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Rückreise zu Land – nach San Jose

Donnerstag 26.02.2026, San Jose

Den letzten Tag nutzen wir für die inzwischen übliche morgendliche Vogeltour. Um kurz vor 6 klingelt der Wecker, den wir gar nicht brauchen. Die Brüllaffen sind seit einer halben Stunde mit Stimmübungen beschäftigt, und die Vögel beschweren sich lautstark über den Krach. Oder umgekehrt? Egal, wir sind jedenfalls wach. Also los, solange es kühl ist. Frühstück gibt’s danach. Der Bus fährt erst kurz nach Mittag, wir haben also Zeit, um zum Playa Negra zu laufen.

Es ist hier angenehm, tagsüber nur 30°C, nachts etwa 22°C, so sind wir ausgeruht und können morgens laufen. Naja… Wir schleichen, denn es gibt viel zu sehen. Es muss nicht immer gleich der Nationalpark sein. Hier wird heute Müll geholt – ja, Costa Rica ist eines der wenigen Länder hier, die eine funktionierende Müllentsorgung haben. Woanders wird der Müllhaufen hinterm Haus ja einfach angezündet, wenn zu groß, oder eben in den Bach gekippt. Vor dem Plastik gab es in diesen Ländern nur natürliche Verpackungen, da war das kein Problem. Dann wurde Plastik eingeführt, aber keine Entsorgung. Da können die einzelnen Menschen genau gar nichts tun, das ist echt ein Dilemma, aus dem wir als Menschheit schleunigst raus müssen.

Hier also stapeln sich schwarze Müllsäcke an der Straße, und das lockt Geier an. In kleinen Trupps hopsen sie die Straße entlang, ärgern sich gegenseitig, und schauen, wo es was zu holen gibt. Irgendwie schon drollig, diese Geier. Je länger ich sie beobachte, desto schöner finde ich sie. Jaja, der kahle Kopf, Aasfresser, eklig… Nein, das verfliegt mit der Zeit. Sie sind zusammen mit den Grackeln auch ein bisschen Ersatz für Krähen, die es hier gar nicht gibt.

Rabengeier
Die Gicht der immerwährenden Brandung erzeugt schönes Licht und salzig beschlagene Brillen.
Aguti, so groß wie ein Kaninchen.

Viel Strand ist nicht mehr da. Eine heftige Hurrikan-Saison hat vor einigen Jahren den meisten Strand vor Cahuita weggespült. Jetzt nagen die Wellen am Festland, sie reichen teils fast an die Straße heran. Ein Haus wird wohl bald vom Meer geschluckt werden. Ein paar Sandsäcke stabilisieren einen Surfer Shop, aber große Schutzmaßnahmen gibt es nicht. Der Ort wird wohl wandern müssen. Der steigende Meeresspiegel hilft da auch nicht bei.

Fischadler, gibt’s auch daheim. Trotzdem schön, klaro.

Wir tapern die Straße am Strand Playa Negra mit seinem schwarzen Sand entlang. Die Häuser haben viel Abstand und große Gärten, da sehen wir viele flattrige Federkleider. Ein Specht nimmt eine am Baum hängende Frucht aus. Eine Drossel, der Nationalvogel von Costa Rica, stöbert durch die Vorgärten. Ein Kolibri sammelt die Blüten einer großen Staude ab. Kiskadees bauen ein Nest oben auf nem Strommast. Tangare flirten im Gebüsch. Ein Habicht ruft vom Baum zu uns herab. Das übliche Geschnabel, Gesinge und Geflatter des Morgens, nur eben mit ganz anderen Vögeln. Echt schön!

Bananaquit – lustiger Name und sehr klein
Weibchen der Summer Tanager frisst Frucht
Broad-winged Hawk sorgt für Panik bei den kleinen Vögeln
Black-cheeked Woodpecker pickt Frucht
Summer Tanager – wechselt gerade ins Männchen-Kleid
Kiskadee oder bei uns der Pikachu-Vogel
Northern yellow warbler. Wahrscheinlich.
Endlich erwischt – white-crowned Amazon
Aguti. Die Fellzeichnung ist so schön.
Ich sag ja: Meerschweinchen auf Stelzen.
Ruft laut Pikachu!
Noch ein Kiskadee. Weil sie so sehr zu kurz gekommen sind
Tropical Kingbird

Nach ner guten Stunde und stolzen 2 km machen wir uns auf den Rückweg. Je langsamer wir waren, desto besser, denn dann gab es viel zu beobachten. Die Sonne steht jetzt um kurz nach 7 schon so hoch, dass wir den Schatten suchen. Heute ist keine Wolke am Himmel. Leider haben wir damit gar nicht gerechnet, sonst hätten wir es bestimmt zum Sonnenaufgang ans Meer geschafft. Nunja. Schlaf ist keine Luxusdroge, sondern war eben auch mal wichtig. Wir schauen noch nach dem Freddy mit Fredchen, und ob der FFF noch aktiv ist. Ist er.

Zwei-Finger-Freddy mit Freddychen. Da freut sich der FFF!

Der kleine Supermarkt im Ort sollte um 7 öffnen, hat um kurz nach 8 noch nicht auf. Pura Vida, das reine Leben. Der Ausdruck der Ticos, der auf alles passt. Wie geht’s? Pura Vida. Hallo… Pura Vida. Wie wars? Pura Vida. Buenas! Pura Vida. Hasta Luego! Pura Vida. Verflixt, der Bus ist schon weg. Pura Vida. Oh dear, that was pretty unfortunate! Pura Vida. Ohmeingott, Du hast ein Bein gebrochen? Pura Vida. Steht auf jedem zweiten Souvenir, wird auf Shirts gedruckt, und wirklich oft gesagt. Verrückt? Pura Vida.

Fruchtberg zum Frühstück. Zuhause kommt der kalte Entzug

Anja schnippelt Mango und Papaya, und kocht Tee, ich düse zum großen Supermarkt und hole ein paar Haferflocken. In die kommt Osaft. Danach noch nen Kaffee, dann können wir packen gehen. Das ist in ein paar Minuten erledigt, so haben wir doch noch Zeit, bis wir um 11 raus sein müssen. Die Stunde bis zum Bus überbrücken wir mit einem letzten Batido (Anja Ananas, Uwe Maracuja) am Strand.

Das Busterminal ist nicht weit und recht klein, trotzdem gibt es 5 Gates mit klar beschilderten Linien. Wir unterhalten uns mit einem Tico, radebrechen auf Spanisch, eine Niederländerin unterstützt. Dann kommt der Bus, ein ordentlicher Reisebus mit Klimaanlage. Gut so, denn wir fahren 4,5 h bis San Jose. In Limon ein Zwischenstopp an einem größeren Terminal, dort kaufen wir eine Empanada, eine lecker gefüllte Teigtasche. Dann hupt der Bus bald, es geht weiter.

Am Busterminal in Limon
Typischer Stand mit allerlei Allerlei.

Wieder schrauben wir uns über den 1600 Meter hohen Pass, diesmal aber ohne Regen. Die Berge sind steil, dicht bewaldet. Hier wohnt niemand, es gibt keine Straßen, nicht einmal Forstwege, also auch keine Forstwirtschaft. Urwald um uns herum. In den Bergen waren wir wenig gewesen. Schade. Das nächste Mal würden wir hier mehr Zeit verbringen, auch wenn es dort öfter nasskalt ist. Da gibt es mehr endemische Vögel, also solche, die nur hier zuhause sind.

Der Beweis, dass Fotos aus dem fahrenden Bus heraus schier unmöglich sind.

Da es die einzige Straße ist, und dazu noch steil, geht es langsam voran. Aber es geht, und der zähe Verkehr ist wohl normal, denn wir kommen pünktlich in San Jose an. Das ist gut, denn in dem Viertel, in dem unser Bus sein Terminal ansteuert, sollte man im Dunkeln nicht draußen herumlaufen. Die Gegend sieht nicht so super aus. An der Bustür warten auch schon einige Taxifahrer. Anja findet einen für uns, und der ist offenbar Profi, rauscht nur so durch die Stadt und weiß den Verkehr zu nehmen. Perfekt. Irgendwas quietscht, aber ob das die Reifen sind, oder Anja auf dem Rücksitz, weiß ich nicht (Anja meint das waren die Reifen)

Wir kommen etwas erschöpft, aber entspannt im Backpackers Costa Rica an, in dem wir die ersten Nächte verbracht haben. Bewusst haben wir uns hierfür entschieden, um den Kreis zu schließen. Wir haben ein ruhiges, kleines, günstiges Zimmerchen mit Stockbett für uns. Allerdings wackelt alles, wenn der Zug laut pfeifend die unbeschrankten Bahnübergänge quert. Da war doch was. Also Ohrstöpsel, passt schon.

Hier ging es los, hier hört es auf. Im Backpackers Costa Rica in San Jose.

Das Hostel empfand ich vor knapp 4 Wochen als ziemlich heruntergekommen, improvisiert und dreckig. Alles fand ich angeranzt, halb kaputt, abgenutzt. Der Geruch war auch eigenartig, wenn auch nicht lästig. Seither waren wir in nem guten Dutzend anderen Unterkünften, und haben 2-3 Dutzend Restaurants gesehen. Tja. Was soll ich sagen?

Jetzt erlebe ich das Backpackers Costa Rica als absolut super organisiert, hervorragend sauber, alles funktioniert – halb kaputt ist eben auch halb ganz. So ändert es sich in kurzer Zeit. Und jetzt bin ich wirklich gespannt, wie ich unser schönes kleines Häuschen empfinden werde. Ich muss dazusagen, dass wir nicht in teuren Lodges umd Hotels gewohnt haben. Die Nacht hat pro Person meist um die 15 – 20 € gekostet. Teurer und edler geht natürlich immer. Das Backpackers heute kostet nur 10 € pro Person und Nacht.

