Mittwoch 25.02.2026, Cahuita
Die Nacht war ruhig. Das ist fast schon ungewohnt! Schlaf gab es reichlich, aber wir haben es nicht mehr so eilig. Zwar stehen wir schon um 6 Uhr auf, aber irgendwie sind wir doch erst um halb 8 am Park. Diesmal keine umständliche Online-Buchung, sondern wir spenden, was es uns wert ist. Da wir haben, können wir auch geben. Ohne die Nationalparks kein so schöner Urlaub, und vor allem kein so schönes Reich für Tiere und Pflanzen, in denen der Mensch wirklich nur zeitweiliger Gast ist.
Nachts hat es kräftig geregnet, jetzt ist es stark bewölkt, nur wenig Licht kommt bis an den Boden. Trotzdem entdecken wir gleich nach dem Eingang 2 neue Vögelchen, ein guter Start, der Hoffnung macht. Bald entdecken wir das Nest eines Kolibris, und dürfen beobachten, wie er daran weiterbaut. Das ist so winzig! Bis wir später auf dem Rückweg hier vorbeikommen, sind die Küken vermutlich schon flügge – so scheint es zumindest bei diesen so unfassbar schnellen Flatterschwirlen.





Der Weg ist zunächst breit und gut ausgetreten, links begleitet uns immer mit ein paar Metern Abstand der Karibikstrand. Warun sich alle Bäume gen Meer neigen, verstehen wir nicht. Eigentlich komnt der Wind vom Meer, so dass Windflüchter landeinwärts zeigen würden. Ist es das Licht. Oder gibt der Boden so stark nach?


Rechterhand finden wir bald die Quelle der Moskitos: da steht der halbe Wald unter Wasser. Teils nicht tief, teils aber mit klarer Warnung vor Krokodilen. Und das Wasser muss ja wohin. Wir dürfen einen Bach queren, wo er ins Meer fließt. Knietief ist das Wasser, will uns die Füße wegziehen. Oder sind das schon Krokodile. Hmmm. Wir kommen beide mit all unseren Füße drüben an. Eine Familie mit 2 Kids hat mehr Mühe, denn die jungen Mädels haben so richtig Angst vor Krokos, und wollen auf der anderen Seite ein Beweisfoto, dass sie es überlebt haben. Echte Abenteuer hier!


Bald wird es aber wilder. Offenbar hat nicht der viele Regen, sondern fiese Wellen erst den Strand und dann den Weg weggewaschen. Dann war der Weg weg. Haha. Tschuldigung. Der musste wohl die letzten beiden Tage an ein paar Stellen neu gemacht werden. Teils ist es jetzt grenzwertig. Noch eine Hurricane-Saison, und weitere Teile des Weges verschwinden im Meer. So steigen wir über die Abbruchkante, Bäume, Wurzeln, und bekommen ein paar Mal fast nasse Füße.
Einmal erwischt es mich dann eiskalt. Okay, nein, nicht eiskalt, das Wasser hat sicher über 2 °C, aber doch sehr überraschend. Dass jede siebte Welle größer ist, das kennt man ja. Aber hier kommen irgendwann sehr überraschend sehr große Wellen an. Vielleicht jede 49. Welle? Ich hab noch nicht mitgezählt. Immerhin bin ich nicht der Einzige hier, der mit patschnassen Schuhen umherquelcht. So klingt das: quelch quelch quelch.






An einer Stelle sind Reste eines alten Stegs im Meer, vielleicht ein früherer Bootsanleger. Und natürlich sitzen gleich Seevögel auf den Pfosten. Genauer: Royal Tern, also Seeschwalben. Die sind echt schön und eindrucksvoll. Aber nur, bis ein Fregattvogel dahergeschwebt kommt. Dessen Eleganz und schiere Größe lässt die Seeschwalben wie Spatzen aussehen.






