Cerro Tortuguero

Montag 23.02.2026, Tortuguero

Morgenstund hat Wurm im Schnabel. Der frühe Vogel kann mir mal vor die Linse fliegen. Klar sind wir wieder unterwegs im ersten Licht des Tages. Es ist bedeckt, tröpfelt gelegentlich, aber geht. Wir gehen den langen Weg nördlich des Dorfes entlang dem Strand. Nur Vögel lassen sich keine blicken. Zunächst. Damn klart der Himmel auf, und offenbar haben die Federknäuel verknautscht nur drauf gewartet, denn auf einmal ist viel los: Kolibris schwirren um Blüten, ein Specht zerlegt nen morschen Baum, eine Geierversammlung auf einem kahlen Baum breitet alle Flügel zum Trocknen und Wärmen aus. Und dann.

Dann tauchen Tukane auf, diesmal die kleinste der hiesigen Arten. Gleich drei machen sich in einem Baum über ihr Früchtefrühstück her. Zwei fliegende Bananen gesellen sich im Nachbarbaum dazu, und wir sind glücklich. Anschließend entdeckt Anja noch zwei neue Vogelarten, der Morgen hat sich bereits gelohnt. Jetzt steigt die Sonne höher, wir haben noch keine Sonnencreme, dafür aber Hunger. Jetzt ruft unser Früchtefrühstück.

Truthahn- und Rabengeier entfalten ihre dunklen Mäntel zum Trocknen
Pale-billed Woodpecker
Blue-gray Tanager
Rufous-tailed Hummingbird
Collared Aracari, der kleinste Tukan hier
Dem Schnabel kann kein Obst der Welt widerstehen
Black-cheeked Woodpecker
Fliegende Banane, auch bekannt als Keel-billed Tukan
Auch mit so nem Schnabel ist Gefiederpflege zerstörungsfrei möglich.

Wir kochen Tee, Anja schnippelt Papaya und Mango klein, dazu Haferflocken in Osaft. Eine Tasse Kaffee für mich hinterher, dann kann der Tag starten. Wir wollen zum Cerro Tortuguero, einem alten Vulkanschlot, der dem Zahn der Zeit trotzt. Das Boot dorthin fährt regelmäßig, wir haben noch eine gute Stunde, um mit der sehr hakeligen Website der Nationalparkorganisation zu kämpfen und uns Tickets zu kaufen. Es klappt dann im dritten Anlauf, yay.

Eine viertel Stunde gemütliche Fahrt den breiten Fluss hinab, und wir sind da. Das Flussufer hier ist vielversprechend, alle paar Meter sitzt ein Reiher und frühstückt Fisch, dann werden aucj Eisvögel da sein. Hier ist wenig los, nur 5 andere Leute sind mit uns hierher gefahren. Das ist gut, mehr Ruhe, mehr zu sehen.

Wir gehen zuerst den kleinen Berg rauf. Der Weg ist komplett mit breiten Betonstufen und Geländer gebaut, so geht es gut 100 Meter in die Höhe. Irgendwie sind die Bauten der Nationalparks die solidesten und ordentlichsten hier. So geht auch niemand auf eigene Faust durch den Wald, auch die Begegnung mit Bullet Ants ist verringert. Das sind 2-3 cm große Ameisen, deren Biss 40 mal stärker ist als der einer Wespe, und für 24 Stunden sehr sehr starke Schmerzen bereitet. Wir sehen 2 davon. Wow.

Hübscher Farn. Ich mag fraktale Strukturen in der Natur.

Oben ist die Aussicht klasse! Bemerkenswert finde ich, dass jede Baumkrone anders aussieht. Der Wald ist auch von oben schön. Dann komnt Regen – aber wir sind ja schlau, haben Regenschirme dabei, und warten auf besser Wetter. Das kommt nicht, dafür aber andere, ziemlich nasse Leute, so dass wir uns an den Abstieg machen. Wir sehen ein gutes Dutzend der ziemlich kleinen Pfeilgiftfrösche, knallerot, küssen verboten. Die Spitze eines Pfeils über dessen Rücken streichen, und schon ist ein Piekser damit fatal. Krass.

