für grüne Aras, von denen es weltweit nur noch um die 1000 gibt. Hier dürfen sie ungestört leben, und täglich besuchen sie Tortuguero.

Kaum waren wir über den breiten Kanal, tauchen Delphine auf, Bottle Nose Dolphins! Damit hatten wir hier überhaupt nicht gerechnet. Ein Foto gelingt nicht, uns fehlt der verrückte Jeremy, der Whale Spotter aus Uvita. Nach ein paar Minuten sind sie wieder weg, ein kurzer Genuss. Dann geht es vom breiten Kanal in den Fluss, und das Beobachten beginnt.

Broad-winged Hawk, will einfach nicht hergucken
Green Basilisk, kann auch übers Wasser laufen
Little Blue Heron
Ameisenbär hoch oben in den Bäumen
Yellow-crowned Night Heron
Nochmalnein Jesus Christ Lizard
Kajak wär auch fein gewesen, aber nicht so sicher für die Kameras
Was will uns dieser Reiher mitteilen?
Kaiman
Grüne Aras an der Karibikküste. Am Pazifik leben die roten.

Wir sehen wenig Neues, und stellen fest, dass die Tour in Caño Negro die Messlatte unfassbar hoch gesteckt hat. So genießen wir die Tour, sind aber nicht überwältigt. Es gibt auch einfach nicht so viel zu sehen. Verwöhnt sind wir, ja. Ist ja auch schon der fünfte Nationalpark, den wir besuchen. Durch das ruhige Tempo war es sehr entspannt, wir haben eben nicht Sensationen gejagt, sondern in Ruhe geschaut und auch die große grüne Wand aus botanischem Allerlei genossen.

Danach haben wir Pause, genießen Kaffee in der Hängematte und suchen uns bald was zu essen, stöbern durch den Ort, jagen Obst fürs Frühstück. Gestern war der Tag mit Schauern durchsetzt, heute scheint die Sonne aus fast vollständig blauem Himmel. Die Wege trocknen, die Pfützen verschwinden, Tische werden vor die Läden gestellt und das Dorf lebt merklich auf. In letzter Zeit hat es hier viel geregnet, die Sonne tut gut. Natürlich ist es gleich wieder sehr warm. Ich schreib das mit der vielen Sonnenwärme jetzt nur noch, wenn es drastisch ist, oder ich dich neidisch machen will, der du das vermutlich im nasskalten Februar liest.

Um 14 Uhr treffen wir uns am Eingang des Nationalparks zu der kleinen Wanderung. Angelo bringt ein Spektiv, und ist froh, dass ich mein Schweizer Taschenmesser in den Park geschmuggelt habe, denn so kann ich die Adapterplatte am Stativ festziehen, damit es nicht mehr so wackelt. Messer sind streng verboten, ebenso Einwegflaschen und alles Essbare. Teilweise werden Rucksäcke durchsucht und Leute heimgeschickt. Aber Angelo verpfeift mich heute nicht. Puh.

Wir sehen einen winzigen, sehr giftigen Frosch, knallrot, ein Foto gelingt nicht. Ein Aguti huscht zweimal hinter uns über den Weg, zu schnell. Der Wald ist dicht und sehr dunkel. Aber andere Tiere können wir gut beobachten und fotografieren. Besonders begeistern gleich zwei verschiedene Tukanarten. Und am Ende sehen wir ein Freddy, wie es gerade aus dem Kronendach ins dichtere Blattwerk hinabsteigt, um dort zu übernachten. Woohooo!

Iguana chillt auf dem Baum
Klammeraffe hängt am Schwanz und mampft Grünzeug
Junger Brüllaffe
yellow-throated Tukan
Fliegende Banane, auch als Keel-billed Tukan bekannt
Grauer Basilisk
Freddy!
Was tun, wenn man einem Jaguar gegenübersteht?

Die Tour war schön, wir haben schon wieder viel sehen können. Bald haben wir alles durch. Nur Schlangen fehlen noch gänzlich, dazu rund 600 Vogelarten, jede Menge Insekten, Manatees, und ein Tapir. Ein Tapir wäre wirklich toll! Aber die sind derart selten, dass wir wenig Chancen haben.

Anjas gewissenhafte Buchführung der mit Sicherheit korrekt bestimmten Vögel zählt inzwischen über 170 Arten. Klar, das könnten auch deutlich mehr sein, wenn wir die reinen Ornithologen-Touren buchen und nichts anderes machen würden. Oder Orte gezielt besuchen würden, an denen Vögel angefüttert werden. Aber das machen wir nicht, sondern versuchen, die Vögel weitgehend auf eigene Faust in ihrem natürlichen Lebensraum zu finden. Und da wir komplett ortsfremd sind und hauptsächlich Urlaub machen, ist Anja zufrieden. Wobei es schon schön wäre, die 200 zu knacken, meint sie. Das wird knifflig, aber nicht unmöglich. Hmm. Vielleicht finden wir daheim auf Fotos noch weitere Arten, die wir mit den Augen falsch zugeordnet haben.

Wir entdecken mitten im Ort einen Elephant Beetle, einen gigantischen Käfer mit über 10 cm Körperlänge! Der ist nachtaktiv, schläft jetzt, tankt Sonne. Den würden wir gern mal fliegen sehen. Hirschkäfer sind ja schon urige Brummer, aber wenn dieser hier durch die Nachtluft dröhnt, klirren die Scheiben. Wenn es Scheiben gäbe. Ob ein Fliegengitter dem Stoßzahn standhält?

Wir planen die nächsten Tage. Zur Option steht Poas, ein Vulkan mit giftig qualmendem Krater und Nebelregenwald bei kühleren Temperaturen, dazu nah am Flughafen, also wenig Fahrerei. Allerdings wären wir 3 Nächte im Bergdorf ohne eigenes Auto gefangen, viel wandern kann man dort nicht, und am Kraterrand darf man nur 20 Minuten bleiben, zu giftig sind die Dämpfe.

