Mach Montezuma

Montag 16.02.2026, Montezuma

Die Kühe haben bald Ruhe gegeben, der Brüllaffe auch. Der Ventilator hat uns wieder die ganze Nacht etwas Luft verschafft, ohne schaffen wir es einfach nicht. Braucht immerhin viel weniger Strom als eine Klimaanlage. Heute stehen wir schon um 5:15 auf, denn gestern war es schon arg hell, als wir an den Steg kommen. Diesmal liegt auch der Hinweg im Dunkeln, so sind wir zwar zeitig da, aber leider nicht die ersten. Ein Paar aus der offiziell buchbaren Unterkunft nahe des Steges hatte den kürzeren Weg und jetzt die Premiumplätze. Aber wir haben eh nicht so wahnsinnig viel Zeit, sei es den beiden also gegönnt.

Die Frösche quaken hier nicht so langgezogen, sondern eher kurz, fast schon klackernd. Es sind so viele, da klingt es fast, als spendeten sie Applaus für die grandiose Show von Vogelschwärmen, Flugshows, Naturparadies und Lichterspiel. Auch die Vögel machen ne Menge Radau, die Enten allen voran. Alles kreischt und ruft, zwitschert und krakehlt. Herrlich. So wird man auch ohne Kaffee wach. Wir beobachten wieder die üblichen Verdächtigen, und dann noch ein schönes Huhn, das im erwachsenen Federkleid herrlich blau leuchtet. Es ist das Purpurhuhn, der Name ist Programm. Es hat sehr große Füße und kann auf schwimmenden Blättern laufen, also Seerosen und dergleichen.

Um 7 sind wir zurück, denn um 8 wollen wir los. Google Maps sagt, wir bräuchten 2h30 bis Puntarenas, wo wir um 11 oder 12 die Fähre kriegen wollen. Wann die genau fährt ist unklar. Also einfach hinne machen und hoffen. Diesmal fahre ich die staubige Piste zurück und hole auf den 30 Kilometern schon einige Minuten auf. Aber Google Maps hat mal wieder recht, wir brauchen die 2h30. Die Autobahn ist teils schon 4-spurig ausgebaut, aber über eine lange Strecke ist gerade Baustelle, da wird sie von einer normalen Landstraße ordentlich verbreitert. Baustelle heißt langsam fahren. Aber wir kommen rechtzeitig nach Puntarenas.

Ein Stopp bei der Apotheke, damit Anja was gegen ihre spontan aufgetretene Bindehautentzündung holen kann (vermutlich wegen des Staubs durch die Kühe), und ein Stopp beim Geldautomaten, von denen es in Montezuma, unserem heutigen Ziel, keine gibt. Dann setze ich die 3 samt Gepäck bei der Fähre ab und bringe das Auto zurück. Die Rückgabe ist problemlos, und der Mitarbeiter bringt mich sogar wieder zur Fähre – perfekter Service von Alamo!

Bäckerei am Fährhafen weckt Heimatgefühle

Jetzt sind wir entspannter und gehen an Bord. Hier verkehren 2 Schiffe im 3-Stunden-Takt und bringen Autos und Menschen auf die Halbinsel Nicoya. Viele Menschen. Auf der Fähre erhoffen wir uns Pelikane und Fregattvögel, sehen davon leider weniger als üblich, Fotos gelingen leider keine. Dafür brüten ein paar Schwalben und ein Taubenpärchen an Bord. Die Schwalben genießen die wilden Winde rund um das fahrende Schiff und segeln weltmeisterlich in wilden Schwüngen und Bögen mal zum Bug, dann zum Heck, dann wird ein Schmetterling aus der Luft gepflückt und zum Nest oben unterm Dach gebracht. Niedlich.

Zweimal sehe ich, wie ein Fischschwarm von Räubern an die Oberfläche gedrückt werden, so dass das Wasser kocht! Mit der Kamera am Anschlag und dem Finger am Trigger warte ich darauf, dass ein Wal herausbricht und den halben Fischschwarm verschlingt – aber es passiert leider nichts dergleichen.

Es ist warm, es sind viele Menschen, und es sind nur 2 Busse, die Cobana und Montezuma fahren. So ist es denn brechend voll im Bus, und heiß. So heiß! Nach ewigen eineinhalb Stunden endlich in Cobana, dort umsteigen in einen noch klapprigeren Bus und eine immer steiler werdende Straße hinab nach Montezuma. Ein bisschen Chaos ist es schon, aber irgendwie klappt doch immer alles: alle kommen an, alle bezahlen ihr Ticket, keine Unfälle, kein wildes Gehupe, alle behalten ihr Gepäck, kein Gedränge. Eigentlich fast besser als bei uns daheim.

In Montezuma haben Max und Katrin eine andere Unterkunft als wir. Unsere ist nur ein paar Meter weiter, so checken wir zügig ein. Wir hatten ohne Klimaanlage gebucht, da wir dachten, nach fast 3 Wochen hätten wir uns ja daran gewöhnt. Nunja. Da die Klima aber pro Nacht zarte 25$ extra kosten soll, kommen wir gern ohne aus. Bisher hat uns eine Nacht zu dritt immer so um die 50$ gekostet, hier ist es etwas teurer. Hier ist alles etwas teurer. Sogar ziemlich teuer.

Im Reiseführer gilt Montezuma noch als Backpacker-Dorf, inzwischen ist es aber sehr touristisch. Es ist klein und gemütlich, ja, aber inzwischen einer dieser offiziellen Geheimtipps, und entsprechend sind alle Preise und das Flair. Hat in Uvita ein Casado von der singenden Köchin in  der Soda nur 1800 Colones (3 €) gekostet, sind es hier schlappe 6500 Colones (11 €)! Ein Batido kostet hier auch 5 €, das ist Rekord. Der Ort ist schon ziemlich durchgentrifiziert, definitiv der teuerste Ort, an dem wir waren. Hoffentlich wird Tortuguero angenehmer. Dort gibt es immerhin kein Gebrumme, da keine Straße dort hinführt.

Aber gemütlich ist der Ort, es wird einiges an Gras konsumiert, so dass vieles sehr entspannt läuft. Da braucht es dann keine deutsche Gehetztheit, nein, da heißt es, in den niedrigsten Gang schalten und das Pura Vida eben so geschehen lassen, wie es gerade geschieht. Wir treffen 2 Geburtstagsgäste von Katrin und Max und Katrin gleich mit dazu, so sitzen wir zu sechst gemütlich in der Bar über dem Strand und genießen den Nachmittag.

Smoothie aus Drachenfrucht. Die irre Farbe sieht man zweimal.

Wir sehen so einige Sonnenbrände auf weißer Haut, einige Strandschönlinge und -linginnen (ist das ein Wort!?), einige Rastas, einige alternative Lebensentwürfe im Stile von Ich-steige-aus-der-Gesellschaft-aus-und-lebe-am-Strand-von-der-Hand-in-den-Mund. Wir sehen (und hören!) viele Touristen auf ATVs, und viele Motorräder. Für die Größe des Ortes sind hier ständig laut brummende Motoren am Start, das trübt das Paradiesgefühl ein wenig. Wir sehen wenig Tiere und Vögel, das ist schade.

Mit M+J gehen wir zusammen Essen. Anja und ich bestellen ein Casado, also Reis mit Bohnen und Zeug dazu, Du weißt schon. Wir bekommen weniger ein Gericht aus Omas traditioneller Küche, als vielmehr ein Gericht aus dem Restaurant vom gelernten Koch. Auch okay, aber nicht das, was wir erwarten. Geschmacklich auch nicht besser, dafür deutlich weniger auf dem Teller. Nunja. Auf dem Heimweg kaufen wir im Supermarkt Chips aus Kochbananen und 2 Bier, und lassen damit den Abend zu zweit auf der Terrasse vor unserem Zimmer ausklingen.

Mir war im großen Reiserucksack eine Wasserflasche halb ausgelaufen, meine Klamotten hatten einen halben Liter Wasser aufgesogen. Die mussten wir in unserem Zimmerchen aufhängen, der Ventilator hat sie weitgehend getrocknet, aber das Zimmer ist jetzt ein Dampfbad. Das ist der große Vorteil einer Klimaanlage hier: man kann Sachen im Zimmer trocknen. Aber es geht, hier wird es nachts kühler, nur 25°C und ziemlich feucht. Der Pazifik hat hier 29 °C, ist also nachts wärmer als die Luft und gibt damit reichlich Feuchtigkeit ab. Wir lassen einfach wieder den Ventilator laufen…

Palo Verde, Tag 2

Sonntag, 15.02.2026, Palo Verde

Stockduster ist es, da klingelt der Wecker. Ich bin aber auch angenehm ausgeschlafen, und ich glaube, mich hat  nachts nichts gebissen. Zudecken ist übrigens nicht nötig. Einfach auf sie Matratze legen, den Ventilator laufen lassen, und irgendwann einschlafen. Aber jetzt: los geht’s, dem Sonnenaufgang entgegen!

Anja und ich laufen den Kilometer zum Steg, und bis wir da sind, ist es fast schon taghell. Gleich geht die Sonne auf… gleeeeeiiich… Plopp! Und schon ist es Tag. Aber das Spektakel läuft, nämlich überall um uns herum. Frösche quaken laut, alle Enten begrüßen den Morgen, Schwärme fliegen mal hier rüber, dann doch lieber wieder dort rüber. In der Ferne sind Schwärme von Reihern. Schwärme! Ein Greif sitzt auf einem einsamen Pfosten, der ernährt sich aber von Schnecken, die Enten brauchen hier nichts zu befürchten. Wir bleiben über eine Stunde und sehen mehrere Reiherarten, Muskatenten, Jacana, Wood Stork, Limpkin, Rosa Löffler, Fischadler, und abertausende schwarzbäuchige Pfeifenten.

