Dienstag 24.02.2026, Cahuita
Du bist immer noch mit dabei? Wow! Hab ich gar nicht gemerkt – aber wie auch? Ich verzichte bewusst auf jegliches Tracking. Somit weiß ich nicht, wer hier alles mitliest – bin jetzt aber doch neugierig. Tust Du mir nen Gefallen? Schreibst Du mir ne Mail? Egal wie kurz, sogar ein „Ich lese mit“ genügt, aber gern darfst Du mir verraten, wie es Dir beim Lesen so ging, oder was Dir beim Lesen besonders gefallen hat. Fragen beantworte ich natürlich auch, klaro. Danke Dir!
An das frühe Aufstehen gewöhne ich mich eher, als an die Hitze. Immerhin, die Nacht war angenehm, der Schlaf tief und fest. Da um 7 Uhr unser Boot nach Moin abfährt, sind wir früh am Moin auf und mampfen unser Moinstück. Geregnet hat es, ich glaube, heute wird es wechselhaft. Die Boote sind dafür gerüstet. Außer dem Dach haben sie rollbare Seitenwände aus Plastikplane, da müssen dann 4 Passagiere zusammenarbeiten und auf- oder abrollen. Geht alles.

Aber erstmal hin zum Anleger. Und nochmal zurückflitzen, fast hätte Anja ihr Handy unterm Kopfkissen vergessen! Ist ja nicht weit hier, und so checken wir pünktlich ein. Unkompliziert, ohne Computer und so. Einfach Vorname, Zielort, Personenzahl auf Papier. Kringel drum heißt: sie sind da. Das Boot ist voll, eine schmale Variante, kaum 1,60 m breit und dafür wieder 12 m lang. Crazy. Austarieren durch Umplatzieren der Fahrgäste zwecks Wasserlage, dann geht es mit Vollgas und knapp 30 km/h über den Kanal gen Süden.


Leise ist das nicht, und es bleibt so laut für die nächsten 3,5h. Ich dachte ja anfangs, ich kann die Reise in laute Tage und leise Tage einteilen. Aber das wurde nichts. Fluglärm, Stadtlärm, Partylärm, Straßenlärm, Dschungellärm, Vogelgebrüll, Affengebrüll, Zikadengebrüll, Hundegebrüll, Moskitogebrüll… und Amerikaner, die sind auch immer laut. Also, heute ist es erst Bootsmotorenlärm, dann Verkehrslärm, dann… ach , egal. Leise ist es daheim wieder.
Auf der Fahrt sehen wir mehr, als auf der Bootstour mit Guide – da waren es wahrscheinlich einfach zu viele Boote auf einmal. Jetzt ist leider keine Zeit zum genüsslichen Beobachten, und heftige Regenschauer zwingen uns zum gelegentlichen abrollen der Seitenwände, um sie wenig später wieder hochzurollen, wenn das Wasser nur noch von unten spritzt. Wir wollen alle gern noch rausschauen und was sehen. Anja entdeckt die sechste Art der hiesigen Eisvögel. Yay. 3 dicke Krokodile sehen wir am Ufer liegen, eines davon sicher 3-4 Meter lang. Wie viele wir nicht gesehen haben, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.
Ein Zwischenstopp zwecks Tanken und Wasserlassen auf halber Strecke, dann geht es weiter. Kanäle verbinden die Flüsse. Mehrmals queren wir eine Flussmündung und können die Brandung des karibischen Meeres sehen. Das Wasser scheint oftmals sehr flach, mehrmals verlangsamt der Kapitän auf Schleichfahrt und tastet sich durch besonders seichte Stellen. Ständig weichen wir Baumstämmen aus. Einmal durchqueren wir einen dicken, grünen Teppich aus Wasserpflanzen. Kommen Boote entgegen, machen beide langsam, wegen der Wellen. Und wir lernen, dass es noch einige wirklich absolut abgelegene Lodges gibt, wo man wirklich komplette Ruhe hat, weit ab der Zivzidingsda.
Um 10:45 kommen wir in Moin an, dort warten Taxis und ein Kleinbus. Fast werden wir mit zwei erkälteten und rund gebauten Niederländern in eine Limousine gestopft, aber es wird einiges hin und her gepackt, es wird sich geeinigt, und wir fahren im Kleinbus, werden bis vor die Haustür unserer Bleibe in Cahuita gebracht. Das war mal unkompliziert.