Okay, das Casado zum Abendessen finde ich jetzt doch nicht so gut wie beim ersten Aufenthalt. Da haben so einige Sodas die Messlatte hoch gesteckt. Viele sagen, man fährt nicht wegen des Essens hierher. Wir haben da jetzt eine eigene Meinung aufbauen können: Zwar gibt es viel reifes Obst, allerings kaum Vielfalt oder Unbekanntes. Es gibt oft Reis mit Bohnen in Varianten, dafür aber es ist fast immer lecker, und es variiert im Detail. Zu Fleischgerichten können wir uns keine Meinung erlauben, wir haben uns ausschließlich vegetarisch ernährt. Dies war aber auch kein Problem, da gibt es andere Länder, in denen man nicht in jedem kleinen Restaurant eine vollwertige vegetarische Mahlzeit findet. Die Batidos rocken so richtig. Und Kaffee gibt’s immer und reichlich. Ich empfinde es als keine kulinarische Erlebnisreise, aber eben auch nicht als Einschränkung oder Verzicht. Gallo Pinto zum Frühstück und Casado sonst am Tag würde ich jederzeit wieder gerne essen. Nur… vielleicht nicht im Backpackers Costa Rica.

Ich hatte überlegt, ein Best-of von Elektro- und Wasserinstallationen zu erstellen. Ich habe darauf verzichtet, denn es wäre ein Herabschauen auf den Lebensstandard in einem Land, das so viel richtig macht. Das will ich nicht. Letztlich hat jede noch so wackelige Steckdose funktioniert, wir hatten keinen Stromausfall. Wasserhähne gibt es eben in verschiedenen Bauweisen, ich stand schon mal in den USA ratlos in der Dusche und hab nicht kapiert, wie ich das Wasser zum Laufen bringen soll. Und jegliches Leitungswasser war trinkbar, besser als vielerorts in USA und Kanada. Die Straßen brauchen öfter mal robustere Autos, aber sie werden instand gehalten. Busse und Fähren fahren zuverlässig.

Da will ich nicht aus dem over-engineered Deutschland kommen und aufzeigen, wo man überall was besser machen könnte. Das ist eh so ne typisch deutsche Sache: immer was finden, was nicht perfekt ist. Klar macht uns genau dies zu den perfekten Ingenieuren, aber es vermiest uns ebenso den Genuss an dem, was eben da ist und funktioniert. Mehr Pura Vida würde uns in Deutschland definitiv gut tun.

Nach Cahuita

Dienstag 24.02.2026, Cahuita

Du bist immer noch mit dabei? Wow! Hab ich gar nicht gemerkt – aber wie auch? Ich verzichte bewusst auf jegliches Tracking. Somit weiß ich nicht, wer hier alles mitliest – bin jetzt aber doch neugierig. Tust Du mir nen Gefallen? Schreibst Du mir ne Mail? Egal wie kurz, sogar ein „Ich lese mit“ genügt, aber gern darfst Du mir verraten, wie es Dir beim Lesen so ging, oder was Dir beim Lesen besonders gefallen hat. Fragen beantworte ich natürlich auch, klaro. Danke Dir!

An das frühe Aufstehen gewöhne ich mich eher, als an die Hitze. Immerhin, die Nacht war angenehm, der Schlaf tief und fest. Da um 7 Uhr unser Boot nach Moin abfährt, sind wir früh am Moin auf und mampfen unser Moinstück. Geregnet hat es, ich glaube, heute wird es wechselhaft. Die Boote sind dafür gerüstet. Außer dem Dach haben sie rollbare Seitenwände aus Plastikplane, da müssen dann 4 Passagiere zusammenarbeiten und auf- oder abrollen. Geht alles.

Tschöö Tortuguero!

Aber erstmal hin zum Anleger. Und nochmal zurückflitzen, fast hätte Anja ihr Handy unterm Kopfkissen vergessen! Ist ja nicht weit hier, und so checken wir pünktlich ein. Unkompliziert, ohne Computer und so. Einfach Vorname, Zielort, Personenzahl auf Papier. Kringel drum heißt: sie sind da. Das Boot ist voll, eine schmale Variante, kaum 1,60 m breit und dafür wieder 12 m lang. Crazy. Austarieren durch Umplatzieren der Fahrgäste zwecks Wasserlage, dann geht es mit Vollgas und knapp 30 km/h über den Kanal gen Süden.

Das linke ist unser Bootchen.

Leise ist das nicht, und es bleibt so laut für die nächsten 3,5h. Ich dachte ja anfangs, ich kann die Reise in laute Tage und leise Tage einteilen. Aber das wurde nichts. Fluglärm, Stadtlärm, Partylärm, Straßenlärm, Dschungellärm, Vogelgebrüll, Affengebrüll, Zikadengebrüll, Hundegebrüll, Moskitogebrüll… und Amerikaner, die sind auch immer laut. Also, heute ist es erst Bootsmotorenlärm, dann Verkehrslärm, dann… ach , egal. Leise ist es daheim wieder.

Auf der Fahrt sehen wir mehr, als auf der Bootstour mit Guide – da waren es wahrscheinlich einfach zu viele Boote auf einmal. Jetzt ist leider keine Zeit zum genüsslichen Beobachten, und heftige Regenschauer zwingen uns zum gelegentlichen abrollen der Seitenwände, um sie wenig später wieder hochzurollen, wenn das Wasser nur noch von unten spritzt. Wir wollen alle gern noch rausschauen und was sehen. Anja entdeckt die sechste Art der hiesigen Eisvögel. Yay. 3 dicke Krokodile sehen wir am Ufer liegen, eines davon sicher 3-4 Meter lang. Wie viele wir nicht gesehen haben, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Ein Zwischenstopp zwecks Tanken und Wasserlassen auf halber Strecke, dann geht es weiter. Kanäle verbinden die Flüsse. Mehrmals queren wir eine Flussmündung und können die Brandung des karibischen Meeres sehen. Das Wasser scheint oftmals sehr flach, mehrmals verlangsamt der Kapitän auf Schleichfahrt und tastet sich durch besonders seichte Stellen. Ständig weichen wir Baumstämmen aus. Einmal durchqueren wir einen dicken, grünen Teppich aus Wasserpflanzen. Kommen Boote entgegen, machen beide langsam, wegen der Wellen. Und wir lernen, dass es noch einige wirklich absolut abgelegene Lodges gibt, wo man wirklich komplette Ruhe hat, weit ab der Zivzidingsda.

Um 10:45 kommen wir in Moin an, dort warten Taxis und ein Kleinbus. Fast werden wir mit zwei erkälteten und rund gebauten Niederländern in eine Limousine gestopft, aber es wird einiges hin und her gepackt, es wird sich geeinigt, und wir fahren im Kleinbus, werden bis vor die Haustür unserer Bleibe in Cahuita gebracht. Das war mal unkompliziert.

Flusshafen in Moin

Jetzt haben wir 3 Stunden Zeit, denn das Gepäck können wir zwar schon abstellen, aber Check-In ist erst um 3. Wir gehen zum Eingang des Nationalparks, nur eine Minute zu Fuß entfernt, um zu lernen, dass dieser seit gestern geschlossen hat. Wege müssen instand gesetzt werden, es hatte zu viel geregnet und gestürmt. Aber morgen ist er wieder geöffnet. So haben wir heute nichts weiter vor.

Und wie wir gerade auf den schönen Strand schauen, werden wir gegrüßt! Die 2 Schweizer, die wir auf der Tour in Tortuguero kennengelernt haben, wollten auch just eben in den Nationalpark. Die beiden haben jetzt auch nichts mehr vor, so beschließen wir kurzerhand, gemeinsam was zu Mittag zu essen, und unterhalten uns gute 2 Stunden lang. So schnell kann’s gehen. Schön und lecker war’s.

Dann schlendern wir durch das kleine Städtchen, bleiben am anderen Ende im kühlen Schatten sitzen, da weht der Wind angenehm vom Meer her. Und da sitzt doch glatt… ja… das Fellknäuel muss ein Freddy sein! Es pennt. Nach 10 Minuten wacht es auf, biegt sich einen Zweig gen Mund, mampft ein paar Blätter an, und döst weiter. Pura Vida, wie die Ticos sagen. Reinstes Vorbild für stressgeplagte Städter und IT-Fuzzies. Solche Ruhe. Ganz bei sich sein. Nur den Moment leben. Buddha war Hektiker dagegen.

Freddy!

Der Check-In ist einfach. Wir haben ein kleines rundes Fass, sowas wollten wir schon immer mal ausprobieren tatsächlich ist es sehr gemütlich und hat mehr Regale und Ablagen, als alle anderen Unterkünfte zusammen. Naja, gefühlt zumindest. Jedenfalls kommen wir mit unseren großen Rucksäcken entgegen meiner Befürchtungen hier gut klar. Sehr cool: hier im Garten sind Agutis, das sind quasi Meerschweinchen auf Stelzen. Aehr niedlich, meist recht scheu. Hier sitzen sie einfach im Garten!

Wir laufen nochmal durch den kleinen Ort, gehen dann im großen Supermarkt einkaufen. Der ist sehr gut sortiert, hat sogar geschnitten Brot! Wir kaufen die größte Mango der Welt, dazu Avocado, Tomate, Gurke, und was Brotiges. Osaft, und ne große Flasche Bier. Und Chips, diesmal aus Mango, und welche aus Yukka. Gut gerüstet geht’s heim, da ein bisschen tüddeln, dann ist auch schon Zeit für Abendessen. Wir essen im nahegegelenen Soda, welches der Reiseführer empfiehlt. Ich probiere marinierten Fisch. Der ist überraschend zäh und hat Gräten, geschmacklich imtemsiv und gut. Der Rest des Casado ist aber eher so… meh. Nunja, dann eben heim und den Abend mit Bier und Chips ausklingen lassen.

Gut ausgestattet geht’s in den Abend. Echt viele Moskitos hier.

