Mittwoch, 11.02.2026, Bijagua
Gut, dass wit die Bleibe gewechselt haben. Die Nacht war angenehm, das Bad ist schön und sauber, die Gastgeber sehr nett. Nur wache ich mit Durchfall auf. Nein, das lässt es schlimmer vermuten, als es war. Aber heute geht bei mir nix oben rein. Ob es das Ceviche gestern war, oder ob ich mir irgendwo einen Virus oder Bakterium eingefangen habe? Ich weiß es nicht. Zum Glück haben wir ein Medikament dabei, so dass wir problemlos weiterreisen können.
Wir holen den Mietwagen ab, ein großer SUV mit Allrad. Den kleinen SUV, den wir wollten, gab es gerade nicht, so bekommen wir ein kostenloses Upgrade. Allrad und Bodenfreiheit braucht es hier auf einigen Straßen, insbesondere wenn wir bis in die Nationalparks fahren wollen. So rollen wir gemütlich aus Puntarenas hinaus und den Bergen entgegen. Bis auf 1600m schrauben wir uns die kleine, gewundene Bergstraße hinauf. Im Schnitt kommen wir auf 30 oder 40 km/h, so viele Kurven, steile Steigungen und Engstellen hat es.



Monteverde ist recht bekannt und entsprechend touristisch, so fahren wir ein Stückchen weiter zum Reserva Bosque Nuboso Santa Elena, einem Nebelregenwald. Da wird die Straße unbefestigt, und es wird interessant: nass, steil, imposante Schlaglöcher, entgegenkommende geländegängige Busse. Aber wenn die das schaffen, schaffen wir es auch. Hier macht Allrad wirklich Sinn, und durchaus Spaß.
Der Nebelregenwald tut seinem Namen alle Ehre. Der Wind strömt von Norden an die Berge, dicke Wolken entstehen und durchtränken die Bergwälder fortwährend mit sattem Nass. Es tropft dick von allen Blättern, und selbst die Nebeltröpfchen sind groß und hängen schwer in der Luft, allzeit bereit, alles und jeden zu duschen, der noch nicht durchweicht ist.

Ich beschließe, die Zeit in der Cafeteria der Station zu verbringen, während sich Anja und Katrin mit Regenzeug ausrüsten und einen der Wanderwege wählen.
Der Weg ist matschig, sehr matschig. Nicht umsonst ist an der Station für die Rückkehrer ein Wasserschlauch zum Schuhewaschen parat, ohne dessen Nutzung man vermutlich nicht in die Cafete käme. Viele kleine Brücken führen über einen Bach und wieder hinüber. Der Wald ist einfach irre grün. Sogar auf den Blättern wächst Moos.
Überall Moose, Farne, Flechten, Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen). Es sind recht wenig Leute unterwegs, und so können sich die Nebeltröpfchen ganz auf Anja und Katrin fokussieren. Nur 6 Vogelarten konnten die beiden bestimmen. Einen großen Hundertfüßler gibt es noch zu bewundern. Es ist ein ausgesprochen schöner Wald, aber viele Tierchen kann man heute bei dem arg dichten Nebel nicht entdecken, zumal jegliche Optik sofort betropft wird: Brille, Fernglas, Kameralinse.
















Wir essen noch eine Kleinigkeit. Ich kriege zumindest ne Cola in mich rein. Dann geht es Richtung Unterkunft. Auf dem Weg nehmen wir einen Anhalter mit, jetzt da wir den Luxus eines Autos genießen. Daniel ist US Amerikaner, besitzt hier eine Kaffeeplantage und verbringt jedes Jahr 3 Monate in Costa Rica. Er wohnt teilweise in Maine, teilweise in Washington State, teilweise hier. Auf die Frage, wo es ihm am besten gefalle, gesteht er, dass er bereits das nächste Projekt plane: auf Sizilien ein altes Landgut kaufen, herrichten und dann bewirtschaften – ganz so, wie er es hier gemacht hat.



Das Wetter ist seltsam: 25°C, sehr windig, sehr feucht. Irgendwie immer zwischen Schwitzen und Frieren. Im klimatisierten Wagen merken wir das nicht, und unsere Sachen trocknen gut. Wenn wir für ein Foto aussteigen, ist der Kontrast aber heftig, vor allem die sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Über eine Schlaglochpiste holpern wir, auf der uns kaum Autos, dafür ein Cowboy wie aus dem Bilderbuch entgegenkommt. Immer wieder bremsen wir auf Schrittgeschwindigkeit wegen der Schlaglöcher, müssen ständig Slalom fahren. Google Maps hatte mit der Fahrzeit leider wieder recht. In der Abenddämmerung kommen wir an.
Ich bekomme Fieber, also doch eher nicht das Ceviche, sondern irgendein Infekt. Ein bisschen Tee geht noch. Das Schlimmste scheint überstanden, aber es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder richtig fit bin. Katrin und Anja gehen essen und planen den morgigen Tag, an dem ich mich kurieren werde.
Durch den Ort, in dem wir 3 Nächte gebucht habe, führt eine größere Hauptstraße, auf der viele LKW verkehren. Das sind häufig alte, große Trucks aus den USA und Kanada. Die sind ohnehin laut, haben als Motorbremse oft eine Jake Brake – die ist extra krass laut, deutlich lauter als ein Presslufthammer (laut Wikipedia). Ich dachte erst, Zeus persönlich säße im Garten vor unserem Haus, nachdem er viel zu viele Bohnen (mit oder ohne Reis) gegessen hatte. Dass die Stadt einige schöne Bremshügel in die Hauptstraße eingebaut hat, hilft sicherlich der Sicherheit, aber nicht dem gesunden Schlaf. Wo waren gleich die Ohrstöpsel?