Sri Lanka

Pfau

Fast vier Wochen auf Sri Lanka – besonders eine Backpacking-Tour ist die beste Gelegenheit, Vögel zu beobachten, weil man oft den Ort wechselt und organisatorisch ungebunden ist – wo es schön ist, bleibt man halt stehen. Zwar orientierte sich unser Tourenplan nicht an ornithologischen Highlights (so sollte kein ernsthafter Birder den Bundala-Nationalpark auslassen), aber da wir mit Ausnahme des Nordens die gesamte Insel abgeklappert haben, kam doch einiges zusammen.
Zur Vorbereitung nutze ich diverse Websites. Empfehlenswert sind Ceylon Bird Club, der Fat Birder, Birding Sri Lanka als auch Fotoreiseberichte. Schnell wurde klar: Da muss ein Buch her. Um Gewicht zu sparen, habe ich mich für das kompakte „Birds of Sri Lanka“ von Gehan de Silva Wijeyeratne entschieden. Wer mehr Tragekapazität hat oder nicht mit dem Rucksack reist, sollte aber, besonders für die Bestimmung von Limikolen und Möwen, ein umfangreicheres Buch wählen.

Bilder

Die besten Bilder gibts in der Galerie.

Ornithologische Stationen der Reise

  1. Kalpitiya – Halbinsel an der Westküste
  2. Wilpattu National Park – Ein Vogelparadies (mit Elefanten und Leoparden)
  3. Anuradhapura – Vögel in der Sacred City
  4. Trincomalee – An der Ostküste
  5. Sigiriya – Ein bisschen wie im Dschungelbuch
  6. Das Hochland mit Kandy, Nuwara Eliya und Haputale – Vögel und Teeplantagen
  7. Horton Plains National Park – Ein Vogelparadies am Ende der Welt
  8. Sinharaja Rain Forest Reserve – Der letzte Rest Primärregenwald
  9. Tangalle – Lagunen an der Südküste
  10. Die Südwestküste zwischen Galle und Colombo – Vogelgucken im Garten

Kalpitiya – Halbinsel an der Westküste

Unseren Urlaub starten wir an der Westküste auf der Halbinsel Kalpitiya. Nach einer äußerst anstrengenden Busfahrt vom International Airport landen wir in der absoluten Pampa auf Kalpitiya nahe der Talawila Road. Viel Natur ist hier nicht geblieben, die Straßen säumen langgezogene Siedlungen und Kokosplantagen, ein hübsches Kraftwerk gibt es auch. Es ist noch Regenzeit und ein bis zweimal am Tag bricht ein Regenschauer los, der alles überschwemmt, auch den Vorgarten unserer Unterkunft. Äußerst gemütlich lassen sich von der umlaufenden, offenen Veranda aus nach Fröschen fischende Kuh- und Paddyreiher aus nächster Nähe beobachten. Etwa auf der Mitte der Halbinsel befinden sich auf der Westseite ausgedehnte Lagunen am Meer. Hier verbringen wir unseren ersten Strandtag und freuen uns über unseren ersten Brahminenweih (aber wer auf Sri Lanka war, ohne einen zu sehen, muss blind sein…) und einen guten Bekannten, den Großen Brachvogel. An der Lagune halten sich Limikolen und Reiher auf (u.a. Kiebitzregenpfeifer, Sanderlinge, Seidenreiher), mit meinem Buch nicht identifizierbare Seeschwalben und Möwen suchen die Wasserlinie nach Essbarem ab. Am Strand füttern wir Straßenhunde und locken damit nicht minder hungrige Glanzkrähen an, die wunderschön zu beobachten sind. In den Mangrovengebüschen am Strand brütet ein Paar Blauschwanzspinte (welche auf Sri Lanka auch häufig zu beobachten sind). Aufsehenerregend war der erste Weißbauchseeadler mit seiner riesigen Spannweite.

Tipps: Extra zum Birden nach Kalpitiya zu fahren, lohnt sich meines Erachtens nicht. Evtl. sind die Puttalam Lagoon und die Dutch Bay lohnender, aber dort waren wir nicht. Birding kann man hier aber gut durch eine Delphintour erweitern.

Wilpattu National Park – Ein Vogelparadies (mit Elefanten und Leoparden)

Im Wilpattu Nationalpark wollten wir eigentlich Elefanten beobachten, was nur bedingt geklappt hat. Aber auch ornithologisch war der Park das Highlight der Tour und absolut empfehlenswert. Beim Wilpattu-Nationalpark, welcher in der ariden Zone der Insel liegt, handelt es sich um einen Trockenwald, der aber zu unserer Reisezeit Ende Dezember und Januar ausgedehnte Wasserflächen aufweist. Große Teile bestehen aus Sekundärwald. Die geschlossenenen Waldbereiche sind nur minder interessant, was die Vogelbeobachtung angeht. Am spannendsten waren die Stellen, wo der Busch in Offenflächen und Wasser übergeht. Der Park ist riesig und wird mit dem Jeep befahren, Aussteigen ist verboten, und Jagd gibt es nicht. Deswegen sind die Tiere unglaublich zutraulich, und es ist nicht ungewöhnlich, dass Vögel, aber auch Wasserbüffel, Krokos, Wild und Leoparden, zwei Meter neben dem Jeep sitzen oder jagen und sich nicht stören lassen.