Ich fotografiere hier mit einem wilden Mix. Vieles entsteht mit meinem Fairphone 5. Auf der Nikon D750 habe ich das einfache 70-300 mm f4,5-5,6. Das ist für sein Gewicht optisch ziemlich gut. Klar fehlt Licht, aber vor allem nervt der langsame Autofokus. Mit 300 mm geht zwar schon einiges, aber in dem weiten Sumpfland ist es nur hilfeeich, wenn was Großes über uns hinwegfliegt, wie zum Beispiel ein rosa Löffler. Für alles, was weiter weg ist, kommt Anjas neue Nikon Coolpix P950 zum Einsatz. Der Chip ist winzig, aber die 2000 mm kombiniert mit der hervorragenden Bildstabilisierung sind der Hammer für alles, was sich nicht bewegt.

Alles statische in weiter Ferne rockt die P950
Fliegendes geht nur mit der D750

Der Rückweg zum Frühstück gestaltet sich langwierig, da wir noch mehr entdecken: einen Specht mit seiner Höhle, einen riesigen Zaunkönig namens Rufous-backed Wren, viele Inkatäubchen und andere Tauben, und so weiter. Ein Aguti rennt unter dem Mangobaum rum, und ein Nasenbär sagt auch hallo. Also… buenos dias – Deutsch kann der gar nicht, klar. Ein Mangobaum ist besonders groß, den hätte ich so gern daheim im Garten, mit dem passenden Gewächshaus drum herum!

In der großen Küche, die wir ganz für uns haben, schnippeln wir uns frisches Obst, machen Tee und futtern, als es draußen plötzlich laut wird. Vor der Station ist ein Bereich eingezäunt, offenbar für Rinder, und die werden jetzt von Cowboys auf Pferden lautstark eingetrieben. Ein paar hundert Kühe kommen zusammen, alle sehr hell, mit großen Hörnern, sehr tiefen Stimmen. Der Tag wird arbeitssam für die Cowboys: die Jungtiere werden zu Pferde aus der Herde gelöst, mit dem Lasso gefangen, auf die Seite gelegt, dann bekommen sie ein Brandzeichen. Es sind viele, und sie brauchen bis spät in den Nachmittag.

Natürlich gibt es viel Muuuh, viel Staub, viel Mief. Aber das Spektakel ist sehenswert, und das Handwerk der Cowboys beachtlich! Ganz fertig werden sie heute nicht, machen erst abends um 7 Feierabend, es ist natürlich bereits dunkel. Das passt bei mir übrigens nicht zusammen: diese Temperaturen und so früh dunkel.

Wir sind aber noch am Vormittag, Anja und ich gehen wandern. Naja, „wandern“ will ich es gar nicht nennen, denn es sind nur knapp 5 km und 200 hm, durch die 35°C wird es aber mächtig anstrengend. Der Weg führt durch den Trockenwald, Laub bedeckt den von vulkanischem Gestein geprägten Weg. Sogar Pilze vergammeln nicht, sondern vertrocknen und bleiben liegen. Vögel sehen wir keine, dafür Pecari, den Wildschweinersatz. Duften tun sie auch ganz ähnlich. Das meinte bereits Guide Christian im Corcovado: man riecht sie erst und sieht sie dann. Oben gibt es eine wunderschöne Aussicht über das Sumpfland und den Fluss. Das Vulkangestein ist pieksig, wir suchen 2 glattere Stellen im Schatten und ruhen aus.

Ein Vögelchen komnt neugierig und hüpft uns regelrecht um die Köpfe!

Wir machen uns an den Abstieg, werden gnatschig, weil warm. Und Sonne. Der Wald ist echt tot zu der Tageszeit. Aber halt, da duftet es doch… Und es raschelt… Und da sind sie, die Pecari! Ein Rudel schleicht durchs Gestrüpp – eben genau wie Wildschweine. Das Letzte schaut uns argwöhnisch an, mir gelingt ein Schnappschuss, dann sind sie weg. Und wir endlich wieder an der Station. Zeit für Siesta.

Eidechsen waren natürlich unterwegs, die Iguanas sind auch fröhlich draußen, lungern auf der Straße herum, auch um die Station sind sie aktiv. Eines ist auf dem Vordach aus Wellblech, das holpert ganz schön. Oh, apropos holpern: daheim hat ja einer unserer cleveren Vorbesitzer ein großes Blechdach unter den großen Kastanienbaum gebaut, so dass es im Oktober immer reichlich rumpelt. Hier hat jemand ein Blechdach unter einen Mangobaum gebaut. Auch Mangos fallen herunter. Aber Mangos sind größer und schwerer als Kastanien. In der Stille der Siesta donnert es gar gewaltig!

Wir vertüddeln den Mittag. Katrin meint: „Einfach so dasitzen und dabei schwitzen, genau so ist es wunderschön!“ Ich kann das auch nach über 2 Wochen so noch nicht nachfühlen. Schwitzen selbst ist nicht das Problem. Aber zu heiß, und ich werd blöd, also richtig dumm, wie mit Fieber, und das mag ich gar nicht. Zudem bewege ich mich gern, dabei schwitze ich auch gern. Nur ist durch die Hitze meine Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt: normales Wandern, und man kann mich anhand der Schweißspur auf dem Boden verfolgen. Und dann hab ich ganz schnell keine Lust mehr. Zudem sind Muskeln in ihrer Leistung stark eingeschränkt, wenn es zu warm wird. Das mag ich auch nicht.

Wir sehen hier Dinge, die gibt es eben nur bei Hitze, und diese Dinge sind wunderschön. Der Preis ist für mich aber durchaus hoch. Auch ist die Sonne der permanente Feind, vor dem es sich zu verstecken gilt. So schmieren wir uns für den Sonnenauf- und Untergang gleich mit 2 Schichten Chemie ein: Sonnenschutz und Insektenschutz. Woanders kann ich mich mit Klamotten schützen, hier ist es dafür zu heiß. Eine Natur, in der ich ohne chemische Schutzschichten körperlich versehrt werde, ist mir vielleicht ein bisschen zu arg. Immerhin, körperlich verkrafte ich es, und Anja mag meine kühlen Unterarme, die permanent transpirieren und Wärme abführen. Nun, ein Fazit soll es noch nicht sein, aber eine Zwischenfeststellung, so dass ich es selbst nicht vergesse.

Nachmittags raffen Anja und ich uns auf, wir wollen noch einen Wanderweg wagen. Morgen fahren wir weiter, also ist jetzt die letzte Gelegenheit dafür. Wie lang kann man für 2km schon brauchen? Wir verabreden uns mit Max und Katrin zum Sonnenuntergang am Steg und marschieren los. Nach Kapuzineräffchen sehen wir Brüllaffen, Pecari, Aguti, dazu Great Curassow (unmöglich zu fotografieren, immer im Gestrüpp). Es geht bergan, und sehr bald haben wir einfach keine Lust mehr. Umkehren ist aber auch keine Option, also los, durch.

Neben dem breiten Sumpfland, durch das der Fluss führt, ragt eine lange Kante aus vulkanischem Gestein auf, gut 200 Meter hoch. Wir sind dahinter und fast ganz oben, ein Abstecher führt zu einem Aussichtspunkt. Anja mag nicht, der Weg ist auch fies, ich düse alleine rauf – und werde belohnt mit einer tollen Sicht im goldgelben Licht der späten Nachmittagssonne. Wow. Aber keine Zeit, die Sonne wird ja bald wieder abgeschaltet.

Durch staubtrockenes Laub, das scharfkantige Steine überdeckt, arbeiten wir uns steil bergab, da dringt ein lustiges Rufen zu uns: zwei Gelbnackenamazonen spielen im Geäst und rufen amüsant. Genießen können wir es kaum, zu heiß, keine Nerven. Schade. Lifer, und keine Nerven. Als wir zum Steg kommen, macht die Sonne gerade Plopp, und das Licht geht aus. Etwas über eine Stunde für 2 popelige Kilometer. Das dürfte Schneckenrekord für uns sein.

Katrin und Max hatten das Auto genommen, fahren zurück. Anja und ich laufen, denn auf der Straße sitzen jetzt im fast-Dunkeln Nachtschwalben. Früher hießen sie Ziegenmelker, aber so wie Raubvögel heute Greifvögel heißen, wurden auch Ziegenmelker umbenannt. Raubvögel rauben nicht, und Ziegenmelker melken keine Ziegen. Nachtschwalbe klingt schöner. Und sie klingen schön, lassen ganz zarte Töne durch die frühe Nacht schweben, und das ist gut so, so können wir feststellen, welche Art es genau ist.

Bei der Unterkunft kochen wir, heute gibt es Nudeln mit Tomatensoße. Nach 2 Wochen ist das eine willkommene Abwechslung zu Reis mit Bohnen. Auf dem Weg zum Bad sehe ich zum ersten Mal im Leben einen Skorpion in freier Wildbahn. Daneben eine Geißelspinne. Etwas weiter ein gigantisches Panzerinsekt, das aussieht wie eine laufende Festung, 5 cm lang und 2-3 cm breit. Und das Gras guckt mit funkelnden Augen zurück. Ein Brüllaffe hat es sich in der Nähe der Toiletten (und unseres Zimmers) eine Nachtstatt gesucht und brüllt noch genüsslich in die frische Nacht hinein. Schlafen? Ja, irgendwann dann bestimmt auch mal. Danke, Haus und Dach. Danke, Türen und Boden. Danke, Moskitonetze.

In den Palo Verde

Sonntag, 15.02.2026, Palo Verde

Was haben Brüllaffen und Hähne gemeinsam? Genau: im ersten Morgengrauen bemühen sich beide nach Leibeskräften, uns wach zu kriegen. Und es gelingt ihnen ganz gut. Aber wir wollen ja eh früh raus, denn um 8 Uhr öffnet der Nationalpark Palo Verde seine Tore, und wir wollen dort heute schon den Tag verbringen. Aber zuerst jagt Uwe Kekse, und Katrin Bananen – so hat ein jedes seine Prioritäten.

