Spät abends zum Bahnhof und mit 2 mal Umsteigen bis Kiel. Hmja. Bahn und Fahrrad kann schon knifflig sein. Leider hatte man beim alten ICE Typ 1 keine Fahrräder eingeplant, und ausgerechnet der fährt Heidelberg – Kiel. Also etwas umständlicher, aber geht schon. Trotz Oberleitungsschaden und zwischenzeitlichen Verspätungen klappt alles.
Wer aber glaubt, querliegend auf 3 Sitzen im Intercity Schlaf finden zu können, wird eines Besseren belehrt. Die sind wohl absichtlich so gestaltet, dass das nicht bequem ist. Trotzdem liegen alle im Wagen quer und quälen sich durch die lange Nacht. Ausgerechnet kurz vor der geplanten Ankunft falle ich doch noch in etwas tieferen Schlaf, so dass ich meinen Wecker überhöre und etwas panisch mein Rad belade. Auf die Bahn ist aber Verlass, denn Dank 20min Verspätung lässt der Stress bald nach.


Kiel empfängt mich freundlich. Naja, zumindest das Wetter ist gut, und der Fähranleger viel zu nah, so dass ich gar nix von der Stadt zu sehen kriege. Gegen eine Spritztour durch die Stadt spricht die Müdigkeit, die ich stattdessen mit Kaffee und Süßteilchen zermürbe, bevor sie mich nieder macht.

Irgendwie vergisst jeder, dass es Fahrräder gibt. Jedenfalls ist auch die Fähre nur mäßig drauf eingestellt, und so suche ich auf Website und um den Anleger, wie ich denn nun zu dem großen Bootchen komme. In den Aufzug zum Terminal passt das Rad nicht rein, also schlussfolgere ich, dass ich mich zu den Autos gesellen darf.



Immerhin darf ich mit dem Radl vor alle Autos, im Schatten warten bis der Check-In beginnt, und ganz alleine als Erster zum Maschinenmaul rollen. Dann schaue ich ne Stunde zu, wie ein LKW Anhänger nach dem anderen an das Seemonster verfüttert wird, und als Nachtisch unzählige Autos verschluckt werden. Endlich darf ich auch, und verzurre mein Radl gut, schultere das Gepäck und suche meine Kabine.

Die Fähre ist mehr ein Kreuzfahrtschiff, das Restaurant am Heck zeigt das wohl am besten. Es wird alles getan, um den Passagieren Geld aus der Tasche zu zaubern, inklusive Shopping Mall, Casino und Nachtclub. Immerhin ist das Leitungswasser mit nem MuViTab trinkbar, und es gibt sogar vegane Pizza! Die Große-Belt-Brücke begeistert wie immer, aber ich denke mir diesmal irgendwie, dass solche gigantischen Bauwerke doch nix im Meer verloren haben.



Bald verkrümel ich mich auf meine Kabine und lese mein norwegisches Buch, um mit der Sprache wieder warm zu werden. Als mir aber mitten im Studieren das Wörterbuch aus der Hand fällt, gebe ich mich doch genüsslich einem Nickerchen hin. Danach dreh ich noch ne Runde über das volle Deck (kann es nicht mal ein bissl ungemütlicheres Wetter sein?) und bin bald, trotz schöner Lichtstimmung, nach fast 24h Dauerbemenschung in der Kabine und schlafe bald tief und fest ein.


Der Speckgürtel reicht weit entlang des Oslofjords, So stehen über 20km weiter im Süden die Küste und alle Inselchen voll mit Freizeithäuschen und Bootsanlegern. Bis man wirklich da ist, dauert es ganz schön lange. Leider werden wir vorzeitig von Deck verscheucht, damit Corona-konform alle in den Kabinen warten und deckweise zu den Autos dürfen. Also werfe ich mich in lange Radelklamotten, packe alle Taschen noch optimaler, schleppe sie zum Randonneur (der mangels Seegang brav stehen geblieben ist) und frage mich beim Beladen, ob das mit etwas Übung nicht auch schneller gehen kann. Immerhin dürfen wir 2 Radler fast als erste von Bord, zwischen den bereits wartenden Autos durch, und dank Impfzertifikat sogar an der obligatorischen Teststation vorbei. So. Da wäre ich also. Jetzt kann es wirklich los gehen.


