Sonntag 22.02.2026,Tortuguero
Lang Ausschlafen ist hier nicht, klar, denn morgens ist draußen was los in der Natur. Und morgens um 5:50 trifft sich unsere Gruppe zur Bootstour. Guide Angelo montiert einen Elektromotor, denn in bestimmte Bereiche darf man nicht mit knatternden Verbrennern rein. Er weist uns Plätze auf dem kleinen Kahn zu, wir sind zu neunt: außer uns noch 2 deutsche und ein schweizer Paar, und eine junge schwedische Familie, also eine unaufgeregte, ruhige Truppe. Das passt zu Angelo, der kein Redenschwinger und Geschichtenerzähler ist, und sehr gemächlich mit 2 km/h dahingleitet, während andere Boote schnell an uns vorbeiziehen und tiefer in die Flüsschen fahren.




Aber hier ist es wie beim Pilzesuchen: wie viel man sieht, hängt nicht von der zurückgelegten Strecke ab, sondern vom aufmerksamen Schauen. Das tun wir, und entdecken einiges. Die Bäume sind hoch, teils sehr alt. Hier wächst eine Mandelbaumart, deren Holz schwerer als Wasser ist. So konnte er früher zu Holzwirtschaftszeiten nicht geflößt werden und blieb stehen. Gut so, denn die Mandeln sind Nahrung für grüne Aras, von denen es weltweit nur noch um die 1000 gibt. Hier dürfen sie ungestört leben, und täglich besuchen sie Tortuguero.
Kaum waren wir über den breiten Kanal, tauchen Delphine auf, Bottle Nose Dolphins! Damit hatten wir hier überhaupt nicht gerechnet. Ein Foto gelingt nicht, uns fehlt der verrückte Jeremy, der Whale Spotter aus Uvita. Nach ein paar Minuten sind sie wieder weg, ein kurzer Genuss. Dann geht es vom breiten Kanal in den Fluss, und das Beobachten beginnt.













Wir sehen wenig Neues, und stellen fest, dass die Tour in Caño Negro die Messlatte unfassbar hoch gesteckt hat. So genießen wir die Tour, sind aber nicht überwältigt. Es gibt auch einfach nicht so viel zu sehen. Verwöhnt sind wir, ja. Ist ja auch schon der fünfte Nationalpark, den wir besuchen. Durch das ruhige Tempo war es sehr entspannt, wir haben eben nicht Sensationen gejagt, sondern in Ruhe geschaut und auch die große grüne Wand aus botanischem Allerlei genossen.
Danach haben wir Pause, genießen Kaffee in der Hängematte und suchen uns bald was zu essen, stöbern durch den Ort, jagen Obst fürs Frühstück. Gestern war der Tag mit Schauern durchsetzt, heute scheint die Sonne aus fast vollständig blauem Himmel. Die Wege trocknen, die Pfützen verschwinden, Tische werden vor die Läden gestellt und das Dorf lebt merklich auf. In letzter Zeit hat es hier viel geregnet, die Sonne tut gut. Natürlich ist es gleich wieder sehr warm. Ich schreib das mit der vielen Sonnenwärme jetzt nur noch, wenn es drastisch ist, oder ich dich neidisch machen will, der du das vermutlich im nasskalten Februar liest.
Um 14 Uhr treffen wir uns am Eingang des Nationalparks zu der kleinen Wanderung. Angelo bringt ein Spektiv, und ist froh, dass ich mein Schweizer Taschenmesser in den Park geschmuggelt habe, denn so kann ich die Adapterplatte am Stativ festziehen, damit es nicht mehr so wackelt. Messer sind streng verboten, ebenso Einwegflaschen und alles Essbare. Teilweise werden Rucksäcke durchsucht und Leute heimgeschickt. Aber Angelo verpfeift mich heute nicht. Puh.
Wir sehen einen winzigen, sehr giftigen Frosch, knallrot, ein Foto gelingt nicht. Ein Aguti huscht zweimal hinter uns über den Weg, zu schnell. Der Wald ist dicht und sehr dunkel. Aber andere Tiere können wir gut beobachten und fotografieren. Besonders begeistern gleich zwei verschiedene Tukanarten. Und am Ende sehen wir ein Freddy, wie es gerade aus dem Kronendach ins dichtere Blattwerk hinabsteigt, um dort zu übernachten. Woohooo!