Sehr häufig zu beobachten waren Pfauen, welche grazil auf den Offenflächen umherschreiten oder in den Bäumen sitzen. Ihr wunderschönes Miauen sollte uns von da an große Teile des Urlaubs begleiten. Kurz nach Einfahrt in den Park gab es schon zwei Highlights: Auf der Piste saßen einige endemische Ceylonhühner, der Nationalvogel des Landes (die halten sich auch sehr zahm an der Pausenstation auf). Direkt an der Fahrspur entdeckte unser Fahrer einen Fischuhu im Tageseinstand. Greifvögel sahen wir meist auf Bäumen sitzend, wie den üblichen Brahminenweih, aber auch den Schopfwespenbussard und den Haubenadler. Die Büsche am Wegesrand nutzten Smaragdspint und Blauschwanzspint als Jagdansitz, besonders ersterer ist extrem häufig. An den Wasserrändern entdeckten wir Rotlappenkiebitze, Uferschnepfen, Krabbentriele und Spießbekassine. Im Flachwasser waren Stelzenläufer, der riesige Buntstorch, Bruchwasserläufer, Javapfeifgans und Mittelreiher auf Nahrungssuche, ganz zu schweigen von diversen Krokodilen sämtlicher Größen. Ein Goldschakal machte sich erfolglos auf Limikolenfang.
Nach einer Leopardensichtung sagten wir unserem Fahrer, wenn wir jetzt noch den Malabarhornvogel sehen könnten, wären wir auch ohne Elefanten glücklich. Und schwupp, fuhr er uns hin, und wir konnten einen der eindrucksvollen Vögel beobachten. Nebendran saßen auch noch drei Sunda-Marabus auf einem Baum. Perfekt!

Weitere Besonderheiten, die wir die restlichen drei Wochen nicht oder nur selten wieder sahen, waren Shamadrossel, Orangespecht (eindrucksvoller Specht mit rotem Rücken!) und Goldbartvogel.
Einen Elefanten sahen wir dann auch noch, aber das war dann auch nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Tipps: Der Wilpattu lohnt sich vogeltechnisch sehr, aber eine Ganztagestour ist sowohl für den Fahrer als auch für die Reisenden extrem anstrengend. Wir würden nächstes Mal eher einen halben oder zwei halbe Tage einplanen.

Anuradhapura – Vögel in der Sacred City

Anuradhapura liegt in der Trockenzone Sri Lankas und bietet eine der eindrucksvollsten archäologischen Stätten Asiens, sagt mein Lonely Planet. Auch ohne viele Vergleichsmöglichkeiten ist das wahr! In der Sacred City, dem alten Teil der Stadt, der zugleich UNESCO-Weltkulturerbe ist, finden sich zahlreiche, über 2000 Jahre alte Dagobas (Stupas), welche zum Teil einfach unvorstellbar groß sind, zudem gibt es Klöster, Buddha-Figuren und einen heiligen Bodhi-Baum. An besonderen Tagen sind religiöse Prozessionen zu sehen. Das Areal ist sehr groß, verkehrsarm, und am besten mit dem Fahrrad zu erkunden (es gibt Verleihstationen). Da die Sacred City sehr grün ist, gibt es neben Kultur auch einiges an Tieren zu beobachten: Zwischen den Ruinen turnen Ceylon-Hutaffen und grasen Wasserbüffel. Besonders häufig sind Rußbülbüls, welche hier mengenmäßig unsere Haussperlinge ersetzen.

Hinduracke

Besondere ornithologische Highlights „zwischen den Ruinen“ waren zwei Hinduracken sowie einige Schwarzkopfibisse auf einer überfluteten Wiese.
Unsere Unterkunft befand sich auf dem Land einige Kilometer von der Stadt entfernt in Ihalakotiyawewa und verfügte über einen vogelreichen Garten, in dem von der Terrasse nebenbei unter anderem Schwarzflügel-Ioras, Ceylonnektarvögel und Strauchschmätzer beobachtet werden können. Und in den Bäumen miauen die Pfauen.

