Freitag, 13.02.2026, Bijagua
Kurzerhand haben wir gestern Abend beschlossen, heute auf Bootstour zu gehen. Online gebucht, schnell per WhatsApp geschrieben, Anzahlung geleistet – so einfach kann es gehen. Mir geht es okay, zwar noch wackelig auf den Beinen, aber im Boot sitzen und Natur beobachten, dabei ein bisschen fotografieren, das sollte klappen.
So fahren wir früh um halb 8 in Bijagua los, damit wir pünktlich um halb 10 in Caño Negro sind. Weit ist das nicht, die Strecke sind keine 50 km, aber Google Maps sagt, wir brauchen knapp 1:30 h bis dorthin. Maps hat meistens recht mit Zeitangaben, und bald finden wir heraus, warum es so lange dauert.

Die erste Strecke führt bergab, noch auf guter Straße, aber im Regen. Dann rechts ab, eine kleine Straße, die im Achterbahnstil über Ausläufer der Vulkane führt. Rinderweiden mit schwarzen vulkanischen Felsbrocken drauf, dazwischen Palmen. Nicht ganz wie im Allgäu. Der Regen wird weniger, hört auf, wir sind im Flachland und weit genug entfernt vom Steigungsregen.

Dann nochmal kurz auf eine Hauptstraße – und gleich wieder links auf eine Schlaglochpiste. Huiuiui, da hat unser SUV tatsächlich mal zu tun. Wir fahren im Schnitt zwischen 20 und 30, einige Einheimische sind mit alten Limousinen unterwegs und fahren nur halb so schnell. Motorräder sind das beste Fortbewegungsmittel, einige Enduros düsen mit 60 Sachen über die Piste, die etwas älteren und einfacheren Zweiräder sind immer noch mindestens so schnell wie wir.

Es geht durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die Felder wechseln zwischen Yucca und Ananas, manchmal auch Kuhweiden oder unbekanntem Gewächs. Später lernen wir, dass hier sogar ein Linienbus verkehrt! An den Autos, die hier täglich fahren, kann man schnell lernen, welche Modelle langlebig, robust und gut zu reparieren sind. Wir müssen immer wieder auf Schrittgeschwindigkeit, und fast immer ist Slalomfahren angesagt, und trotzdem holpert es ziemlich wild.
In Caño Negro scheint die Welt in Ordnung: wir sind im Nirgendwo angekommen, die Straßen sind geteert, die Häuser gepflegt, die Menschen sehr freundlich. Hunde schlafen einfach auf der Straße, der Linienbus muss erst laut hupen, bevor sich ein Hund gähnend gemächlich davonschleicht und die Straße preisgibt.
Der Anleger ist gleich gefunden, der Organisator ebenfalls. In seinem kleinen Café stellt er uns unseren Captain für heute vor, der sich als durchaus bewandert in der hiesigen Natur herausstellt. Wir besteigen ein kleines Boot mit 6 Sitzen und einem einfachen Dach. Aber wir sind noch nicht einmal vom Ufer weg, da steht schon ein Tiger Heron photogen in Pose, und unser Guide zeigt uns schlafende Fledermäuse, die direkt neben dem Anleger unter einem breiten Ast hängen.
Fast 4 Stunden sind wir auf dem Wasser. Erst regnet es noch etwas, dann bleibt es bald trocken, wird etwas heller. Gutes Fotolicht, besser als pralle Sonne. Von einem Aussichtsturm aus können wir in 2 Lagunen viele Vögel ausmachen und bestimmen, gute Fotos gibt es von da aber nicht, da die Entfernung viel zu groß ist. Mit dem Boot kommen wir unglaublich nah an die Tierwelt heran, ohne diese sichtlich zu stören.





Was wir alles sehen, beschreibe ich nicht mit Worten. Das geht besser. Viel besser. Hier eine Auswahl der über 1000 gemachten Fotos, die wir auf die Schnelle bereitstellen können: von Kamera aufs Handy, mit Lightroom entwickelt, Export, dann hier hochgeladen. Enjoy the show!



























Unser Guide schien seine persönliche Quest zu haben uns alle 6 der hiesigen Kingfisher (Eisvögel) zu zeigen. Zwar schafft er nur 5 der 6, dafür entdecken wir gemeinsam am Ende noch einen Crane Hawk, der wirklich eine Seltenheit ist. Damit ist auch unser Guide zufrieden (wir sind es schon längst) und wir kehren zurück zum Anleger. Im Café essen wir eine Kleinigkeit, und holen uns noch Tipps für gutes, einfaches Birden in der Nähe von Tortuguero, unserem letzten fest geplanten Punkt der Reise.
Tatsächlich kann man auf einer solchen Bootstour unglaublich viele hervorragende Fotos in kürzester Zeit machen. An Land gibt es einige Lodges, die große, halbwegs natürliche Futterstellen eingerichtet haben, bei denen dann ein Dutzend Fotografen nur vorfahren und ihr Equipment aufbauen müssen, ohne jegliche Suche und Naturkenntnis prachtvolle Bilder machen zu können. Übernachtet man in der Lodge, bekommt man die Vögel zu allen Tageszeiten und hat stundenlang Gelegenheit zum Knipsen.
Natürlich hat das seinen Preis, und das Abenteuer ist ziemlich weg. Es kommt eben darauf an, was man möchte: Reisen, Natur erleben und dabei birden; oder möglichst schnell und einfach möglichst viele tolle Vogelbilder machen, quasi mit Gelinggarantie. Ich würde das auch mal für eine Nacht ausprobieren, aber deswegen in ein Land reisen, um von einer Vogelstation zur nächsten Bootstour zur nächsten Futterstelle zu fahren… Nee!
Bevor wir losfahren findet Anja in einem kleinen Gebüsch gleich noch 6 Vögelchen, die sie noch nie gesehen hatte, also Lifer. Und auf der Rückfahrt bremsen wir an einer Stelle, an der wir während der Hinfahrt Tukane gesichtet hatten. Erstaunlicherweise waren heute früh alle 3 der hier heimischen Tukanarten in einem Baum, das ist wirklich ungewöhnlich. Wir verbringen einige Zeit mit der Suche und finden jetzt 2 Arten, von einer gelingt uns ein schönes Foto – ganz ohne Futterstation und Guide, einfach so auf der Landstraße, das ist besonders schön.

Wir beschließen, dass das für heute genug Input ist, und verbringen den übrigen Nachmittag gemütlich. In Bijagua hat sich der Himmel etwas aufgeklärt, Blau ist zu sehen, und es wird wohl heute nicht mehr regnen. Aber alles ist klamm, und wir kriegen nichts wirklich getrocknet. Als wir ein wenig später noch einmal hinausschauen, zeigen sich zum ersten Mal seit wir hier sind die Vulkane, und dann gleich von ihrer goldenen Seite im Sonnenuntergang.





Essen, packen, schlafen… Wir sind glücklich.