Eine Zikadenart klingt wie eine kleine Motorsäge, auch bezüglich der Lautstärke. Zum Glück fällen sie keine Bäume. Und zum Glück sind es nur ein paar, sonst hätten sie uns die Ohren zersägt. Daneben erklingt ein regelmäßiges Klacken oder Schnalzen – vergeblich halten wir nach de. dafür verantwortlichen Vogel Ausschau, bis wir feststellen, dass es von Fröschen kommt. Hmpf.

Aber Vögelchen sehen wir ne Menge, auch einige zum ersten Mal!

Yellow-billed Cockoo
Yellow-billed Cockoo
Blue-gray Tanager, nochmal in schöner
Hier wachsen Ersatzschnäbel für die vielen Vögelchen.
Kein Gefieder, sondern ein Blatt mit 6 Beinen. Klasse Tarnung…
… funktioniert aber nicht beim Masked Tityra
Common Fruit Crow. Keine Krähe, aber klingt ein bisschen so
Slaty-tailed Trogon
Die schlaue Ornithologin, die all die schönen Federtierchen findet und erkennt.

Am Bootsanleger am Fluss machen wir Rast. Es regnet auch gerade wieder etwas, hört wieder auf. Da hören wir ein lautes Platschen von der anderen Seite des Flusses. Dann noch eins. Wir nehmen Fernglas, Kamera, sehen einen dritten Platscher. Und dann die Ursache: eine, nein, gleich zwei Tayra jagen Iguanas, die sich ob ihrer körperlichen Unterlegenheit einfach der Schwerkraft hingeben und sich nach unten verabschieden. Aus über 20 Metern höhe lassen sie sich in den Fluss fallen, um den eleganten, flinken Räubern zu entkommen, die in dieser luftigen Höhe wild herumspringen. Was ein Spektakel!

Die Tayra kannten wir noch gar nicht. Das sind Marder-artige Prädatoren, deren Körper 50-70 cm lang sind, dazu ein nochmal so langer Schwanz. Wow. Sie räumen einen Baum ab, erwischen aber scheinbar keinen. Wir warten, und bald geht es auf dem benachbarten Baum zur Sache! Wir sind begeistert und fasziniert.

Eine Tayra

Auf dem Rückweg finden wir noch Fledermäuse in einer Felsspalte, und dürfen Klammeraffen (Spider Monkeys) aus nächster Nähe beim Essen zuschauen. Was für ein Tag.

Klammeraffen können auch einfach am Schwanz hängen, dann haben sie alle Hände frei zum Mampfen.
Geht aber auch weniger umständlich.

Über 4 Stunden haben wir auf den 3 km zugebracht, und wir haben es sehr genossen. Die Rückfahrt bringt uns zum Kaffee am Nachmittag. Jetzt ist der Kopf voll, heute muss nichts mehr sein. So passiert auch nicht mehr viel. Eigentlich nichts. Ah, doch: wir entdecken, woher die ganzen großen Löcher im Garten unserer Unterkunft kommen. Da wohnen Krabben, mit ihren 10 cm breiten Körpern huschen sie geschwind durchs Grün und wissen immer, wo ihr Bau ist.

Wir machen die Bootsfahrt nach Moin klar, und lassen den Tag ausklingen. Es ist eh wieder ziemlich regnerisch. Abends treffe ich Barbara bei der Küche an. Sie ist Biologin, vor 30 Jahren aus Deutschland hierher gekommen und geblieben. Sie setzt sich stark für den Naturschutz ein, verdient das Geld mit geführten Touren und gibt es für den Wald und dessen Bewohner aus. Natürlich kennt sie hier alles und jeden, und verspricht, mit Katrin Kontakt aufzunehmen, die ja nächste Woche hier Kamerafallen für Jaguare kontrollieren will, eines von Barbaras Herzensprojekten. Wie immer ist die Zuarbeit von Freiwilligen in der Feldforschung nicht ganz einfach, da gäbe es öfter Probleme. Gut, wenn Barbara sich kümmert, dann wird das bestimmt was.

Wir  verabschieden uns mental bereits von Tortuguero, diesem ganz besonderen Ort, abseits der Zisivi… Zivzila… der Festlandgesellschaft. Gute Nacht.