Whale Watching

Montag, 09.02.2026, Uvita

Anderer Ort, anderes Vogelgezwitscher am Morgen. Dabei sind wir doch gar nicht so weit gefahren. Die Distanz war wie von Mannheim nach Stuttgart, und trotzdem scheint sich viel in der Natur zu verändern. Meine ungeübten Augen können es nicht genau erkennen, so fühle ich die Unterschiede eher.

Wir frühstücken am Pool – unsere Butze hat nur 2 Stühle und recht wenig Platz. Wie anders man bauen kann, wenn es permanent zwischen 20 und 35 Grad hat, ist bemerkenswert. Fenster haben keine Scheiben sondern Fliegengitter. Isolierung nicht nötig, warmes Wasser dito. Breites Dach ist Pflicht, gegen Sonne wie auch gegen starken Regen zu Regenzeit – keine Fensterscheiben… Nur das Schlafzimmer hat eine Klimaanlage und Glasfenster. Ventilatoren gibt es 2 große für die 2 kleinen Räume, die helfen auch gut dabei, Sachen zu trocknen. Wenn jemand herumläuft, wackelt das ganze Gebäude. „Haus“ will ich es nicht nennen, das weckt falsche Vorstellungen. Gemütlich ist es allemal, und völlig hinreichend, also prima.

Uvita ist ein Surfer-Paradies. Kleine Lädchen haben mit gemütlicher Musik bis spät abends offen, überall sind Bilderbuch-Surfer, natürlich auch nicht-so-Bilderbuch-Surfer. Aber das Flair ist definitiv sehr surfig.

Der Strand ist Nationalpark, am Eingang treffen wir Gerald von der Whale Watching Tour, natürlich pünktlich um 8:27, denn um 8:30 soll es losgehen. Der schlürft genüsslich eine frische Kokosnuss und zeigt sich wenig gehetzt – kein Wunder, denn losgehen tut es erst um 9 Uhr. Die Deutschen sind natürlich schon da. So nimmt sich Gerald Zeit für uns, zeigt uns einige Vögel und Echsen, sogar einen Kaiman und später ein Krokodil, von dem wir nur die Nasenspitze aus dem Wasser glänzen sehen. 3 Meter sei es lang, aber keine Gefahr für Menschen, solange man mit ihm nicht Unterwasserrugby spielen will. Gerald ist hier in Uvita aufgewachsen und hat erlebt, wie sich der Ort aus der Armut heraus entwickelt hat. Heute geht es allen besser, niemand muss mehr Tiere jagen um leben zu können. Das ist gut. Umweltschutz durch Tourismus.

Die frischen Kokosnüsse kosten 1000 Colones, oder 1,40 €. Aber Gerald zeigt uns, wie er zusammen mit seinen Freunden als Kinder herausgefunden haben, wie man eine Kokosnuss, von denen hier etliche herumliegen, nur mit einem spitzen Stock und einem Stein in einer Minute knackt. So trinken wir frisches Kokoswasser und knabbern das Fruchtfleisch kostenlos. Die Technik werde ich die nächsten Wochen üben, das wird ein Genuss!

Mittlerweile sind die Boote für die Tour ins Wasser gebracht, und wir stoßen zum Rest unserer Gruppe. Jeremy ist unser Sailor und Whale Spotter heute, unter seiner Anleitung legen wir alles Schwimmwesten an und folgen ihm in Richtung Wasser. Das Boot wartet in der seichten Brandung, trotzdem ist es etwas holprig und abenteuerlich, denn in unseren Rucksäcken sind Kameras, Fernglas, Handys und mehr.

Jeremy hat eine starke Stimme und macht damit mächtig Stimmung. Er muss gegen den Motor anbrüllen, der uns mit 50 km/h übers Wasser trägt. Aber Jeremy ist lauter. Anfangs wirkt er komplett überdreht, aber offenbar ist er einfach so: high von Costa Rica und der täglichen Fahrt zu Walen und Delfinen.

Nur ein paar Minuten lang schießen wir aufs offene Meer, dann ruft Jeremy schon: Wal voraus! Rund ein Dutzend Boote, jedes mit 2 Dutzend Passagieren, tummeln sich bald um einen Felsen, in dessen Schutz zwei adulte Buckelwale ihr eines Kleines beschützen. Offenes, tiefes Meer ist für junge Kälber wohl gefährlich.

Alle 5 bis 7 Minuten kommt das Kleine rauf um zu atmen, taucht dabei 2 oder 3 mal auf. Halb so oft kommen die beiden Großen rauf. Aber warte… „groß“ passt hier nicht. Hmm… Gewaltig. Ja, gewaltig sind diese… Ohje, ich merke, wie ich direkt versucht bin, die typische Sprache zu verwenden, mit denen über Wale berichtet wird. Aber es hat eben einen guten Grund, warum Wale als „Riesen der Meere“ bezeichnet werden. Nämlich einfach deshalb, weil sie genau das sind: riesig und gewaltig.

Über eine Stunde begleiten die Boote im sehr ruhigen Standgas die Giganten. Natürlich warten wir alle auf die Fluke, die gibt es aber nur, wenn die Großen tief hinab tauchen wollen. Das ist hier im verhältnismäßig flachen Wasser eher unwahrscheinlich.