Die Tour war schön, wir haben schon wieder viel sehen können. Bald haben wir alles durch. Nur Schlangen fehlen noch gänzlich, dazu rund 600 Vogelarten, jede Menge Insekten, Manatees, und ein Tapir. Ein Tapir wäre wirklich toll! Aber die sind derart selten, dass wir wenig Chancen haben.
Anjas gewissenhafte Buchführung der mit Sicherheit korrekt bestimmten Vögel zählt inzwischen über 170 Arten. Klar, das könnten auch deutlich mehr sein, wenn wir die reinen Ornithologen-Touren buchen und nichts anderes machen würden. Oder Orte gezielt besuchen würden, an denen Vögel angefüttert werden. Aber das machen wir nicht, sondern versuchen, die Vögel weitgehend auf eigene Faust in ihrem natürlichen Lebensraum zu finden. Und da wir komplett ortsfremd sind und hauptsächlich Urlaub machen, ist Anja zufrieden. Wobei es schon schön wäre, die 200 zu knacken, meint sie. Das wird knifflig, aber nicht unmöglich. Hmm. Vielleicht finden wir daheim auf Fotos noch weitere Arten, die wir mit den Augen falsch zugeordnet haben.
Wir entdecken mitten im Ort einen Elephant Beetle, einen gigantischen Käfer mit über 10 cm Körperlänge! Der ist nachtaktiv, schläft jetzt, tankt Sonne. Den würden wir gern mal fliegen sehen. Hirschkäfer sind ja schon urige Brummer, aber wenn dieser hier durch die Nachtluft dröhnt, klirren die Scheiben. Wenn es Scheiben gäbe. Ob ein Fliegengitter dem Stoßzahn standhält?


Wir planen die nächsten Tage. Zur Option steht Poas, ein Vulkan mit giftig qualmendem Krater und Nebelregenwald bei kühleren Temperaturen, dazu nah am Flughafen, also wenig Fahrerei. Allerdings wären wir 3 Nächte im Bergdorf ohne eigenes Auto gefangen, viel wandern kann man dort nicht, und am Kraterrand darf man nur 20 Minuten bleiben, zu giftig sind die Dämpfe.
Oder wir fahren nach Cahuita an der Karibikküste, besuchen dort den Urwald mit seinen vielen Freddies. Zwei Nächte dort, die letzte Nacht dann in der Nähe des Flughafens, wo wir ein paar kulinarische Andenken shoppen können, und ohne jeglichen Stress den Rückflug sicher erreichen. Ja, das klingt gut. Dann geht es am Dienstag also per Boot 3,5 Stunden nach Moin (ja, der Ort heißt wirklich so), von dort mit einem Shuttle nochmal 2 Stunden weiter nacg Cahuita, bleibt der Nachmittag, um den Ort zu erkunden.
Heute essen wir keine Bohnen mit Reis. Auch keinen Reis mit Bohnen, nein. Wir essen Pizza! Und die ist überraschend gut. Wir haben zwar eine Küche, aber selbst kochen ist etwas knifflig. Alle Essensvorräte müssen hier gut verpackt sein, sonst finden Ameisen und Schaben alles, und beißen sich sogar durch Plastik durch. Ameisen finden überall hin. Die Zuckerdose beim Kaffee ist nicht nur zugeschraubt, sondern hat einen eigenen Burggraben: sie steht auf einem Teller voll Wasser. Nur das hilft zuverlässig. Das stete Weiterreisen mit dem Rucksack macht es zudem schwierig. So lassen wir uns bekochen, gehen essen, und schmecken uns durch die hiesige Küche.

Morgen geht’s auf den einzigen Berg der Umgebung, einen alten Vulkanschlot, an dem die Erosion vergebens nagt. Und danach… mal sehen, wie Wetter und Laune sind. Und ob das Wetter hält. In den Bars und Restaurants nebenan spielt wieder Musik, der Bass wummert durch die dünnen Wände. Egal, Schlafenszeit jetzt.