Geburtstag am Strand

Mittwoch 18.02.2026, Montezuma

Ausschlafen, endlich! Aber um 7 sind wir dann doch schon wieder wach. Erstmal Tee. Ohne Tee geht gar nix. Das stellt Anja mal wieder fest, ziemlich betröppelt kommt sie an und fragt, ob man gelöschte Bilder auf einer SD-Karte wiederherstellen kann. Ohje, was war denn da passiert?

Ein Design-Problem mit gravierenden Folgen! Die Nikon P950 hat einen Vogelmodus, da erkennt sie zuverlässig Federviecher und fokussiert brilliant. Da macht man gleich Serienaufnahmen, meist 2-3 Bilder, die werden auch als Bilderstapel angezeigt. Manchmal machen wir in einem anderen Modus einzelne Bilder, zum Beispiel von Landschaft, oder wenn ein Vogel schön stillsitzt. Denn im Vogelmodus gibt’s nur jpeg, in anderen Modi auch RAW, das ist schöner zum Entwickeln in Lightroom. So haben wir viele Bilderserien mit einigen einzelnen Bildern gemischt.

Wenn man die jetzt durchblättert und eine misslungene Bilderserie löschen möchte, dann geht das auf einen Rutsch, ohne dass man jedes einzelne Bild einer Serie löschen muss. Das machen wir häufig. Wenn das aber ein einzelnes Bild ist… Du ahnst es, nicht wahr? Genau! Dann wird mit der selben Aktionsfolge gleich die ganze Speicherkarte geleert! Anja fehlt der erste Tee, und der Automatismus in den Fingern ist nicht aufzuhalten. Auweia. Liebes Nikon-Team, das muss anders gestaltet werden! Anja hatte die Falle voher bereits gewittert, war aber ohne Tee wehrlos gegen diesen Design-Bug.

Also Speicherkarte raus, Schreibschutz rein, andere Karte in die Kamera, und trösten. Und hoffen, dass wir das daheim gerettet kriegen. Ich bin zuversichtlich, dass das klappen wird. Aber spannend wird es dann auf jeden Fall nochmal. Jetzt können wir nichts tun – außer Tee trinken. Der ist schließlich nötig.

Wir geben im Supermarkt ein kleines Vermögen für Obst, Saft und Haferflocken aus, frühstücken selbiges bei uns auf der Veranda, und machen uns los zum nahegelegenen Wasserfall. Der ist tatsächlich hübsch, aber überall hier sind Straßenverkäufer und Werbeschilder (wenn auch handbemalt), und sogar am Wasserfall, nach nem halben Kilometer unwegsamen Pfad bauen die ersten zwei ihre improvisierten Stände auf. Der eine scheint hier auch zu schlafen. Wir baden nicht unter dem Wasserfall, auch wenn wir die ersten hier heute sind, und machen uns bald wieder los, als mehr Menschen kommen.

Catarata

Zurück in unserer Bleibe, machen wir Kaffee. Die hiesige Zubereitung ist denkbar einfach: sehr grob gemahlenes Pulver in heißes Wasser, und nach ein paar Minuten durch eine Stoffsocke abgießen. Entsprechende Halterungen gibt es in jedem Souvenirshop. Klingt einfach, ich mach trotzdem erstmal ne kleine Überschwemmung. Unser Zimmer ist top ausgestattet mit Kaffeebereiter, 2 Tassen, Wasserkocher, Kühlschrank, Kaffeepulver, ein Löffel. Und mit den 4 Kleiderbügeln hat es 4 mehr, als alle bisherigen Unterkünfte zusammen! Die Notwendigkeit, Sachen aufzuhängen, wird oft gnadenlos unterschätzt. Wenn Du ein Gästezimmer oder ein Gästebad hast, dann benutz es am besten mal selbst für ein paar Tage, um zu erleben, was fehlt.