Die Fahrt ist nicht weit, dauert aber doch etwas. Anja fährt, wir sind im trockenen Weideland angekommen, durchsetzt mit einzelnen Büschen und Bäumen. Da gibt es ganz andere Vogelarten, und da kann man ja nicht die ganze Zeit auf die Straße gucken! Ihre geübten Orni-Augen zahlen sich aus, wir entdecken den Scherenschwanz-Königstyrann! Nein, kein fieser Diktator, sondern ein zauberhübsches Vögelchen mit eleganten Schwanzfedern, und der Titelvogel des Gesellschaftsspiels „Flügelschlag“, das wir daheim gern spielen. Der ist für uns eine ganz besondere Entdeckung.

Ansonsten sehen wir noch ein paar Papageien und Zuckerrohrplantagen. Bald sind wir am Nationalpark, und kaum sind wir durch den Zaun, läuft eine Bande Nasenbären über die Straße! Max ist fasziniert, wir 3 haben hingegen schon einige gesehen und genießen genüsslich die Parade, wie die Schnüffelrudis meist mit hoch erhobenem Schwanz einzeln oder zu zweit die breite Straße queren.

Nasenbären im Gallop
Warm und trocken und warm. Waldbrandgefahr ist durchaus gegeben.

Auf der Ranger Station kann man irgendwie gar nicht mehr übernachten, zumindest nicht so einfach. Katrin hat es trotzdem hinbekommen – wie, das kann sie selbst nicht sagen. So ist denn auch niemand sonst hier, auch die Ranger sind unterwegs. Oder daheim? Ist ja schließlich Sonntag. Es ist 9 Uhr und schon ziemlich warm, knapp über 30°C. Wir warten etwas, Katrin versucht jemanden zu kontaktieren, aber nichts passiert. Anja und ich spazieren zum nahegelegenen Steg, der in das Feuchtgebiet hineinragt, um nach Vögelchen zu schauen, während Max und Katrin gemütlich im Schaukelstuhl die Stellung halten. Auf dem Kilometer zum Steg begegnen wir direkt Kapuzineraffen und Brüllaffen, die sich in den Mangobäumen genüsslich tun.

Das Gästehaus der Ranger Station
Kapuzineraffen im Mangobaum
Reminiszenz an Pippi Langstrumpf
Dazu ein Brüllaffe
Okay, Badesachen haben wir wohl umsonst mit hierher gebracht.
Black-bellied Whistling Duck
Great Blue Heron

Bald findet sich jemand, die beiden bringen das Gepäck in die Zimmer, und den Mampf in den Kühlschrank, und sind auch frei. Max ist von der Anreise noch ziemlich fix und alle, und chillt sich erstmal in seinen wohlverdienten Urlaub hinein, während Katrin zu uns an den Steg kommt. Im matschigen, mit viel Grün durchwachsenen Nass tummeln sich abertausende Enten, hunderte Reiher, und noch einiges mehr. Später mehr dazu.

Überall entlang der Straße sitzen diese kleinen süßen Inkatäubchen.

Wir haben einen groben Überblick und kehren zurück, um uns für die 2 Tage und Nächte hier einzurichten. Dann folgt genüssliches Frühstücken, dicht gefolgt von einer längeren Siesta, durchsetzt mit Snacks. So kann man die heißen Mittagsstunden ganz gut rumbringen. Aber ganz ehrlich: wenn man nur dasitzt und nichts tut, und trotzdem schwitzt… dann stimmt doch echt was nicht! Da muss man doch was tun! Ja, zum Beispiel einen Eiskaffee, der tut gut. Süß, kalt, Koffein, das hilft tatsächlich.

Ein 6-Bett Zimmer zu zweit, Luxus!

Nachmittags machen wir uns los zum Fluss. Kühler ist es noch nicht geworden, und so schlurfen wir langsam die 2 Kilometer auf der Straße entlang. Max und ich lachen viel, so etwa die Hälfte unseres Humors resoniert. Yay!

Hier gibt es verbrannte Touristen. Nein, nicht uns. Das sind Bäume, die in der Trockenzeit ihr Laub abwerfen, aber um nicht auf Photosynthese verzichten zu müssen, werfen sie auch gleich die äußere Haut ihrer Rinde ab, worunter ein grüner Stamm zum Vorschein kommt. Damit sammeln sie Energie bis die Regenzeit Wasser bringt und sie neue Blätter austreiben. Am Fluss ist es auch nicht kühler, aber spannender. Wir erblicken auf Anhieb 3  Krokodile, später noch mehr. Und irgendwann treibt auf der anderen Uferseite der Großvati aller Krokos vorbei, ein wahres Monster! Wow.

Für Fahrten durch das matschige Nass, Landschaftspflege im Sumpfland.
Ein verbrannter Tourist. Nein, nicht meine Waden, sondern ein Baum mit Trockenzeittrick.
Trockenwald sieht schon ein bisschen anders aus als Regenwald.
Der Fluss Rio Tempisque
Wir zählen auf Anhieb 3 Krokodile. Ohne Fernglas.

Zwischendurch werden doch immer wieder Vögelchen beobachtet. An einer Stelle sind dutzende Geier, die räumen da vermutlich gerade was auf. Geier sind hier ohnehin immer in der Luft. Da gibt es bei uns nichts Vergleichbares. Sie kreisen in oft niedrigen Höhen in der Thermik und suchen nach frischem oder gar-nicht-mehr-so-frischem Futter. Gut, dass es sie gibt, so wird zeitig weggeräumt, was sonst gammeln und Krankheiten verbreiten würde.

Zurück an der Station sind wir gebraten, ziemlich gut durch. Erst eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang geht es nochmal los, um auf einen kleinen Felsen raufzusteigen. 5 Minuten mit dem Auto, dann 10 Minuten zu Fuß, und wir haben eine tolle Rundumsicht über die Landschaft: vor uns das Sumpfland und der Fluss, dahinter die Halbinsel Nicoya mit bis zu 900 m hohen Bergen; hinter uns die Vulkane und dazwischen Wald und Pampa. Die Sonne stürzt wieder dem Horizont entgegen, lässt die Windräder am Horizont noch einmal aufglühen, dann kurzes Nachglühen der heute niedrigen Wolken, und schon machen wir uns schleunigst auf den Rückweg, mit Lampen bewaffnet.

Nachts wacht hier im Wald so einiges auf: Spinnen, Schlangen, Skorpione, allerlei Krabbelgetier. Die sind nicht böse, wehren sich aber gegen achtlos platzierte Füße mit Stechen, Beißen, Kratzen und sonstigen Kampfkünsten des Jungels. So gelten auch auf der Station ein paar Sicherheitsregeln: immer schauen, wo man hintritt. Nie in dunkle Löcher greifen. Schuhe vor dem Anziehen ausklopfen. Vor dem Schlafengehen unter die Matratze schauen, Kissen nicht vergessen. Pflanzen lieber nicht anfassen. So Zeug halt, ist ja klar.

So verbringen wir auch einige Zeit damit, unsere Moskitonetze in die Doppelstockbetten zu basteln. Aufhängen wäre einfach, das geht hier aber nicht. Letztlich sollte nach Möglichkeit etwas Abstand zwischen Netz und Körper sein, sonst bringt es herzlich wenig. Mit ein bisschen Knotenkunst kriegen wir es hingebastelt. Aber wir haben ja noch Peter im Zimmer. Peter, so habe ich unseren Gecko getauft, der hier wohnt. Er lässt sich selten blicken, aber manchmal sein schmatziges Pfeifen (oder pfiffiges Schmatzen?) hören, das uns beruhigt. Geckos futtern so allerlei Krabbelgeviech, wofür wir dankbar sind. Mit den großen Heuschrecken kommt er zwar nicht klar, auch nicht mit Skorpionen, aber dafür schleichen zwei Thick Knees hier herum. Die sind vermutlich hier, weil das Licht der Station die Insekten & Co anlockt. Willkommen in der Natur.

Und dann wuseln hier etliche Iguanas (Leguane) herum. Manchmal treten wir fast auf einen drauf, so gewöhnt sind sie an Menschen. Angeblich schmecken sie wie Hühnchen. Und tatsächlich ist das der beste Vergleich, den wir finden: sie sind wie Hühnchen, die auf einem Bauernhof frei herumlaufen: ständig im Weg, überall zu finden, ein bisschen neugierig, und irgendwie auch ein bisschen doof. Vielleicht liegen sie zu viel in der Sonne, und ihr kleines Reptiliengehirn ist längst gar. Man weiß es nicht. Fotogen sind sie jedenfalls sehr, und wir hoffen, dass sie auch das eine oder andere Krabbelviech weghapsen.

Was flattert da? Ist es ein Vogel? Nein! Eine 10 Zentimeter lange Heuschrecke. Da zwergt sogar unser heimischer Warzenbeißer und das grüne Heupferd gegen ab.
Thick Knees. Ja, die heißen so. Echt.
Iguana. Oder Hühnchen? Immerhin gackern die hier nicht.

Beim Abendessen trudeln die Ranger ein: Bernie, Gabriel und Carla hatten einen langen Tag. Gabriel ist derzeit hier alleine stationiert, die anderen beiden haben heute ausgeholfen. Sie sind bewaffnet, um Jägern, Wilderern und anderen Flegeln den notwendigen Respekt abnötigen zu können. Wir hatten ihr Geschirr gemacht, das die Spüle blockiert hatte, da waren sie dankbar für. Sie kochen sich was und sind sichtlich kaputt vom langen Tag. Schließlich waren sie mindestens 12 Stunden unterwegs gewesen. Harter Job, dazu viel Verantwortung, und sicher nicht von jedem geliebt. Hoffentlich ergibt sich noch eine Gelegenheit für ein längeres Gespräch.

Wir schmieden für morgen lose Pläne. Zum  Sonnenaufgang will Katrin noch einmal auf den Felsen rauf, Max geht vielleicht mit, wenn er Jetlag-bedingt dann wach ist. Anja und ich wollen auf dem Steg das erste Sonnenlicht sehen und die Stimmung im Sumpfgebiet genießen. Um 6 Uhr geht die Sonne auf, also sagen wir wieder recht früh gute Nacht, auf dass uns nichts beißt und sticht. Gute Nacht auch, Peter, pass auf uns auf.