Tipps: Generell lohnt es sich sehr, beim Busfahren die Freileitungen neben der Straße zu beobachten, was bei den geringen Geschwindigkeiten oft gut geht. Hier sitzen, neben den dort hängengebliebenen mumifizierten oder skelettierten Flughunden, oft Drongos wie der Königsdrongo, Eisvögel, Bienenfresser und Krähen.

Trincomalee – An der Ostküste

Viel gibt es von der Ostküste, genauer gesagt von Uppuveli nördlich von Trincomalee, nicht zu berichten. Es war die meiste Zeit recht regnerisch und stürmisch, die Wellen hoch und der Strand eine Treibgut- und Müllhalde – Vorsaison.

Weißbauchseeadler

Es waren auch wenig Vögel zu sehen und wir haben auch nicht intensiv beobachtet. Ein regelmäßiger Gast war der Weißbauchseeadler, der seine Patrouille am Strand machte. Häufig waren, wie eigentlich überall auf Sri Lanka, Haussperlinge sowie Hirtenmainas. Am Fishermen’s Creek waren regelmäßig Reiher, darunter auch der Mangrovenreiher, anzutreffen. Das eindrucksvollste Schauspiel wiederholte sich jeden Abend, wenn hunderte Glanzkrähen und Indian Jungle Crows krächzend den Strand entlang in Richtung Trincomalee zogen, wahrscheinlich, um dort ihr Nachtquartier zu beziehen.

Tipps: Ein ganzes Stück weiter nördlich von Uppuveli liegt die Kokkilai Lagoon, welche ein bedeutendes Vogelschutzgebiet ist. Dort waren wir aber nicht.

Sigiriya – Ein bisschen wie im Dschungelbuch

Sehr lohnend, was die Vogelbeobachtung angeht, war neben dem Wilpattu Nationalpark die Gegend um Sigiriya. Hier ist das Land leicht hügelig, weniger dicht besiedelt als an den Küsten und von größeren Waldflächen bedeckt.
Sigiriya ist ein hohes Felsplateau mit einer Festungsruine und ist von Gartenanlagen umgeben. Der Felsen erhebt sich aus nebeldampfenden Dschungel voller Affen, Vögel und sogar Elefanten gibt es hier. Für einen Besuch bieten sich die frühen Morgenstunden an, um den Felsen sausen Schwalben (Ceylon Swallow, Malabarsalangane und Hütteschwalbe ) und im Dschungel rufen die Affen.

Wir hatten das Glück, zufällig eine Unterkunft (mit dem lustigen Namen „Bananaa Rest“) mit einem unglaublich vogelreichen Garten, gelegen an einem See, zu erwischen, dessen Besitzer meinte, er würde nie Tiere vertreiben und deswegen seien hier so viele. Ein Glück für uns (und natürlich auch die Tiere!). Im Garten lebten Riesenhörnchen, Indisches Palmhörnchen, Rotbrauner Mungo sowie Bengalwaran, allesamt gut zu beobachten. Der See ist angeblich krokodilfrei, dennnoch musste ich beim Beobachten ab und an um mich schauen… sicher ist sicher. Zudem war der Garten voll mit Vögeln, so dass jeden morgen früh aufstehen angesagt war. Zu beobachten waren in den Bäumen und Sträuchern Glanzkrähe, Braunkopfliest, Schwarzkopfpirol mit seinem schönen Gesang, Asiatischer Paradiesschnäpper, Andamanen-Grüntaube, Bronzefruchttaube und Halsbandsittich. Auch Pfauen hielten sich in den umgebenden Gehölzen auf und landeten öfters auf den Hüttendächern. Auf den angrenzenden Feld suchten Haussperling, Spitzschwanz-Bronzemännchen (diese hatten auch mindestens ein Nest im Garten), Muskatbronzemännchen, Schwarzbauchnonne (ebenfalls Nest im Garten), Schlichtprinie und Rostbauchprinie nach Nahrung. Auf dem See, welcher sehr flach und flächendeckend mit Lotus bewachsen war, waren regelmäßig Fasanblatthühnchen und Graukopf-Purpurhuhn zu sehen. Am Boden waren zumeist Perlhalstauben sowie die äußerst spannend zu beobachteten Gelbschnabeldrosslinge unterwegs.

Rußbülbül

Diese zerlegten im Trupp eine riesige Gottesanbeterin, die sie vorher dem endemischen Ceylonbrillenwürger abgeluchst hatten. Letzterer verwendete, wie Dajaldrossel und Strauchschmätzer, die Leitungen im Garten als Ansitz. Abends erhob sich ein Geschrei im Gehölz und eine riesige Eule, ein Nepaluhu, flog in einen Baum ein und scheuchte eine Wolke an Kleinvögeln auf. Der Besitzer meinte, es käme regelmäßig ein englisches Ehepaar, welches nur im Garten säße und Vögel beobachte. Er fand das seltsam, ich aber konnte das voll und ganz nachvollziehen :).
Bei Ausflügen in die Umgebung zum Pidurangala (Berg) und Thalkote Wewa (See) hatten wir noch das Glück, eine Gruppe der wunderschönen Silberklaffschnäbel auf einem Reisfeld zu sehen.

