Nach Puntarenas

Dienstag, 10.02.2026, Puntarenas Stadt

Heute ist Reisetag, heute passiert nicht viel. Anja erspäht im Morgengrauen flink 12 Vögel, die sie zum ersten Mal im Leben sieht, unter Ornithologen „Lifer“ genannt. Dem Frühstück am Pool folgt gemütliches Packen. Eine letzte schnelle Dusche (man klebt auch einfach nach einer Nacht unter einem dünnen Laken) und los.

Zuverlässig, freundlich, hilfsbereit – so erlebe ich die Ticos. Unser Taxifahrer kann nicht, schickt aber einen Kollegen, der top pünktlich um 8:30 da ist. Busfahrer merken sich, wo man aussteigen möchte, nehmen einen von der Straße abseits der Haltestellen mit, verstauen gewissenhaft das Gepäck und fahren rechts ran, sobald man aufsteht, weil sie denken, man will hier aussteigen. Autofahrer lassen uns großzügig über die Straße, selbst auf großen, breiten Landstraßen: sie halten mit 50 Metern Abstand an und geben Lichthupe, samt Lächeln.

Pflanzenverkauf neben dem Busterminal

Nicht immer stimmen alle Infos, und manchmal wird einfach nicht einen Schritt weiter gedacht, so dass es umständlich wird, aber bisher haben wir keine Arglist, Täuschung, Genervtsein, Ungeduld oder dergleichen erlebt. Vielleicht bisher nur Glück. Aber nein, irgendwie fühlt sich das Miteinander hier sehr menschlich an. Jetzt ganz positiv gemeint.

Gut, der Bus fährt doch erst um 10, und dann haben wir eine Stunde Wartezeit zwischendurch, aber nebenan ist eine Bäckerei, und Schatten spendet uns ein gigantischer Mangobaum, und wir können ein paar Schwalben, Krackeln und anderen Vögeln bei ihrem Vogeldasein beobachten.

Mangobaum der Extraklasse – das dickes Regenfass rechts darf sich daneben schlank fühlen

So sind wir recht entspannt unterwegs. Okay, Stau, Gezuckel, alle paar Meter steigt jemand zu oder aus. Aber es ist ruhig, klimatisiert und wir kommen locker gegen 3 Uhr nach Puntarenas. Die Stadt liegt auf einer sehr schmalen, rund 5 km langen Landzunge, die in eine große Bucht ragt. Hier holen wir morgen den Mietwagen, der uns eine Woche lang an die Orte tragen wird zu denen wir mit Öffis nicht kommen.

Freddy ist auch ganz chill. Ich kriege allmählich auch schon diesen Blick…

Unsere Bleibe in Puntarenas erweist sich allerdings als sehr miefig, Katrins Zimmer als schlicht unzumutbar. Sie spricht mit dem Vermieter, der noch in der Hauptstadt San Jose unterwegs ist, und storniert. Bei einem Batido planen wir die nächsten Tage, und Katrin sucht nach einer anderen Bleibe. Die ist schnell gefunden, direkt ums Eck, und hat gleich 4 Schlafplätze im Zimmer, so dass Anja und ich nach schneller Verständigung mit dem vorherigen Vermieter ebenfalls hierher wechseln.

Später im Supermarkt erkenne ich den Geruch wieder, schaue mich um und stehe neben den Pestiziden. Vermutlich hat der Hausverwalter etwas arg großzügig gegen Kakerlaken und Co wirken wollen. Schade. Die Bewertungen auf booking.com sind gut, die Kommentare aber vernichtend, so dass wir uns ernsthaft wundern, wie verpeilt wir beim Buchen gewesen waren.

So ist jetzt alles gut. Ich probiere zum Abendessen Ceviche, kalt gegarten Seebarsch, mit frittierten Kochbananen, und genieße ein Pils dazu. Anja und Katrin bleiben bei der einzigen vegetarischen Alternative der mit Sea Food gefüllten Karte: Casado. Das ist Reis mit Bohnen. Klingt langweilig, aber es gibt immer anderes Gemüse und Salat dazu, mal ein paar gebackene Bananen oder dergleichen, so dass Abwechslung sicher ist.

So, morgen wird es spannender. Autofahren in Mittelamerika, rauf zum Nebelwald, dem Reserva Bosque Nuboso Santa Elena. Bin gespannt, was uns dort erwartet. Gute Nacht und bis morgen.