Irgendwie merken wir, die Luft ist raus. Unser Erlebnisdrang ist gesättigt, das Ende der Reise naht. Wir werden langsamer und müssen nicht mehr jeden Winkel erforschen und alles sehen und jede Gelegenheit nutzen. Morgen wartet der Nationalpark auf uns, das wird sicher noch ein längeres Erlebnis, und hoffentlich sehen wir noch ein paar schöne Sachen. Aber würde ich jetzt einfach men Tag herumgammeln, wäre ich vermutlich auch zufrieden.

Nur muss vor der langen Rückreise der Bewegungsdrang befriedigt werden. Einen Tag Bus, dann Großstadt, dann einen Tag Flugreise… Da ist es besser, wenn ich kein Zappelphilipp bin. Also werden wir morgen schon früh losgehen. Um 7 macht der Nationalpark auf, mal schauen, ob wir das schaffen.

Mit Schreiben bin ich meist einen Tag hintendran. Abends ist es oft zu spät, und ich schreibe häufig in der Siesta, oder auf langen Fahrten, und abends wird ergänzt, korrigiert und veröffentlicht. Im Bus kann ich gut Fotos von der Kamera aufs Handy bringen, bearbeiten, und hier einfügen. Da bin ich auch ungestört beim Schreiben. Einzig die Tastatur kann ich nicht so oft verwenden wie erhofft, und so entsteht doch mehr als die Hälfte der Texte per Daumenhüpferei.

Wichtig ist mir nur, immer spätestens am darauffolgenden Tag zu schreiben, denn sonst verschwinden schon wieder so viele Details und Wahrnehmungen. So kannst Du Dich täglich auf einen neuen Beitrag freuen. Und bald darf ich hoffentlich eine Nachricht von Dir lesen 🙂

Reisetag vom Pazifik Richtung Karibik

Freitag 20.02.2026, Cariari

Okay, der Plan war also: um 6:30 Bus zur Fähre. Und er fährt pünktlich. Die Fähre um 9 nach Puntarenas, auch kein Problem. Dort mit dem Stadtbus zum Terminal, klappt reibungslos. Mit dem großen Bus nach San Jose, nur 10 Minuten Wartezeit. Ein Taxi zu einem anderen Terminal de la Caribe, einwandfrei. Und letztlich mit einem großen Bus bis nach Cariari – da müssen wir mal ne gute Stunde warten, nutzen die Zeit zum Mittagessen, und kommen um kurz nach 5 in Cariari an, beziehen um 17:30 unser Zimmer. Fazit: 6 Verkehrsmittel, 11 Stunden unterwegs, pro Person rund 10 Euro. Und alles gut gelaufen.

Na toll. Worüber soll ich denn jetzt was schreiben?

So klein kann ein Fähranleger sein.
Bin auf der Fahrt kurz rausgeschwommen und hab ein Bild unserer Fähre gemacht
Die Busterminals sind prima
Die großen Busse sind oft recht modern, die meisten haben USB – Ladebuchsen an jedem Sitz.

Busse sind hier essenziell, und sie haben im Straßenverkehr absolute Priorität. Das ist deutlich spürbar. Busfahrer scheinen ein hohes Ansehen zu genießen. Mit dem Gepäck sind wir inzwischen entspannt, es scheint hier wirklich wenig zu passieren. Anfangs war ich noch etwas nervös, wenn der große Rucksack für Stunden im Gepäckraum verschwindet, und an manchem Halt draußen daran herumgewurschtelt wird. Aber ans Gepäck geht nur der Fahrer, so scheint die Regel. Passt also.

San Jose ist die einzige große Stadt, hier gibt es alles, aber woanders gibt es vieles nicht. Hier sind Unternehmen, viel Industrie, große Läden und alles Spezielle. Der Wirtschaftsgürtel zieht sich bis weit vor das Zentrum. Und wenn Leute gestresst und genervt sind, dann am ehesten hier in der Stadt.

Aus San Jose raus führt die Straße mach Nordosten durch die Berge. Es wird nass draußen, und grün. Für eine Stunde sehen wir nichts als grüne Wände rechts und links der breiten Straße. Das Gebirge teilt das Land, die Straße ist Lebensader. Ich frage mich, wie viele Leute die Strecke täglich pendeln müssen, denn in der Hauptstadt gibt es sicherlich mehr Arbeit.

Als wir ankommen, nieselt es nur etwas. Einen halben Kilometer nur laufen wir zu dem großen Hotel, in dessen Rezeption es herzlich und lustig zugeht. Es wird Domino gespielt, und gleich um Geld. Einsatz sind 100 Colones, das sind 17 Cent. Aber es sind Freunde, die hier mit Freude und viel Lachen spielen, keine Spelunke also.

Anja führt die Unterhaltung auf Spanisch, es klappt sehr gut! Das Lernen übers letzte Jahr hat sich wirklich bewährt. Kommt natürlich auch gut an, wenn man mehr als nur „Buenos Dias“ und „Gracias“ sagen kann, so wie ich. So stehe ich daneben und warte auf die Übersetzung, denn ich lerne ja weiter fleißig Norwegisch statt Spanisch 🙂

Abends schaffen wir es, in einem Grillrestaurant etwas vegetarisches zu bestellen, und es ist wirklich lecker. Novum: zum Bier gibt es Gläser. Novum 2: Die Gläser kommen aus dem Gefrierschrank, und Eiswürfel sind auch noch extra drin. Somit bleibt das Cerveza wirklich lange kalt. Bier gibt es hier nur 3 verschiedene: Imperial, Pilsen, Bavaria. Alles ist Pils. Nur manchmal gibt es was anderes von einer lokalen Brauerei. Wir trinken uns auch lieber an Batidos satt und berauschen uns an der Natur.

Dicker Frosch bewacht unsere Zimmertür

Morgen stehen wir noch früher auf. Um 5 Uhr fährt der Bus nach Pavona ins Nirgendwo, von wo die Boote den kleinen Fluss durch den Dschungel nach Portuguero fahren. Dort führt keine Straße hin. Da freu ich mich drauf: ein paar Tage lang kein Motorenlärm. Puh. Also jetzt schnell schlafen, sind ja nur noch 6 Stunden.

Nationalpark Cabo Blanco

Donnerstag 19.02.2026, Montezuma

Es ist noch dunkel, da lassen wir uns aus dem Schlummer klingeln. 5:30 ist es, genau richtig, um in der Morgendämmerung nach Vögeln zu schauen. Der Ort feiert in die Nacht und schläft lang, so ist jetzt alles ruhig. Wir gehen zum breiten Strand, da ist das Licht gut, und wir genießen, so als Bonus, den Sonnenaufgang über dem Meer. Seit wir in Ramberg wohnen, ist das goldene Licht der Sonne nah am Horizont selten geworden, das bringt die Lage im Tal eben mit sich.

Wer übrigens seit Uvita darauf wartet, wie ich versuche, Kokosnüsse zu knacken, der ist bisher genauso enttäuscht wie ich selbst. In den Orten seither gab es keine Kokosnusspalmen, oder nur so wenige, dass auf nichts Brauchbares zu hoffen war. Und hier werden wohl sämtliche Kokosnüsse von Leuten eingesammelt und entweder selbst verspeist, oder teuer an Touris verkauft. Ich zähle auf die Karibik, sonst wird es noch ein paar Jahre dauern, bis ich es endlich ausprobieren kann. Hmpf.

Ein Eichhörnchen hat sich auf die schwankende Stromleitung gewagt und kam einfach nicht schnell weg

Wir frühstücken schnell, denn um 8 Uhr soll der Bus ans Ende der Halbinsel Nicoya fahren. Den wollen wir nehmen, um im ältesten Nationalpark des Landes, dem Cabo Blanco, bis an den Strand zu wandern. Aber es fährt kein Bus, zumindest jetzt nicht. Ein Einheimischer weiẞ das, und bietet uns seinen Fahrservice für wenig Geld an. Dankend nehmen wir an, so fährt uns der alte Luis gemütlich zum Park. Er kennt hier wohl jeden, grüßt jeden und wird gegrüßt. Montezuma ist sein Heimatort, hier hat er sein ganzes Leben verbracht. So zeigt er uns noch ein paar Orte entlang des Weges und erzählt ein bisschen.

Ich les da immer „Bienenvideos“

Nationalparks sind streng bewacht gegen Holzeinschlag, Wilderer, Siedler, Tierhalter. Entsprechend haben sie Öffnungszeiten, staatliches Personal in Uniform, und kosten Eintritt. Das ist gut so, denn so wird das Wirtschaftsmodell des Landes, das seit 1970 zunehmend auf Ökotourismus beruht, überhaupt erst tragbar. Die Ranger nehmen ihren Job ernst, und jeder Besucher muss sich in ein Buch eintragen. Ob das nur für die Vermisstensuche genutzt wird, halte ich für unwahrscheinlich, goffe auf guten User Research.

Diese Ecke der Halbinsel Nicoya ist feuchter, die Luft schwüler. Das verspricht schöne Erlebnisse auf der Wanderung. Und gleich am Anfang des Weges sehen wir eine 10-spurige Ameisenautobahn. So dicht und eng und vielspurig haben wir noch keine Ameisenstraße gesehen!

Kurz danach die ersten Vögel. Dann machen wir etwas Strecke. Es ist ja kurz nach 8 und noch relativ kühl, also nur 30°C, da wollen wir etwas vorankommen und lieber später schlendern und schauen. Der Nationalpark wurde auf private Initiative hin 1963 eingerichtet und der Wald darf seither ungestört wachsen, immerhin schon über 60 Jahre lang. Das sieht man, es ist durchaus wild und vielfältig.

Northern Barred Woodcreeper

Ungewohnt ist, das permanent irgendwo ein welkes Blatt herabfällt und der Boden bedeckt ist mit trockenem Laub – und trotzdem ist der ganze Wald grün. Aber hier hat es ja auch Blüten und Früchte zur selben Zeit am Baum. Permanente Erneuerung über das Jahr hinweg, statt wie bei uns der große Laubabwurf im Herbst.

