Sonntag, 15.02.2026, Palo Verde
Was haben Brüllaffen und Hähne gemeinsam? Genau: im ersten Morgengrauen bemühen sich beide nach Leibeskräften, uns wach zu kriegen. Und es gelingt ihnen ganz gut. Aber wir wollen ja eh früh raus, denn um 8 Uhr öffnet der Nationalpark Palo Verde seine Tore, und wir wollen dort heute schon den Tag verbringen. Aber zuerst jagt Uwe Kekse, und Katrin Bananen – so hat ein jedes seine Prioritäten.
Die Fahrt ist nicht weit, dauert aber doch etwas. Anja fährt, wir sind im trockenen Weideland angekommen, durchsetzt mit einzelnen Büschen und Bäumen. Da gibt es ganz andere Vogelarten, und da kann man ja nicht die ganze Zeit auf die Straße gucken! Ihre geübten Orni-Augen zahlen sich aus, wir entdecken den Scherenschwanz-Königstyrann! Nein, kein fieser Diktator, sondern ein zauberhübsches Vögelchen mit eleganten Schwanzfedern, und der Titelvogel des Gesellschaftsspiels „Flügelschlag“, das wir daheim gern spielen. Der ist für uns eine ganz besondere Entdeckung.

Ansonsten sehen wir noch ein paar Papageien und Zuckerrohrplantagen. Bald sind wir am Nationalpark, und kaum sind wir durch den Zaun, läuft eine Bande Nasenbären über die Straße! Max ist fasziniert, wir 3 haben hingegen schon einige gesehen und genießen genüsslich die Parade, wie die Schnüffelrudis meist mit hoch erhobenem Schwanz einzeln oder zu zweit die breite Straße queren.


Auf der Ranger Station kann man irgendwie gar nicht mehr übernachten, zumindest nicht so einfach. Katrin hat es trotzdem hinbekommen – wie, das kann sie selbst nicht sagen. So ist denn auch niemand sonst hier, auch die Ranger sind unterwegs. Oder daheim? Ist ja schließlich Sonntag. Es ist 9 Uhr und schon ziemlich warm, knapp über 30°C. Wir warten etwas, Katrin versucht jemanden zu kontaktieren, aber nichts passiert. Anja und ich spazieren zum nahegelegenen Steg, der in das Feuchtgebiet hineinragt, um nach Vögelchen zu schauen, während Max und Katrin gemütlich im Schaukelstuhl die Stellung halten. Auf dem Kilometer zum Steg begegnen wir direkt Kapuzineraffen und Brüllaffen, die sich in den Mangobäumen genüsslich tun.







Bald findet sich jemand, die beiden bringen das Gepäck in die Zimmer, und den Mampf in den Kühlschrank, und sind auch frei. Max ist von der Anreise noch ziemlich fix und alle, und chillt sich erstmal in seinen wohlverdienten Urlaub hinein, während Katrin zu uns an den Steg kommt. Im matschigen, mit viel Grün durchwachsenen Nass tummeln sich abertausende Enten, hunderte Reiher, und noch einiges mehr. Später mehr dazu.

Wir haben einen groben Überblick und kehren zurück, um uns für die 2 Tage und Nächte hier einzurichten. Dann folgt genüssliches Frühstücken, dicht gefolgt von einer längeren Siesta, durchsetzt mit Snacks. So kann man die heißen Mittagsstunden ganz gut rumbringen. Aber ganz ehrlich: wenn man nur dasitzt und nichts tut, und trotzdem schwitzt… dann stimmt doch echt was nicht! Da muss man doch was tun! Ja, zum Beispiel einen Eiskaffee, der tut gut. Süß, kalt, Koffein, das hilft tatsächlich.

Nachmittags machen wir uns los zum Fluss. Kühler ist es noch nicht geworden, und so schlurfen wir langsam die 2 Kilometer auf der Straße entlang. Max und ich lachen viel, so etwa die Hälfte unseres Humors resoniert. Yay!
Hier gibt es verbrannte Touristen. Nein, nicht uns. Das sind Bäume, die in der Trockenzeit ihr Laub abwerfen, aber um nicht auf Photosynthese verzichten zu müssen, werfen sie auch gleich die äußere Haut ihrer Rinde ab, worunter ein grüner Stamm zum Vorschein kommt. Damit sammeln sie Energie bis die Regenzeit Wasser bringt und sie neue Blätter austreiben. Am Fluss ist es auch nicht kühler, aber spannender. Wir erblicken auf Anhieb 3 Krokodile, später noch mehr. Und irgendwann treibt auf der anderen Uferseite der Großvati aller Krokos vorbei, ein wahres Monster! Wow.






