Sonntag, 01.02.2026, San Jose
Man soll den Flug nicht vor der Ankunft loben. Bald sollte es ans Boarden gehen, da musste das Flugzeug nochmal in die Wartung. Letztlich waren es fast 2 Stunden Verspätung. Eigentlich okay, nur nicht, wenn man schon so lange unterwegs ist. Aber immerhin kommen wir schön vom kalten kanadischen Boden los und bewegen uns von -20°C zu +20°C

Ein bisschen Schlaf können wir finden. Allmählich macht sich aber die Erschöpfung bemerkbar. Klar denken und artikulieren wird immer schwieriger, manchmal unfreiwillig lustig.
Die Landung ist holprig, böige Winde schubsen uns hin und her. Während wir in der langsamsten Passkontrolle der Welt, zumindest in unserer Schlange, darauf warten, endlich die Flughafenwelt verlassen zu dürfen, chattet Katrin mit unserem Taxifahrer, der uns bald sicher ins Hostel bringt. Dort fallen wir ins Bett und knacken schnell weg, nach 28 Stunden Anreise auch kein Wunder.


Morgens sind wir brauchbar fit und bestaunen das coole Hostel! Im T-Shirt draußen sitzen fühlt sich noch total falsch an. Das Frühstück, Reis mit Bohnen, schmeckt und der Kaffee bringt uns allmählich ins Leben zurück.


Heute wollen wir durch San Jose schlendern. Also los, und bald schon sehen wir unseren ersten, wenn auch für heute einzigen Kolibri! Was für ein winziges Flitzefedervieh pfeift pfeilschnell durch die Luft!


Katrin wird ein wenig nostalgisch, als wir an ihrer früheren Wohnung vorbeikommen und eine Runde um die Uni drehen, an der sie ein Jahr lang studiert hat. Das Gelände gleicht einem botanischen Garten, und ich denke die ganze Zeit, dass wir bald zum Ausgang raus in die Kälte müssen. Dass es hier so angenehm warm ist, passt noch nicht zum persönlichen Jahreszeitgefühl.
Die Stadt hat wirklich fast keine schönen Häuser. Und wenn, dann sind sie dick in Zäune und Gitter eingepackt, Lücken sind mit NATO-Draht gestopft. Schön sind hingegen einige Graffiti. Und gerade jetzt stelle ich fest, dass die beiden, die ich am tollsten fand und fotografiert habe, vom selben Künstler sind!


Die Straßenränder und Vorgärten sind bepflanzt mit Arten, die daheim nur im Wohnzimmer stehen können. Eine Monstera klettert hier auch mal 15 m nen Baum rauf oder bildet ein riesiges Gebüsch – dabei sind das alles lediglich gepflegte Anlagen. Bin gespannt auf den Wald und Jungel! Sogar hier gab es Termitennester oben in den Kronen, und auf dem Gehweg haben Blattschneiderameisen bunte Schnipsel von Bättern, Blüten und weißnichtwasalles transportiert.




Das kleine vegane Café Puralma mit exquisitem Snickers-Ersatz und feiner Matcha-Latte bietet uns Pause. Katrin berichtet, dass das Viertel, in dem sie vor 20 Jahren während des Studiums gewohnt hatte, inzwischen voller hipper Bars und Cafés ist. Gentrifizierung findet auch hier statt.

Wir gehen in die Innenstadt, die Fußgängerzone entlang jagen wir eine SIM-Karte. Straßenverkäufer haben ihre Waren auf einer Decke auf dem Boden, und packen schnell alles ein, wenn die Polizei vorbeikommt. Irgendwie sehen alle Frauen, die so Socken verkaufwn, nicht nur gleich aus, sondern haben auch die gleiche Stimme. Seltsam. Als ein Schauer kommt, macht die Frau mit dem Bündel Regenschirmen ihr Tagesgeschäft. Irre.
Eigentlich wollten wir Märkte besuchen, aber der eine hat wegen Wahltag zu, der andere hat Sonntags eh gescglossen. So beobachten wir das bunte treiben vom 1. Stock eines Restaurants aus, in dem wir einen Fruchtshake schlürfen. Es ist wirklich keine sonderlich sehenswerte Stadt, deshalb gibt’s davon auch keine Bilder.


Okay, doch 2 Bilder. Verrückt finde ich den Kontrast zwischen Alt und Neu. Aber wegen der Stadt braucht man nicht herkommen.
Auffallend war der Verkehr mit viel Hupen und Fahnengewedel. Heute wurde der neue Präsident des Landes gewählt, und da kommen die Ticos, wie sich Costa-Ricaner selbst bezeichnen, ganz schön ins Feiern. Noch während der Wahl wurde es immer mehr. Derzeit wird ausgezählt, und auf den Hauptstraßen ist Ausnahmezustand. Am Straßenrand immer wieder Verkäufer mit Fahnen aller Größen sowie – oh Graus! – Vuvuzelas. Bin gespannt, wie erst gefeiert wird, wenn das Ergebnis feststeht. Lustig finde ich ja, dass die Deutschen nur dann derart feiern können, wenn sie Fußballweltmeister werden.

Die Wolken hängen tief heute. Einer der umliegenden Vulkane deutet sich nur undeutlich an, der Rest der Landschaft bleibt verborgen. Morgen geht es mit dem Bus rauf auf 3000 m, da werden wir hoffentlich ein paar Ausblicke genießen können.
Ich freu mich auf den Kontrast. Die Anreise war laut und stets voll von Menschen, Gerüchen und viel zu vielen Eindrücken ohne Ruhemöglichkeit. San Jose und das Hostel sind da nicht viel anders. Auch wenn Anja mir versichert, dass Hanoi permanent so sei wie hier die feiernden Autokorsos, reicht es mir bereits. Ein paar Stunden Busfahrt, dann sind wir raus aus dem Trubel. Endlich.