Wir würden gern den Long-tailed Manakin sehen. Sein eindeutiges Pfeifen ist ständig zu hören. Es tönt weit, wir hören es aus verschiedenen Richtungen, auch mal von ganz nah. Aber zu sehen kriegen wir ihn einfach nicht! Ein Specht mit herrlich rotem Kopf und punkiger Frisur, der Pale-billed Woodpecker, trommelt immer wieder an hohle Bäume, dass es knallt wie Schüsse, immer genau 2 mal.

Pale-billed Woodpecker

Hier stehen tolle Bäume. Überhaupt ist Costa Rica voller toller, uralter Bäume, nicht nur in den Nationalparks. Mangels botanischer Detailkenntnis und wegen akuter Synonymknappheit erspare ich mir ausladende Beschreibungen, die letztlich doch nur münden würden in hohe, dicke, alte, große, breite, wilde, starke, uralte, ururalte, urururalte Bäume. Bäume halt. Find ich toll. Ich lehn mich gern gegen alte Bäume, schließe die Augen, und spüre ins Holz. Und dann werde ich ganz ruhig.

Hier geht das nicht mit allen Bäumen, denn einige sind unfassbar pieksig, und andere giftig. Der Ranger am Eingang ermahnte alle Besucher: „Don’t touch this tree, don’t eat this fruit. It’s poisonous. Don’t touch anything. Everything here is poisonous.“ Alles hier sei giftig. Stimmt natürlich nicht. Aber ich verstehe gut, warum er das tut. Zu viele Menschen glauben, die unberührte Natur müsse ja gut zu uns sein, wenn wir ihr nur mit innerem Frieden begegnen. Diese Naivität wird schnell bestraft, und die Ranger haben die Arbeit. Dann lieber so.

Der Weg ist gut, nur ein bisschen warm. Katrin nimmt später den Bus hierher, Max verbringt den Tag am Strand, so sind Anja und ich zu zweit allein. Wir entdecken, dass Nasenbären klettern können. Und Ameisenbären auch! Einer hängt kopfüber an einem abgestorbenen, abgebrochenen Ast, der nur noch an Lianen hängt und das Heim von Termiten ist. Da hängt das dicke Felltier, mit dem Schwanz in eine Astgabel geklammert, und mit seinen seltsamen Pfoten festgekrallt, und putzt den ganzen Stamm mit seiner schnellen, langen, dünnen Zunge von Termiten frei. Die krabbeln ihm durchs Gesicht, können ihm wohl aber nichts anhaben. Er zerlegt den Ast mit Krallen und Zähnen, dass es staubt, um an die Termitenfüllung zu kommen. Und als er fertig ist, schafft dieses so ungelenk wirkende Bärchen es tatsächlich, sich herumzudrehen und wieder rauf zu klettern, zurück auf lebendiges Geäst. Irre.

Der Wald fühlt sich ein bisschen an wie bei uns daheim, das ist seltsam. Man kann recht weit schauen, auf dem Boden liegt Laub, ein Wanderweg führt hindurch, hohe Bäume und lichter Unterwuchs. Allerdings war’s das an Ähnlichkeit. Keine Pflanze hier wächst bei uns daheim. Hier hängt oft alles voll Lianen, die dickste dicker als mein Oberschenkel. Die Klangkulisse ist komplett anders. Dazu viele Schmetterlinge (2 mal sehen wir heute den Blue Morpho!), einige große Spinnen, dazu Affen und deren Gebrüll. Keinerlei Nadelbäume. Und doch fühle ich zum ersten Mal hier eine Vertrautheit mit dem Wald, kann mir diese aber nicht erklären.

Am Strand rasten wir, denn es ist heiß. Hab ich das schon erwähnt? Falls nicht: boah, ist das heiß! Also was mampfen, trinken, und bald wieder losstapfen. Andere baden hier, es gibt sogar eine Süßwasserdusche, aber danach g sich trocknen lassen und neu mit Sonnencreme einschmieren, dann ist die Abkühlung auch schon wieder verflogen. Lieber später nochmal baden gehen.

Der Strandapfel, der giftigste Baum der Welt! Krass fies. Hat der Ranger nicht ganz unrecht.
Müll wird im Land vermieden. Angespült wird trotzdem viel, hier wie an vielen Orten gut gesammelt.
Ohne Müll is schöner, auch für Menschen.

Katrin holt uns ein, sie trifft uns am Strand. Sie geht ne Runde baden, meint aber danach, Abkühlung ginge anders. Offenbar ist das Wasser hier im Flachbereich über 30°C warm. Zurück gehen wir ein Stück gemeinsam, beobachten zusammen. Aber der Rückweg ist beschwerlich, wir sind überhitzt. Während ich sonst zwar ordentlich am Transpirieren war und am Ende vom Tag sehr klebrig, kann man mich diesmal einfach anhand der Schweißspur verfolgen. So sehen wir denn auch recht wenig. Aber da erspäht Anja doch noch den Manakin, wenn auch nur kurz. Zwar keine Beobachtungsfreude, aber der Lifer zählt.

Termiten gibt es hier sehr viele, auf dem dünnen Ast ist ein Tunnel zum Schutz in Bau.

Wir hören Donner in weiter Ferne, über dem Festland kracht es ordentlich. Bis hierher kommt aber nicht einmal ein Tropfen. Aus dem Park raus, versuchen wir kurzerhand unser Glück per Anhalter. Jedes Auto hält, das dritte fährt bis Montezuma. Nice. Dort gönnen wir uns reichlich Snacks zwecks Elektrolytaufnahme – die beste Entschuldigung, um Chips zu mampfen! In der Hoffnung, einen Bluejay (quasi eine blaue Elster) aus der Nähe zu sehen, gehen wir nebenan im Sano Banano (sic!) einen Batido trinken, denn dort sollen die Bluejays um die Tische hüpfen. Leider kommen die wohl nur zum Frühstück, aber gut geht’s uns trotzdem.

Welches liebe Tierchen imitiere ich hier?

Zum Sonnenuntergang tolle ich noch ein letztes Mal durch die Brandung, während Anja auf sicherem Boden einen Eisvogel erspäht. Abends gehen wir gemeinsam mit der Geburtstagsrunde von gestern, modulo zwo wegen Erkältung, in einer Soda essen. Das ist auch weitgehend der Abschluss des gemeinsamen Urlaubs, denn morgen werden Katrin und Max direkt an die südlichere Karibikküste fahren, während Anja und ich uns auf den Weg nach Tortuguero machen, ziemlich im Norden der Karibikküste.

Entscheidungshilfe bei der Wahl des passenden Bieres

Unser Plan: Morgens um 6:30 fährt (ziemlich sicher) der Bus, dann um 9 die Fähre nach Puntarenas, dort mit dem Stadtbus zum Terminal, großer Bus nach San Jose, Taxi zu einem anderen Terminal, und nochmals mit einem großen Bus bis nach Cariari. Ob das klappt? Und wann wir ankommen werden? Heute hatten wir Abenteuer mit Wildnis, Wandern und Hitze. Morgen folgt Abenteuer mit Infrastruktur, Fahrplänen und Hitze. Es ist schön, zu wissen, dass wir im Zweifel Geld auf das Problem werfen und ein Taxi nehmen können. Aber lieber kaufen wir von dem Geld noch ein paar Andenken oder Kaffee. Es wird jedenfalls spannend. Gute Nacht.

Mach Montezuma

Montag 16.02.2026, Montezuma

Die Kühe haben bald Ruhe gegeben, der Brüllaffe auch. Der Ventilator hat uns wieder die ganze Nacht etwas Luft verschafft, ohne schaffen wir es einfach nicht. Braucht immerhin viel weniger Strom als eine Klimaanlage. Heute stehen wir schon um 5:15 auf, denn gestern war es schon arg hell, als wir an den Steg kommen. Diesmal liegt auch der Hinweg im Dunkeln, so sind wir zwar zeitig da, aber leider nicht die ersten. Ein Paar aus der offiziell buchbaren Unterkunft nahe des Steges hatte den kürzeren Weg und jetzt die Premiumplätze. Aber wir haben eh nicht so wahnsinnig viel Zeit, sei es den beiden also gegönnt.

Die Frösche quaken hier nicht so langgezogen, sondern eher kurz, fast schon klackernd. Es sind so viele, da klingt es fast, als spendeten sie Applaus für die grandiose Show von Vogelschwärmen, Flugshows, Naturparadies und Lichterspiel. Auch die Vögel machen ne Menge Radau, die Enten allen voran. Alles kreischt und ruft, zwitschert und krakehlt. Herrlich. So wird man auch ohne Kaffee wach. Wir beobachten wieder die üblichen Verdächtigen, und dann noch ein schönes Huhn, das im erwachsenen Federkleid herrlich blau leuchtet. Es ist das Purpurhuhn, der Name ist Programm. Es hat sehr große Füße und kann auf schwimmenden Blättern laufen, also Seerosen und dergleichen.

Um 7 sind wir zurück, denn um 8 wollen wir los. Google Maps sagt, wir bräuchten 2h30 bis Puntarenas, wo wir um 11 oder 12 die Fähre kriegen wollen. Wann die genau fährt ist unklar. Also einfach hinne machen und hoffen. Diesmal fahre ich die staubige Piste zurück und hole auf den 30 Kilometern schon einige Minuten auf. Aber Google Maps hat mal wieder recht, wir brauchen die 2h30. Die Autobahn ist teils schon 4-spurig ausgebaut, aber über eine lange Strecke ist gerade Baustelle, da wird sie von einer normalen Landstraße ordentlich verbreitert. Baustelle heißt langsam fahren. Aber wir kommen rechtzeitig nach Puntarenas.

Ein Stopp bei der Apotheke, damit Anja was gegen ihre spontan aufgetretene Bindehautentzündung holen kann (vermutlich wegen des Staubs durch die Kühe), und ein Stopp beim Geldautomaten, von denen es in Montezuma, unserem heutigen Ziel, keine gibt. Dann setze ich die 3 samt Gepäck bei der Fähre ab und bringe das Auto zurück. Die Rückgabe ist problemlos, und der Mitarbeiter bringt mich sogar wieder zur Fähre – perfekter Service von Alamo!

