Donnerstag 26.02.2026, San Jose
Den letzten Tag nutzen wir für die inzwischen übliche morgendliche Vogeltour. Um kurz vor 6 klingelt der Wecker, den wir gar nicht brauchen. Die Brüllaffen sind seit einer halben Stunde mit Stimmübungen beschäftigt, und die Vögel beschweren sich lautstark über den Krach. Oder umgekehrt? Egal, wir sind jedenfalls wach. Also los, solange es kühl ist. Frühstück gibt’s danach. Der Bus fährt erst kurz nach Mittag, wir haben also Zeit, um zum Playa Negra zu laufen.
Es ist hier angenehm, tagsüber nur 30°C, nachts etwa 22°C, so sind wir ausgeruht und können morgens laufen. Naja… Wir schleichen, denn es gibt viel zu sehen. Es muss nicht immer gleich der Nationalpark sein. Hier wird heute Müll geholt – ja, Costa Rica ist eines der wenigen Länder hier, die eine funktionierende Müllentsorgung haben. Woanders wird der Müllhaufen hinterm Haus ja einfach angezündet, wenn zu groß, oder eben in den Bach gekippt. Vor dem Plastik gab es in diesen Ländern nur natürliche Verpackungen, da war das kein Problem. Dann wurde Plastik eingeführt, aber keine Entsorgung. Da können die einzelnen Menschen genau gar nichts tun, das ist echt ein Dilemma, aus dem wir als Menschheit schleunigst raus müssen.
Hier also stapeln sich schwarze Müllsäcke an der Straße, und das lockt Geier an. In kleinen Trupps hopsen sie die Straße entlang, ärgern sich gegenseitig, und schauen, wo es was zu holen gibt. Irgendwie schon drollig, diese Geier. Je länger ich sie beobachte, desto schöner finde ich sie. Jaja, der kahle Kopf, Aasfresser, eklig… Nein, das verfliegt mit der Zeit. Sie sind zusammen mit den Grackeln auch ein bisschen Ersatz für Krähen, die es hier gar nicht gibt.




Viel Strand ist nicht mehr da. Eine heftige Hurrikan-Saison hat vor einigen Jahren den meisten Strand vor Cahuita weggespült. Jetzt nagen die Wellen am Festland, sie reichen teils fast an die Straße heran. Ein Haus wird wohl bald vom Meer geschluckt werden. Ein paar Sandsäcke stabilisieren einen Surfer Shop, aber große Schutzmaßnahmen gibt es nicht. Der Ort wird wohl wandern müssen. Der steigende Meeresspiegel hilft da auch nicht bei.



Wir tapern die Straße am Strand Playa Negra mit seinem schwarzen Sand entlang. Die Häuser haben viel Abstand und große Gärten, da sehen wir viele flattrige Federkleider. Ein Specht nimmt eine am Baum hängende Frucht aus. Eine Drossel, der Nationalvogel von Costa Rica, stöbert durch die Vorgärten. Ein Kolibri sammelt die Blüten einer großen Staude ab. Kiskadees bauen ein Nest oben auf nem Strommast. Tangare flirten im Gebüsch. Ein Habicht ruft vom Baum zu uns herab. Das übliche Geschnabel, Gesinge und Geflatter des Morgens, nur eben mit ganz anderen Vögeln. Echt schön!















Nach ner guten Stunde und stolzen 2 km machen wir uns auf den Rückweg. Je langsamer wir waren, desto besser, denn dann gab es viel zu beobachten. Die Sonne steht jetzt um kurz nach 7 schon so hoch, dass wir den Schatten suchen. Heute ist keine Wolke am Himmel. Leider haben wir damit gar nicht gerechnet, sonst hätten wir es bestimmt zum Sonnenaufgang ans Meer geschafft. Nunja. Schlaf ist keine Luxusdroge, sondern war eben auch mal wichtig. Wir schauen noch nach dem Freddy mit Fredchen, und ob der FFF noch aktiv ist. Ist er.

Der kleine Supermarkt im Ort sollte um 7 öffnen, hat um kurz nach 8 noch nicht auf. Pura Vida, das reine Leben. Der Ausdruck der Ticos, der auf alles passt. Wie geht’s? Pura Vida. Hallo… Pura Vida. Wie wars? Pura Vida. Buenas! Pura Vida. Hasta Luego! Pura Vida. Verflixt, der Bus ist schon weg. Pura Vida. Oh dear, that was pretty unfortunate! Pura Vida. Ohmeingott, Du hast ein Bein gebrochen? Pura Vida. Steht auf jedem zweiten Souvenir, wird auf Shirts gedruckt, und wirklich oft gesagt. Verrückt? Pura Vida.

Anja schnippelt Mango und Papaya, und kocht Tee, ich düse zum großen Supermarkt und hole ein paar Haferflocken. In die kommt Osaft. Danach noch nen Kaffee, dann können wir packen gehen. Das ist in ein paar Minuten erledigt, so haben wir doch noch Zeit, bis wir um 11 raus sein müssen. Die Stunde bis zum Bus überbrücken wir mit einem letzten Batido (Anja Ananas, Uwe Maracuja) am Strand.

Das Busterminal ist nicht weit und recht klein, trotzdem gibt es 5 Gates mit klar beschilderten Linien. Wir unterhalten uns mit einem Tico, radebrechen auf Spanisch, eine Niederländerin unterstützt. Dann kommt der Bus, ein ordentlicher Reisebus mit Klimaanlage. Gut so, denn wir fahren 4,5 h bis San Jose. In Limon ein Zwischenstopp an einem größeren Terminal, dort kaufen wir eine Empanada, eine lecker gefüllte Teigtasche. Dann hupt der Bus bald, es geht weiter.