Tipp: Ich vermute, dass man in der Gegend um Sigiriya noch einiges mehr sehen kann, wenn man sich mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour begibt und sich evtl. einen vogelkundigen Guide mietet. Das ist der Plan für den nächsten Besuch, sollte er denn kommen.

Das Hochland mit Kandy, Nuwara Eliya und Haputale – Vögel und Teeplantagen

Unser Tor zum Hochland war die Stadt Kandy, die zwar eindeutig schöne Seiten hat, uns aber total überforderte (Verkehrschaos, nervige Schlepper, schreckliche Unterkunft). Mitten in der Stadt liegt der Kandy Lake, welcher eindeutige gute Beobachtungsmöglichkeiten bietet, wenn man denn das Chaos um sich herum ignorieren kann. Hier gibt es diverse Kormorane, Reiher, darunter Nachtreiher, Hausentenkreuzungen und Weißbrust-Kielrallen zu beobachten. Abends kreisen hunderte kreischende Flughunde über dem See. Scheinbar sammeln sich auch die Vögel aus x km Umkreis zum Schlafen in der Stadt, so dass besonders abends die Bäume um den See voll sind mit tausenden, schreienden Vögeln (Krähen und Mainas insbesondere), was sich mit Menschen, Verkehr und Flughunden zu einer Kakophonie sondergleichen verbindet. Das sollte man auf jeden Fall erlebt haben, wenn man Kandy besucht.
In der Nähe der Stadt kann man natürlich auch einiges unternehmen, wir haben zum Beispiel die „Drei-Tempel-Wanderung“ (Embekka Devale, Lankatilake-Tempel und Gadaladeniya-Tempel) gemacht, welche durch kleine Dörfer, Reisfelder und Wälder führt, und den Botanischen Garten Peradeniya besucht. Bei der Wanderung flog uns zum Beispiel der erste Häherkuckuck über den Weg, den wir bisher nur gehört hatten, und auf den Reisfeldern lassen sich gut Reiher beobachten. Im Botanischen Garten sahen wir einen Orangespecht und andere Arten aus nächster Nähe.
Nach dem Stress in Kandy kam uns Nuwara Eliya, auch „Klein-England“ genannt, wie eine Oase vor. Kühl, ruhig und im Hochland gelegen ist die Stadt ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Hortons Plains Nationalpark (siehe nächstes Kapitel). Beim Schlendern am Seeufer kann man leicht die wunderschönen Indian Jungle Crows beobachten, außerdem die überall vorkommenden Hirtenmainas , Haussperlinge und Rußbülbüls, auch ein Mohrenschwarzkehlchen zeigte sich.

Lotens Nektarvogel

In Haputale, eine kleine Stadt mit wahnsinniger Aussicht (wenn es mal nicht neblig ist), toben unter anderem Rotstirn-Schneidervogel, Java Kohlmeise, Ceylonnektarvogel, Purpurnektarvogel und Graubrustdrongo vor unserem Balkon. Abends laufen wir noch im Thangamale Schutzgebiet vorbei, in dem es laut Infotafel zahlreiche spannende Arten geben soll, die auf unserer Liste noch fehlten – wir laufen durch das Gebiet zu einem Kloster und hören einige Vögel, sehen aber keinen einzigen. 🙂 Außerhalb des Waldes, direkt am Straßenrand, sehen wir die unglaubliche hübsche Graukappen-Glanztaube und ein Rotbauchadler zieht über uns hinweg.

Horton Plains National Park – Ein Vogelparadies am Ende der Welt

Aus unserem Reiseführer haben wir den Tipp, einen vogelkundigen Führer wie Kaneel Rajanayeka zu wählen – und das hat sich sowas von gelohnt, da er alle Vögel auch an Gesang und Ruf erkennt und auch botanisch und geologisch sehr bewandert ist. Ohne ihn hätten wir sicher deutlich weniger gesehen. Trotz eines frühen Starts in Nuwara Eliya stehen wir an der Eintrittskasse erst mal in der Schlange, puh. So haben wir genügend Gelegenheit, eine Gebirgsstelze im Gewässer unter dem Häuschen zu beobachten. Aber unser Führer ist gewitzt und so fahren wir relativ bald auf den Parkplatz ein, wo schon ein zahmer Sambarhirsch herumläuft und scheinbar auf Futter wartet. Am Eintritt in den Park werden uns Feuerzeuge, Zigaretten und Plastiktüten abgenommen, auch Flaschenbanderolen aus Plastik müssen ab, Sandwiches werden in Papier eingepackt. Das scheint hier leider der einzige Weg zu sein, die Vermüllung der Natur zu verhindern, die auf Sri Lanka noch überall gegenwärtig ist. Und tatsächlich, der Nationalpark ist das müllfreieste Fleckchen Sri Lankas!
Hortons Plains besteht aus Bergnebelwald, der sehr an den Nebelwald der Kanaren erinnert, und Grasland. Schon am ersten Busch bricht Hektik aus, als Kaneel all die Vögel zeigt und aufzählt, die dort toben – Java Kohlmeise, Graukopf-Kanarienschnäpper, Samtstirnkleiber sowie die Endemiten Ceylonschnäpper und Ceylonbrillenvogel geben sich im Sekundentakt die Klinke in die Flügel.

