Montag 16.02.2026, Montezuma
Die Kühe haben bald Ruhe gegeben, der Brüllaffe auch. Der Ventilator hat uns wieder die ganze Nacht etwas Luft verschafft, ohne schaffen wir es einfach nicht. Braucht immerhin viel weniger Strom als eine Klimaanlage. Heute stehen wir schon um 5:15 auf, denn gestern war es schon arg hell, als wir an den Steg kommen. Diesmal liegt auch der Hinweg im Dunkeln, so sind wir zwar zeitig da, aber leider nicht die ersten. Ein Paar aus der offiziell buchbaren Unterkunft nahe des Steges hatte den kürzeren Weg und jetzt die Premiumplätze. Aber wir haben eh nicht so wahnsinnig viel Zeit, sei es den beiden also gegönnt.
Die Frösche quaken hier nicht so langgezogen, sondern eher kurz, fast schon klackernd. Es sind so viele, da klingt es fast, als spendeten sie Applaus für die grandiose Show von Vogelschwärmen, Flugshows, Naturparadies und Lichterspiel. Auch die Vögel machen ne Menge Radau, die Enten allen voran. Alles kreischt und ruft, zwitschert und krakehlt. Herrlich. So wird man auch ohne Kaffee wach. Wir beobachten wieder die üblichen Verdächtigen, und dann noch ein schönes Huhn, das im erwachsenen Federkleid herrlich blau leuchtet. Es ist das Purpurhuhn, der Name ist Programm. Es hat sehr große Füße und kann auf schwimmenden Blättern laufen, also Seerosen und dergleichen.
Um 7 sind wir zurück, denn um 8 wollen wir los. Google Maps sagt, wir bräuchten 2h30 bis Puntarenas, wo wir um 11 oder 12 die Fähre kriegen wollen. Wann die genau fährt ist unklar. Also einfach hinne machen und hoffen. Diesmal fahre ich die staubige Piste zurück und hole auf den 30 Kilometern schon einige Minuten auf. Aber Google Maps hat mal wieder recht, wir brauchen die 2h30. Die Autobahn ist teils schon 4-spurig ausgebaut, aber über eine lange Strecke ist gerade Baustelle, da wird sie von einer normalen Landstraße ordentlich verbreitert. Baustelle heißt langsam fahren. Aber wir kommen rechtzeitig nach Puntarenas.
Ein Stopp bei der Apotheke, damit Anja was gegen ihre spontan aufgetretene Bindehautentzündung holen kann (vermutlich wegen des Staubs durch die Kühe), und ein Stopp beim Geldautomaten, von denen es in Montezuma, unserem heutigen Ziel, keine gibt. Dann setze ich die 3 samt Gepäck bei der Fähre ab und bringe das Auto zurück. Die Rückgabe ist problemlos, und der Mitarbeiter bringt mich sogar wieder zur Fähre – perfekter Service von Alamo!

Jetzt sind wir entspannter und gehen an Bord. Hier verkehren 2 Schiffe im 3-Stunden-Takt und bringen Autos und Menschen auf die Halbinsel Nicoya. Viele Menschen. Auf der Fähre erhoffen wir uns Pelikane und Fregattvögel, sehen davon leider weniger als üblich, Fotos gelingen leider keine. Dafür brüten ein paar Schwalben und ein Taubenpärchen an Bord. Die Schwalben genießen die wilden Winde rund um das fahrende Schiff und segeln weltmeisterlich in wilden Schwüngen und Bögen mal zum Bug, dann zum Heck, dann wird ein Schmetterling aus der Luft gepflückt und zum Nest oben unterm Dach gebracht. Niedlich.

Zweimal sehe ich, wie ein Fischschwarm von Räubern an die Oberfläche gedrückt werden, so dass das Wasser kocht! Mit der Kamera am Anschlag und dem Finger am Trigger warte ich darauf, dass ein Wal herausbricht und den halben Fischschwarm verschlingt – aber es passiert leider nichts dergleichen.