Kaffee geht auch einfach und lecker, ohne Siebträgermaschine

In dem kleinen Montezuma gibt es gar nicht mal so viel zu tun. Ja, wir könnten eine der zahlreich angebotenen Touren buchen, sind aber doch lieber selbstbestimmt unterwegs. Wir beschließen, alle Läden abzuklappern und zu schauen, welche Waren hier feilgeboten werden. Montezuma ist auch bekannt als Montefuma, denn hier wird viel geraucht, allerdings wenig Tabak. Auch am frühen Vormittag ziehen schon dicke Wolken süßlicher Wonne durch die Straßen. Entsprechend gibt es auch Zubehör dafür, dazu einiges an esoterischen Krimskrams, die entsprechend bunten Klamotten, und alles Mögliche trägt als Motiv Tukan, Ara, Kolibri, Schmetterlinge, Affen, Schildkröten, und natürlich Freddy. Freddies gibt’s hier leider gar nicht, die sehen wir hoffentlich in der Karibik wieder. Wir kaufen einen kleinen Tukan aus Holz für Katrin, dazu Postkarten. Mal sehen, wo wir Briefmarken finden.

Milka gibt es hier im Kühlschrank, nur zum sofortigem Verzehr geeignet.
Tüddelkram
Die niedliche Kirche von Montezuma
Die Sache mit den Autos müsste dringend mal gelöst werden. Seufz.
Straßen- und Lebenskünstler

Im Supermarkt decken wir uns mit Snacks ein, dann geh ich endlich mal ins Meer, mit der Brandung raufen. Anja sind die Wellen zu groß, ich genieße es, durch die über mich kippende Wasserwand hindurchzutauchen, auf der anderen Seite auf einmal in der Luft zu hängen und runterzuklatschen. Und nochmal! Yay! Das Wasser hat 29°C, kalt würde mir hier nie, aber vor der Sonne hab ich Respekt, so machen wir uns auf zu Snacktime auf unserer Veranda, und schreiben Postkarten und Blog.

Eidechsen kämpfen im Treibholz ums Revier.

Ein paar Vögelchen gibt es natürlich immer zu sehen, und da wir fast nie ohne Optik bewaffnet aus dem Haus gehen, entstehen fast jeden Tag ein paar Bilder.

Alle Nüsse oben, keine hier unten zum Selberknacken
Tiger Heron
Amazonas Kingfisher
Rufous-backed Wren, ein Zaunkönig so groß wie ne Amsel
Common Squirrel Cockoo
Summer Tanager, das Männchen färbt sich gerade um ins Erwachsenenkleid

Abends sind wir zum Geburtstag bei Katrins Unterkunft. Das war ja Trigger der ganzen Reise. Sie wird heute zum wiederholten Male 19, und hat vor langer Zeit schon geplant, diese Wiederholung hier am Strand zu feiern. „Kommt doch dazu!“ meinte sie neckisch zu Freunden – und einige kommen, wir eben auch. Und wenn wir schon eine Badewanne voll Kerosin verbrennen, um hierher zu kommen, bleiben wir eben etwas länger. Die anderen machen es ganz ähnlich. Also heute Geburtstag, wir sind 12 Leute, stoßen an und genießen, was Katrin in der Küche des Hostels an Essbarem gezaubert hat. Ein gemütlicher Abend.

Später sitzen wir noch zum Abkühlen auf der Veranda, da huscht ein Southern Skunk, ein Stinktier an uns vorbei! Herrlich niedlich, schwarz mit weißen Streifen und riesigem flauschigen Schwanz. Zum Glück war es genauso entspannt wie wir. Melli, die auch Geburtagsgast hier ist, hatte mal ein Stinktier in einer Wildfalle (zwecks Feldforschung), die musste dann entsorgt werden. Also die Falle, nicht Melli. Allein die Beschreibung des Geruchs genügt, um jegliches Risiko zu vermeiden, davon was abzukriegen. Des einen Bäh ist ja oft des anderen Hui, und der Stinktiergestank muss ja eklig für sämtliche potenzielle Feinde sein. Das ist garantiert für niemanden Hui, und für uns Menschen extrem Bäh. Trotzdem niedlich!

Mir fehlt gerade die Ruhe und Zeit, Bilder von unseren Kameras aufs Handy zu bringen, daher gibt’s nur schnöde Handyfotos. Zumindest fürs Erste. Jetzt hab ich die lange Busfahrt genutzt, um doch noch Bilder rüber zu bringen. Ich kann es nicht lassen 🙂