Schmuckbülbül

Alle wach jetzt… World’s End, die Klippe, von der aus man in den Nebel schaut, wenn man zu spät dran ist, kann auch warten, wenn nebendran im Busch der nächste Endemit, der Schmuckbülbül, singt. Auf dem Weg zum Bakers Fall sehen wir noch einen (ebenfalls endemischen) Strickland-Specht, der im Bergwald trommelt, außerdem Zistensänger, Hütteschwalben und Mohrenschwarzkehlchen in den Büschen im Grasland, über uns fliegt ein Malaienadler hinweg. Neben Vögeln hat der Park Sambarhirsche zu bieten und in gefühlt jedem Busch sitzt ein Reptil beim Sonnenbaden. Besonders häufig sind der endemische Black-lipped Lizard, aber wir haben auch eine Hornagame entdeckt – man muss nur gaaaaanz genau hinschauen.
Nachdem Kaneel meinen Vogeltick bemerkt hatte, erzählte er lustige Geschichten von total verrückten Birdern, die ihn einzig und allein engagiert hatten, um ihnen das Indian Blue Robin zu zeigen, und deswegen extra von Colombo für einen Tag nach Horton Plains gekommen sind, um nicht ohne diese Art auf ihrer Lifelist heimfliegen zu müssen. So verrückt sind wir zum Glück nicht, es lohnt sich definitiv, sich auch den Rest von Horton Plains anzuschauen. 🙂 Gute Stellen für das Ceylon-Woodpigeon kennt Kaneel auch, aber wir hatten kein Glück.

Sinharaja Rain Forest Reserve – Der letzte Rest Primärregenwald

Vom Hochland fuhren wir mit dem Bus in Richtung Süden, nach Deniyaya, welches unser Ausgangspunkt für den Besuch den Sinharaja-Regenwaldes sein sollte. In der feuchten Zone in Sri Lankas Südwesten befindet sich das größte Waldgebiet des Landes mit Primärwald. Die Besitzer des Sinharaja Rest sind naturkundig und bieten Führungen durch den Regenwald an, und so zogen wir am nächsten Tag mit Pali, seinem Neffen und einer leider deutlich zu großen Gruppe an Touris los und wanderten bis zum frühen Nachmittag durch den Wald zu einem Fluss mit Bademöglichkeit. Die große Gruppe Menschen war deutlich zu laut, um wirklich gute Beobachtungschancen zu haben, aber da hatten wir einfach einen schlechten Tag erwischt, an der Kompetenz der Führer lag es sicher nicht. So blieb uns die Beobachtung einer endemischen Sri Lanka Blue Magpie (Schmuckkitta) leider vorenthalten.

Ceylonschnäpper

Im geschlossenen Wald selber war es ohnehin schwierig, Vögel zu erspähen, ich erinnere mich spontan nur noch an einen Asiatischer Paradiesschnäpper (hier in der indischen, weißen Unterart mit den wahnsinnig langen Schwanzfedern), der am Fluß in den Wald hineinflog, sowie an einen Ceylonschnäpper, der sein Nest direkt über den Wanderweg gebaut hatte und sich durch uns nicht stören ließ. In der Nähe des Infozentrums erspähten wir noch einen Goldbrauenbülbül. Fein! Aber die zahlreichen anderen Tiere im Wald (Känguruagame, Sägerückenagame, Lyrakopfagame, die schwarze Form des Sri-Lanka-Riesenhörnchens, Tausendfüßler, Schlangen, Taranteln und die riesigen Philippinischen Seidenspinnen) zusammen mit der Geräuschkulisse der Zikaden entschädigten absolut für den fast Komplettausfall an Vogelbeobachtungen.
Spannender wurde es, als wir den Wald am Kassenhäuschen wieder verließen und in Richtung Dorf zum Auto liefen. In den Gehölzen zwischen den Reisfeldern war ein Indien-Rotschnabelbülbül sowie ein Elsterraupenschmätzer unterwegs. Besonders freuten wir uns über die endemischen Arten Goldstirn-Bartvogel und Ceylonpapageichen, die zwischen Freileitung, Büschen und Bananenstauden hin- und herwuselten. Die Freileitung nutzte auch unser erster Braunkopfspint als Ansitz. So war der Trip auch ohne Blue Magpie auch ornithologisch nicht ganz uninteressant.

