Dienstag, 03.02.2026, Jaboncillo, Parque Nacional Los Quetzales
Ein sonnenschöner Morgen erwartet uns, fast strahlendblauer Himmel. Wow. Die Nacht war frisch, und so machen wir uns zm Frühstück heißen Tee und Kaffee, dazu frische Ananas und mehr. Heute wollen wir den Quetzal finden, den sagenumwobenen Göttervogel. Der hat uns hierhergebracht. Um es nicht allzu spannend zu machen, hab ich’s ja in der Überschrift schon verraten. Aber. Aber das „Aber“, das uns entschädigt… huiuiui!
Wir haben Tipps gesammelt, wo wir den Quetzal sehen könnten. So laufen wir die einzige Straße hinab ins Tal. Dort ist irgendwann Sackgasse – bis dahin laufen wir nicht, aber so hält sich der Verkehr in Grenzen. Von der Straße aus sehen wir mehr als von einem Waldpfad, und die blühenden Gärten locken viele Vögelchen an. So geht es langsam voran, gibt ja viel zu sehen.



Eine Hecke aus Engelstrompeten gibt es bei uns daheim eher nicht. Auch sonst stehen hier viele Blüten und Pflanzen einfach in der Gegend herum, die wir daheim vom Blumenstrauß oder Gartenmarkt kennen. Ich komm damit noch immer nicht ganz klar, denke immer, die erfrieren doch im Winter…


Einige Dutzend Vogelarten können wir sichten und bestimmen. Mit den vielen Schmetterlingen fangen wir gar nicht an uns zu beschäftigen. Und dann taucht dieser kleine Drache am Wegesrand auf. Wir sehen über den Tag verteilt ein paar kleine Echsen, und alle haben auffällig aufgestellte Schuppen, ganz anders wie die Eidechsen bei uns daheim.

Die Ortsbeschreibungen sind alle sehr vage. Selbst mit vorgehaltenem Google Maps ist es schwierig, klare Ortsangaben zu bekommen. Nach etwas über 5km finden wir einen Künstler, der unheimlich schöne Quetzals auf alles Mögliche malt. Den fragen wir – und erfahren, dass wir schon viel zu weit sind. Etwa 3km zu weit. Hmja. Also drehen wir rum und stapfen die Straße wieder rauf.
Inzwischen steht die Sonne hoch, und wir kehren in ein Restaurant ein. Angelockt wurden wir von Hummingbird Feeder, also kleinen Tränken für Kolibris. Und das lohnt sich! Total verzückt kommen wir kaum zum Essen, denn ständig kommen neue kleine schwirrende Flitzevögelchen zum Trinken. So erleben wir, warum sie „Humming“-birds heißen, denn sie summen und brummen beim Fliegen richtig schön.
Gestärkt geht es weiter. Die Straße ist teils sehr steil. Wer mit unserer Auffahrt daheim Probleme hat, sollte hier nicht entlang. Irre, wie kleine LKWs und Busse das meistern, sowohl Mensch als auch Maschine haben da einiges zu tun.

Den Quetzal sehen wir nicht, aber eine ganze Liste anderer Vögelchen. Anja wird gegen Ende wohl eine Liste zusammenstellen. Natürlich führt sie genau Buch, welche Arten wir sicher bestimmen konnten.
Statt des letzten Teils der Straße versuchen wir einen Pfad durch den Wald. Der Tapir lässt uns vermuten, dass der Pfad in der Nähe unserer Unterkunft herauskommen müsste, denn da ist eine Lodge mit diesem Logo. Aber ob das stimmt?



Es geht einen kleinen Bach entlang, der Pfad ist schmal und anspruchsvoll, aber gepflegt und oft begangen. Sehr überraschend finden wir Tisch und Bänke aus Stein, fernab der Straße. Es ist heute doch gut warm geworden, und so wärmen wir das ziemlich kalte Wasser mit unseren überhitzten Füßen.
Allmählich bekomme ich einen Blick für das viele Grün, die zahllosen Blattformen, die wilden Strukturen, die tausend Details. Und so wird der Wald mit der Zeit immer schöner, je länger wir darin laufen.




Nachmittags zieht es zu. Wir haben noch bei Sonnenschein auf unserer Veranda schön Pause gemacht, bevor es nochmal losgeht, diesmal zu 2 Wasserfällen. Irgendwie ist das Wort „Wasserfall“ ziemlich langweilig, typisch deutsch beschreibt es die Fakten. Im Norwegischen ist das ein „Foss“, schön lautmalerisch. Spanisch steht dem in nichts nach, nennt das fallende Wasser „Catarata“. Klingt auch schön. Und sag das 10 mal hintereinander!
Auf dem Weg dorthin hören wir einen Bell Bird singen. Der Klang ist unverwechselbar, aber leider können wir ihn nicht entdecken. Er klingt regelrecht elektronisch, wie eine alte Türklingel, oder ein Signalton von einem Gerät. Ein Freddy finden wir auch hier nicht, aber das war zu erwarten. Vielleicht morgen.



Die Lodge, welche die Wege zu den Cataratas pflegt, hat viele blühende Büsche und Sträucher gepflanzt, welche Kolibris anziehen. Nochmal die kleinen Summvögelchen! Verzückt und verzaubert bestaunen wir die kleinen Wuselflieger, wie sie unfassbar agil und schier unermüdlich durch die Lüfte zischen.
Unermüdlich? Nicht ganz. Da sitzt dann doch mal einer minutenlang still, verteidigt vehement seinen Busch gegen alle Eindringlinge, putzt sich zwischendurch und lässt sich derart wunderbar ablichten, wie ich es mir nicht hätte träumen lassen! An den Futterstellen wuseln ein Dutzend Kolibris, mindestens 5 verschiedene Arten, umeinander, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.



Morgen fahren wir weiter, ins warme Tiefland. Schade irgendwie. Die Berge sind wirklich besonders. Hier, zwischen 2000 und 3000 Metern über dem Meer, ist eine Artenvielfalt, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Die steilen Hänge, das viele, klare Wasser, die Wolkenspiele, und die vielen Kolibris. Unser kleines Häuschen und die Leute, die auch jeden Touri grüßen.
Aber wir haben ja noch was vor. Und vermutlich werde ich auch den nächsten Reisezielen mit viel Staunen begegnen dürfen.
Anja will ganz früh nochmal nach dem Quetzal schauen gehen. Ob ich es schaffe mitzukommen, weiß ich noch nicht. Jetzt ist 21 Uhr und wir gehen schlafen, so dass wir um kurz nach 5 wieder aus den Federn kommen. Ist eh wieder kühl geworden, und der Ofen ist ja kaputt, also gibt es keinen Grund, noch wach zu bleiben.
Draußen leuchten unzählige Sterne, ein gigantischer gelber Nachtfalter will durchs Fenster rein, draußen heult ein Rudel Tiere, die wir nicht kennen, ein Frosch quakt wie ein klingelndes Telefon. Auch das legt sich, und alles wird ruhig. Gute Nacht.