Jeremy gibt sein Bestes, beschwört uns regelrecht, unsere good vibes ins Meer zu senden, denn das bringe Glück, und ihm damit gutes Trinkgeld, und lacht laut. Er hat es wirklich drauf, weiß gut, wo die Jonaverschlinger als nächstes blasen, und vor allem wann, sein Timing ist klasse. Auch bringt er das Boot prima in Position, so dass jeder einen guten Blick bekommt. Ist der Wal links, wollen alle nach links, doch dann würde das Boot kippen und kentern, und wir wären auf einmal auf Augenhöhe mit den Buckelwalen. Doch Jeremy greift immer schnell ein und bringt Ordnung: jeder auf seine Seite, die links hinsetzen, die rechts aufstehen.

Und dann doch, wir haben Glück, und nicht nur einmal! Ich probier es hier mal mit nem Video, einfach unbearbeitet.

Irgendwann ist es gut, alle haben sich etwas beruhigt und wir lassen die Ballenas in Frieden. Jeremy tuckert etwas auf Abstand, gibt Vollgas und fährt eine scharfe Kurve, Kurs auf die Felsenküste. Ja, hier ist nicht überall Strand. Teils ragen steile Klippen aus der Brandung, und in diese sind tiefe Höhlen gespült, hier einige hundert, teils sogar Tunnels. Durchfahren unmöglich, aber eindrucksvoll und schön. Er erzählt noch einiges über die Inseln und Buchten, empfiehlt eine Badebucht, aber das ist alles irgendwie uninteressant, ich kann mir nichts davon merken.

Wir kehren um, und Jeremy sieht bald ein Boot, das bei den Walen geblieben ist, lässt uns abstimmen, ob wir bei der Isla Ballena schwimmen, oder lieber die junge Familie noch ein wenig begleiten wollen. Die Kurzzeitdemokratie offenbart eindeutiges Interesse, und so erleben wir, wie das Kalb neugierig die Boote beäugt, und wie die Giganten schemenhaft unter unserem Kahn durchtauchen. Die Nussschale fühlt sich auf einmal winzig an, und wir uns wie schnelllebige, zappelige Eintagsfliegen. Gerne würde ich ins Wasser springen, unt der Oberfläche die ganzen Körper der Giganten sehen. Ein andermal vielleicht. Ein Boot mit durchsichtigem Boden wäre auch klasse.

Fregattvögel fischen und ärgern sich gegenseitig
Statt Möwen gibt es hier diese prächtigen großen Meeresflieger

Irgendwann ist es genug, wir gönnen den Humpbacks ihre Ruhe und stören nicht länger. Auf zurück an den Strand, Trinkgeld in Jeremys Hand gedrückt, und erstmal eine Kokosnuss geschlürft – diesmal noch gekauft. Die Boote werden an Land geholt, die Show ist für heute vorbei.

Wir wandern noch ein wenig am Strand und auf die berühmte Walflosse, holen uns auf dem Rückweg ein Batido, und ich mir den ersten Sonnenbrand. Seufz. Ja klar hab ich mich eingecremt, und unter Schutzfaktor 50 brauchen Weißhäute wie wir gar nicht anfangen. Die Sonne steht hier mittags fast senkrecht, und somit ist verflixt wenig Atmosphäre zwischen ihr und mir, so dass jede vergessene oder blankgewaschene Stelle ratz fatz ankokelt. Immerhin habe ich es schon eine Woche ohne geschafft. Später düs ich mit einem Fahrrad unserer Unterkunft zum Super Mercado und hole mir Aloe Vera, vorsorglich die große Tube.

Batidos sind hier übrigens die Wucht: für rund 3 Euro gibt es kalten, frisch pürierten Smoothie aus reifen Früchten: Ananas, Papaya, Mango, Erdeere, Brombeere, Maracuja, Melone, Guanabana, Wassermelone, Banane, Cas, … Das sind die gängigen. Und nicht wenig, meist ein knapper halber Liter. Ein bis zwei gibt’s jeden Tag. Mjam.

Das Geld liegt hier am Strand: ein Sanddollar
Na, mit welchem Zweirad war ich wohl unterwegs?

Den Nachmittag verbringen wir gemütlich im und am Pool, da ist Schatten, und das Wasser ist deutlich kühler als der Pazifik mit seinen 29,6°C, in dem man nicht mal die Füße abkühlen kann. Abends gehen wir zum Sonnenuntergang an den Strand. Der dauert nicht lange, die Sonne fällt senkrecht ins Wasser und verlischt geradezu. Klack, Licht aus, fast wie auf der Stacion Sirena in Corcovado. In 20 Minuten ist es finster.

An der Rezeption holen wir unsere gewaschenen Klamotten ab, die den zarten Dschungelduft von Corcovado bis hierher getragen haben. Die Wäsche war nötig, und dank Trockner können wir direkt packen. Die Infos zum Bus scheinen diesmal eindeutig, so dass wir für morgen früh 8:30 ein Taxi bestellen. Mal sehen, wie gut es mit dem Bus diesmal klappt. Wir fahren nach Puntarenas, dort holen wir übermorgen einen Mietwagen für ne Woche.

Essen gehen wir in der Soda von gestern, kühlen uns im Pool ab, und sind bald schlafen. Der Kopf ist voll genug. Bis morgen.