Tipps: Für den nächsten Sri Lanka-Besuch würde ich den Sinharaja-Regenwald von Kudawa aus besuchen. Zwei andere Birder berichteten, in der Blue Magpie Lodge würde die Blue Magpie im Garten herumtoben. Neid!

Tangalle – Lagunen an der Südküste

Nach so viel Hochland und Regenwald wollen wir nochmal an den Strand. Glück hatten wir, denn in Tangalle, wo wir dem Touristenrummel der Südküste entgehen wollen, ist es wirklich ruhig, zumindest am Marakolliya Beach in der Nähe der Rekawa Lagoon. Und direkt hinter unserer Unterkunft befindet sich ebenfalls eine kleine Lagune, auf der sich hunderte Vögel, allen vorweg die gesamte Palette der Reiherarten, tummelt. Die Lust, noch große Ausflüge zu starten, ist nach drei Wochen Urlaub etwas erschöpft und wir begnügen uns mit Strandwandern und Wasservögel in unserer Minilagune gucken. Ein bisschen Zuhausegefühl lassen Kormoran, Silberreiher, Graureiher, Puprpurreiher, Seidenreiher, Zwergtaucher sowie die Halsbandsittiche aufkommen, welche in den Palmen vor unserem Fenster schlafen.

Kormorane

Zudem bietet die Lagune Mohrenscharbe, Braunwangenscharbe, Mittelreiher, Paddyreiher, Mangrovenreiher und Kuhreiher. Außerdem gibt es Rotlappenkiebitze, Krabbentriele, Löffler und die wunderschönen Buntstörche. In einem Baum trocknet ein Altwelt-Schlangenvogel und die Weißbrust-Kielrallen können wir endlich als die Verursacher eines Geschreis identifizieren, was wir schon oft gehört hatten und was einem kalte Schauer den Rücken runterjagt. Auch das Spektrum an Eisvögeln ist groß: Neben den auch in Deutschland vorkommenden Eisvögeln gab es regelmäßig Storchschnabelliest, Braunliest und Graufischer zu sehen. Besonders letzterer rüttelt wie ein Turmfalke über dem Wasser und ist interessant zu beobachten. An Limikolen waren Rotschenkel, Grünschenkel, Stelzenläufer, Flussuferläufer und Teichwasserläufer anwesend.

Braunliest

Über dem Wasser jagte regelmäßig ein Trupp Weißbart-Seeschwalben, auch Rauchschwalben waren zahlreich. Um die Lagune herum war auch immer einiges los: Purpurnektarvogel, Schwarzkopfpirol, Blauschwanzspinte, Hirtenmainas, Braunwürger und Ceylonbrillenwürger waren regelmäßig zu beobachten. Erstmalig sahen wir auch den Indischen Koël und den winzigen Lachsschnabel-Mistelfresser (was ein Name…).

Tipps: Diese kleine Lagune ist wirklich einen Besuch wert, besonders in den Morgenstunden halten sich hier hunderte Reiher auf, die zum Einbruch der Dunkelheit zum Schlafen zurückkehren. Die Beobachtungsbedingungen sind gut, da ein Damm mit einer Straße durch die Lagune verläuft. Die Lagune liegt südlich des Westendes der großen Rekawa-Lagune.

Die Südwestküste zwischen Galle und Colombo

Der Urlaub neigt sich dem Ende und wir ziehen in Richtung Flughafen Colombo entlang der Westküste. Für einen Abstecher nach Galle übernachten wir in Dodanduwa, dann ziehen wir nach Ahungalla und unternehmen eine Bootstour über den Maduganga Lake, welche so entspannend ist, dass wir noch nicht einmal das Fernglas in die Hand nehmen müssen. 🙂

Indischer Koel

Ergiebiger ist Vogelbeobachtung im Garten unseres Homestays: Vom Balkon aus lassen sich vortrefflich Paradies-Fliegenschnäpper, Rotstirn-Schneidervogel, Graubrustdrongo, Halsbandsittich, Heckenkuckuck, Indischer Koël und Purpurnektarvogel beobachten. Letzterer hat im Garten sein kleines, beutelförmiges Nest gebaut und war immer ganz aufgeregt, wenn man mal kurz vorbei musste. Mit einer Bahnfahrt nach Colombo endet ein auch ornithologisch sehr schöner und ergiebiger Urlaub in einem Land mit unglaublich netten Menschen, die mich auf eine baldige Rückkehr hoffen lassen. Nicht nur, um den verpassten Bundala-Nationalpark nachzuholen. 🙂