Vulkan Rincón, und Max treffen

Samstag, 14.02.2026, Bagaces

Das Verbrennen von Erdöl, um möglichst laut durch die Gegend zu huschen, scheint nur sehr langsam aus der Mode zu kommen. Hier ist es besonders Freitags abends besonders hip, ganz so wie es in Puerto Jimenez war. Obwohl wir fast 50 Meter von der Hauptstraße weg sind, vibriert die Matratze vor lauter aufgemotzten Moppeds. Aber irgendwann sind alle müde, und nachts ist selbst die große Landstraße stundenlang unbefahren. Letztlich schlafen wir gut.

Anjas Magen rumpelt – oh nein! Ist noch nicht so schlimm, aber große Anstrengungen werden wir vermeiden. Ich bin ja auch noch etwas schlapp. So frühstücken wir und packen mal wieder. Allmählich sind wir gut eingespielt, alles hat seinen Platz, und ratz fatz ist die Bude leer und wir sind unterwegs. Es geht zum Rincón de la Vieja, einem Nationalpark um den gleichnamigen Vulkan.

Die Fahrt dorthin ist schön. Bei Abfahrt regnet es, aber kaum sind wir aus Bijagua raus, hört es auf, und bald darauf kommt Sonne. Endlich. Bijagua liegt auf gut 500 Metern fast auf dem Pass zwischen den Vulkanen. Der Wind drückt von Nordost, und wir fahren auf die Südwestseite, also die Leeseite. Die Landschaft ändert sich bald zu Trockenwald, alles ist karg. In den 4 Monaten Trockenzeit fällt hier fast kein Regen, viele Bäume werfen während ihre Blätter ab. Das ist wirklich faszinierend in diesem Land: 20 km weiter, und komplett anderes Wetter, andere Vegetation, andere landwirtschaftliche Nutzung.

Über Vulkanausläufer führt die kurvige, aber sehr gute Straße, wir genießen die Fahrt deutlich mehr als die Holperpiste gestern. Auch die trockene Wärme tut gut – allerdings meinte Katrin heute früh: „Ihr werdet euch den kühlen Regen bald zurückwünschen.“ Mal sehen, wann es soweit ist.

Vulkan Rincón de la Vieja

Der Vulkan ist noch aktiv, hat alle paar Jahrzehnte deutliche Aktivität, ganz im Gegensatz zum Nationalpark, in dem heute trotz Samstag wenig los ist. Das ist gut. Auf dem Weg hierher sehen wir die ersten Windfarmen, die bei dem hiesigen Wind keine hohen Masten benötigen. Der Vulkan wird geothermisch genutzt, und weitere Anlagen sind in Bau. Costa Rica ist bereits heute CO²-neutral und baut weiter aus für unser gemeinsames Klima.

Katrin war schon einige Male hier und wandert heute alleine zu einem Wasserfall, gut 10km hin und zurück. Anja und ich machen die Touri-Tour, den von Katrin „Blubberpfad“ genannten Weg. Wir erfahren bald auch warum sie ihn so nennt: an mehreren Stellen sind große Schlammlöcher, aus denen schwefelige Dämpfe blubbern. Das stinkt gewaltig nach faulen Eiern. Noch eindrucksvoller als der Geruch ist aber das Gefühl, unter den eigenen Füßen einen aktiven Vulkan zu haben. Da drüben treten seit Jahren fortwährend heiße Dämpfe aus, und hier, nur 5 Meter weiter, stehen wir auf vermeintlich festem Boden. Huiuiui.

Trockenwald
Blubberndes Matschloch
Es qualmt und stinkt aus dem Vulcancito

Es ist heiß, die Sonne knallt, und heizt uns mächtig durch. Wir trinken nach dem Blubberpfad viel, sitzen im Schatten, und beobachten, wie 2 Kiskadee direkt auf einem Türschanier der Station ein… nein: gleich 2 Nester bauen. Ach, diese Dusseltierchen! Das kann doch nicht gut gehen.

Blüten und Früchte gleichzeitig am Baum

Wir laufen Katrin noch ein wenig entgegen, um ein bisschen weg von amerikanischen Touristen und rein in den Zauberwald zu kommen. In dem stehen einige prachtvolle Bäume, deren sicher 3-stelliges Alter wir nur vage erahnen können. Da fliegt uns ein riesiger, himmelblauer Falter entgegen und fast zwischen den Füßen hindurch! Ein Blauer Morpho, den wir auch in Corcovado schon bewundern durften. Die kennt man sonst nur aus Schmetterlingshäusern. Überhaupt hat es schöne Schmetterlinge, die es zuhause nicht gibt. Allerdings können wir die weder erkennen noch fotografieren, so fokussieren wir uns auf die Tierchen, bei denen wir bessere Chancen haben.

Common Blue Morpho, 10 – 12 cm Flügelspannweite
Ein N-Baum!

Bald schon kommt uns Katrin entgegen, wir gehen gemeinsam zurück zur Station und fahren weiter. Jetzt führt die Straße fast schnurstracks den Berg hinab. Perfekt für Seifenkistenrennen, wäre nicht alle paar hundert Meter wieder ein Reductor, ein Bremshubbel, der es in sich hat. Auf Schrittgeschwindigkeit runter, sonst kracht es gewaltig, das lernen wir schnell.

Heute treffen wir Max, Katrins Lebenspartner. Der hat auch endlich Urlaub und ist alleine angereist. Er hat es geschafft, ohne nennenswerte Spanischkenntnisse mit dem Bus von San Jose nach Bagaces zu kommen und sogar vor uns da zu sein. Ob ich das geschafft hätte? Ich bin mir gar nicht so sicher, denn ich versuche ja oft erst sauber zu planen und verlasse mich auf schriftliche Informationen. Max geht da anders ran, und offenbar passt das ganz gut zu diesem Land.

Er findet auch unsere heutige Bleibe. Das ist nicht so einfach, denn nicht alle Straßen haben Namen, und Hausnummern gibt es nicht. Die postalische Adresse lautet dann eher sowas wie: „Beim Kiosk rechts, dann nach dem blauen Haus das dritte Tor“ – und wenn der Kiosk mal weg ist, oder das blaue Haus grün gestrichen wird, ändert sich die offizielle postalische Adresse von einigen Dutzend Leuten. Wow. Aber wenn man den Namen der Unterkunft hat und einfach die Nachbarn in der Straße fragt, klappt es eben auch. Fazit: Bürokratische Organisiertheit tötet zwischenmenschliche Kommunikation und Zufallsbegegnungen.

Die Wohnung ist luxuriös, frisch renoviert, wenn auch nicht ganz fertig. Für uns reicht es allemal. Zum ersten Mal werfe ich die Klamotten ohne jegliche Gedanken einfach auf den Boden. Okay, dass das Besteck ganz unten im Kühlschrank seinen Platz gefunden hat, haben wir dann auch irgendwann herausgefunden. Und im Bad, das wunderbar neu und sauber zum Duschen einlädt, ist ein klitzekleiner Bärchenspiegel mit Tape an die Wand geklebt. Eine Waschmaschine gibt es auch, aber die können wir nicht bedienen. Da müsste man erst mit dem Schlauch die richtige Menge Wasser einlassen, später in die Schleudertrommel umladen, … Nee, keine Experimente heute. Ein paar Sachen waschen wir flink von Hand, den Rest breiten wir aus und merken jetzt so richtig, wie klamm alles in den 3 schwülen Regentagen in Bijagua geworden ist.

Nachmittags gehen wir Batidos trinken, Max genießt seine erste große Mahlzeit nach der Anreise. Lecker Kuchen und Torten gibt es auch, dooferweise habe ich aber noch nicht wieder den Appetit dafür entwickelt. Mir geht es wieder sehr gut, und Anja scheint es nur schwach erwischt zu haben: schlapp, durstig, müde, aber wohl keine 3 Tage ausgeknockt. Puh. Jetzt kommt nur die Hitze dazu, die ihr auf den Kopf schlägt, und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust. Zu viel draußen herumlaufen ist da nicht gut.

Einkaufen ist angesagt, denn die nächsten 2 Nächte verbringen wir auf einer Ranger Station im Nationalpark Palo Verde. Dort versorgen wir uns selbst, müssen also alles mitnehmen. Gefühlt 30 kg Zeug kaufen wir: Yucca, Chayote, Tomaten, Nudeln, 3 Ananas, Mango, Papaya, …

Abends gehen wir in einer Soda essen, in der wir nur Einheimische sehen – ein gutes Zeichen, finden wir. Es ist günstig, gut, reichlich, super nett, und vor allem sehr lecker. Draußen hat es auch abends um 8 Uhr noch knapp 30°C, aber die Luft ist trocken. Nichts ist klamm, und wir sind weniger klebrig. Trotzdem freu ich mich jetzt auf eine Nacht mit Klimaanlage und tiefen Schlaf.

Mehrfachsteckdose – Adapter – Mehrfachsteckdose – Ladegeräte. Gestützt von einer Wasserflasche. Und alles lädt fröhlich durch die Nacht.

Vogelgucken vom Boot

Freitag, 13.02.2026, Bijagua

Kurzerhand haben wir gestern Abend beschlossen, heute auf Bootstour zu gehen. Online gebucht, schnell per WhatsApp geschrieben, Anzahlung geleistet – so einfach kann es gehen. Mir geht es okay, zwar noch wackelig auf den Beinen, aber im Boot sitzen und Natur beobachten, dabei ein bisschen fotografieren, das sollte klappen.

So fahren wir früh um halb 8 in Bijagua los, damit wir pünktlich um  halb 10 in Caño Negro sind. Weit ist das nicht, die Strecke sind keine 50 km, aber Google Maps sagt, wir brauchen knapp 1:30 h bis dorthin. Maps hat meistens recht mit Zeitangaben, und bald finden wir heraus, warum es so lange dauert.