Bäckerei am Fährhafen weckt Heimatgefühle

Jetzt sind wir entspannter und gehen an Bord. Hier verkehren 2 Schiffe im 3-Stunden-Takt und bringen Autos und Menschen auf die Halbinsel Nicoya. Viele Menschen. Auf der Fähre erhoffen wir uns Pelikane und Fregattvögel, sehen davon leider weniger als üblich, Fotos gelingen leider keine. Dafür brüten ein paar Schwalben und ein Taubenpärchen an Bord. Die Schwalben genießen die wilden Winde rund um das fahrende Schiff und segeln weltmeisterlich in wilden Schwüngen und Bögen mal zum Bug, dann zum Heck, dann wird ein Schmetterling aus der Luft gepflückt und zum Nest oben unterm Dach gebracht. Niedlich.

Zweimal sehe ich, wie ein Fischschwarm von Räubern an die Oberfläche gedrückt werden, so dass das Wasser kocht! Mit der Kamera am Anschlag und dem Finger am Trigger warte ich darauf, dass ein Wal herausbricht und den halben Fischschwarm verschlingt – aber es passiert leider nichts dergleichen.

Es ist warm, es sind viele Menschen, und es sind nur 2 Busse, die Cobana und Montezuma fahren. So ist es denn brechend voll im Bus, und heiß. So heiß! Nach ewigen eineinhalb Stunden endlich in Cobana, dort umsteigen in einen noch klapprigeren Bus und eine immer steiler werdende Straße hinab nach Montezuma. Ein bisschen Chaos ist es schon, aber irgendwie klappt doch immer alles: alle kommen an, alle bezahlen ihr Ticket, keine Unfälle, kein wildes Gehupe, alle behalten ihr Gepäck, kein Gedränge. Eigentlich fast besser als bei uns daheim.

In Montezuma haben Max und Katrin eine andere Unterkunft als wir. Unsere ist nur ein paar Meter weiter, so checken wir zügig ein. Wir hatten ohne Klimaanlage gebucht, da wir dachten, nach fast 3 Wochen hätten wir uns ja daran gewöhnt. Nunja. Da die Klima aber pro Nacht zarte 25$ extra kosten soll, kommen wir gern ohne aus. Bisher hat uns eine Nacht zu dritt immer so um die 50$ gekostet, hier ist es etwas teurer. Hier ist alles etwas teurer. Sogar ziemlich teuer.

Im Reiseführer gilt Montezuma noch als Backpacker-Dorf, inzwischen ist es aber sehr touristisch. Es ist klein und gemütlich, ja, aber inzwischen einer dieser offiziellen Geheimtipps, und entsprechend sind alle Preise und das Flair. Hat in Uvita ein Casado von der singenden Köchin in  der Soda nur 1800 Colones (3 €) gekostet, sind es hier schlappe 6500 Colones (11 €)! Ein Batido kostet hier auch 5 €, das ist Rekord. Der Ort ist schon ziemlich durchgentrifiziert, definitiv der teuerste Ort, an dem wir waren. Hoffentlich wird Tortuguero angenehmer. Dort gibt es immerhin kein Gebrumme, da keine Straße dort hinführt.

Aber gemütlich ist der Ort, es wird einiges an Gras konsumiert, so dass vieles sehr entspannt läuft. Da braucht es dann keine deutsche Gehetztheit, nein, da heißt es, in den niedrigsten Gang schalten und das Pura Vida eben so geschehen lassen, wie es gerade geschieht. Wir treffen 2 Geburtstagsgäste von Katrin und Max und Katrin gleich mit dazu, so sitzen wir zu sechst gemütlich in der Bar über dem Strand und genießen den Nachmittag.

Smoothie aus Drachenfrucht. Die irre Farbe sieht man zweimal.

Wir sehen so einige Sonnenbrände auf weißer Haut, einige Strandschönlinge und -linginnen (ist das ein Wort!?), einige Rastas, einige alternative Lebensentwürfe im Stile von Ich-steige-aus-der-Gesellschaft-aus-und-lebe-am-Strand-von-der-Hand-in-den-Mund. Wir sehen (und hören!) viele Touristen auf ATVs, und viele Motorräder. Für die Größe des Ortes sind hier ständig laut brummende Motoren am Start, das trübt das Paradiesgefühl ein wenig. Wir sehen wenig Tiere und Vögel, das ist schade.

Mit M+J gehen wir zusammen Essen. Anja und ich bestellen ein Casado, also Reis mit Bohnen und Zeug dazu, Du weißt schon. Wir bekommen weniger ein Gericht aus Omas traditioneller Küche, als vielmehr ein Gericht aus dem Restaurant vom gelernten Koch. Auch okay, aber nicht das, was wir erwarten. Geschmacklich auch nicht besser, dafür deutlich weniger auf dem Teller. Nunja. Auf dem Heimweg kaufen wir im Supermarkt Chips aus Kochbananen und 2 Bier, und lassen damit den Abend zu zweit auf der Terrasse vor unserem Zimmer ausklingen.

Mir war im großen Reiserucksack eine Wasserflasche halb ausgelaufen, meine Klamotten hatten einen halben Liter Wasser aufgesogen. Die mussten wir in unserem Zimmerchen aufhängen, der Ventilator hat sie weitgehend getrocknet, aber das Zimmer ist jetzt ein Dampfbad. Das ist der große Vorteil einer Klimaanlage hier: man kann Sachen im Zimmer trocknen. Aber es geht, hier wird es nachts kühler, nur 25°C und ziemlich feucht. Der Pazifik hat hier 29 °C, ist also nachts wärmer als die Luft und gibt damit reichlich Feuchtigkeit ab. Wir lassen einfach wieder den Ventilator laufen…

Vulkan Rincón, und Max treffen

Samstag, 14.02.2026, Bagaces

Das Verbrennen von Erdöl, um möglichst laut durch die Gegend zu huschen, scheint nur sehr langsam aus der Mode zu kommen. Hier ist es besonders Freitags abends besonders hip, ganz so wie es in Puerto Jimenez war. Obwohl wir fast 50 Meter von der Hauptstraße weg sind, vibriert die Matratze vor lauter aufgemotzten Moppeds. Aber irgendwann sind alle müde, und nachts ist selbst die große Landstraße stundenlang unbefahren. Letztlich schlafen wir gut.

Anjas Magen rumpelt – oh nein! Ist noch nicht so schlimm, aber große Anstrengungen werden wir vermeiden. Ich bin ja auch noch etwas schlapp. So frühstücken wir und packen mal wieder. Allmählich sind wir gut eingespielt, alles hat seinen Platz, und ratz fatz ist die Bude leer und wir sind unterwegs. Es geht zum Rincón de la Vieja, einem Nationalpark um den gleichnamigen Vulkan.

Die Fahrt dorthin ist schön. Bei Abfahrt regnet es, aber kaum sind wir aus Bijagua raus, hört es auf, und bald darauf kommt Sonne. Endlich. Bijagua liegt auf gut 500 Metern fast auf dem Pass zwischen den Vulkanen. Der Wind drückt von Nordost, und wir fahren auf die Südwestseite, also die Leeseite. Die Landschaft ändert sich bald zu Trockenwald, alles ist karg. In den 4 Monaten Trockenzeit fällt hier fast kein Regen, viele Bäume werfen während ihre Blätter ab. Das ist wirklich faszinierend in diesem Land: 20 km weiter, und komplett anderes Wetter, andere Vegetation, andere landwirtschaftliche Nutzung.

Über Vulkanausläufer führt die kurvige, aber sehr gute Straße, wir genießen die Fahrt deutlich mehr als die Holperpiste gestern. Auch die trockene Wärme tut gut – allerdings meinte Katrin heute früh: „Ihr werdet euch den kühlen Regen bald zurückwünschen.“ Mal sehen, wann es soweit ist.

Vulkan Rincón de la Vieja

Der Vulkan ist noch aktiv, hat alle paar Jahrzehnte deutliche Aktivität, ganz im Gegensatz zum Nationalpark, in dem heute trotz Samstag wenig los ist. Das ist gut. Auf dem Weg hierher sehen wir die ersten Windfarmen, die bei dem hiesigen Wind keine hohen Masten benötigen. Der Vulkan wird geothermisch genutzt, und weitere Anlagen sind in Bau. Costa Rica ist bereits heute CO²-neutral und baut weiter aus für unser gemeinsames Klima.

Katrin war schon einige Male hier und wandert heute alleine zu einem Wasserfall, gut 10km hin und zurück. Anja und ich machen die Touri-Tour, den von Katrin „Blubberpfad“ genannten Weg. Wir erfahren bald auch warum sie ihn so nennt: an mehreren Stellen sind große Schlammlöcher, aus denen schwefelige Dämpfe blubbern. Das stinkt gewaltig nach faulen Eiern. Noch eindrucksvoller als der Geruch ist aber das Gefühl, unter den eigenen Füßen einen aktiven Vulkan zu haben. Da drüben treten seit Jahren fortwährend heiße Dämpfe aus, und hier, nur 5 Meter weiter, stehen wir auf vermeintlich festem Boden. Huiuiui.

Trockenwald
Blubberndes Matschloch
Es qualmt und stinkt aus dem Vulcancito

Es ist heiß, die Sonne knallt, und heizt uns mächtig durch. Wir trinken nach dem Blubberpfad viel, sitzen im Schatten, und beobachten, wie 2 Kiskadee direkt auf einem Türschanier der Station ein… nein: gleich 2 Nester bauen. Ach, diese Dusseltierchen! Das kann doch nicht gut gehen.