Oder wir fahren nach Cahuita an der Karibikküste, besuchen dort den Urwald mit seinen vielen Freddies. Zwei Nächte dort, die letzte Nacht dann in der Nähe des Flughafens, wo wir ein paar kulinarische Andenken shoppen können, und ohne jeglichen Stress den Rückflug sicher erreichen. Ja, das klingt gut. Dann geht es am Dienstag also per Boot 3,5 Stunden nach Moin (ja, der Ort heißt wirklich so), von dort mit einem Shuttle nochmal 2 Stunden weiter nacg Cahuita, bleibt der Nachmittag, um den Ort zu erkunden.

Heute essen wir keine Bohnen mit Reis. Auch keinen Reis mit Bohnen, nein. Wir essen Pizza! Und die ist überraschend gut. Wir haben zwar eine Küche, aber selbst kochen ist etwas knifflig. Alle Essensvorräte müssen hier gut verpackt sein, sonst finden Ameisen und Schaben alles, und beißen sich sogar durch Plastik durch. Ameisen finden überall hin. Die Zuckerdose beim Kaffee ist nicht nur zugeschraubt, sondern hat einen eigenen Burggraben: sie steht auf einem Teller voll Wasser. Nur das hilft zuverlässig. Das stete Weiterreisen mit dem Rucksack macht es zudem schwierig. So lassen wir uns bekochen, gehen essen, und schmecken uns durch die hiesige Küche.

Morgen geht’s auf den einzigen Berg der Umgebung, einen alten Vulkanschlot, an dem die Erosion vergebens nagt. Und danach… mal sehen, wie Wetter und Laune sind. Und ob das Wetter hält. In den Bars und Restaurants nebenan spielt wieder Musik, der Bass wummert durch die dünnen Wände. Egal, Schlafenszeit jetzt.

Nach Tortuguero

Samstag 21.02.2026,Tortuguero

Die Frösche hier klingen wie Rauchmelder, denen die Batterie ausgeht. Dazu kommt Heinz, der Gecko, der unser Zimmer bewacht und gelegentlich laitstark schnalzt. Mit Ohrstöpsel geht’s gut, bis ich jäh aus den Träumen gerissen werde, ketzt com Wecker. Zum Glück zu müde zum protestieren, sind wir nur ein paar Minuten später mit den Rucksäcken beladen unterwegs: der große Rucksack auf dem Rücken, der kleine vor der Brust, die Stirnlampe bewahrt uns vor nassen Füßen durch Pfützentapserei.

Der Bus wartet, pünktlich kommt der Fahrer, und los geht’s durch die feuchte Nacht. Es hat knapp 25°C und 314% Luftfeuchtigkeit, die Scheiben beschlagen und Wasser läuft das Glas herab. Wieso hier nicht längst alles verschimmelt ist, muss am Dauerlüften liegen. Für die 25 km brauchen wir ne dreiviertel Stunde und zahllose Stopps. Am Ende ist der Bus halbvoll. Was wollen die ganzen Leute in Tortuguero? Achja, es ist Samstag, und auch Ticos machen Wochenendausflüge.

Das andere Busterminal in Cariari.

In Pavona geht’s auf die Boote, es ist 6 Uhr. Der Anleger ist eine einfache Rampe, die Boote schlank und schnell. Ein cleveres Design der Sitzverteilung sorgt automatisch für brauchbare Gewichtsverteilung. Bei einem so schmalen Boot kommt es schon sehr darauf an, dass keine Seite Überlast hat. So dirigiert der Kapitän ein paar Fahrgäste hin und her, lässt sie Plätze tauschen, bis wir top im Wasser liegen. Haha, Wortspiel! Sorry, ist gerade schon spät.

Bootsanleger in Pavona. Davor ein großer Parkplatz mit den Autos der Bewohner sowie der Besucher von Tortuguero

Dann gibt er Gas, und das Boot, das geschätzt 1,5 m breit und 12 m lang ist, düst mit 25 km/h über den braunen Fluss, in den Dschungel hinein. Der Kapitän weiß offensichtlich, was er tut. Das Boot hat ein sehr spezielles Steuerverhalten. Vor besonders scharfen Biegungen mit fieser Strömung nimmt er fast alle Fahrt raus, stellt das Boot quer, sticht schnell um die Ecke. Ein Drift in Zeitlupe. Und dann wieder Vollgas, auch vorbei an den großen Schildern, die ermahnen, man möge doch nur 15 km/h fahren, damit das Ufer nicht so stark erodiert. Geblitzt werden wir nicht, also Vollgas. Außer einigen Schwärmen weißer Reiher sehen wir nichts, nur grün-bunte Wände, umsonst die Kamera bereitgehalten.

Mitten im Dschungel tauchen plötzlich Anleger auf. Ein Zwischenstopp, dann den langen, breiten Kanal hinunter. Da taucht Tortuguero auf. Ich weiß nicht, was ich mir vorgestellt hatte. Ob ich mir überhaupt etwas vorgestellt hatte. Ich glaube nicht. Aber irgendwie hatte ich was anderes erwartet als betonierte Anleger, ein Dutzend Boote und breite Wellblechdächer über dem Kai. Bunte Häuser verschiedener Bauart, Restaurants mit offenem Obergeschoss und breitem Dach. Ein Funkmast, der mit Palmblättern… nennen wir es: geschmückt ist.

Aber klar, der Ort existiert seit einigen hundert Jahren, hier gab es lange Zeit ein Holzsägewerk, und erst seit ca. 1980 gibt es Strom. In den letzten 50 Jahren kam der Tourismus, inzwischen aus aller Welt. Auch im eigenen Land kennen alle Ticos Tortuguero, und viele waren schon hier. Das geht nur mit der entsprechenden Infrastruktur und vielen Booten, um rund 1000 Gäste am Tag zu befördern, bewirten, beherbergen.

Wir finden unsere Unterkunft, dort steht Kaffee in der Gemeinschaftsküche bereit. Oh, das tut gut. Es ist zwar erst kurz nach 7, aber unser Zimmer ist frei und wir dürfen es beziehen. Nehle, die Gastgeberin, ist vor 16 Jahren hierher ausgewandert und lebt jetzt mit ihren 2 Kindern hier. Die besuchen die Schule im Ort, schließlich ist Schulpflicht, die Alphabetisierungsrate liegt im Land bei 98%. Klappt sogar hier.