Jetzt haben wir 3 Stunden Zeit, denn das Gepäck können wir zwar schon abstellen, aber Check-In ist erst um 3. Wir gehen zum Eingang des Nationalparks, nur eine Minute zu Fuß entfernt, um zu lernen, dass dieser seit gestern geschlossen hat. Wege müssen instand gesetzt werden, es hatte zu viel geregnet und gestürmt. Aber morgen ist er wieder geöffnet. So haben wir heute nichts weiter vor.
Und wie wir gerade auf den schönen Strand schauen, werden wir gegrüßt! Die 2 Schweizer, die wir auf der Tour in Tortuguero kennengelernt haben, wollten auch just eben in den Nationalpark. Die beiden haben jetzt auch nichts mehr vor, so beschließen wir kurzerhand, gemeinsam was zu Mittag zu essen, und unterhalten uns gute 2 Stunden lang. So schnell kann’s gehen. Schön und lecker war’s.

Dann schlendern wir durch das kleine Städtchen, bleiben am anderen Ende im kühlen Schatten sitzen, da weht der Wind angenehm vom Meer her. Und da sitzt doch glatt… ja… das Fellknäuel muss ein Freddy sein! Es pennt. Nach 10 Minuten wacht es auf, biegt sich einen Zweig gen Mund, mampft ein paar Blätter an, und döst weiter. Pura Vida, wie die Ticos sagen. Reinstes Vorbild für stressgeplagte Städter und IT-Fuzzies. Solche Ruhe. Ganz bei sich sein. Nur den Moment leben. Buddha war Hektiker dagegen.

Der Check-In ist einfach. Wir haben ein kleines rundes Fass, sowas wollten wir schon immer mal ausprobieren tatsächlich ist es sehr gemütlich und hat mehr Regale und Ablagen, als alle anderen Unterkünfte zusammen. Naja, gefühlt zumindest. Jedenfalls kommen wir mit unseren großen Rucksäcken entgegen meiner Befürchtungen hier gut klar. Sehr cool: hier im Garten sind Agutis, das sind quasi Meerschweinchen auf Stelzen. Aehr niedlich, meist recht scheu. Hier sitzen sie einfach im Garten!

Wir laufen nochmal durch den kleinen Ort, gehen dann im großen Supermarkt einkaufen. Der ist sehr gut sortiert, hat sogar geschnitten Brot! Wir kaufen die größte Mango der Welt, dazu Avocado, Tomate, Gurke, und was Brotiges. Osaft, und ne große Flasche Bier. Und Chips, diesmal aus Mango, und welche aus Yukka. Gut gerüstet geht’s heim, da ein bisschen tüddeln, dann ist auch schon Zeit für Abendessen. Wir essen im nahegegelenen Soda, welches der Reiseführer empfiehlt. Ich probiere marinierten Fisch. Der ist überraschend zäh und hat Gräten, geschmacklich imtemsiv und gut. Der Rest des Casado ist aber eher so… meh. Nunja, dann eben heim und den Abend mit Bier und Chips ausklingen lassen.

Irgendwie merken wir, die Luft ist raus. Unser Erlebnisdrang ist gesättigt, das Ende der Reise naht. Wir werden langsamer und müssen nicht mehr jeden Winkel erforschen und alles sehen und jede Gelegenheit nutzen. Morgen wartet der Nationalpark auf uns, das wird sicher noch ein längeres Erlebnis, und hoffentlich sehen wir noch ein paar schöne Sachen. Aber würde ich jetzt einfach men Tag herumgammeln, wäre ich vermutlich auch zufrieden.
Nur muss vor der langen Rückreise der Bewegungsdrang befriedigt werden. Einen Tag Bus, dann Großstadt, dann einen Tag Flugreise… Da ist es besser, wenn ich kein Zappelphilipp bin. Also werden wir morgen schon früh losgehen. Um 7 macht der Nationalpark auf, mal schauen, ob wir das schaffen.

Mit Schreiben bin ich meist einen Tag hintendran. Abends ist es oft zu spät, und ich schreibe häufig in der Siesta, oder auf langen Fahrten, und abends wird ergänzt, korrigiert und veröffentlicht. Im Bus kann ich gut Fotos von der Kamera aufs Handy bringen, bearbeiten, und hier einfügen. Da bin ich auch ungestört beim Schreiben. Einzig die Tastatur kann ich nicht so oft verwenden wie erhofft, und so entsteht doch mehr als die Hälfte der Texte per Daumenhüpferei.
Wichtig ist mir nur, immer spätestens am darauffolgenden Tag zu schreiben, denn sonst verschwinden schon wieder so viele Details und Wahrnehmungen. So kannst Du Dich täglich auf einen neuen Beitrag freuen. Und bald darf ich hoffentlich eine Nachricht von Dir lesen 🙂