Blüten und Früchte gleichzeitig am Baum

Wir laufen Katrin noch ein wenig entgegen, um ein bisschen weg von amerikanischen Touristen und rein in den Zauberwald zu kommen. In dem stehen einige prachtvolle Bäume, deren sicher 3-stelliges Alter wir nur vage erahnen können. Da fliegt uns ein riesiger, himmelblauer Falter entgegen und fast zwischen den Füßen hindurch! Ein Blauer Morpho, den wir auch in Corcovado schon bewundern durften. Die kennt man sonst nur aus Schmetterlingshäusern. Überhaupt hat es schöne Schmetterlinge, die es zuhause nicht gibt. Allerdings können wir die weder erkennen noch fotografieren, so fokussieren wir uns auf die Tierchen, bei denen wir bessere Chancen haben.

Common Blue Morpho, 10 – 12 cm Flügelspannweite
Ein N-Baum!

Bald schon kommt uns Katrin entgegen, wir gehen gemeinsam zurück zur Station und fahren weiter. Jetzt führt die Straße fast schnurstracks den Berg hinab. Perfekt für Seifenkistenrennen, wäre nicht alle paar hundert Meter wieder ein Reductor, ein Bremshubbel, der es in sich hat. Auf Schrittgeschwindigkeit runter, sonst kracht es gewaltig, das lernen wir schnell.

Heute treffen wir Max, Katrins Lebenspartner. Der hat auch endlich Urlaub und ist alleine angereist. Er hat es geschafft, ohne nennenswerte Spanischkenntnisse mit dem Bus von San Jose nach Bagaces zu kommen und sogar vor uns da zu sein. Ob ich das geschafft hätte? Ich bin mir gar nicht so sicher, denn ich versuche ja oft erst sauber zu planen und verlasse mich auf schriftliche Informationen. Max geht da anders ran, und offenbar passt das ganz gut zu diesem Land.

Er findet auch unsere heutige Bleibe. Das ist nicht so einfach, denn nicht alle Straßen haben Namen, und Hausnummern gibt es nicht. Die postalische Adresse lautet dann eher sowas wie: „Beim Kiosk rechts, dann nach dem blauen Haus das dritte Tor“ – und wenn der Kiosk mal weg ist, oder das blaue Haus grün gestrichen wird, ändert sich die offizielle postalische Adresse von einigen Dutzend Leuten. Wow. Aber wenn man den Namen der Unterkunft hat und einfach die Nachbarn in der Straße fragt, klappt es eben auch. Fazit: Bürokratische Organisiertheit tötet zwischenmenschliche Kommunikation und Zufallsbegegnungen.

Die Wohnung ist luxuriös, frisch renoviert, wenn auch nicht ganz fertig. Für uns reicht es allemal. Zum ersten Mal werfe ich die Klamotten ohne jegliche Gedanken einfach auf den Boden. Okay, dass das Besteck ganz unten im Kühlschrank seinen Platz gefunden hat, haben wir dann auch irgendwann herausgefunden. Und im Bad, das wunderbar neu und sauber zum Duschen einlädt, ist ein klitzekleiner Bärchenspiegel mit Tape an die Wand geklebt. Eine Waschmaschine gibt es auch, aber die können wir nicht bedienen. Da müsste man erst mit dem Schlauch die richtige Menge Wasser einlassen, später in die Schleudertrommel umladen, … Nee, keine Experimente heute. Ein paar Sachen waschen wir flink von Hand, den Rest breiten wir aus und merken jetzt so richtig, wie klamm alles in den 3 schwülen Regentagen in Bijagua geworden ist.

Nachmittags gehen wir Batidos trinken, Max genießt seine erste große Mahlzeit nach der Anreise. Lecker Kuchen und Torten gibt es auch, dooferweise habe ich aber noch nicht wieder den Appetit dafür entwickelt. Mir geht es wieder sehr gut, und Anja scheint es nur schwach erwischt zu haben: schlapp, durstig, müde, aber wohl keine 3 Tage ausgeknockt. Puh. Jetzt kommt nur die Hitze dazu, die ihr auf den Kopf schlägt, und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust. Zu viel draußen herumlaufen ist da nicht gut.

Einkaufen ist angesagt, denn die nächsten 2 Nächte verbringen wir auf einer Ranger Station im Nationalpark Palo Verde. Dort versorgen wir uns selbst, müssen also alles mitnehmen. Gefühlt 30 kg Zeug kaufen wir: Yucca, Chayote, Tomaten, Nudeln, 3 Ananas, Mango, Papaya, …

Abends gehen wir in einer Soda essen, in der wir nur Einheimische sehen – ein gutes Zeichen, finden wir. Es ist günstig, gut, reichlich, super nett, und vor allem sehr lecker. Draußen hat es auch abends um 8 Uhr noch knapp 30°C, aber die Luft ist trocken. Nichts ist klamm, und wir sind weniger klebrig. Trotzdem freu ich mich jetzt auf eine Nacht mit Klimaanlage und tiefen Schlaf.

Mehrfachsteckdose – Adapter – Mehrfachsteckdose – Ladegeräte. Gestützt von einer Wasserflasche. Und alles lädt fröhlich durch die Nacht.

Vogelgucken vom Boot

Freitag, 13.02.2026, Bijagua

Kurzerhand haben wir gestern Abend beschlossen, heute auf Bootstour zu gehen. Online gebucht, schnell per WhatsApp geschrieben, Anzahlung geleistet – so einfach kann es gehen. Mir geht es okay, zwar noch wackelig auf den Beinen, aber im Boot sitzen und Natur beobachten, dabei ein bisschen fotografieren, das sollte klappen.

So fahren wir früh um halb 8 in Bijagua los, damit wir pünktlich um  halb 10 in Caño Negro sind. Weit ist das nicht, die Strecke sind keine 50 km, aber Google Maps sagt, wir brauchen knapp 1:30 h bis dorthin. Maps hat meistens recht mit Zeitangaben, und bald finden wir heraus, warum es so lange dauert.

Abfahrt im Regen bei Bijagua

Die erste Strecke führt bergab, noch auf guter Straße, aber im Regen. Dann rechts ab, eine kleine Straße, die im Achterbahnstil über Ausläufer der Vulkane führt. Rinderweiden mit schwarzen vulkanischen Felsbrocken drauf, dazwischen Palmen. Nicht ganz wie im Allgäu. Der Regen wird weniger, hört auf, wir sind im Flachland und weit genug entfernt vom Steigungsregen.

Kuhweiden mit Palmen

Dann nochmal kurz auf eine Hauptstraße – und gleich wieder links auf eine Schlaglochpiste. Huiuiui, da hat unser SUV tatsächlich mal zu tun. Wir fahren im Schnitt zwischen 20 und 30, einige Einheimische sind mit alten Limousinen unterwegs und fahren nur halb so schnell. Motorräder sind das beste Fortbewegungsmittel, einige Enduros düsen mit 60 Sachen über die Piste, die etwas älteren und einfacheren Zweiräder sind immer noch mindestens so schnell wie wir.

Sogar Trucks kommen die holprige Straße entlang.

Es geht durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die Felder wechseln zwischen Yucca und Ananas, manchmal auch Kuhweiden oder unbekanntem Gewächs. Später lernen wir, dass hier sogar ein Linienbus verkehrt! An den Autos, die hier täglich fahren, kann man schnell lernen, welche Modelle langlebig, robust und gut zu reparieren sind. Wir müssen immer wieder auf Schrittgeschwindigkeit, und fast immer ist Slalomfahren angesagt, und trotzdem holpert es ziemlich wild.

In Caño Negro scheint die Welt in Ordnung: wir sind im Nirgendwo angekommen, die Straßen sind geteert, die Häuser gepflegt, die Menschen sehr freundlich. Hunde schlafen einfach auf der Straße, der Linienbus muss erst laut hupen, bevor sich ein Hund gähnend gemächlich davonschleicht und die Straße preisgibt.

Der Anleger ist gleich gefunden, der Organisator ebenfalls. In seinem kleinen Café stellt er uns unseren Captain für heute vor, der sich als durchaus bewandert in der hiesigen Natur herausstellt. Wir besteigen ein kleines Boot mit 6 Sitzen und einem einfachen Dach. Aber wir sind noch nicht einmal vom Ufer weg, da steht schon ein Tiger Heron photogen in Pose, und unser Guide zeigt uns schlafende Fledermäuse, die direkt neben dem Anleger unter einem breiten Ast hängen.

Fast 4 Stunden sind wir auf dem Wasser. Erst regnet es noch etwas, dann bleibt es bald trocken, wird etwas heller. Gutes Fotolicht, besser als pralle Sonne. Von einem Aussichtsturm aus können wir in 2 Lagunen viele Vögel ausmachen und bestimmen, gute Fotos gibt es von da aber nicht, da die Entfernung viel zu groß ist. Mit dem Boot kommen wir unglaublich nah an die Tierwelt heran, ohne diese sichtlich zu stören.

Zur Regenzeit ist der Flusspegel deutlich höher, hier klar am Baum erkennbar. Etliche Lagunen sind dann vollständig überschwemmt.

Was wir alles sehen, beschreibe ich nicht mit Worten. Das geht besser. Viel besser. Hier eine Auswahl der über 1000 gemachten Fotos, die wir auf die Schnelle bereitstellen können: von Kamera aufs Handy, mit Lightroom entwickelt, Export, dann hier hochgeladen. Enjoy the show!

Slaty-tailed Trogon
Grüner Iguana
American Pygmy Kingfisher – Der kleinste Eisvogel der Welt
Black-crowned Night Heron
Green Basilika – Jesus Christ Lizard
Nicaraguan Grackle
Wood Stork
Montezuma Oropendola (Webervogel)
Amazon Kingfisher, Männchen
Kaiman
Green Heron
Glossy Ibis
Boat-billed Heron
Anhinga
Boat-billed Heron, weil er so hübsch ist
Fledermäuse
Wood Stork
Fauler Green Iguana
Wood Stork
Ein Anhinga (Schlangenhalsvogel) auf der Jagd, taucht immer wieder ab.
Danach ist  für den Anhinga Flügeltrocknen angesagt. Die nehmen Wasser auf, damit er gut tauchen kann.
Neotropic Cormorant
Kaiman
Great Egret
Anhinga – davon waren sehr viele da
Northern Jacana
Namiak

Unser Guide schien seine persönliche Quest zu haben uns alle 6 der hiesigen Kingfisher (Eisvögel) zu zeigen. Zwar schafft er nur 5 der 6, dafür entdecken wir gemeinsam am Ende noch einen Crane Hawk, der wirklich eine Seltenheit ist. Damit ist auch unser Guide zufrieden (wir sind es schon längst) und wir kehren zurück zum Anleger. Im Café essen wir eine Kleinigkeit, und holen uns noch Tipps für gutes, einfaches Birden in der Nähe von Tortuguero, unserem letzten fest geplanten Punkt der Reise.