Auch ein schöner Kniff: überall im Land ist das Leitungswasser bedenkenlos trinkbar, und dabei sogar weniger gechlort als in USA oder Kanada üblich. Damit braucht niemand Wasser in Plastikflaschen kaufen. Das vermeidet die in vielen Ländern so übliche Schwemme an leeren Plastikflaschen in Landschaft, Gewässern und Meer. Echt clever, der Move.

Wir gönnen uns ein Frühstück, denn das hatten wir heute noch nicht, und uns knurren die Mägen. Anschließend tingeln wir durch den Ort, müssen aber bald wegen Regen zurück. Der dauert nicht lange, so ziehen wir wieder los, diesmal mit Regenschirmen bewaffnet. Aber die Schauer sind kräftig, zwingen uns unter Dächer. So verbringen wir fast den ganzen Tag: raus, nass, wo rein, essen, raus-nass-rein was trinken, raus-nass-rein, Strand,… Und erkunden so das Örtchen.

Frühstück: Gallo Pinto. Das ist Reis mit Bohnen, dazu Spiegelei in würziger Soße. Und Kaffee, klar.
Wird erst abgebaut, wenn…, ja… wann eigentlich?
Der brummt nicht mehr.
Ein Stillleben der Technik. Was will uns der Künstler damit sagen?
Frische Kokosnuss erfrischt
Hallo Karibisches Meer!

Durch das Wetter kommen wir nur wenig zum Fotografieren, aber ein paar neue Vogelarten finden wir auch heute. Dazu den Elephant Beetle, einen der schwersten Käfer überhaupt, und mit 12 cm Körperlänge schwer zu übersehen! Größer als viele Kolibris.

Bratvogel. Äääh… Brachvogel, natürlich!

Es gibt viele Reisegruppen, die von Guides über die Insel geführt werden. Wir versuchen zu flüchten, kommen zum Schildkrötenmuseum der Schutzstation. Die gibt es schon bald 70 Jahre, und wir lernen, dass Tortuguero einer der bedeutendsten Brutplätze für 2 Schildkrötenarten ist. Wegen dieser imposanten Tiere wurde der Nationalpark eingerichtet. Wow.

Schwerlasttransport für Hausbau: Betonröhren und Zement

Anschließend treffen wir Barbara, eine Biologin aus Deutschland, die seit 30 Jahren hier lebt und sich aktiv für das Miteinander von Mensch und Natur einsetzt, derzeit viel für Jaguare. Bei ihr haben wir für morgen eine Tour gebucht: früh morgens mit dem Kajak, nachmittags zu Fuß. Es geht also wieder um 5 Uhr aus den Federn… Nein, kein Federbett hier… Also aus dem Laken.

Von Nehle lassen wir uns ein Restaurant mit karibischen Varianten der hiesigen Kulinarik empfehlen und gehen bald danach auch schon wieder in unsere Bude. Währenddessen beginnt das Dorf zu brummen. Wir wurden vorgewarnt, dass es am Wochenende laut werden kann, und tatsächlich sind viele in Ausgehstimmung, die Bars füllen sich, die Musik wird lauter.

Irgendwie absurd: fernab der Straßen, mitten im Nationalpark, umgeben von Dschungel und Krokodilen, so nah am Schildkrötenbrutstrand – und Menschen essen im Restaurant wie in der Stadt, tanzen zu lauter Musik, trinken Alkohol und flirten und streiten und lachen und feiern in die Nacht. So sind wir Menschen wohl. Oder übel? Oder geht eben so das Miteinander? Ach, ich werde philosophduselig. Wahrscheinlich bin ich einfach müde. Ohrstöpsel for the win, gute Nacht.

Reisetag vom Pazifik Richtung Karibik

Freitag 20.02.2026, Cariari

Okay, der Plan war also: um 6:30 Bus zur Fähre. Und er fährt pünktlich. Die Fähre um 9 nach Puntarenas, auch kein Problem. Dort mit dem Stadtbus zum Terminal, klappt reibungslos. Mit dem großen Bus nach San Jose, nur 10 Minuten Wartezeit. Ein Taxi zu einem anderen Terminal de la Caribe, einwandfrei. Und letztlich mit einem großen Bus bis nach Cariari – da müssen wir mal ne gute Stunde warten, nutzen die Zeit zum Mittagessen, und kommen um kurz nach 5 in Cariari an, beziehen um 17:30 unser Zimmer. Fazit: 6 Verkehrsmittel, 11 Stunden unterwegs, pro Person rund 10 Euro. Und alles gut gelaufen.

Na toll. Worüber soll ich denn jetzt was schreiben?

So klein kann ein Fähranleger sein.
Bin auf der Fahrt kurz rausgeschwommen und hab ein Bild unserer Fähre gemacht
Die Busterminals sind prima
Die großen Busse sind oft recht modern, die meisten haben USB – Ladebuchsen an jedem Sitz.

Busse sind hier essenziell, und sie haben im Straßenverkehr absolute Priorität. Das ist deutlich spürbar. Busfahrer scheinen ein hohes Ansehen zu genießen. Mit dem Gepäck sind wir inzwischen entspannt, es scheint hier wirklich wenig zu passieren. Anfangs war ich noch etwas nervös, wenn der große Rucksack für Stunden im Gepäckraum verschwindet, und an manchem Halt draußen daran herumgewurschtelt wird. Aber ans Gepäck geht nur der Fahrer, so scheint die Regel. Passt also.

San Jose ist die einzige große Stadt, hier gibt es alles, aber woanders gibt es vieles nicht. Hier sind Unternehmen, viel Industrie, große Läden und alles Spezielle. Der Wirtschaftsgürtel zieht sich bis weit vor das Zentrum. Und wenn Leute gestresst und genervt sind, dann am ehesten hier in der Stadt.