Es ist warm, es sind viele Menschen, und es sind nur 2 Busse, die Cobana und Montezuma fahren. So ist es denn brechend voll im Bus, und heiß. So heiß! Nach ewigen eineinhalb Stunden endlich in Cobana, dort umsteigen in einen noch klapprigeren Bus und eine immer steiler werdende Straße hinab nach Montezuma. Ein bisschen Chaos ist es schon, aber irgendwie klappt doch immer alles: alle kommen an, alle bezahlen ihr Ticket, keine Unfälle, kein wildes Gehupe, alle behalten ihr Gepäck, kein Gedränge. Eigentlich fast besser als bei uns daheim.



In Montezuma haben Max und Katrin eine andere Unterkunft als wir. Unsere ist nur ein paar Meter weiter, so checken wir zügig ein. Wir hatten ohne Klimaanlage gebucht, da wir dachten, nach fast 3 Wochen hätten wir uns ja daran gewöhnt. Nunja. Da die Klima aber pro Nacht zarte 25$ extra kosten soll, kommen wir gern ohne aus. Bisher hat uns eine Nacht zu dritt immer so um die 50$ gekostet, hier ist es etwas teurer. Hier ist alles etwas teurer. Sogar ziemlich teuer.
Im Reiseführer gilt Montezuma noch als Backpacker-Dorf, inzwischen ist es aber sehr touristisch. Es ist klein und gemütlich, ja, aber inzwischen einer dieser offiziellen Geheimtipps, und entsprechend sind alle Preise und das Flair. Hat in Uvita ein Casado von der singenden Köchin in der Soda nur 1800 Colones (3 €) gekostet, sind es hier schlappe 6500 Colones (11 €)! Ein Batido kostet hier auch 5 €, das ist Rekord. Der Ort ist schon ziemlich durchgentrifiziert, definitiv der teuerste Ort, an dem wir waren. Hoffentlich wird Tortuguero angenehmer. Dort gibt es immerhin kein Gebrumme, da keine Straße dort hinführt.
Aber gemütlich ist der Ort, es wird einiges an Gras konsumiert, so dass vieles sehr entspannt läuft. Da braucht es dann keine deutsche Gehetztheit, nein, da heißt es, in den niedrigsten Gang schalten und das Pura Vida eben so geschehen lassen, wie es gerade geschieht. Wir treffen 2 Geburtstagsgäste von Katrin und Max und Katrin gleich mit dazu, so sitzen wir zu sechst gemütlich in der Bar über dem Strand und genießen den Nachmittag.


Wir sehen so einige Sonnenbrände auf weißer Haut, einige Strandschönlinge und -linginnen (ist das ein Wort!?), einige Rastas, einige alternative Lebensentwürfe im Stile von Ich-steige-aus-der-Gesellschaft-aus-und-lebe-am-Strand-von-der-Hand-in-den-Mund. Wir sehen (und hören!) viele Touristen auf ATVs, und viele Motorräder. Für die Größe des Ortes sind hier ständig laut brummende Motoren am Start, das trübt das Paradiesgefühl ein wenig. Wir sehen wenig Tiere und Vögel, das ist schade.
Mit M+J gehen wir zusammen Essen. Anja und ich bestellen ein Casado, also Reis mit Bohnen und Zeug dazu, Du weißt schon. Wir bekommen weniger ein Gericht aus Omas traditioneller Küche, als vielmehr ein Gericht aus dem Restaurant vom gelernten Koch. Auch okay, aber nicht das, was wir erwarten. Geschmacklich auch nicht besser, dafür deutlich weniger auf dem Teller. Nunja. Auf dem Heimweg kaufen wir im Supermarkt Chips aus Kochbananen und 2 Bier, und lassen damit den Abend zu zweit auf der Terrasse vor unserem Zimmer ausklingen.
Mir war im großen Reiserucksack eine Wasserflasche halb ausgelaufen, meine Klamotten hatten einen halben Liter Wasser aufgesogen. Die mussten wir in unserem Zimmerchen aufhängen, der Ventilator hat sie weitgehend getrocknet, aber das Zimmer ist jetzt ein Dampfbad. Das ist der große Vorteil einer Klimaanlage hier: man kann Sachen im Zimmer trocknen. Aber es geht, hier wird es nachts kühler, nur 25°C und ziemlich feucht. Der Pazifik hat hier 29 °C, ist also nachts wärmer als die Luft und gibt damit reichlich Feuchtigkeit ab. Wir lassen einfach wieder den Ventilator laufen…






























































































































