Abfahrt im Regen bei Bijagua

Die erste Strecke führt bergab, noch auf guter Straße, aber im Regen. Dann rechts ab, eine kleine Straße, die im Achterbahnstil über Ausläufer der Vulkane führt. Rinderweiden mit schwarzen vulkanischen Felsbrocken drauf, dazwischen Palmen. Nicht ganz wie im Allgäu. Der Regen wird weniger, hört auf, wir sind im Flachland und weit genug entfernt vom Steigungsregen.

Kuhweiden mit Palmen

Dann nochmal kurz auf eine Hauptstraße – und gleich wieder links auf eine Schlaglochpiste. Huiuiui, da hat unser SUV tatsächlich mal zu tun. Wir fahren im Schnitt zwischen 20 und 30, einige Einheimische sind mit alten Limousinen unterwegs und fahren nur halb so schnell. Motorräder sind das beste Fortbewegungsmittel, einige Enduros düsen mit 60 Sachen über die Piste, die etwas älteren und einfacheren Zweiräder sind immer noch mindestens so schnell wie wir.

Sogar Trucks kommen die holprige Straße entlang.

Es geht durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die Felder wechseln zwischen Yucca und Ananas, manchmal auch Kuhweiden oder unbekanntem Gewächs. Später lernen wir, dass hier sogar ein Linienbus verkehrt! An den Autos, die hier täglich fahren, kann man schnell lernen, welche Modelle langlebig, robust und gut zu reparieren sind. Wir müssen immer wieder auf Schrittgeschwindigkeit, und fast immer ist Slalomfahren angesagt, und trotzdem holpert es ziemlich wild.

In Caño Negro scheint die Welt in Ordnung: wir sind im Nirgendwo angekommen, die Straßen sind geteert, die Häuser gepflegt, die Menschen sehr freundlich. Hunde schlafen einfach auf der Straße, der Linienbus muss erst laut hupen, bevor sich ein Hund gähnend gemächlich davonschleicht und die Straße preisgibt.

Der Anleger ist gleich gefunden, der Organisator ebenfalls. In seinem kleinen Café stellt er uns unseren Captain für heute vor, der sich als durchaus bewandert in der hiesigen Natur herausstellt. Wir besteigen ein kleines Boot mit 6 Sitzen und einem einfachen Dach. Aber wir sind noch nicht einmal vom Ufer weg, da steht schon ein Tiger Heron photogen in Pose, und unser Guide zeigt uns schlafende Fledermäuse, die direkt neben dem Anleger unter einem breiten Ast hängen.

Fast 4 Stunden sind wir auf dem Wasser. Erst regnet es noch etwas, dann bleibt es bald trocken, wird etwas heller. Gutes Fotolicht, besser als pralle Sonne. Von einem Aussichtsturm aus können wir in 2 Lagunen viele Vögel ausmachen und bestimmen, gute Fotos gibt es von da aber nicht, da die Entfernung viel zu groß ist. Mit dem Boot kommen wir unglaublich nah an die Tierwelt heran, ohne diese sichtlich zu stören.

Zur Regenzeit ist der Flusspegel deutlich höher, hier klar am Baum erkennbar. Etliche Lagunen sind dann vollständig überschwemmt.

Was wir alles sehen, beschreibe ich nicht mit Worten. Das geht besser. Viel besser. Hier eine Auswahl der über 1000 gemachten Fotos, die wir auf die Schnelle bereitstellen können: von Kamera aufs Handy, mit Lightroom entwickelt, Export, dann hier hochgeladen. Enjoy the show!

Slaty-tailed Trogon
Grüner Iguana
American Pygmy Kingfisher – Der kleinste Eisvogel der Welt
Black-crowned Night Heron
Green Basilika – Jesus Christ Lizard
Nicaraguan Grackle
Wood Stork
Montezuma Oropendola (Webervogel)
Amazon Kingfisher, Männchen
Kaiman
Green Heron
Glossy Ibis
Boat-billed Heron
Anhinga
Boat-billed Heron, weil er so hübsch ist
Fledermäuse
Wood Stork
Fauler Green Iguana
Wood Stork
Ein Anhinga (Schlangenhalsvogel) auf der Jagd, taucht immer wieder ab.
Danach ist  für den Anhinga Flügeltrocknen angesagt. Die nehmen Wasser auf, damit er gut tauchen kann.
Neotropic Cormorant
Kaiman
Great Egret
Anhinga – davon waren sehr viele da
Northern Jacana
Namiak

Unser Guide schien seine persönliche Quest zu haben uns alle 6 der hiesigen Kingfisher (Eisvögel) zu zeigen. Zwar schafft er nur 5 der 6, dafür entdecken wir gemeinsam am Ende noch einen Crane Hawk, der wirklich eine Seltenheit ist. Damit ist auch unser Guide zufrieden (wir sind es schon längst) und wir kehren zurück zum Anleger. Im Café essen wir eine Kleinigkeit, und holen uns noch Tipps für gutes, einfaches Birden in der Nähe von Tortuguero, unserem letzten fest geplanten Punkt der Reise.

Tatsächlich kann man auf einer solchen Bootstour unglaublich viele hervorragende Fotos in kürzester Zeit machen. An Land gibt es einige Lodges, die große, halbwegs natürliche Futterstellen eingerichtet haben, bei denen dann ein Dutzend Fotografen nur vorfahren und ihr Equipment aufbauen müssen, ohne jegliche Suche und Naturkenntnis prachtvolle Bilder machen zu können. Übernachtet man in der Lodge, bekommt man die Vögel zu allen Tageszeiten und hat stundenlang Gelegenheit zum Knipsen.

Natürlich hat das seinen Preis, und das Abenteuer ist ziemlich weg. Es kommt eben darauf an, was man möchte: Reisen, Natur erleben und dabei birden; oder möglichst schnell und einfach möglichst viele tolle Vogelbilder machen, quasi mit Gelinggarantie. Ich würde das auch mal für eine Nacht ausprobieren, aber deswegen in ein Land reisen, um von einer Vogelstation zur nächsten Bootstour zur nächsten Futterstelle zu fahren… Nee!

Bevor wir losfahren findet Anja in einem kleinen Gebüsch gleich noch 6 Vögelchen, die sie noch nie gesehen hatte, also Lifer. Und auf der Rückfahrt bremsen wir an einer Stelle, an der wir während der Hinfahrt Tukane gesichtet hatten. Erstaunlicherweise waren heute früh alle 3 der hier heimischen Tukanarten in einem Baum, das ist wirklich ungewöhnlich. Wir verbringen einige Zeit mit der Suche und finden jetzt 2 Arten, von einer gelingt uns ein schönes Foto – ganz ohne Futterstation und Guide, einfach so auf der Landstraße, das ist besonders schön.

Yellow-throated Toucan

Wir beschließen, dass das für heute genug Input ist, und verbringen den übrigen Nachmittag gemütlich. In Bijagua hat sich der Himmel etwas aufgeklärt, Blau ist zu sehen, und es wird wohl heute nicht mehr regnen. Aber alles ist klamm, und wir kriegen nichts wirklich getrocknet. Als wir ein wenig später noch einmal hinausschauen, zeigen sich zum ersten Mal seit wir hier sind die Vulkane, und dann gleich von ihrer goldenen Seite im Sonnenuntergang.

Der starke Wind drückt die Wolkendecke um die hohen Gipfel punktuell nach oben, erzeugen so den Halo-Effekt
Aktiv sind hier einige Vulkane, aber das sind zum Glück nur Wolken.
Vulkan müde, Vulkan schlafen. Besser so.
Welches Tier ist das?

Essen, packen, schlafen… Wir sind glücklich.

Ist es der Weg, oder schon der Fluss?

Donnerstag, 12.02.2026, Bijagua

Okay, mir geht’s besser, aber alles andere als gut. Heute verzichte ich erstmal weiter auf alles Essbare. Ganz vorsichtig probiere ich zum Frühstück einen Schwarztee. Zum Glück geht es Katrin und Anja gut, ich habe wohl niemanden angesteckt. Zumindest noch nicht.

Die beiden überlegen, wohin es gehen soll. Der Rio Celeste mit seinem wundervoll azurblauen Wasser ist reizvoll, die Wanderung nicht weit, ein Wasserfall krönt das Erlebnis. Wasser fällt aber schon die ganze Nacht, und nicht nur in Form des Rio am Vulkan Tenerio, sondern direkt vom celeste herab. Jetzt aus dem Grau heraus. Immerhin: es hat anti-Schauer: gelegentlich hört es mal auf zu regnen, zumindest kurz. Aber hey, irgendwie muss das viele schöne Grün ja zu Stande kommen.

Das Wetter ist unüblich, eine dicke Kaltfront sorgt in Costa Rica für ungewöhnlich kühles und regnerisches Wetter. Eigentlich ist noch Trockenzeit und damit Hochsaison für den Tourismus, der mancherorts jetzt bröckelt. Die beiden gehen trotzdem los.

Ich harre auf der Couch aus und versuche mich Schlückchen für Schlückchen an Flüssigkeit. Das Fernsehen halte ich nur für einmal flinkes Durchzappen aus, selbst Knight Rider, Avatar und Bond können mich nicht halten. Nunja, die Zeit durchtüddeln und auf der Couch lümmeln krieg ich schon hin.

Katrin und Anja wagen sich raus, schließlich sind die Tickets bezahlt. Die Fahrt zum Tenorio Park über hat es schon viel geregnet. Zuerst auf einem Bezahl-Parkplatz gelandet, dann noch rechtzeitig den kostenlosen Parkplatz entdeckt. Ein einsamer Guide am Eingang, der trotz Regenschirm aussieht wie ein begossener Pudel, bietet eine geführte Tour an, die wir dankend ablehnen. Er warnt uns schon vor: der Rio Celeste ist heute ein Rio Chocolate. Es war einfach too much, jetzt ist es too Matsch.