Tatsächlich kann man auf einer solchen Bootstour unglaublich viele hervorragende Fotos in kürzester Zeit machen. An Land gibt es einige Lodges, die große, halbwegs natürliche Futterstellen eingerichtet haben, bei denen dann ein Dutzend Fotografen nur vorfahren und ihr Equipment aufbauen müssen, ohne jegliche Suche und Naturkenntnis prachtvolle Bilder machen zu können. Übernachtet man in der Lodge, bekommt man die Vögel zu allen Tageszeiten und hat stundenlang Gelegenheit zum Knipsen.

Natürlich hat das seinen Preis, und das Abenteuer ist ziemlich weg. Es kommt eben darauf an, was man möchte: Reisen, Natur erleben und dabei birden; oder möglichst schnell und einfach möglichst viele tolle Vogelbilder machen, quasi mit Gelinggarantie. Ich würde das auch mal für eine Nacht ausprobieren, aber deswegen in ein Land reisen, um von einer Vogelstation zur nächsten Bootstour zur nächsten Futterstelle zu fahren… Nee!

Bevor wir losfahren findet Anja in einem kleinen Gebüsch gleich noch 6 Vögelchen, die sie noch nie gesehen hatte, also Lifer. Und auf der Rückfahrt bremsen wir an einer Stelle, an der wir während der Hinfahrt Tukane gesichtet hatten. Erstaunlicherweise waren heute früh alle 3 der hier heimischen Tukanarten in einem Baum, das ist wirklich ungewöhnlich. Wir verbringen einige Zeit mit der Suche und finden jetzt 2 Arten, von einer gelingt uns ein schönes Foto – ganz ohne Futterstation und Guide, einfach so auf der Landstraße, das ist besonders schön.

Yellow-throated Toucan

Wir beschließen, dass das für heute genug Input ist, und verbringen den übrigen Nachmittag gemütlich. In Bijagua hat sich der Himmel etwas aufgeklärt, Blau ist zu sehen, und es wird wohl heute nicht mehr regnen. Aber alles ist klamm, und wir kriegen nichts wirklich getrocknet. Als wir ein wenig später noch einmal hinausschauen, zeigen sich zum ersten Mal seit wir hier sind die Vulkane, und dann gleich von ihrer goldenen Seite im Sonnenuntergang.

Der starke Wind drückt die Wolkendecke um die hohen Gipfel punktuell nach oben, erzeugen so den Halo-Effekt
Aktiv sind hier einige Vulkane, aber das sind zum Glück nur Wolken.
Vulkan müde, Vulkan schlafen. Besser so.
Welches Tier ist das?

Essen, packen, schlafen… Wir sind glücklich.

Ist es der Weg, oder schon der Fluss?

Donnerstag, 12.02.2026, Bijagua

Okay, mir geht’s besser, aber alles andere als gut. Heute verzichte ich erstmal weiter auf alles Essbare. Ganz vorsichtig probiere ich zum Frühstück einen Schwarztee. Zum Glück geht es Katrin und Anja gut, ich habe wohl niemanden angesteckt. Zumindest noch nicht.

Die beiden überlegen, wohin es gehen soll. Der Rio Celeste mit seinem wundervoll azurblauen Wasser ist reizvoll, die Wanderung nicht weit, ein Wasserfall krönt das Erlebnis. Wasser fällt aber schon die ganze Nacht, und nicht nur in Form des Rio am Vulkan Tenerio, sondern direkt vom celeste herab. Jetzt aus dem Grau heraus. Immerhin: es hat anti-Schauer: gelegentlich hört es mal auf zu regnen, zumindest kurz. Aber hey, irgendwie muss das viele schöne Grün ja zu Stande kommen.

Das Wetter ist unüblich, eine dicke Kaltfront sorgt in Costa Rica für ungewöhnlich kühles und regnerisches Wetter. Eigentlich ist noch Trockenzeit und damit Hochsaison für den Tourismus, der mancherorts jetzt bröckelt. Die beiden gehen trotzdem los.

Ich harre auf der Couch aus und versuche mich Schlückchen für Schlückchen an Flüssigkeit. Das Fernsehen halte ich nur für einmal flinkes Durchzappen aus, selbst Knight Rider, Avatar und Bond können mich nicht halten. Nunja, die Zeit durchtüddeln und auf der Couch lümmeln krieg ich schon hin.

Katrin und Anja wagen sich raus, schließlich sind die Tickets bezahlt. Die Fahrt zum Tenorio Park über hat es schon viel geregnet. Zuerst auf einem Bezahl-Parkplatz gelandet, dann noch rechtzeitig den kostenlosen Parkplatz entdeckt. Ein einsamer Guide am Eingang, der trotz Regenschirm aussieht wie ein begossener Pudel, bietet eine geführte Tour an, die wir dankend ablehnen. Er warnt uns schon vor: der Rio Celeste ist heute ein Rio Chocolate. Es war einfach too much, jetzt ist es too Matsch.

Gleich nahe der Terrasse der Station war ein Kapuzineraffe, der wollte uns vermutlich auch noch von unserem Vorhaben abbringen. Nichts da, wir ziehen durch. Direkt neben der Infotafel liegt ein riesiger Tapir-haufen, den das Personal vermutlich den hartnäckigsten Wanderwütigen in den Weg gelegt hat. Vom Tapir war natürlich nichts zu sehen. Egal, los jetzt, mit Regenklamotten und Regenschirm durch den Regen.

Immerhin, wenig Touristen unterwegs, so gab es stets freie Sicht. Freie Sicht auf… Nebel. Und Matsch. Und braune Wassermassen, davon immerhin reichlich. Zum letzten Punkt des Weges kamen wir gar nicht mehr hin – da greift der Titel. Es war einfach alles komplett überflutet, inzwischen auch in allen Schuhen. Der Wasserfall lässt sehr viel Wasser fallen. Früher konnte man darin baden, inzwischen ist es verboten, heute wäre es direkt gefolgt vom Erlernen der Himmelsharfe.

Aussicht?
So sah es dann aus am Wasserfall
So hätte es gern aussehen dürfen

Auf dem Rückweg war es dann auch egal, wo man hintritt. 3 Stunden haben wir es ausgehalten. Ein Aguti ist noch über den Weg geflitzt und war schnell wieder weg. Im Souvenirshop hat sich alles Volk getummelt. Der Shop war gruselig, kitschig, dazu lief seltsame Musik – also nichts wie weg.

Sonnencreme hätte vielleicht das Wasser besser abperlen lassen.

Daheim angekommen waren die Schuhe immerhin wieder richtig schön sauber, allerdings kaum trocken zu bekommen, denn hier regnet es noch immer, und ohne Klimaanlage kriegen wir die Luftfeuchte nicht runter. Nur mit den 2 großen Ventilatoren lässt sich was machen, die laufen jetzt durch und bemühen sich, all die patschenassen Klamotten zu trocknen. Wow, was ein Erlebnis.

Den Nachmittag verbringen wir unter stetem Rauschen der Ventilatoren mit Planung der nächsten Tage. Denn noch so einen Tag brauchen wir nicht. In Regenpausen flitzen Anja und Katrin raus, denn auch hier direkt vor unserer Haustüre gibt es Schönes zu entdecken. Ein Pfeilgiftfrosch (Jeans-Frosch) und ein Tukan sind die Höhepunkte. Ich esse vorsichtig nen Cracker, trinke ein Glas Orangensaft. Es scheint zu gehen, yay!

Abends klärt es tatsächlich auf, bleibt gar trocken. Wir gehen in ein sehr leckeres Restaurant, das mit ruhigem Klaviergeklimper und einem unheimlich netten Kellner, der ein paar Brocken Deutsch kann, uns einen angenehmen Kontrast zu Dauerregen, Hauptstraße und bellenden Hunden bietet. Ich verspüre Appetit, esse eine kleine Portion Nudeln mit Tomatensoße, dazu ein Batido.

Auf dem Weg zum Restaurant haben wir einen Schlafbaum von Grackeln gesehen. Wie bei Krähen fliegen hier in der Dämmerung hunderte der schelmischen schwarzen Vögel ein und grackeln um die besten Plätze. Die Grackeln sind irgendwas zwischen Elstern und Amseln, aber eher frech und nicht ganz so schlau. Ihr Name ist onomatopoetisch zu Ihren Lauten: die Grackeln grackeln, entsprechend Lärm ist um den Baum.

Daheim merke ich: oha, irgendwie war es doch noch zu früh mit Essen. Auweia. Die Nacht wird wohl lang…

Santa Elena Nationalpark

Mittwoch, 11.02.2026, Bijagua

Gut, dass wit die Bleibe gewechselt haben. Die Nacht war angenehm, das Bad ist schön und sauber, die Gastgeber sehr nett. Nur wache ich mit Durchfall auf. Nein, das lässt es schlimmer vermuten, als es war. Aber heute geht bei mir nix oben rein. Ob es das Ceviche gestern war, oder ob ich mir irgendwo einen Virus oder Bakterium eingefangen habe? Ich weiß es nicht. Zum Glück haben wir ein Medikament dabei, so dass wir problemlos weiterreisen können.

