Zum Parque Nacional Los Quetzales

Montag, 02.02.2026, Jaboncillo, Parque Nacional Los Quetzales

Irgendwann um 4 Uhr nachts fährt jemand mit extra lauter Hupe durch die Stadt. Muss irgendein Idiot sein, der nicht mitgekriegt hat, dass alle anderen schon schlafen gegangen sind. Im Dreiviertelschlaf verfluche ich den Kerl. Erst beim Frühstück geht mir auf, dass das der Zug war! Die Bahnübergänge haben keine Schranken, daher wird per brachialer Lautstärke für Sicherheit gesorgt.

Der Jetlag lässt uns früh aufwachen, das ist auch mal praktisch. Kühle 16 Grad hat der Morgen, wir frühstücken mit Pullover und Jacke – es gibt im Hostel kein geschlossenes Drinnen, alles ist offen. Das ist gut, denn Dauerlüften ist bei dem Klima schlicht nötig. Aber heute ist es doch frisch.

Katrin muss nochmal los, um ihre Zeit nach ihrem Geburtstag zu organisieren. Anja und ich laufen zum  Bushalteterminal und versuchen, 3 Tickets zu ergattern. Anja radebricht mit ihrem Duolingo-Spanisch, denn die Dame am Schalter spricht kein Englisch. Es gibt etwas Verwirrung und Aufregung, denn die Zeit läuft. Fast hätten wir noch schnell zu einem anderen Terminal gemusst, aber wir kriegen es raus und haben Tickets. So ganz stimmt das doch nicht, dass man hier mit Englisch super durchkommt! Mehrmals schon wären wir ohne Spanisch nicht oder nur sehr umständlich weitergekommen.

Der Bus ist sehr gemütlich, die Fahrt auch. Die Straße aus San Jose ist voll, es reihen sich kleine Häuschen an Autowerkstätten an Einkaufscenter (inklusive H&M!) an kleine Restaurants an Wellblechbarracken. Alles sieht abgenutzt und verbraucht aus. Alles? Nein, zwischendrin steht ein sauerster KFC, auch die anderen großen Ketten haben ihren internationalen Standard und stechen heraus.

Es geht stets bergauf, bald im Nebel. Die Botanik ist eine grüne Wand aus fremden Pflanzen. Es mehren sich Pflanzen, die auf Pflanzen wachsen, die auf Pflanzen wachsen. Riesige Farnwedel ragen aus dem Gesträuch, die Bäume rasieren sich nicht und tragen dicke Flechten als Bärte. Urig sieht das aus im dichten Wolkennebel.

Nach einer Stunde Fahrt macht der Bus Pause bei Läden, die Passagiere kaufen Kaffee, Erdbeeren und was der Laden alles hergibt. Wir kaufen Obst: Mango und Ananas werden uns die nächsten Tage versüßen. Dazu getrocknete Bananen, eingeschweißt sind sie lange haltbar. Sie sind nicht ganz getrocknet wie Bananen chips und echt lecker.

Endlich kommen wir an, am Abzweig nach Quebrador lässt uns der Busfahrer raus. Abgeholt werden wir von einem alten Pickup, Katrin fährt auf der Ladefläche mit den Rucksäcken mit. Langsam geht es die sehr steile, holprige Straße hinunter. Es gibt hier zwar keine Lebensmittel mehr zu kaufen, aber 3 Restaurants und eine kleine Pizzeria. Verhungern werden wir sicher nicht.

Unser Casa 1 ist herrlich! Wir gönnen uns Tortillas mit Bohnen Matsch auf der Terrasse mit dem wundervollen Ausblick und genießen die Ruhe. Nur der kleine Fluss rauscht tief unten, und ein paar Vögel rufen. Da sind auch schon die Kameras und Ferngläser draußen und wir werden schnell wieder aktiver.

Der erste Kolibri im Kasten!

Es ist früher Nachmittag, wir wollen noch was erleben, Runter zum Fluss führen kleine Pfade, wir laufen eine herrliche Runde. Für die 4 km brauchen wir 2,5 h, es gibt einfach wundervoll viel zu entdecken! Alles ist fremd, artenreich, eindrucksvoll. Da wir hier auf rund 2500m sind, also 500m unter dem Bergrücken, haben wir keinen Wolkennebel und sogar etwas Sonne. Es ist angenehm warm, und so können wir uns alle Zeit nehmen, um den Wunderwald an diesen steilen Hängen zu bestaunen.

Selbst Erfahrensten lokale Botaniker können hier oft nur die Gattung der Pflanzen bestimmen, selten die Art. Es gibt einfach unglaublich viele Pflanzenarten! Moose und Flechten wachsen dick und dicht auf allem, sogar auf Blättern. Ohne Pfad gäbe es kein Durchkommen.

Es klappt einfach nicht, diese dichte, vielfältige Vegetation zu fotografieren. Die Bilder sind einfach unstrukturiert grün, das erspare ich dem verwöhnten Leser. Ein paar Vögel konnten wir auch entdecken, sogar fotografieren und bestimmen. Die Bilder krieg ich heute aber nicht mehr aufs Handy rüber.

Ruhe, endlich. Aber auch frisch wird es mit der schwindenden Sonne. In 3 Tagen werden wir uns danach zurücksehnen (außer Katrin, die mag es heiß), aber jetzt wird es doch ganz schön kühl. Wir packen uns gut ein und gehen in einem kleinen, sehr gemütlichen Restaurant essen. Dort bringen wir auch in Erfahrung, wo man den Quetzal am besten sehen kann. Um diesen zu sehen sind wir hergekommen. Klar, ist alles andere hier auch schön, aber dieses Vögelchen ist so besonders, dass es diesem Nationalpark sogar seinen Namen gab.

Zurück in unserem Casa stellen wir ernüchtert fest, dass der kleine Elektroofen nicht funktioniert. So gibt es noch nen Tee, der uns beim Pläneschmieden und Blogschreiben etwas wärmt.

Morgen wollen wir früh raus und einige Kilometer wandern. Entlang der Straße werden wir vermutlich mehr Natur entdecken als vom Wanderpfad aus, denn der Wald ist einfach sehr dicht, so dass man nur wenige Meter weit gut sehen kann. Ein Freddie haben wir noch immer nicht entdeckt, die verirren sich wohl auch nicht in die Berge oder in die Großstadt. Da müssen wir noch ein wenig Geduld haben.

Jetzt sind die Füße kalt, der Bauch voll, der Kopf müde und die Hoffnung groß. Wünsch uns Glück!