Aus San Jose raus führt die Straße mach Nordosten durch die Berge. Es wird nass draußen, und grün. Für eine Stunde sehen wir nichts als grüne Wände rechts und links der breiten Straße. Das Gebirge teilt das Land, die Straße ist Lebensader. Ich frage mich, wie viele Leute die Strecke täglich pendeln müssen, denn in der Hauptstadt gibt es sicherlich mehr Arbeit.

Als wir ankommen, nieselt es nur etwas. Einen halben Kilometer nur laufen wir zu dem großen Hotel, in dessen Rezeption es herzlich und lustig zugeht. Es wird Domino gespielt, und gleich um Geld. Einsatz sind 100 Colones, das sind 17 Cent. Aber es sind Freunde, die hier mit Freude und viel Lachen spielen, keine Spelunke also.

Anja führt die Unterhaltung auf Spanisch, es klappt sehr gut! Das Lernen übers letzte Jahr hat sich wirklich bewährt. Kommt natürlich auch gut an, wenn man mehr als nur „Buenos Dias“ und „Gracias“ sagen kann, so wie ich. So stehe ich daneben und warte auf die Übersetzung, denn ich lerne ja weiter fleißig Norwegisch statt Spanisch 🙂

Abends schaffen wir es, in einem Grillrestaurant etwas vegetarisches zu bestellen, und es ist wirklich lecker. Novum: zum Bier gibt es Gläser. Novum 2: Die Gläser kommen aus dem Gefrierschrank, und Eiswürfel sind auch noch extra drin. Somit bleibt das Cerveza wirklich lange kalt. Bier gibt es hier nur 3 verschiedene: Imperial, Pilsen, Bavaria. Alles ist Pils. Nur manchmal gibt es was anderes von einer lokalen Brauerei. Wir trinken uns auch lieber an Batidos satt und berauschen uns an der Natur.

Dicker Frosch bewacht unsere Zimmertür

Morgen stehen wir noch früher auf. Um 5 Uhr fährt der Bus nach Pavona ins Nirgendwo, von wo die Boote den kleinen Fluss durch den Dschungel nach Portuguero fahren. Dort führt keine Straße hin. Da freu ich mich drauf: ein paar Tage lang kein Motorenlärm. Puh. Also jetzt schnell schlafen, sind ja nur noch 6 Stunden.

Nationalpark Cabo Blanco

Donnerstag 19.02.2026, Montezuma

Es ist noch dunkel, da lassen wir uns aus dem Schlummer klingeln. 5:30 ist es, genau richtig, um in der Morgendämmerung nach Vögeln zu schauen. Der Ort feiert in die Nacht und schläft lang, so ist jetzt alles ruhig. Wir gehen zum breiten Strand, da ist das Licht gut, und wir genießen, so als Bonus, den Sonnenaufgang über dem Meer. Seit wir in Ramberg wohnen, ist das goldene Licht der Sonne nah am Horizont selten geworden, das bringt die Lage im Tal eben mit sich.

Wer übrigens seit Uvita darauf wartet, wie ich versuche, Kokosnüsse zu knacken, der ist bisher genauso enttäuscht wie ich selbst. In den Orten seither gab es keine Kokosnusspalmen, oder nur so wenige, dass auf nichts Brauchbares zu hoffen war. Und hier werden wohl sämtliche Kokosnüsse von Leuten eingesammelt und entweder selbst verspeist, oder teuer an Touris verkauft. Ich zähle auf die Karibik, sonst wird es noch ein paar Jahre dauern, bis ich es endlich ausprobieren kann. Hmpf.

Ein Eichhörnchen hat sich auf die schwankende Stromleitung gewagt und kam einfach nicht schnell weg

Wir frühstücken schnell, denn um 8 Uhr soll der Bus ans Ende der Halbinsel Nicoya fahren. Den wollen wir nehmen, um im ältesten Nationalpark des Landes, dem Cabo Blanco, bis an den Strand zu wandern. Aber es fährt kein Bus, zumindest jetzt nicht. Ein Einheimischer weiẞ das, und bietet uns seinen Fahrservice für wenig Geld an. Dankend nehmen wir an, so fährt uns der alte Luis gemütlich zum Park. Er kennt hier wohl jeden, grüßt jeden und wird gegrüßt. Montezuma ist sein Heimatort, hier hat er sein ganzes Leben verbracht. So zeigt er uns noch ein paar Orte entlang des Weges und erzählt ein bisschen.

Ich les da immer „Bienenvideos“

Nationalparks sind streng bewacht gegen Holzeinschlag, Wilderer, Siedler, Tierhalter. Entsprechend haben sie Öffnungszeiten, staatliches Personal in Uniform, und kosten Eintritt. Das ist gut so, denn so wird das Wirtschaftsmodell des Landes, das seit 1970 zunehmend auf Ökotourismus beruht, überhaupt erst tragbar. Die Ranger nehmen ihren Job ernst, und jeder Besucher muss sich in ein Buch eintragen. Ob das nur für die Vermisstensuche genutzt wird, halte ich für unwahrscheinlich, goffe auf guten User Research.

Diese Ecke der Halbinsel Nicoya ist feuchter, die Luft schwüler. Das verspricht schöne Erlebnisse auf der Wanderung. Und gleich am Anfang des Weges sehen wir eine 10-spurige Ameisenautobahn. So dicht und eng und vielspurig haben wir noch keine Ameisenstraße gesehen!

Kurz danach die ersten Vögel. Dann machen wir etwas Strecke. Es ist ja kurz nach 8 und noch relativ kühl, also nur 30°C, da wollen wir etwas vorankommen und lieber später schlendern und schauen. Der Nationalpark wurde auf private Initiative hin 1963 eingerichtet und der Wald darf seither ungestört wachsen, immerhin schon über 60 Jahre lang. Das sieht man, es ist durchaus wild und vielfältig.

Northern Barred Woodcreeper

Ungewohnt ist, das permanent irgendwo ein welkes Blatt herabfällt und der Boden bedeckt ist mit trockenem Laub – und trotzdem ist der ganze Wald grün. Aber hier hat es ja auch Blüten und Früchte zur selben Zeit am Baum. Permanente Erneuerung über das Jahr hinweg, statt wie bei uns der große Laubabwurf im Herbst.