Gleich nahe der Terrasse der Station war ein Kapuzineraffe, der wollte uns vermutlich auch noch von unserem Vorhaben abbringen. Nichts da, wir ziehen durch. Direkt neben der Infotafel liegt ein riesiger Tapir-haufen, den das Personal vermutlich den hartnäckigsten Wanderwütigen in den Weg gelegt hat. Vom Tapir war natürlich nichts zu sehen. Egal, los jetzt, mit Regenklamotten und Regenschirm durch den Regen.

Immerhin, wenig Touristen unterwegs, so gab es stets freie Sicht. Freie Sicht auf… Nebel. Und Matsch. Und braune Wassermassen, davon immerhin reichlich. Zum letzten Punkt des Weges kamen wir gar nicht mehr hin – da greift der Titel. Es war einfach alles komplett überflutet, inzwischen auch in allen Schuhen. Der Wasserfall lässt sehr viel Wasser fallen. Früher konnte man darin baden, inzwischen ist es verboten, heute wäre es direkt gefolgt vom Erlernen der Himmelsharfe.

Aussicht?
So sah es dann aus am Wasserfall
So hätte es gern aussehen dürfen

Auf dem Rückweg war es dann auch egal, wo man hintritt. 3 Stunden haben wir es ausgehalten. Ein Aguti ist noch über den Weg geflitzt und war schnell wieder weg. Im Souvenirshop hat sich alles Volk getummelt. Der Shop war gruselig, kitschig, dazu lief seltsame Musik – also nichts wie weg.

Sonnencreme hätte vielleicht das Wasser besser abperlen lassen.

Daheim angekommen waren die Schuhe immerhin wieder richtig schön sauber, allerdings kaum trocken zu bekommen, denn hier regnet es noch immer, und ohne Klimaanlage kriegen wir die Luftfeuchte nicht runter. Nur mit den 2 großen Ventilatoren lässt sich was machen, die laufen jetzt durch und bemühen sich, all die patschenassen Klamotten zu trocknen. Wow, was ein Erlebnis.

Den Nachmittag verbringen wir unter stetem Rauschen der Ventilatoren mit Planung der nächsten Tage. Denn noch so einen Tag brauchen wir nicht. In Regenpausen flitzen Anja und Katrin raus, denn auch hier direkt vor unserer Haustüre gibt es Schönes zu entdecken. Ein Pfeilgiftfrosch (Jeans-Frosch) und ein Tukan sind die Höhepunkte. Ich esse vorsichtig nen Cracker, trinke ein Glas Orangensaft. Es scheint zu gehen, yay!

Abends klärt es tatsächlich auf, bleibt gar trocken. Wir gehen in ein sehr leckeres Restaurant, das mit ruhigem Klaviergeklimper und einem unheimlich netten Kellner, der ein paar Brocken Deutsch kann, uns einen angenehmen Kontrast zu Dauerregen, Hauptstraße und bellenden Hunden bietet. Ich verspüre Appetit, esse eine kleine Portion Nudeln mit Tomatensoße, dazu ein Batido.

Auf dem Weg zum Restaurant haben wir einen Schlafbaum von Grackeln gesehen. Wie bei Krähen fliegen hier in der Dämmerung hunderte der schelmischen schwarzen Vögel ein und grackeln um die besten Plätze. Die Grackeln sind irgendwas zwischen Elstern und Amseln, aber eher frech und nicht ganz so schlau. Ihr Name ist onomatopoetisch zu Ihren Lauten: die Grackeln grackeln, entsprechend Lärm ist um den Baum.

Daheim merke ich: oha, irgendwie war es doch noch zu früh mit Essen. Auweia. Die Nacht wird wohl lang…

Santa Elena Nationalpark

Mittwoch, 11.02.2026, Bijagua

Gut, dass wit die Bleibe gewechselt haben. Die Nacht war angenehm, das Bad ist schön und sauber, die Gastgeber sehr nett. Nur wache ich mit Durchfall auf. Nein, das lässt es schlimmer vermuten, als es war. Aber heute geht bei mir nix oben rein. Ob es das Ceviche gestern war, oder ob ich mir irgendwo einen Virus oder Bakterium eingefangen habe? Ich weiß es nicht. Zum Glück haben wir ein Medikament dabei, so dass wir problemlos weiterreisen können.

Wir holen den Mietwagen ab, ein großer SUV mit Allrad. Den kleinen SUV, den wir wollten, gab es gerade nicht, so bekommen wir ein kostenloses Upgrade. Allrad und Bodenfreiheit braucht es hier auf einigen Straßen, insbesondere wenn wir bis in die Nationalparks fahren wollen. So rollen wir gemütlich aus Puntarenas hinaus und den Bergen entgegen. Bis auf 1600m schrauben wir uns die kleine, gewundene Bergstraße hinauf. Im Schnitt kommen wir auf 30 oder 40 km/h, so viele Kurven, steile Steigungen und Engstellen hat es.

Auf halber Höhe Blick zurück gen Süden
Die Warnung vor Gürteltieren macht Hoffnung, welche zu sehen

Monteverde ist recht bekannt und entsprechend touristisch, so fahren wir ein Stückchen weiter zum Reserva Bosque Nuboso Santa Elena, einem Nebelregenwald. Da wird die Straße unbefestigt, und es wird interessant: nass, steil, imposante Schlaglöcher, entgegenkommende geländegängige Busse. Aber wenn die das schaffen, schaffen wir es auch. Hier macht Allrad wirklich Sinn, und durchaus Spaß.

Der Nebelregenwald tut seinem Namen alle Ehre. Der Wind strömt von Norden an die Berge, dicke Wolken entstehen und durchtränken die Bergwälder fortwährend mit sattem Nass. Es tropft dick von allen Blättern, und selbst die Nebeltröpfchen sind groß und hängen schwer in der Luft, allzeit bereit, alles und jeden zu duschen, der noch nicht durchweicht ist.

Ich beschließe, die Zeit in der Cafeteria der Station zu verbringen, während sich Anja und Katrin mit Regenzeug ausrüsten und einen der Wanderwege wählen.

Der Weg ist matschig, sehr matschig. Nicht umsonst ist an der Station für die Rückkehrer ein Wasserschlauch zum Schuhewaschen parat, ohne dessen Nutzung man vermutlich nicht in die Cafete käme. Viele kleine Brücken führen über einen Bach und wieder hinüber. Der Wald ist einfach irre grün. Sogar auf den Blättern wächst Moos.

Überall Moose, Farne, Flechten, Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen). Es sind recht wenig Leute unterwegs, und so können sich die Nebeltröpfchen ganz auf Anja und Katrin fokussieren. Nur 6 Vogelarten konnten die beiden bestimmen. Einen großen Hundertfüßler gibt es noch zu bewundern. Es ist ein ausgesprochen schöner Wald, aber viele Tierchen kann man heute bei dem arg dichten Nebel nicht entdecken, zumal jegliche Optik sofort betropft wird: Brille, Fernglas, Kameralinse.

Der Hautfarn ist nur eine einzelne Zellschicht dick, so feucht ist es hier. Einmal Sonne, und das wär’s mit ihm
Baumfarn
Noch ein Farn
Auch ein Farn
So viele Epiphyten!
Sogar auf Blättern wächst Moos
Lieber nicht anfassen.
Hier könnte der Vulkan Arenal zu sehem sein
Schlammschlacht beendet.

Wir essen noch eine Kleinigkeit. Ich kriege zumindest ne Cola in mich rein. Dann geht es Richtung Unterkunft. Auf dem Weg nehmen wir einen Anhalter mit, jetzt da wir den Luxus eines Autos genießen. Daniel ist US Amerikaner, besitzt hier eine Kaffeeplantage und verbringt jedes Jahr 3 Monate in Costa Rica. Er wohnt teilweise in Maine, teilweise in Washington State, teilweise hier. Auf die Frage, wo es ihm am besten gefalle, gesteht er, dass er bereits das nächste Projekt plane: auf Sizilien ein altes Landgut kaufen, herrichten und dann bewirtschaften – ganz so, wie er es hier gemacht hat.

Man beachte Strecke und Zeit. Nein, nicht mit dem Fahrrad.
Der Lago Arenal lässt heute auch nicht viel von sich sehen.
Gen Süden gibt es nochmal herrlichen Blick

Das Wetter ist seltsam: 25°C, sehr windig, sehr feucht. Irgendwie immer zwischen Schwitzen und Frieren. Im klimatisierten Wagen merken wir das nicht, und unsere Sachen trocknen gut. Wenn wir für ein Foto aussteigen, ist der Kontrast aber heftig, vor allem die sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Über eine Schlaglochpiste holpern wir, auf der uns kaum Autos, dafür ein Cowboy wie aus dem Bilderbuch entgegenkommt. Immer wieder bremsen wir auf Schrittgeschwindigkeit wegen der Schlaglöcher, müssen ständig Slalom fahren. Google Maps hatte mit der Fahrzeit leider wieder recht. In der Abenddämmerung kommen wir an.

Ich bekomme Fieber, also doch eher nicht das Ceviche, sondern irgendein Infekt. Ein bisschen Tee geht noch. Das Schlimmste scheint überstanden, aber es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder richtig fit bin. Katrin und Anja gehen essen und planen den morgigen Tag, an dem ich mich kurieren werde.

Durch den Ort, in dem wir 3 Nächte gebucht habe, führt eine größere Hauptstraße, auf der viele LKW verkehren. Das sind häufig alte, große Trucks aus den USA und Kanada. Die sind ohnehin laut, haben als Motorbremse oft eine Jake Brake – die ist extra krass laut, deutlich lauter als ein Presslufthammer (laut Wikipedia). Ich dachte erst, Zeus persönlich säße im Garten vor unserem Haus, nachdem er viel zu viele Bohnen (mit oder ohne Reis) gegessen hatte. Dass die Stadt einige schöne Bremshügel in die Hauptstraße eingebaut hat, hilft sicherlich der Sicherheit, aber nicht dem gesunden Schlaf. Wo waren gleich die Ohrstöpsel?