Artenliste

In alphabetischer Reihenfolge flogen uns über den Weg:

Deutscher Name Englischer Name Wissenschaftlicher Name
Zwergtaucher Little Grebe Tachybaptus ruficollis
Mohrenscharbe Little Cormorant Microcarbo niger
Braunwangenscharbe Indian Cormorant Phalacrocorax fuscicollis
Kormoran Great Cormorant Phalacrocorax carbo
Altwelt-Schlangenhalsvogel Oriental Darter Anhinga melanogaster
Seidenreiher Little Egret Egretta garzetta
Silberreiher Great Egret Ardea alba
Mittelreiher Intermediate Egret Egretta intermedia
Graureiher Grey Heron Ardea cinerea
Purpurreiher Purple Heron Ardea purpurea
Kuhreiher Cattle Egret Bubulcus ibis coromandus
Paddyreiher Indian Pond Heron Ardeola grayii
Mangrovenreiher Striated Heron Butorides striatus
Nachtreiher Black-crowned Night Heron Nycticorax nycticorax
Zwergdommel Yellow Bittern Ixobrychus sinensis
Buntstorch Painted Stork Mycteria leucocephala
Silberklaffschnabel Asian Openbill Anastomus oscitans
Sunda-Marabu Lesser Adjutant Leptoptilos javanicus
Schwarzkopfibis Black-headed Ibis Threskiornis melanocephalus
Löffler Eurasian Spoonbill Platalea leucorodia
Javapfeifgans Lesser Whistling Duck Dendrocygna javanica
Schopfwespenbussard Crested Honey Buzzard Pernis ptilorhynchus
Brahminenweih Brahminy Kite Haliastur indus
Weißbauchseeadler White-bellied Sea-eagle Haliaeetus leucogaster
Graukopfseeadler Grey-headed Fish-eagle Ichthyophaga ichthyaetus
Malaienadler Black eagle Ictinaetus malaiensis
Rotbauchadler Rufous-bellied Eagle Hieraaetus kienerii
Haubenadler Crested Hawk-eagle Nisaetus cirrhatus
Ceylonhuhn Ceylon Junglefowl Gallus lafayetii
Pfau Indian Peafowl Pavo cristatus
Weißbrust-Kielralle White-breasted Waterhen Amaurornis phoenicurus
Graukopf-Purpurhuhn Grey-headed Swamphen Porphyrio poliocephalus poliocephalus (group)
Fasanblatthühnchen Pheasant-tailed Jacana Hydrophasianus chirurgus
Pazifischer Goldregenpfeifer Pacific Golden Plover Pluvialis fulva
Kiebitzregenpfeifer Grey Plover Pluvialis squatarola
Rotlappenkiebitz Red-wattled Lapwing Vanellus indicus
Spießbekassine Pin-tailed Snipe Gallinago stenura
Uferschnepfe Black-tailed Godwit Limosa limosa
Regenbrachvogel Whimbrel Numenius phaeopus
Großer Brachvogel Eurasian Curlew Numenius arquata
Rotschenkel Common Redshank Tringa totanus
Grünschenkel Common Greenshank Tringa nebularia
Teichwasserläufer Marsh Sandpiper Tringa stagnatilis
Bruchwasserläufer Wood Sandpiper Tringa glareola
Flussuferläufer Common Sandpiper Actitis hypoleucos
Sanderling Sanderling Calidris alba
Stelzenläufer Black-winged Stilt Himantopus himantopus
Krabbentriel Great Thick-knee Esacus recurvirostris
Eilseeschwalbe Greater Crested Tern Sterna bergii
Weißbart-Seeschwalbe Whiskered Tern Chlidonias hybridus
Perlhalstaube Spotted Dove Streptopelia chinensis
Graukappen-Glanztaube Emerald Dove Chalcophaps indica
Andamanen-Grüntaube Ceylon Green-pigeon Treron pompadora
Bronzefruchttaube Green Imerial-dove Ducula aenea
Ceylonpapageichen Ceylon Hanging-parrot Loriculus berryllinus
Alexandersittich Alexandrine Parakeet Psittacula eupatria
Halsbandsittich Rose-ringed Parakeet Psittacula krameri
Heckenkuckuck Southern Coucal Centropus sinensis parroti
Indischer Koël Asian Koel Eudynamys scolopacea
Nepaluhu Spot-bellied Eagle-owl Bubo nipalensis
Fischuhu Brown Fish Owl Ketupa zeylonensis
Malabarsalangane Indian Swiftlet Aerodramus unicolor
Bengalensegler Asian Palm Swift Cypsiurus balasiensis
Eisvogel Common Kingfisher Alcedo atthis