Wir würden gern den Long-tailed Manakin sehen. Sein eindeutiges Pfeifen ist ständig zu hören. Es tönt weit, wir hören es aus verschiedenen Richtungen, auch mal von ganz nah. Aber zu sehen kriegen wir ihn einfach nicht! Ein Specht mit herrlich rotem Kopf und punkiger Frisur, der Pale-billed Woodpecker, trommelt immer wieder an hohle Bäume, dass es knallt wie Schüsse, immer genau 2 mal.

Pale-billed Woodpecker

Hier stehen tolle Bäume. Überhaupt ist Costa Rica voller toller, uralter Bäume, nicht nur in den Nationalparks. Mangels botanischer Detailkenntnis und wegen akuter Synonymknappheit erspare ich mir ausladende Beschreibungen, die letztlich doch nur münden würden in hohe, dicke, alte, große, breite, wilde, starke, uralte, ururalte, urururalte Bäume. Bäume halt. Find ich toll. Ich lehn mich gern gegen alte Bäume, schließe die Augen, und spüre ins Holz. Und dann werde ich ganz ruhig.

Hier geht das nicht mit allen Bäumen, denn einige sind unfassbar pieksig, und andere giftig. Der Ranger am Eingang ermahnte alle Besucher: „Don’t touch this tree, don’t eat this fruit. It’s poisonous. Don’t touch anything. Everything here is poisonous.“ Alles hier sei giftig. Stimmt natürlich nicht. Aber ich verstehe gut, warum er das tut. Zu viele Menschen glauben, die unberührte Natur müsse ja gut zu uns sein, wenn wir ihr nur mit innerem Frieden begegnen. Diese Naivität wird schnell bestraft, und die Ranger haben die Arbeit. Dann lieber so.

Der Weg ist gut, nur ein bisschen warm. Katrin nimmt später den Bus hierher, Max verbringt den Tag am Strand, so sind Anja und ich zu zweit allein. Wir entdecken, dass Nasenbären klettern können. Und Ameisenbären auch! Einer hängt kopfüber an einem abgestorbenen, abgebrochenen Ast, der nur noch an Lianen hängt und das Heim von Termiten ist. Da hängt das dicke Felltier, mit dem Schwanz in eine Astgabel geklammert, und mit seinen seltsamen Pfoten festgekrallt, und putzt den ganzen Stamm mit seiner schnellen, langen, dünnen Zunge von Termiten frei. Die krabbeln ihm durchs Gesicht, können ihm wohl aber nichts anhaben. Er zerlegt den Ast mit Krallen und Zähnen, dass es staubt, um an die Termitenfüllung zu kommen. Und als er fertig ist, schafft dieses so ungelenk wirkende Bärchen es tatsächlich, sich herumzudrehen und wieder rauf zu klettern, zurück auf lebendiges Geäst. Irre.

Der Wald fühlt sich ein bisschen an wie bei uns daheim, das ist seltsam. Man kann recht weit schauen, auf dem Boden liegt Laub, ein Wanderweg führt hindurch, hohe Bäume und lichter Unterwuchs. Allerdings war’s das an Ähnlichkeit. Keine Pflanze hier wächst bei uns daheim. Hier hängt oft alles voll Lianen, die dickste dicker als mein Oberschenkel. Die Klangkulisse ist komplett anders. Dazu viele Schmetterlinge (2 mal sehen wir heute den Blue Morpho!), einige große Spinnen, dazu Affen und deren Gebrüll. Keinerlei Nadelbäume. Und doch fühle ich zum ersten Mal hier eine Vertrautheit mit dem Wald, kann mir diese aber nicht erklären.

Am Strand rasten wir, denn es ist heiß. Hab ich das schon erwähnt? Falls nicht: boah, ist das heiß! Also was mampfen, trinken, und bald wieder losstapfen. Andere baden hier, es gibt sogar eine Süßwasserdusche, aber danach g sich trocknen lassen und neu mit Sonnencreme einschmieren, dann ist die Abkühlung auch schon wieder verflogen. Lieber später nochmal baden gehen.

Der Strandapfel, der giftigste Baum der Welt! Krass fies. Hat der Ranger nicht ganz unrecht.
Müll wird im Land vermieden. Angespült wird trotzdem viel, hier wie an vielen Orten gut gesammelt.
Ohne Müll is schöner, auch für Menschen.

Katrin holt uns ein, sie trifft uns am Strand. Sie geht ne Runde baden, meint aber danach, Abkühlung ginge anders. Offenbar ist das Wasser hier im Flachbereich über 30°C warm. Zurück gehen wir ein Stück gemeinsam, beobachten zusammen. Aber der Rückweg ist beschwerlich, wir sind überhitzt. Während ich sonst zwar ordentlich am Transpirieren war und am Ende vom Tag sehr klebrig, kann man mich diesmal einfach anhand der Schweißspur verfolgen. So sehen wir denn auch recht wenig. Aber da erspäht Anja doch noch den Manakin, wenn auch nur kurz. Zwar keine Beobachtungsfreude, aber der Lifer zählt.

Termiten gibt es hier sehr viele, auf dem dünnen Ast ist ein Tunnel zum Schutz in Bau.

Wir hören Donner in weiter Ferne, über dem Festland kracht es ordentlich. Bis hierher kommt aber nicht einmal ein Tropfen. Aus dem Park raus, versuchen wir kurzerhand unser Glück per Anhalter. Jedes Auto hält, das dritte fährt bis Montezuma. Nice. Dort gönnen wir uns reichlich Snacks zwecks Elektrolytaufnahme – die beste Entschuldigung, um Chips zu mampfen! In der Hoffnung, einen Bluejay (quasi eine blaue Elster) aus der Nähe zu sehen, gehen wir nebenan im Sano Banano (sic!) einen Batido trinken, denn dort sollen die Bluejays um die Tische hüpfen. Leider kommen die wohl nur zum Frühstück, aber gut geht’s uns trotzdem.

Welches liebe Tierchen imitiere ich hier?

