Samstag, 07.02.2026, Puerto Jimenez, Osa Halbinsel
Irgendwie gewöhne ich mich ein bisschen an das tropische Klima. Knapp über 30°C und rund 90% Luftfeuchte bedeuten für mich permanentes Transpirieren. Während Katrin sich beim Frühstück um 6 Uhr pudelwohl fühlt, ist es mir bereits 5 Grad zu warm. Dafür versüßt uns ein Kolibri den Tagesanfang, der direkt neben uns Blüten ausschlürft und sein Liedchen pfeift. Okay, eher: lautstark sein Revier verteidigt.
Wir sind heute etwas später dran, denn wir müssen die Ebbe abwarten, um einen Fluss zu durchwaten. Da sind auch Krokodile drin. Mal schauen, wie das wohl wird. Wir packen unsere 7 Sachen und verabschieden uns mit einem Gruppenbild von der Station.
Heute gilt es wieder zügig zu laufen. Die Hälfte wird am Strand sein, und wir hoffen auf bedecktes Wetter wie gestern. Bald sind wir am Fluss. Während eine andere Gruppe durch den breiten Teil ohne Strömung watet, queren wir am Strand, wo das knietiefe Wasser uns die Füße wegziehen will, so stark ist die Strömug. Aber es sind nur ein paar Meter, und alle kommen rüber.

Insgesamt gab es noch keine Verluste: niemand ist umgeknickt, keiner hat sich was aufgeschürft. Keine Stacheln in die Haut gebohrt, keine Pflanzen mit fies brennenden Abwehrstoffen angefasst. Niemand wurde von Tieren gebissen, niemand ist in einen der vielen Bäche und Flüsse gefallen. Keiner hatte Ameisen im Rucksack, kein Gepäck wurde bei einer Rast vergessen. Fast schon langweilig – spricht aber sehr für die Gruppe.
Anfangs nehmen wir uns noch Zeit, um einige Dinge zu entdecken. Wir haben für diese Etappe noch 2 Teilnehmer aufgenommen, so sind wir heute zu neunt. Für die sind einige Sachen neu, und Christian zeigt mit unermüdlicher Begeisterung die tausend schönen Dinge hier. Für uns ist die Faszination des Zum-ersten-Mal-Sehens bereits etwas vergangen, so dass wir beim neuerlichen Gebrüll der Brüllaffen bereits geübt mitmachen und treffend imitieren – zumindest ein paar Jungs, die Mädels fühlen sich nicht so animiert zum imitieren. Ob da ein paar tief sitzende Instinkte aktiv werden?
Andersherum ist es, als wir eine Klammeraffen-Mama finden, deren sehr kleines Kind sich fest in ihrem Pelz klammert, um bei den grandiosen Turnübungen in 20 Metern Höhe nicht plötzlich verloren zu gehen.

Highlights gibt es auch heute, keine Frage. Wir haben noch lange nicht alles gesehen, sondern eben nur das, was in ein paar Tagen geht. So staunen wir immer wieder und sind dankbar, dass wir hier gedulded und von den Tieren nicht als offensichtlicher Feind wahrgenommen werden.





Das Gehen ist heute anstrengender. Die Sonne scheint die meiste Zeit, und am Strand sowie im Sand zwischen den Kokospalmen ist es beschwerlicher als auf festem Waldboden. Christian zieht nach der ersten Pause das Tempo an, damit wir rechtzeitig ankommen. Gut 20 km sollen es werden.


Klar haben wir die 50er Sonnencreme drauf. Dennoch lange Hosen, auch als Schutz gegen fiese Tierchen und nesselnde Pflanzen (von denen es dankbar wenige gibt). Ich wollte ja noch einen Hut kaufen, kam aber nicht mehr dazu. In der prallen Sonne hilft mir mein Buff: wie eine edle Dame aus den 60ern das Tuch über Kopf und um den Hals bindet, so beschattet das Buff die Ohren, Wangen, dazu Nacken und Hals. Edel sieht das nicht aus, eher wie Bankräuber. Mangels Banken in der Gegend geraten wir deswegen aber nicht in Schwierigkeiten.


Die zweite Rast ist an einem schönen Bach, der lädt zum Abkühlen ein. Wir ziehen die Schuhe und (inzwischen ziemlich… duftigen Socken) aus, krempeln die Hosenbeine hoch und genießen das kühlende Nass. Nach einigen Minuten klärt sich mein Kopf spürbar. Wahrscheinlich war die Kerntemperatur meines Körpers bereits um 1-2 Grad erhöht, so dass ich mich wie mit leichtem Fieber fühle. Jetzt geht es wieder.





Uns begleiten immer wieder Geier, und Aras sehen und hören wir mehrmals. Die Aras sind riesig! Hier gibt es fast keine Rabenvögel, keine Krähen und Elstern. Die Niche der intelligenten, neugierigen, krächzigen großen Vögel wird treffen von Papageien gefüllt. Die Aras fliegen zu sehen ist wirklich schön, einmal sind 7 auf einmal über uns. Verrückt irgendwie, dass diese Paradiesvögel, die ich zeitlebens nur aus dem Zoo oder aus Tierdokus kenne, hier einfach wild und frei leben.


Am Ende zieht es sich dann doch. Die Füße werden platt, der Strand ist lang. Der Sand ist ganz dunkel, denn er besteht aus Vulkangestein, nicht aus Muschelbröseln oder so.

Ein Erdrutsch, der hier vor 7 Jahren geschah, bringt noch einmal Abwechslung: Pionierpflanze Nummer 1 ist Balsa! Aus dem nackten Boden wachsen große Bäume und bereiten den Boden für die nächste Welle des nachwachsenden Waldes. Eingegriffen wird hier natürlich nicht, klar.




Endlich erreichen wir die Station, tragen uns aus dem Nationalparkregister aus und kommen an einem wundervollen Hotel vorbei, in dem ich heute unglaublich gern übernachten würde: unter Palmen, am Strand, mit Hängematten, den Wald direkt daneben, kein Lärm. Das fühlt sich nach einem stimmigen Abschluss an. Sicherlich ne kleine Spur teurer, und auch umständlicher mit dem Gepäck… vielleicht das nächste Mal.

Wir laufen noch eine Stunde, steigen in einen klapprigen Kleinbus-Jeep und klappern die holprige Straße in Richtung Puerto Jimenez. Die paar Kilometerchen können ja nicht so lange dauern, oder? Oder?? Es werden dann doch fast 2 Stunden, bis wir die rund 35km bewältigt haben. Zwischendurch regnet es kräftig, mal haben sich 4 Kühe auf die Straße verirrt und wissen nicht wohin. Es geht vorbei an imposanten Einfahrten, scheinbar haben sich hier ein paar Leute mit Geld ihren Rückzugsort verwirklicht.




In Puerto Jimenez löst sich die Gruppe schnell auf. Wir holen das Gepäck vom Büro, stapfen müde zu unserer Unterkunft, duschen und gehen wieder da essen, wo wir vor 3 Tagen schon waren: ein einfaches Soda (mini-Restaurant) mit 4 Tischen, das auch Take-Away bietet. In Sirena Station wäre schon das Licht aus, wir brauchen noch etwas, bis wir ins Bett fallen. Diesmal mit Klimaanlage, die unser Zimmer auf 26°C runterkühlt, yay!