Wieder schrauben wir uns über den 1600 Meter hohen Pass, diesmal aber ohne Regen. Die Berge sind steil, dicht bewaldet. Hier wohnt niemand, es gibt keine Straßen, nicht einmal Forstwege, also auch keine Forstwirtschaft. Urwald um uns herum. In den Bergen waren wir wenig gewesen. Schade. Das nächste Mal würden wir hier mehr Zeit verbringen, auch wenn es dort öfter nasskalt ist. Da gibt es mehr endemische Vögel, also solche, die nur hier zuhause sind.

Da es die einzige Straße ist, und dazu noch steil, geht es langsam voran. Aber es geht, und der zähe Verkehr ist wohl normal, denn wir kommen pünktlich in San Jose an. Das ist gut, denn in dem Viertel, in dem unser Bus sein Terminal ansteuert, sollte man im Dunkeln nicht draußen herumlaufen. Die Gegend sieht nicht so super aus. An der Bustür warten auch schon einige Taxifahrer. Anja findet einen für uns, und der ist offenbar Profi, rauscht nur so durch die Stadt und weiß den Verkehr zu nehmen. Perfekt. Irgendwas quietscht, aber ob das die Reifen sind, oder Anja auf dem Rücksitz, weiß ich nicht (Anja meint das waren die Reifen)
Wir kommen etwas erschöpft, aber entspannt im Backpackers Costa Rica an, in dem wir die ersten Nächte verbracht haben. Bewusst haben wir uns hierfür entschieden, um den Kreis zu schließen. Wir haben ein ruhiges, kleines, günstiges Zimmerchen mit Stockbett für uns. Allerdings wackelt alles, wenn der Zug laut pfeifend die unbeschrankten Bahnübergänge quert. Da war doch was. Also Ohrstöpsel, passt schon.

Das Hostel empfand ich vor knapp 4 Wochen als ziemlich heruntergekommen, improvisiert und dreckig. Alles fand ich angeranzt, halb kaputt, abgenutzt. Der Geruch war auch eigenartig, wenn auch nicht lästig. Seither waren wir in nem guten Dutzend anderen Unterkünften, und haben 2-3 Dutzend Restaurants gesehen. Tja. Was soll ich sagen?
Jetzt erlebe ich das Backpackers Costa Rica als absolut super organisiert, hervorragend sauber, alles funktioniert – halb kaputt ist eben auch halb ganz. So ändert es sich in kurzer Zeit. Und jetzt bin ich wirklich gespannt, wie ich unser schönes kleines Häuschen empfinden werde. Ich muss dazusagen, dass wir nicht in teuren Lodges umd Hotels gewohnt haben. Die Nacht hat pro Person meist um die 15 – 20 € gekostet. Teurer und edler geht natürlich immer. Das Backpackers heute kostet nur 10 € pro Person und Nacht.
Okay, das Casado zum Abendessen finde ich jetzt doch nicht so gut wie beim ersten Aufenthalt. Da haben so einige Sodas die Messlatte hoch gesteckt. Viele sagen, man fährt nicht wegen des Essens hierher. Wir haben da jetzt eine eigene Meinung aufbauen können: Zwar gibt es viel reifes Obst, allerings kaum Vielfalt oder Unbekanntes. Es gibt oft Reis mit Bohnen in Varianten, dafür aber es ist fast immer lecker, und es variiert im Detail. Zu Fleischgerichten können wir uns keine Meinung erlauben, wir haben uns ausschließlich vegetarisch ernährt. Dies war aber auch kein Problem, da gibt es andere Länder, in denen man nicht in jedem kleinen Restaurant eine vollwertige vegetarische Mahlzeit findet. Die Batidos rocken so richtig. Und Kaffee gibt’s immer und reichlich. Ich empfinde es als keine kulinarische Erlebnisreise, aber eben auch nicht als Einschränkung oder Verzicht. Gallo Pinto zum Frühstück und Casado sonst am Tag würde ich jederzeit wieder gerne essen. Nur… vielleicht nicht im Backpackers Costa Rica.
Ich hatte überlegt, ein Best-of von Elektro- und Wasserinstallationen zu erstellen. Ich habe darauf verzichtet, denn es wäre ein Herabschauen auf den Lebensstandard in einem Land, das so viel richtig macht. Das will ich nicht. Letztlich hat jede noch so wackelige Steckdose funktioniert, wir hatten keinen Stromausfall. Wasserhähne gibt es eben in verschiedenen Bauweisen, ich stand schon mal in den USA ratlos in der Dusche und hab nicht kapiert, wie ich das Wasser zum Laufen bringen soll. Und jegliches Leitungswasser war trinkbar, besser als vielerorts in USA und Kanada. Die Straßen brauchen öfter mal robustere Autos, aber sie werden instand gehalten. Busse und Fähren fahren zuverlässig.
Da will ich nicht aus dem over-engineered Deutschland kommen und aufzeigen, wo man überall was besser machen könnte. Das ist eh so ne typisch deutsche Sache: immer was finden, was nicht perfekt ist. Klar macht uns genau dies zu den perfekten Ingenieuren, aber es vermiest uns ebenso den Genuss an dem, was eben da ist und funktioniert. Mehr Pura Vida würde uns in Deutschland definitiv gut tun.






















































































































































