Zum Sonnenuntergang tolle ich noch ein letztes Mal durch die Brandung, während Anja auf sicherem Boden einen Eisvogel erspäht. Abends gehen wir gemeinsam mit der Geburtstagsrunde von gestern, modulo zwo wegen Erkältung, in einer Soda essen. Das ist auch weitgehend der Abschluss des gemeinsamen Urlaubs, denn morgen werden Katrin und Max direkt an die südlichere Karibikküste fahren, während Anja und ich uns auf den Weg nach Tortuguero machen, ziemlich im Norden der Karibikküste.

Entscheidungshilfe bei der Wahl des passenden Bieres

Unser Plan: Morgens um 6:30 fährt (ziemlich sicher) der Bus, dann um 9 die Fähre nach Puntarenas, dort mit dem Stadtbus zum Terminal, großer Bus nach San Jose, Taxi zu einem anderen Terminal, und nochmals mit einem großen Bus bis nach Cariari. Ob das klappt? Und wann wir ankommen werden? Heute hatten wir Abenteuer mit Wildnis, Wandern und Hitze. Morgen folgt Abenteuer mit Infrastruktur, Fahrplänen und Hitze. Es ist schön, zu wissen, dass wir im Zweifel Geld auf das Problem werfen und ein Taxi nehmen können. Aber lieber kaufen wir von dem Geld noch ein paar Andenken oder Kaffee. Es wird jedenfalls spannend. Gute Nacht.

Geburtstag am Strand

Mittwoch 18.02.2026, Montezuma

Ausschlafen, endlich! Aber um 7 sind wir dann doch schon wieder wach. Erstmal Tee. Ohne Tee geht gar nix. Das stellt Anja mal wieder fest, ziemlich betröppelt kommt sie an und fragt, ob man gelöschte Bilder auf einer SD-Karte wiederherstellen kann. Ohje, was war denn da passiert?

Ein Design-Problem mit gravierenden Folgen! Die Nikon P950 hat einen Vogelmodus, da erkennt sie zuverlässig Federviecher und fokussiert brilliant. Da macht man gleich Serienaufnahmen, meist 2-3 Bilder, die werden auch als Bilderstapel angezeigt. Manchmal machen wir in einem anderen Modus einzelne Bilder, zum Beispiel von Landschaft, oder wenn ein Vogel schön stillsitzt. Denn im Vogelmodus gibt’s nur jpeg, in anderen Modi auch RAW, das ist schöner zum Entwickeln in Lightroom. So haben wir viele Bilderserien mit einigen einzelnen Bildern gemischt.

Wenn man die jetzt durchblättert und eine misslungene Bilderserie löschen möchte, dann geht das auf einen Rutsch, ohne dass man jedes einzelne Bild einer Serie löschen muss. Das machen wir häufig. Wenn das aber ein einzelnes Bild ist… Du ahnst es, nicht wahr? Genau! Dann wird mit der selben Aktionsfolge gleich die ganze Speicherkarte geleert! Anja fehlt der erste Tee, und der Automatismus in den Fingern ist nicht aufzuhalten. Auweia. Liebes Nikon-Team, das muss anders gestaltet werden! Anja hatte die Falle voher bereits gewittert, war aber ohne Tee wehrlos gegen diesen Design-Bug.

Also Speicherkarte raus, Schreibschutz rein, andere Karte in die Kamera, und trösten. Und hoffen, dass wir das daheim gerettet kriegen. Ich bin zuversichtlich, dass das klappen wird. Aber spannend wird es dann auf jeden Fall nochmal. Jetzt können wir nichts tun – außer Tee trinken. Der ist schließlich nötig.

Wir geben im Supermarkt ein kleines Vermögen für Obst, Saft und Haferflocken aus, frühstücken selbiges bei uns auf der Veranda, und machen uns los zum nahegelegenen Wasserfall. Der ist tatsächlich hübsch, aber überall hier sind Straßenverkäufer und Werbeschilder (wenn auch handbemalt), und sogar am Wasserfall, nach nem halben Kilometer unwegsamen Pfad bauen die ersten zwei ihre improvisierten Stände auf. Der eine scheint hier auch zu schlafen. Wir baden nicht unter dem Wasserfall, auch wenn wir die ersten hier heute sind, und machen uns bald wieder los, als mehr Menschen kommen.

Catarata

Zurück in unserer Bleibe, machen wir Kaffee. Die hiesige Zubereitung ist denkbar einfach: sehr grob gemahlenes Pulver in heißes Wasser, und nach ein paar Minuten durch eine Stoffsocke abgießen. Entsprechende Halterungen gibt es in jedem Souvenirshop. Klingt einfach, ich mach trotzdem erstmal ne kleine Überschwemmung. Unser Zimmer ist top ausgestattet mit Kaffeebereiter, 2 Tassen, Wasserkocher, Kühlschrank, Kaffeepulver, ein Löffel. Und mit den 4 Kleiderbügeln hat es 4 mehr, als alle bisherigen Unterkünfte zusammen! Die Notwendigkeit, Sachen aufzuhängen, wird oft gnadenlos unterschätzt. Wenn Du ein Gästezimmer oder ein Gästebad hast, dann benutz es am besten mal selbst für ein paar Tage, um zu erleben, was fehlt.

Kaffee geht auch einfach und lecker, ohne Siebträgermaschine

In dem kleinen Montezuma gibt es gar nicht mal so viel zu tun. Ja, wir könnten eine der zahlreich angebotenen Touren buchen, sind aber doch lieber selbstbestimmt unterwegs. Wir beschließen, alle Läden abzuklappern und zu schauen, welche Waren hier feilgeboten werden. Montezuma ist auch bekannt als Montefuma, denn hier wird viel geraucht, allerdings wenig Tabak. Auch am frühen Vormittag ziehen schon dicke Wolken süßlicher Wonne durch die Straßen. Entsprechend gibt es auch Zubehör dafür, dazu einiges an esoterischen Krimskrams, die entsprechend bunten Klamotten, und alles Mögliche trägt als Motiv Tukan, Ara, Kolibri, Schmetterlinge, Affen, Schildkröten, und natürlich Freddy. Freddies gibt’s hier leider gar nicht, die sehen wir hoffentlich in der Karibik wieder. Wir kaufen einen kleinen Tukan aus Holz für Katrin, dazu Postkarten. Mal sehen, wo wir Briefmarken finden.