Wir holen den Mietwagen ab, ein großer SUV mit Allrad. Den kleinen SUV, den wir wollten, gab es gerade nicht, so bekommen wir ein kostenloses Upgrade. Allrad und Bodenfreiheit braucht es hier auf einigen Straßen, insbesondere wenn wir bis in die Nationalparks fahren wollen. So rollen wir gemütlich aus Puntarenas hinaus und den Bergen entgegen. Bis auf 1600m schrauben wir uns die kleine, gewundene Bergstraße hinauf. Im Schnitt kommen wir auf 30 oder 40 km/h, so viele Kurven, steile Steigungen und Engstellen hat es.

Auf halber Höhe Blick zurück gen Süden
Die Warnung vor Gürteltieren macht Hoffnung, welche zu sehen

Monteverde ist recht bekannt und entsprechend touristisch, so fahren wir ein Stückchen weiter zum Reserva Bosque Nuboso Santa Elena, einem Nebelregenwald. Da wird die Straße unbefestigt, und es wird interessant: nass, steil, imposante Schlaglöcher, entgegenkommende geländegängige Busse. Aber wenn die das schaffen, schaffen wir es auch. Hier macht Allrad wirklich Sinn, und durchaus Spaß.

Der Nebelregenwald tut seinem Namen alle Ehre. Der Wind strömt von Norden an die Berge, dicke Wolken entstehen und durchtränken die Bergwälder fortwährend mit sattem Nass. Es tropft dick von allen Blättern, und selbst die Nebeltröpfchen sind groß und hängen schwer in der Luft, allzeit bereit, alles und jeden zu duschen, der noch nicht durchweicht ist.

Ich beschließe, die Zeit in der Cafeteria der Station zu verbringen, während sich Anja und Katrin mit Regenzeug ausrüsten und einen der Wanderwege wählen.

Der Weg ist matschig, sehr matschig. Nicht umsonst ist an der Station für die Rückkehrer ein Wasserschlauch zum Schuhewaschen parat, ohne dessen Nutzung man vermutlich nicht in die Cafete käme. Viele kleine Brücken führen über einen Bach und wieder hinüber. Der Wald ist einfach irre grün. Sogar auf den Blättern wächst Moos.

Überall Moose, Farne, Flechten, Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen). Es sind recht wenig Leute unterwegs, und so können sich die Nebeltröpfchen ganz auf Anja und Katrin fokussieren. Nur 6 Vogelarten konnten die beiden bestimmen. Einen großen Hundertfüßler gibt es noch zu bewundern. Es ist ein ausgesprochen schöner Wald, aber viele Tierchen kann man heute bei dem arg dichten Nebel nicht entdecken, zumal jegliche Optik sofort betropft wird: Brille, Fernglas, Kameralinse.

Der Hautfarn ist nur eine einzelne Zellschicht dick, so feucht ist es hier. Einmal Sonne, und das wär’s mit ihm
Baumfarn
Noch ein Farn
Auch ein Farn
So viele Epiphyten!
Sogar auf Blättern wächst Moos
Lieber nicht anfassen.
Hier könnte der Vulkan Arenal zu sehem sein
Schlammschlacht beendet.

Wir essen noch eine Kleinigkeit. Ich kriege zumindest ne Cola in mich rein. Dann geht es Richtung Unterkunft. Auf dem Weg nehmen wir einen Anhalter mit, jetzt da wir den Luxus eines Autos genießen. Daniel ist US Amerikaner, besitzt hier eine Kaffeeplantage und verbringt jedes Jahr 3 Monate in Costa Rica. Er wohnt teilweise in Maine, teilweise in Washington State, teilweise hier. Auf die Frage, wo es ihm am besten gefalle, gesteht er, dass er bereits das nächste Projekt plane: auf Sizilien ein altes Landgut kaufen, herrichten und dann bewirtschaften – ganz so, wie er es hier gemacht hat.

Man beachte Strecke und Zeit. Nein, nicht mit dem Fahrrad.
Der Lago Arenal lässt heute auch nicht viel von sich sehen.
Gen Süden gibt es nochmal herrlichen Blick

Das Wetter ist seltsam: 25°C, sehr windig, sehr feucht. Irgendwie immer zwischen Schwitzen und Frieren. Im klimatisierten Wagen merken wir das nicht, und unsere Sachen trocknen gut. Wenn wir für ein Foto aussteigen, ist der Kontrast aber heftig, vor allem die sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Über eine Schlaglochpiste holpern wir, auf der uns kaum Autos, dafür ein Cowboy wie aus dem Bilderbuch entgegenkommt. Immer wieder bremsen wir auf Schrittgeschwindigkeit wegen der Schlaglöcher, müssen ständig Slalom fahren. Google Maps hatte mit der Fahrzeit leider wieder recht. In der Abenddämmerung kommen wir an.

Ich bekomme Fieber, also doch eher nicht das Ceviche, sondern irgendein Infekt. Ein bisschen Tee geht noch. Das Schlimmste scheint überstanden, aber es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder richtig fit bin. Katrin und Anja gehen essen und planen den morgigen Tag, an dem ich mich kurieren werde.

Durch den Ort, in dem wir 3 Nächte gebucht habe, führt eine größere Hauptstraße, auf der viele LKW verkehren. Das sind häufig alte, große Trucks aus den USA und Kanada. Die sind ohnehin laut, haben als Motorbremse oft eine Jake Brake – die ist extra krass laut, deutlich lauter als ein Presslufthammer (laut Wikipedia). Ich dachte erst, Zeus persönlich säße im Garten vor unserem Haus, nachdem er viel zu viele Bohnen (mit oder ohne Reis) gegessen hatte. Dass die Stadt einige schöne Bremshügel in die Hauptstraße eingebaut hat, hilft sicherlich der Sicherheit, aber nicht dem gesunden Schlaf. Wo waren gleich die Ohrstöpsel?

Nach Puntarenas

Dienstag, 10.02.2026, Puntarenas Stadt

Heute ist Reisetag, heute passiert nicht viel. Anja erspäht im Morgengrauen flink 12 Vögel, die sie zum ersten Mal im Leben sieht, unter Ornithologen „Lifer“ genannt. Dem Frühstück am Pool folgt gemütliches Packen. Eine letzte schnelle Dusche (man klebt auch einfach nach einer Nacht unter einem dünnen Laken) und los.

Zuverlässig, freundlich, hilfsbereit – so erlebe ich die Ticos. Unser Taxifahrer kann nicht, schickt aber einen Kollegen, der top pünktlich um 8:30 da ist. Busfahrer merken sich, wo man aussteigen möchte, nehmen einen von der Straße abseits der Haltestellen mit, verstauen gewissenhaft das Gepäck und fahren rechts ran, sobald man aufsteht, weil sie denken, man will hier aussteigen. Autofahrer lassen uns großzügig über die Straße, selbst auf großen, breiten Landstraßen: sie halten mit 50 Metern Abstand an und geben Lichthupe, samt Lächeln.

Pflanzenverkauf neben dem Busterminal

Nicht immer stimmen alle Infos, und manchmal wird einfach nicht einen Schritt weiter gedacht, so dass es umständlich wird, aber bisher haben wir keine Arglist, Täuschung, Genervtsein, Ungeduld oder dergleichen erlebt. Vielleicht bisher nur Glück. Aber nein, irgendwie fühlt sich das Miteinander hier sehr menschlich an. Jetzt ganz positiv gemeint.

Gut, der Bus fährt doch erst um 10, und dann haben wir eine Stunde Wartezeit zwischendurch, aber nebenan ist eine Bäckerei, und Schatten spendet uns ein gigantischer Mangobaum, und wir können ein paar Schwalben, Krackeln und anderen Vögeln bei ihrem Vogeldasein beobachten.

Mangobaum der Extraklasse – das dickes Regenfass rechts darf sich daneben schlank fühlen

So sind wir recht entspannt unterwegs. Okay, Stau, Gezuckel, alle paar Meter steigt jemand zu oder aus. Aber es ist ruhig, klimatisiert und wir kommen locker gegen 3 Uhr nach Puntarenas. Die Stadt liegt auf einer sehr schmalen, rund 5 km langen Landzunge, die in eine große Bucht ragt. Hier holen wir morgen den Mietwagen, der uns eine Woche lang an die Orte tragen wird zu denen wir mit Öffis nicht kommen.

Freddy ist auch ganz chill. Ich kriege allmählich auch schon diesen Blick…

Unsere Bleibe in Puntarenas erweist sich allerdings als sehr miefig, Katrins Zimmer als schlicht unzumutbar. Sie spricht mit dem Vermieter, der noch in der Hauptstadt San Jose unterwegs ist, und storniert. Bei einem Batido planen wir die nächsten Tage, und Katrin sucht nach einer anderen Bleibe. Die ist schnell gefunden, direkt ums Eck, und hat gleich 4 Schlafplätze im Zimmer, so dass Anja und ich nach schneller Verständigung mit dem vorherigen Vermieter ebenfalls hierher wechseln.

Später im Supermarkt erkenne ich den Geruch wieder, schaue mich um und stehe neben den Pestiziden. Vermutlich hat der Hausverwalter etwas arg großzügig gegen Kakerlaken und Co wirken wollen. Schade. Die Bewertungen auf booking.com sind gut, die Kommentare aber vernichtend, so dass wir uns ernsthaft wundern, wie verpeilt wir beim Buchen gewesen waren.

So ist jetzt alles gut. Ich probiere zum Abendessen Ceviche, kalt gegarten Seebarsch, mit frittierten Kochbananen, und genieße ein Pils dazu. Anja und Katrin bleiben bei der einzigen vegetarischen Alternative der mit Sea Food gefüllten Karte: Casado. Das ist Reis mit Bohnen. Klingt langweilig, aber es gibt immer anderes Gemüse und Salat dazu, mal ein paar gebackene Bananen oder dergleichen, so dass Abwechslung sicher ist.

So, morgen wird es spannender. Autofahren in Mittelamerika, rauf zum Nebelwald, dem Reserva Bosque Nuboso Santa Elena. Bin gespannt, was uns dort erwartet. Gute Nacht und bis morgen.