Nach Puntarenas

Dienstag, 10.02.2026, Puntarenas Stadt

Heute ist Reisetag, heute passiert nicht viel. Anja erspäht im Morgengrauen flink 12 Vögel, die sie zum ersten Mal im Leben sieht, unter Ornithologen „Lifer“ genannt. Dem Frühstück am Pool folgt gemütliches Packen. Eine letzte schnelle Dusche (man klebt auch einfach nach einer Nacht unter einem dünnen Laken) und los.

Zuverlässig, freundlich, hilfsbereit – so erlebe ich die Ticos. Unser Taxifahrer kann nicht, schickt aber einen Kollegen, der top pünktlich um 8:30 da ist. Busfahrer merken sich, wo man aussteigen möchte, nehmen einen von der Straße abseits der Haltestellen mit, verstauen gewissenhaft das Gepäck und fahren rechts ran, sobald man aufsteht, weil sie denken, man will hier aussteigen. Autofahrer lassen uns großzügig über die Straße, selbst auf großen, breiten Landstraßen: sie halten mit 50 Metern Abstand an und geben Lichthupe, samt Lächeln.

Pflanzenverkauf neben dem Busterminal

Nicht immer stimmen alle Infos, und manchmal wird einfach nicht einen Schritt weiter gedacht, so dass es umständlich wird, aber bisher haben wir keine Arglist, Täuschung, Genervtsein, Ungeduld oder dergleichen erlebt. Vielleicht bisher nur Glück. Aber nein, irgendwie fühlt sich das Miteinander hier sehr menschlich an. Jetzt ganz positiv gemeint.

Gut, der Bus fährt doch erst um 10, und dann haben wir eine Stunde Wartezeit zwischendurch, aber nebenan ist eine Bäckerei, und Schatten spendet uns ein gigantischer Mangobaum, und wir können ein paar Schwalben, Krackeln und anderen Vögeln bei ihrem Vogeldasein beobachten.

Mangobaum der Extraklasse – das dickes Regenfass rechts darf sich daneben schlank fühlen

So sind wir recht entspannt unterwegs. Okay, Stau, Gezuckel, alle paar Meter steigt jemand zu oder aus. Aber es ist ruhig, klimatisiert und wir kommen locker gegen 3 Uhr nach Puntarenas. Die Stadt liegt auf einer sehr schmalen, rund 5 km langen Landzunge, die in eine große Bucht ragt. Hier holen wir morgen den Mietwagen, der uns eine Woche lang an die Orte tragen wird zu denen wir mit Öffis nicht kommen.

Freddy ist auch ganz chill. Ich kriege allmählich auch schon diesen Blick…

Unsere Bleibe in Puntarenas erweist sich allerdings als sehr miefig, Katrins Zimmer als schlicht unzumutbar. Sie spricht mit dem Vermieter, der noch in der Hauptstadt San Jose unterwegs ist, und storniert. Bei einem Batido planen wir die nächsten Tage, und Katrin sucht nach einer anderen Bleibe. Die ist schnell gefunden, direkt ums Eck, und hat gleich 4 Schlafplätze im Zimmer, so dass Anja und ich nach schneller Verständigung mit dem vorherigen Vermieter ebenfalls hierher wechseln.

Später im Supermarkt erkenne ich den Geruch wieder, schaue mich um und stehe neben den Pestiziden. Vermutlich hat der Hausverwalter etwas arg großzügig gegen Kakerlaken und Co wirken wollen. Schade. Die Bewertungen auf booking.com sind gut, die Kommentare aber vernichtend, so dass wir uns ernsthaft wundern, wie verpeilt wir beim Buchen gewesen waren.

So ist jetzt alles gut. Ich probiere zum Abendessen Ceviche, kalt gegarten Seebarsch, mit frittierten Kochbananen, und genieße ein Pils dazu. Anja und Katrin bleiben bei der einzigen vegetarischen Alternative der mit Sea Food gefüllten Karte: Casado. Das ist Reis mit Bohnen. Klingt langweilig, aber es gibt immer anderes Gemüse und Salat dazu, mal ein paar gebackene Bananen oder dergleichen, so dass Abwechslung sicher ist.

So, morgen wird es spannender. Autofahren in Mittelamerika, rauf zum Nebelwald, dem Reserva Bosque Nuboso Santa Elena. Bin gespannt, was uns dort erwartet. Gute Nacht und bis morgen.

Whale Watching

Montag, 09.02.2026, Uvita

Anderer Ort, anderes Vogelgezwitscher am Morgen. Dabei sind wir doch gar nicht so weit gefahren. Die Distanz war wie von Mannheim nach Stuttgart, und trotzdem scheint sich viel in der Natur zu verändern. Meine ungeübten Augen können es nicht genau erkennen, so fühle ich die Unterschiede eher.

Wir frühstücken am Pool – unsere Butze hat nur 2 Stühle und recht wenig Platz. Wie anders man bauen kann, wenn es permanent zwischen 20 und 35 Grad hat, ist bemerkenswert. Fenster haben keine Scheiben sondern Fliegengitter. Isolierung nicht nötig, warmes Wasser dito. Breites Dach ist Pflicht, gegen Sonne wie auch gegen starken Regen zu Regenzeit – keine Fensterscheiben… Nur das Schlafzimmer hat eine Klimaanlage und Glasfenster. Ventilatoren gibt es 2 große für die 2 kleinen Räume, die helfen auch gut dabei, Sachen zu trocknen. Wenn jemand herumläuft, wackelt das ganze Gebäude. „Haus“ will ich es nicht nennen, das weckt falsche Vorstellungen. Gemütlich ist es allemal, und völlig hinreichend, also prima.

Uvita ist ein Surfer-Paradies. Kleine Lädchen haben mit gemütlicher Musik bis spät abends offen, überall sind Bilderbuch-Surfer, natürlich auch nicht-so-Bilderbuch-Surfer. Aber das Flair ist definitiv sehr surfig.

Der Strand ist Nationalpark, am Eingang treffen wir Gerald von der Whale Watching Tour, natürlich pünktlich um 8:27, denn um 8:30 soll es losgehen. Der schlürft genüsslich eine frische Kokosnuss und zeigt sich wenig gehetzt – kein Wunder, denn losgehen tut es erst um 9 Uhr. Die Deutschen sind natürlich schon da. So nimmt sich Gerald Zeit für uns, zeigt uns einige Vögel und Echsen, sogar einen Kaiman und später ein Krokodil, von dem wir nur die Nasenspitze aus dem Wasser glänzen sehen. 3 Meter sei es lang, aber keine Gefahr für Menschen, solange man mit ihm nicht Unterwasserrugby spielen will. Gerald ist hier in Uvita aufgewachsen und hat erlebt, wie sich der Ort aus der Armut heraus entwickelt hat. Heute geht es allen besser, niemand muss mehr Tiere jagen um leben zu können. Das ist gut. Umweltschutz durch Tourismus.

Die frischen Kokosnüsse kosten 1000 Colones, oder 1,40 €. Aber Gerald zeigt uns, wie er zusammen mit seinen Freunden als Kinder herausgefunden haben, wie man eine Kokosnuss, von denen hier etliche herumliegen, nur mit einem spitzen Stock und einem Stein in einer Minute knackt. So trinken wir frisches Kokoswasser und knabbern das Fruchtfleisch kostenlos. Die Technik werde ich die nächsten Wochen üben, das wird ein Genuss!

Mittlerweile sind die Boote für die Tour ins Wasser gebracht, und wir stoßen zum Rest unserer Gruppe. Jeremy ist unser Sailor und Whale Spotter heute, unter seiner Anleitung legen wir alles Schwimmwesten an und folgen ihm in Richtung Wasser. Das Boot wartet in der seichten Brandung, trotzdem ist es etwas holprig und abenteuerlich, denn in unseren Rucksäcken sind Kameras, Fernglas, Handys und mehr.

Jeremy hat eine starke Stimme und macht damit mächtig Stimmung. Er muss gegen den Motor anbrüllen, der uns mit 50 km/h übers Wasser trägt. Aber Jeremy ist lauter. Anfangs wirkt er komplett überdreht, aber offenbar ist er einfach so: high von Costa Rica und der täglichen Fahrt zu Walen und Delfinen.

Nur ein paar Minuten lang schießen wir aufs offene Meer, dann ruft Jeremy schon: Wal voraus! Rund ein Dutzend Boote, jedes mit 2 Dutzend Passagieren, tummeln sich bald um einen Felsen, in dessen Schutz zwei adulte Buckelwale ihr eines Kleines beschützen. Offenes, tiefes Meer ist für junge Kälber wohl gefährlich.

Alle 5 bis 7 Minuten kommt das Kleine rauf um zu atmen, taucht dabei 2 oder 3 mal auf. Halb so oft kommen die beiden Großen rauf. Aber warte… „groß“ passt hier nicht. Hmm… Gewaltig. Ja, gewaltig sind diese… Ohje, ich merke, wie ich direkt versucht bin, die typische Sprache zu verwenden, mit denen über Wale berichtet wird. Aber es hat eben einen guten Grund, warum Wale als „Riesen der Meere“ bezeichnet werden. Nämlich einfach deshalb, weil sie genau das sind: riesig und gewaltig.

Über eine Stunde begleiten die Boote im sehr ruhigen Standgas die Giganten. Natürlich warten wir alle auf die Fluke, die gibt es aber nur, wenn die Großen tief hinab tauchen wollen. Das ist hier im verhältnismäßig flachen Wasser eher unwahrscheinlich.

Jeremy gibt sein Bestes, beschwört uns regelrecht, unsere good vibes ins Meer zu senden, denn das bringe Glück, und ihm damit gutes Trinkgeld, und lacht laut. Er hat es wirklich drauf, weiß gut, wo die Jonaverschlinger als nächstes blasen, und vor allem wann, sein Timing ist klasse. Auch bringt er das Boot prima in Position, so dass jeder einen guten Blick bekommt. Ist der Wal links, wollen alle nach links, doch dann würde das Boot kippen und kentern, und wir wären auf einmal auf Augenhöhe mit den Buckelwalen. Doch Jeremy greift immer schnell ein und bringt Ordnung: jeder auf seine Seite, die links hinsetzen, die rechts aufstehen.