Storchschnabelliest Stork-billed Kingfisher Pelargopsis capensis
Braunliest White-throated Kingfisher Halcyon smyrnensis
Graufischer Pied Kingfisher Ceryle rudis
Smaragdspint Green Bee-eater Merops orientalis
Blauschwanzspint Blue-tailed Bee-eater Merops philippinus
Bienenfresser European Bee-eater Merops apiaster
Braunkopfspint Chestnut-headed Bee-eater Merops leschenaulti
Hinduracke Indian Roller Coracias benghalensis
Malabarhornvogel Malabar Pied Hornbill Anthracoceros coronatus
Goldstirn-Bartvogel Yellow-fronted Barbet Megalaima flavifrons
Goldbartvogel Coppersmith Barbet Megalaima haemacephala
Orangespecht Ceylon red-backed Woodpecker Dinopium benghalense
Strickland-Specht Greater Flameback Chrysocolaptes stricklandii
Rauchschwalbe Barn Swallow Hirundo rustica
Hütteschwalbe Hill Swallow Hirundo domicula
Ceylon Swallow Hirundo hyperythra
Gebirgsstelze Grey Wagtail Motacilla cinerea
Orientspornpieper Paddyfield Pipit Anthus rufulus malayensis
Zwergmennigvogel Small Minvet Pericrocotus cinnamomeus
Elsterraupenschmätzer Pied Flycatcher-shrike Hemipus picatus
Ceylonbrillenwürger Ceylon Woodshrike Tephrodornis affinis
Asiatischer Paradiesschnäpper Asian Paradise Flycatcher Terpsiphone paradisi
Rußbülbül Red-vented Bulbul Pycnonotus cafer
Schmuckbülbül Yellow-eared Bulbul Pycnonotus penicillatus
Weißbrauenbülbül White-browed Bulbul Pycnonotus luteolus
Goldbrauenbülbül Yellow-browed Bulbul Acritillas indica
Indien-Rotschnabelbülbül Square-tailed black Bulbul Hypsipetes ganeesa humii
Schwarzflügel-Iora Common Iora Aegithina tiphia
Braunwürger Brown Shrike Lanius cristatus
Ceylonschnäpper Dusky blue Flycatcher Eumyias sordidus
Graukopf-Kanarienschnäpper Grey-headed Canary-flycatcher Culicicapa ceylonensis
Dajaldrossel Oriental Magpie-robin Copsychus saularis
Schamadrossel White-rumped Shama Copsychus malabaricus
Strauchschmätzer Indian Black Robin Saxicoloides fulicata
Mohrenschwarzkehlchen Pied Bush Chat Saxicola caprata
Gelbschnabeldrossling Yellow-billed Babbler Turdoides affinis
Cistensänger Zitting Cisticola Cisticola juncidis
Graubrustprinie Grey-breasted Prinia Prinia hodgsonii
Rostbauchprinie Ashy Prinia Prinia socialis brevicauda
Schlichtprinie Plain Prinia Prinia inornata insularis
Rotstirn-Schneidervogel Common Tailorbird Orthotomus sutorius sutorius
Java Kohlmeise Cinereous Tit Parus cinereus
Samtstirnkleiber Velvet-fronted Nuthatch Sitta frontalis
Lachsschnabel-Mistelfresser Pale-billed Flowerpecker Dicaeum erythrorhynchos
Ceylonnektarvogel Purple-rumped Sunbird Leptocoma zeylonica
Purpurnektarvogel Purple Sunbird Cinnyris asiaticus
Lotusnektarvogel Loten’s Sunbird Cinnyris lotenius
Ceylonbrillenvogel Ceylon White-eye Zosterops ceylonensis
Spitzschwanz-Bronzemännchen White-rumped Munia Lonchura striata striata
Muskatbronzemännchen Scaly-breasted Munia Lonchura punctulata
Schwarzbauchnonne Tri-colored Munia Lonchura malacca malacca
Haussperling House Sparrow Passer domesticus
Bajaweber Baya Weaver Ploceus philippinus
Hirtenmaina Common Myna Acridotheres tristis
Schwarzkopfpirol Black-hooded Oriole Oriolus xanthornus
Königsdrongo Black Drongo Dicrurus marcrocercus
Graubrustdrongo White-bellied Drongo Dicrurus caerulescens
Glanzkrähe House Crow Corvus splendens
Indian Jungle Crow Corvus culminatus

Dazu kommen natürlich noch einige unidentifizierbare Kleinvogelarten und Seeschwalben, die dem Foto entwischt sind. Aber 123 Arten, davon 93 Lifer, sind vollkommen befriedigend 🙂