Zwischendurch werden doch immer wieder Vögelchen beobachtet. An einer Stelle sind dutzende Geier, die räumen da vermutlich gerade was auf. Geier sind hier ohnehin immer in der Luft. Da gibt es bei uns nichts Vergleichbares. Sie kreisen in oft niedrigen Höhen in der Thermik und suchen nach frischem oder gar-nicht-mehr-so-frischem Futter. Gut, dass es sie gibt, so wird zeitig weggeräumt, was sonst gammeln und Krankheiten verbreiten würde.
Zurück an der Station sind wir gebraten, ziemlich gut durch. Erst eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang geht es nochmal los, um auf einen kleinen Felsen raufzusteigen. 5 Minuten mit dem Auto, dann 10 Minuten zu Fuß, und wir haben eine tolle Rundumsicht über die Landschaft: vor uns das Sumpfland und der Fluss, dahinter die Halbinsel Nicoya mit bis zu 900 m hohen Bergen; hinter uns die Vulkane und dazwischen Wald und Pampa. Die Sonne stürzt wieder dem Horizont entgegen, lässt die Windräder am Horizont noch einmal aufglühen, dann kurzes Nachglühen der heute niedrigen Wolken, und schon machen wir uns schleunigst auf den Rückweg, mit Lampen bewaffnet.

Nachts wacht hier im Wald so einiges auf: Spinnen, Schlangen, Skorpione, allerlei Krabbelgetier. Die sind nicht böse, wehren sich aber gegen achtlos platzierte Füße mit Stechen, Beißen, Kratzen und sonstigen Kampfkünsten des Jungels. So gelten auch auf der Station ein paar Sicherheitsregeln: immer schauen, wo man hintritt. Nie in dunkle Löcher greifen. Schuhe vor dem Anziehen ausklopfen. Vor dem Schlafengehen unter die Matratze schauen, Kissen nicht vergessen. Pflanzen lieber nicht anfassen. So Zeug halt, ist ja klar.
So verbringen wir auch einige Zeit damit, unsere Moskitonetze in die Doppelstockbetten zu basteln. Aufhängen wäre einfach, das geht hier aber nicht. Letztlich sollte nach Möglichkeit etwas Abstand zwischen Netz und Körper sein, sonst bringt es herzlich wenig. Mit ein bisschen Knotenkunst kriegen wir es hingebastelt. Aber wir haben ja noch Peter im Zimmer. Peter, so habe ich unseren Gecko getauft, der hier wohnt. Er lässt sich selten blicken, aber manchmal sein schmatziges Pfeifen (oder pfiffiges Schmatzen?) hören, das uns beruhigt. Geckos futtern so allerlei Krabbelgeviech, wofür wir dankbar sind. Mit den großen Heuschrecken kommt er zwar nicht klar, auch nicht mit Skorpionen, aber dafür schleichen zwei Thick Knees hier herum. Die sind vermutlich hier, weil das Licht der Station die Insekten & Co anlockt. Willkommen in der Natur.

Und dann wuseln hier etliche Iguanas (Leguane) herum. Manchmal treten wir fast auf einen drauf, so gewöhnt sind sie an Menschen. Angeblich schmecken sie wie Hühnchen. Und tatsächlich ist das der beste Vergleich, den wir finden: sie sind wie Hühnchen, die auf einem Bauernhof frei herumlaufen: ständig im Weg, überall zu finden, ein bisschen neugierig, und irgendwie auch ein bisschen doof. Vielleicht liegen sie zu viel in der Sonne, und ihr kleines Reptiliengehirn ist längst gar. Man weiß es nicht. Fotogen sind sie jedenfalls sehr, und wir hoffen, dass sie auch das eine oder andere Krabbelviech weghapsen.



Beim Abendessen trudeln die Ranger ein: Bernie, Gabriel und Carla hatten einen langen Tag. Gabriel ist derzeit hier alleine stationiert, die anderen beiden haben heute ausgeholfen. Sie sind bewaffnet, um Jägern, Wilderern und anderen Flegeln den notwendigen Respekt abnötigen zu können. Wir hatten ihr Geschirr gemacht, das die Spüle blockiert hatte, da waren sie dankbar für. Sie kochen sich was und sind sichtlich kaputt vom langen Tag. Schließlich waren sie mindestens 12 Stunden unterwegs gewesen. Harter Job, dazu viel Verantwortung, und sicher nicht von jedem geliebt. Hoffentlich ergibt sich noch eine Gelegenheit für ein längeres Gespräch.
Wir schmieden für morgen lose Pläne. Zum Sonnenaufgang will Katrin noch einmal auf den Felsen rauf, Max geht vielleicht mit, wenn er Jetlag-bedingt dann wach ist. Anja und ich wollen auf dem Steg das erste Sonnenlicht sehen und die Stimmung im Sumpfgebiet genießen. Um 6 Uhr geht die Sonne auf, also sagen wir wieder recht früh gute Nacht, auf dass uns nichts beißt und sticht. Gute Nacht auch, Peter, pass auf uns auf.