Und dann doch, wir haben Glück, und nicht nur einmal! Ich probier es hier mal mit nem Video, einfach unbearbeitet.

Irgendwann ist es gut, alle haben sich etwas beruhigt und wir lassen die Ballenas in Frieden. Jeremy tuckert etwas auf Abstand, gibt Vollgas und fährt eine scharfe Kurve, Kurs auf die Felsenküste. Ja, hier ist nicht überall Strand. Teils ragen steile Klippen aus der Brandung, und in diese sind tiefe Höhlen gespült, hier einige hundert, teils sogar Tunnels. Durchfahren unmöglich, aber eindrucksvoll und schön. Er erzählt noch einiges über die Inseln und Buchten, empfiehlt eine Badebucht, aber das ist alles irgendwie uninteressant, ich kann mir nichts davon merken.

Wir kehren um, und Jeremy sieht bald ein Boot, das bei den Walen geblieben ist, lässt uns abstimmen, ob wir bei der Isla Ballena schwimmen, oder lieber die junge Familie noch ein wenig begleiten wollen. Die Kurzzeitdemokratie offenbart eindeutiges Interesse, und so erleben wir, wie das Kalb neugierig die Boote beäugt, und wie die Giganten schemenhaft unter unserem Kahn durchtauchen. Die Nussschale fühlt sich auf einmal winzig an, und wir uns wie schnelllebige, zappelige Eintagsfliegen. Gerne würde ich ins Wasser springen, unt der Oberfläche die ganzen Körper der Giganten sehen. Ein andermal vielleicht. Ein Boot mit durchsichtigem Boden wäre auch klasse.

Fregattvögel fischen und ärgern sich gegenseitig
Statt Möwen gibt es hier diese prächtigen großen Meeresflieger

Irgendwann ist es genug, wir gönnen den Humpbacks ihre Ruhe und stören nicht länger. Auf zurück an den Strand, Trinkgeld in Jeremys Hand gedrückt, und erstmal eine Kokosnuss geschlürft – diesmal noch gekauft. Die Boote werden an Land geholt, die Show ist für heute vorbei.

Wir wandern noch ein wenig am Strand und auf die berühmte Walflosse, holen uns auf dem Rückweg ein Batido, und ich mir den ersten Sonnenbrand. Seufz. Ja klar hab ich mich eingecremt, und unter Schutzfaktor 50 brauchen Weißhäute wie wir gar nicht anfangen. Die Sonne steht hier mittags fast senkrecht, und somit ist verflixt wenig Atmosphäre zwischen ihr und mir, so dass jede vergessene oder blankgewaschene Stelle ratz fatz ankokelt. Immerhin habe ich es schon eine Woche ohne geschafft. Später düs ich mit einem Fahrrad unserer Unterkunft zum Super Mercado und hole mir Aloe Vera, vorsorglich die große Tube.

Batidos sind hier übrigens die Wucht: für rund 3 Euro gibt es kalten, frisch pürierten Smoothie aus reifen Früchten: Ananas, Papaya, Mango, Erdeere, Brombeere, Maracuja, Melone, Guanabana, Wassermelone, Banane, Cas, … Das sind die gängigen. Und nicht wenig, meist ein knapper halber Liter. Ein bis zwei gibt’s jeden Tag. Mjam.

Das Geld liegt hier am Strand: ein Sanddollar
Na, mit welchem Zweirad war ich wohl unterwegs?

Den Nachmittag verbringen wir gemütlich im und am Pool, da ist Schatten, und das Wasser ist deutlich kühler als der Pazifik mit seinen 29,6°C, in dem man nicht mal die Füße abkühlen kann. Abends gehen wir zum Sonnenuntergang an den Strand. Der dauert nicht lange, die Sonne fällt senkrecht ins Wasser und verlischt geradezu. Klack, Licht aus, fast wie auf der Stacion Sirena in Corcovado. In 20 Minuten ist es finster.

An der Rezeption holen wir unsere gewaschenen Klamotten ab, die den zarten Dschungelduft von Corcovado bis hierher getragen haben. Die Wäsche war nötig, und dank Trockner können wir direkt packen. Die Infos zum Bus scheinen diesmal eindeutig, so dass wir für morgen früh 8:30 ein Taxi bestellen. Mal sehen, wie gut es mit dem Bus diesmal klappt. Wir fahren nach Puntarenas, dort holen wir übermorgen einen Mietwagen für ne Woche.

Essen gehen wir in der Soda von gestern, kühlen uns im Pool ab, und sind bald schlafen. Der Kopf ist voll genug. Bis morgen.

Nach Uvita… und Gedanken zu Corcovado

Sonntag, 08.02.2026, Uvita

Ausschlafen mit Klimaanlage, das ist schon Luxus. Um halb 8 haben wir endgültig ausgeschlummert. Nein, mit präseniler Bettflucht hat das wenig zu tun (hoffe ich), sondern eher daran, dass es schon 2 Stunden länger als gestern waren.

Ich spring vorfreudig zum Bäcker, um mich an der reichen Auswahl zu laben, muss aber feststellen, dass der frühe Ara die Schokocookies kriegt. Fast alles ist schon weg, und das um kurz vor 8. Kein Wunder, denn um 9 macht die Panaderia schon zu. Ein Baguette und ein paar Cookies kommen trotzdem mit.

Gestern Abend haben wir im Supermarkt Obst gejagt, so gibt es Papaya und Mango zum Frühstück, dazu Baguette mit Avocado, die leider nicht ganz reif ist. Hier kosten die Dinger aber auch kein Vermögen. Mit uns frühstücken winzige Ameisen, die den Zucker in der vermeintlich fest verschlossenen Dose in der Küche gefunden haben. Sie transportieren ihn Korn für Korn ab. Auch irgendwie niedlich.

Anja und Katrin machen sich auf zum Strand und entdecken dort unser erstes kleines Kroko. Das lag gemütlich neben der Brücke in einem Mangroven-artig bewachsenen Bach, nen guten Meter lang das Kriechtier. Wir haben Zeit, denn der Bus fährt doch nicht um 9, sondern erst um 13 Uhr. Jaja, ein zuverlässiges Portal mit allen Busverbindungen wäre ein schönes IT-Projekt für dieses Land. Fühlt sich zufällig irgendjemand aufgerufen? Hmm?

Ich nehme mir die Zeit, um die letzten 3 Tage zu verarbeiten, die hatten es durchaus in sich. Das Wandern durch den Corcovado Nationalpark bleibt wohl unvergesslich. Costa Rica ist besonders, und dieser Wald ist ein Herzstück davon.

Costa Rica ist wirklich klein, beherbergt aber 5% der Biodiversität unserer Erde. Das klingt… abstrakt. Konkreter: die Vielfalt des Lebens ist hier 250 mal so hoch wie in Mitteleuropa.

Noch anschaulicher: hier gibt es rund 250 mal so viele verschiedene Arten wie bei uns daheim. Zähl alle Baumarten auf, die Du kennst. Ergänze um all die Baumarten, die bei uns heimisch sind, und die Du nicht kennst. Und jetzt nimm die Liste 250 mal. BÄM!

Pflanzenarten im Urwald zu bestimmen geht kaum, da man ständig neue Arten entdeckt. Dito bei Insekten, Pilzen, … Das ist einfach irre und absolut schützenswert.

Wir durften das hautnah erleben, das ist ein Geschenk. Jetzt reisen wir weiter. Rechne also mal lieber mit weniger faszinierenden Bildern und Erlebnissen, zumindest was die Natur angeht.

Die Busreise ist unspektakulär, und ich bin damit beschäftigt, die Bilder der letzten Tage in den Blog zu basteln. Letztlich kommen wir in der Dämmerung in Uvita an und nehmen flink ein Taxi zur Unterkunft.

Ohne Jeeps wirkt es einladender. Ist aber wirklich hübsch hier.

Kleine Holzhäuschen auf Stelzen säumen einen Pool. Alles voller Palmen, wir hören das Meeresrauschen, Vögelchen zischen zwischen den Blättern und rufen fremde Klänge. Ein Pärchen Aras fliegt krächzend über uns weg. Die Unterkunft ist einfach, genau wie wir es brauchen. Gut, dass „2 Schlafzimmer“ bedeuten kann, dass ein Bett einfach in der Küche steht, die gleichzeitig Wohnraum ist und die Eingangstüre direkt hineinführt, das fällt wohl unter Interpretationsspielraum. Die Mückennetz an den Fenstern (ohne Glas) sind nicht ganz dicht, über der Eingangstür ist ein fingerbreiter Spalt. Nicht schlimm, wären da keine Moskitos. Aber Katrin pinnt ihr eigenes Mückennetz fürs Bett einfach an der Hokzdecke fest, und gut ist.

Wir suchen uns eine Soda zum essen. Sodas, das sind kleine Straßenrestaurants, meist mit lokaler Küche, einer handvoll Tische und Takeaway. Meist günstig, abwechslungsreich und oft gut. Heute besonders: die quirlige Köchin singt lauthals zu den Liedern mit, die Katrin vom Salsa Tanzen kennt. Und singt richtig gut! Die dezente Verpeiltheit gibt dem Ganzen etwas Komisches, und somit wird es richtig unterhaltsam.

Die kleine Soda mit der unterhaltsam singenden Köchin und dem leckeren Mampf.

Danach in den Pool, noch flink duschen und ab in die Falle. Morgen wollen wir Wale finden gehen. Nicht ganz auf eigene Faust, nein, das wäre sicher vergebens. Hier sollen die Chancen gut sein, bei einer Whale Watching Tour welche zu sehen. Wer weiß, vielleicht haben wir ja Glück. Gebucht haben wir einfach an unserer Rezeption, und dann jemandem per WhatsApp geschrieben, dass wir dabei sind. Umgehend kommen die wesentlichen Infos, alles ein bisschen improvisiert, aber immer funktioniert es, und hat dazu eine menschliche Note. Herrlich anders.