Milka gibt es hier im Kühlschrank, nur zum sofortigem Verzehr geeignet.
Tüddelkram
Die niedliche Kirche von Montezuma
Die Sache mit den Autos müsste dringend mal gelöst werden. Seufz.
Straßen- und Lebenskünstler

Im Supermarkt decken wir uns mit Snacks ein, dann geh ich endlich mal ins Meer, mit der Brandung raufen. Anja sind die Wellen zu groß, ich genieße es, durch die über mich kippende Wasserwand hindurchzutauchen, auf der anderen Seite auf einmal in der Luft zu hängen und runterzuklatschen. Und nochmal! Yay! Das Wasser hat 29°C, kalt würde mir hier nie, aber vor der Sonne hab ich Respekt, so machen wir uns auf zu Snacktime auf unserer Veranda, und schreiben Postkarten und Blog.

Eidechsen kämpfen im Treibholz ums Revier.

Ein paar Vögelchen gibt es natürlich immer zu sehen, und da wir fast nie ohne Optik bewaffnet aus dem Haus gehen, entstehen fast jeden Tag ein paar Bilder.

Alle Nüsse oben, keine hier unten zum Selberknacken
Tiger Heron
Amazonas Kingfisher
Rufous-backed Wren, ein Zaunkönig so groß wie ne Amsel
Common Squirrel Cockoo
Summer Tanager, das Männchen färbt sich gerade um ins Erwachsenenkleid

Abends sind wir zum Geburtstag bei Katrins Unterkunft. Das war ja Trigger der ganzen Reise. Sie wird heute zum wiederholten Male 19, und hat vor langer Zeit schon geplant, diese Wiederholung hier am Strand zu feiern. „Kommt doch dazu!“ meinte sie neckisch zu Freunden – und einige kommen, wir eben auch. Und wenn wir schon eine Badewanne voll Kerosin verbrennen, um hierher zu kommen, bleiben wir eben etwas länger. Die anderen machen es ganz ähnlich. Also heute Geburtstag, wir sind 12 Leute, stoßen an und genießen, was Katrin in der Küche des Hostels an Essbarem gezaubert hat. Ein gemütlicher Abend.

Später sitzen wir noch zum Abkühlen auf der Veranda, da huscht ein Southern Skunk, ein Stinktier an uns vorbei! Herrlich niedlich, schwarz mit weißen Streifen und riesigem flauschigen Schwanz. Zum Glück war es genauso entspannt wie wir. Melli, die auch Geburtagsgast hier ist, hatte mal ein Stinktier in einer Wildfalle (zwecks Feldforschung), die musste dann entsorgt werden. Also die Falle, nicht Melli. Allein die Beschreibung des Geruchs genügt, um jegliches Risiko zu vermeiden, davon was abzukriegen. Des einen Bäh ist ja oft des anderen Hui, und der Stinktiergestank muss ja eklig für sämtliche potenzielle Feinde sein. Das ist garantiert für niemanden Hui, und für uns Menschen extrem Bäh. Trotzdem niedlich!

Mir fehlt gerade die Ruhe und Zeit, Bilder von unseren Kameras aufs Handy zu bringen, daher gibt’s nur schnöde Handyfotos. Zumindest fürs Erste. Jetzt hab ich die lange Busfahrt genutzt, um doch noch Bilder rüber zu bringen. Ich kann es nicht lassen 🙂

Mach Montezuma

Montag 16.02.2026, Montezuma

Die Kühe haben bald Ruhe gegeben, der Brüllaffe auch. Der Ventilator hat uns wieder die ganze Nacht etwas Luft verschafft, ohne schaffen wir es einfach nicht. Braucht immerhin viel weniger Strom als eine Klimaanlage. Heute stehen wir schon um 5:15 auf, denn gestern war es schon arg hell, als wir an den Steg kommen. Diesmal liegt auch der Hinweg im Dunkeln, so sind wir zwar zeitig da, aber leider nicht die ersten. Ein Paar aus der offiziell buchbaren Unterkunft nahe des Steges hatte den kürzeren Weg und jetzt die Premiumplätze. Aber wir haben eh nicht so wahnsinnig viel Zeit, sei es den beiden also gegönnt.

Die Frösche quaken hier nicht so langgezogen, sondern eher kurz, fast schon klackernd. Es sind so viele, da klingt es fast, als spendeten sie Applaus für die grandiose Show von Vogelschwärmen, Flugshows, Naturparadies und Lichterspiel. Auch die Vögel machen ne Menge Radau, die Enten allen voran. Alles kreischt und ruft, zwitschert und krakehlt. Herrlich. So wird man auch ohne Kaffee wach. Wir beobachten wieder die üblichen Verdächtigen, und dann noch ein schönes Huhn, das im erwachsenen Federkleid herrlich blau leuchtet. Es ist das Purpurhuhn, der Name ist Programm. Es hat sehr große Füße und kann auf schwimmenden Blättern laufen, also Seerosen und dergleichen.

Um 7 sind wir zurück, denn um 8 wollen wir los. Google Maps sagt, wir bräuchten 2h30 bis Puntarenas, wo wir um 11 oder 12 die Fähre kriegen wollen. Wann die genau fährt ist unklar. Also einfach hinne machen und hoffen. Diesmal fahre ich die staubige Piste zurück und hole auf den 30 Kilometern schon einige Minuten auf. Aber Google Maps hat mal wieder recht, wir brauchen die 2h30. Die Autobahn ist teils schon 4-spurig ausgebaut, aber über eine lange Strecke ist gerade Baustelle, da wird sie von einer normalen Landstraße ordentlich verbreitert. Baustelle heißt langsam fahren. Aber wir kommen rechtzeitig nach Puntarenas.

