Donnerstag, 12.02.2026, Bijagua
Okay, mir geht’s besser, aber alles andere als gut. Heute verzichte ich erstmal weiter auf alles Essbare. Ganz vorsichtig probiere ich zum Frühstück einen Schwarztee. Zum Glück geht es Katrin und Anja gut, ich habe wohl niemanden angesteckt. Zumindest noch nicht.
Die beiden überlegen, wohin es gehen soll. Der Rio Celeste mit seinem wundervoll azurblauen Wasser ist reizvoll, die Wanderung nicht weit, ein Wasserfall krönt das Erlebnis. Wasser fällt aber schon die ganze Nacht, und nicht nur in Form des Rio am Vulkan Tenerio, sondern direkt vom celeste herab. Jetzt aus dem Grau heraus. Immerhin: es hat anti-Schauer: gelegentlich hört es mal auf zu regnen, zumindest kurz. Aber hey, irgendwie muss das viele schöne Grün ja zu Stande kommen.

Das Wetter ist unüblich, eine dicke Kaltfront sorgt in Costa Rica für ungewöhnlich kühles und regnerisches Wetter. Eigentlich ist noch Trockenzeit und damit Hochsaison für den Tourismus, der mancherorts jetzt bröckelt. Die beiden gehen trotzdem los.
Ich harre auf der Couch aus und versuche mich Schlückchen für Schlückchen an Flüssigkeit. Das Fernsehen halte ich nur für einmal flinkes Durchzappen aus, selbst Knight Rider, Avatar und Bond können mich nicht halten. Nunja, die Zeit durchtüddeln und auf der Couch lümmeln krieg ich schon hin.
Katrin und Anja wagen sich raus, schließlich sind die Tickets bezahlt. Die Fahrt zum Tenorio Park über hat es schon viel geregnet. Zuerst auf einem Bezahl-Parkplatz gelandet, dann noch rechtzeitig den kostenlosen Parkplatz entdeckt. Ein einsamer Guide am Eingang, der trotz Regenschirm aussieht wie ein begossener Pudel, bietet eine geführte Tour an, die wir dankend ablehnen. Er warnt uns schon vor: der Rio Celeste ist heute ein Rio Chocolate. Es war einfach too much, jetzt ist es too Matsch.

Gleich nahe der Terrasse der Station war ein Kapuzineraffe, der wollte uns vermutlich auch noch von unserem Vorhaben abbringen. Nichts da, wir ziehen durch. Direkt neben der Infotafel liegt ein riesiger Tapir-haufen, den das Personal vermutlich den hartnäckigsten Wanderwütigen in den Weg gelegt hat. Vom Tapir war natürlich nichts zu sehen. Egal, los jetzt, mit Regenklamotten und Regenschirm durch den Regen.

Immerhin, wenig Touristen unterwegs, so gab es stets freie Sicht. Freie Sicht auf… Nebel. Und Matsch. Und braune Wassermassen, davon immerhin reichlich. Zum letzten Punkt des Weges kamen wir gar nicht mehr hin – da greift der Titel. Es war einfach alles komplett überflutet, inzwischen auch in allen Schuhen. Der Wasserfall lässt sehr viel Wasser fallen. Früher konnte man darin baden, inzwischen ist es verboten, heute wäre es direkt gefolgt vom Erlernen der Himmelsharfe.




Auf dem Rückweg war es dann auch egal, wo man hintritt. 3 Stunden haben wir es ausgehalten. Ein Aguti ist noch über den Weg geflitzt und war schnell wieder weg. Im Souvenirshop hat sich alles Volk getummelt. Der Shop war gruselig, kitschig, dazu lief seltsame Musik – also nichts wie weg.

Daheim angekommen waren die Schuhe immerhin wieder richtig schön sauber, allerdings kaum trocken zu bekommen, denn hier regnet es noch immer, und ohne Klimaanlage kriegen wir die Luftfeuchte nicht runter. Nur mit den 2 großen Ventilatoren lässt sich was machen, die laufen jetzt durch und bemühen sich, all die patschenassen Klamotten zu trocknen. Wow, was ein Erlebnis.
Den Nachmittag verbringen wir unter stetem Rauschen der Ventilatoren mit Planung der nächsten Tage. Denn noch so einen Tag brauchen wir nicht. In Regenpausen flitzen Anja und Katrin raus, denn auch hier direkt vor unserer Haustüre gibt es Schönes zu entdecken. Ein Pfeilgiftfrosch (Jeans-Frosch) und ein Tukan sind die Höhepunkte. Ich esse vorsichtig nen Cracker, trinke ein Glas Orangensaft. Es scheint zu gehen, yay!
Abends klärt es tatsächlich auf, bleibt gar trocken. Wir gehen in ein sehr leckeres Restaurant, das mit ruhigem Klaviergeklimper und einem unheimlich netten Kellner, der ein paar Brocken Deutsch kann, uns einen angenehmen Kontrast zu Dauerregen, Hauptstraße und bellenden Hunden bietet. Ich verspüre Appetit, esse eine kleine Portion Nudeln mit Tomatensoße, dazu ein Batido.
Auf dem Weg zum Restaurant haben wir einen Schlafbaum von Grackeln gesehen. Wie bei Krähen fliegen hier in der Dämmerung hunderte der schelmischen schwarzen Vögel ein und grackeln um die besten Plätze. Die Grackeln sind irgendwas zwischen Elstern und Amseln, aber eher frech und nicht ganz so schlau. Ihr Name ist onomatopoetisch zu Ihren Lauten: die Grackeln grackeln, entsprechend Lärm ist um den Baum.
Daheim merke ich: oha, irgendwie war es doch noch zu früh mit Essen. Auweia. Die Nacht wird wohl lang…