Es wird voller. Vermutlich kommen heute all diejenigen, die gern die letzten beiden Tage den Nationalpark besucht hätten. Niemand grüßt mehr. Große Gruppen latschen einfach durch, schauen gar nicht mehr nach rechts und links. Trampeln achtlos auf den Autobahnen der Blattschneiderameisen herum, das macht mich regelrecht wütend! Am liebsten würde ich jeden anpflaumen, er möge doch aufpassen, wo er hintrete. Aber das geht ja auch nicht. Schade eigentlich.






Katrin ist die Tage im nahegelegenen Puerto Viejo, wir haben uns gestern kurzerhand verabredet, uns hier zu treffen. Irgendwo läuft man sich ja auf dem Wanderweg über die Füße. Und tatsächlich, gerade als wir am Punto Cahuita den Rückweg antreten, holt sie uns ein. Max ist inzwischen auf der Heimreise, so sind wir jetzt wieder nur zu dritt.
Vor dem Punta Cahuita ist ein Riff. Weit draußen brechen sich riesige Wellen, hier kommen nur noch kleine Wellchen ans Ufer gespült. Krass finde ich, dass der ganze Strand weniger aus kleinen Steinchen sondern vielmehr aus Korallenstückchen besteht. Auch hier steht es nicht gut um die Korallen, wie überall auf der Welt. Man kann hier schnorcheln gehen, wir sehen aber niemanden draußen. Ob es sich überhaupt noch lohnt, können wir nicht sagen.

Auf dem Rückweg erleben wir trotz der vielen Menschenbesucher noch einiges. Kapuzineraffen sind hier ziemlich dreist, laufen neben Wanderern mit, und sobald jemand einen Rucksack öffnet, wird Essen geklaut, im Zweifel mit Kratzen und Beißen. Die Äffchen sind zwar klein, aber sehr durchsetzungsstark. Das Gute an den vielen Leuten ist, dass wenig unentdeckt bleibt. So sehen wir eine Boa, Waschbären in ihrem natürlichen Habitat, Blattschneiderameisen beim Blattschneiden, zwei kleine Echsen, und eine winzige, dafür sehr giftige Viper. Wow.








Und am Eingang des Nationalparks hängt ein Freddy mit Fredchen herum. Und zwar derart prominent, dass da fast kein Durchkommen ist. Permanent stehen 2 Dutzend Leute und gucken, fotografieren, zeigen drauf. Freddy stört das nicht.



Wir setzen uns an ein Restaurant mit Blick auf den Strand, da laufen Markus und Julia auf uns zu, die beiden waren ebenfalls bei Katrins Geburtstag in Montezuma dabei gewesen. Tsk, das Land ist doch klein! Zusammen genießen wir Batidos und knabbern was, für mich wieder Reis mit Bohnen. Ich hab das noch immer nicht satt. Anja nimmt Patacones, das sind frittierte Kochbananen. Diese sind als kleine Schälchen geformt und wechselweise mit Bohnenpaste, Guacamole und Tomatensalat gefüllt. Auch ziemlich nice.
Wir merken, dass wir 7 Stunden im Park auf den Beinen waren, und viel zu wenig getrunken haben. Anja hat Kopfweh, wohl doch zu viel Sonne abbekommen. So verabschieden wir uns bald schon wieder von den dreien, und ziehen uns erst einmal in unser kleines Fass zurück. Die Duschen hier sind einmalig, die genießen wir heute mehrfach: Regenbrause, Körperbrausen und Fußdusche, und das heiße Wasser schafft es endlich, die ölige Schicht aus Sonnencreme und Insektenschutz zu lösen. Endlich mal nicht mehr klebrig. Yay.
Später geht’s Anja besser, wir shoppen ein paar kulinarische Andenken im wohlsortierten Supermarkt, kaufen das Busticket für morgen nach San Jose, und essen in unserer Unterkunft Brot, Avocado, Tomate, Gurke. Das bekommt uns heute gut. Noch einen Tee zum Abschluss, schon ist Schlafenszeit. Die Moskitos treiben uns ins Fass.