Ein Stopp bei der Apotheke, damit Anja was gegen ihre spontan aufgetretene Bindehautentzündung holen kann (vermutlich wegen des Staubs durch die Kühe), und ein Stopp beim Geldautomaten, von denen es in Montezuma, unserem heutigen Ziel, keine gibt. Dann setze ich die 3 samt Gepäck bei der Fähre ab und bringe das Auto zurück. Die Rückgabe ist problemlos, und der Mitarbeiter bringt mich sogar wieder zur Fähre – perfekter Service von Alamo!

Bäckerei am Fährhafen weckt Heimatgefühle

Jetzt sind wir entspannter und gehen an Bord. Hier verkehren 2 Schiffe im 3-Stunden-Takt und bringen Autos und Menschen auf die Halbinsel Nicoya. Viele Menschen. Auf der Fähre erhoffen wir uns Pelikane und Fregattvögel, sehen davon leider weniger als üblich, Fotos gelingen leider keine. Dafür brüten ein paar Schwalben und ein Taubenpärchen an Bord. Die Schwalben genießen die wilden Winde rund um das fahrende Schiff und segeln weltmeisterlich in wilden Schwüngen und Bögen mal zum Bug, dann zum Heck, dann wird ein Schmetterling aus der Luft gepflückt und zum Nest oben unterm Dach gebracht. Niedlich.

Zweimal sehe ich, wie ein Fischschwarm von Räubern an die Oberfläche gedrückt werden, so dass das Wasser kocht! Mit der Kamera am Anschlag und dem Finger am Trigger warte ich darauf, dass ein Wal herausbricht und den halben Fischschwarm verschlingt – aber es passiert leider nichts dergleichen.

Es ist warm, es sind viele Menschen, und es sind nur 2 Busse, die Cobana und Montezuma fahren. So ist es denn brechend voll im Bus, und heiß. So heiß! Nach ewigen eineinhalb Stunden endlich in Cobana, dort umsteigen in einen noch klapprigeren Bus und eine immer steiler werdende Straße hinab nach Montezuma. Ein bisschen Chaos ist es schon, aber irgendwie klappt doch immer alles: alle kommen an, alle bezahlen ihr Ticket, keine Unfälle, kein wildes Gehupe, alle behalten ihr Gepäck, kein Gedränge. Eigentlich fast besser als bei uns daheim.

In Montezuma haben Max und Katrin eine andere Unterkunft als wir. Unsere ist nur ein paar Meter weiter, so checken wir zügig ein. Wir hatten ohne Klimaanlage gebucht, da wir dachten, nach fast 3 Wochen hätten wir uns ja daran gewöhnt. Nunja. Da die Klima aber pro Nacht zarte 25$ extra kosten soll, kommen wir gern ohne aus. Bisher hat uns eine Nacht zu dritt immer so um die 50$ gekostet, hier ist es etwas teurer. Hier ist alles etwas teurer. Sogar ziemlich teuer.

Im Reiseführer gilt Montezuma noch als Backpacker-Dorf, inzwischen ist es aber sehr touristisch. Es ist klein und gemütlich, ja, aber inzwischen einer dieser offiziellen Geheimtipps, und entsprechend sind alle Preise und das Flair. Hat in Uvita ein Casado von der singenden Köchin in  der Soda nur 1800 Colones (3 €) gekostet, sind es hier schlappe 6500 Colones (11 €)! Ein Batido kostet hier auch 5 €, das ist Rekord. Der Ort ist schon ziemlich durchgentrifiziert, definitiv der teuerste Ort, an dem wir waren. Hoffentlich wird Tortuguero angenehmer. Dort gibt es immerhin kein Gebrumme, da keine Straße dort hinführt.

Aber gemütlich ist der Ort, es wird einiges an Gras konsumiert, so dass vieles sehr entspannt läuft. Da braucht es dann keine deutsche Gehetztheit, nein, da heißt es, in den niedrigsten Gang schalten und das Pura Vida eben so geschehen lassen, wie es gerade geschieht. Wir treffen 2 Geburtstagsgäste von Katrin und Max und Katrin gleich mit dazu, so sitzen wir zu sechst gemütlich in der Bar über dem Strand und genießen den Nachmittag.

Smoothie aus Drachenfrucht. Die irre Farbe sieht man zweimal.

Wir sehen so einige Sonnenbrände auf weißer Haut, einige Strandschönlinge und -linginnen (ist das ein Wort!?), einige Rastas, einige alternative Lebensentwürfe im Stile von Ich-steige-aus-der-Gesellschaft-aus-und-lebe-am-Strand-von-der-Hand-in-den-Mund. Wir sehen (und hören!) viele Touristen auf ATVs, und viele Motorräder. Für die Größe des Ortes sind hier ständig laut brummende Motoren am Start, das trübt das Paradiesgefühl ein wenig. Wir sehen wenig Tiere und Vögel, das ist schade.

Mit M+J gehen wir zusammen Essen. Anja und ich bestellen ein Casado, also Reis mit Bohnen und Zeug dazu, Du weißt schon. Wir bekommen weniger ein Gericht aus Omas traditioneller Küche, als vielmehr ein Gericht aus dem Restaurant vom gelernten Koch. Auch okay, aber nicht das, was wir erwarten. Geschmacklich auch nicht besser, dafür deutlich weniger auf dem Teller. Nunja. Auf dem Heimweg kaufen wir im Supermarkt Chips aus Kochbananen und 2 Bier, und lassen damit den Abend zu zweit auf der Terrasse vor unserem Zimmer ausklingen.

Mir war im großen Reiserucksack eine Wasserflasche halb ausgelaufen, meine Klamotten hatten einen halben Liter Wasser aufgesogen. Die mussten wir in unserem Zimmerchen aufhängen, der Ventilator hat sie weitgehend getrocknet, aber das Zimmer ist jetzt ein Dampfbad. Das ist der große Vorteil einer Klimaanlage hier: man kann Sachen im Zimmer trocknen. Aber es geht, hier wird es nachts kühler, nur 25°C und ziemlich feucht. Der Pazifik hat hier 29 °C, ist also nachts wärmer als die Luft und gibt damit reichlich Feuchtigkeit ab. Wir lassen einfach wieder den Ventilator laufen…