48 Beutel Tee. 2 Gläser Erdnussbutter, 2 ½ Gläser Marmelade. 1 Liter Öl (nicht Øl!), 3 Flaschen Blaubeersirup. 3 Packungen Müsli, 4 Laibe Brot.
An 16 Tagen geradelt, 54h 49min im Sattel, 904 km gefahren, 13.299hm rauf und runter. 7 Fjorde erfahren, 1 Gletscher gesehen, 3 Dutzend Tunnels getunnelt, Wasserfälle aufgehört zu zählen. Darf’s noch etwas mehr sein? Gern! Soviel zu den Zählbaren Dingen. Und sonst so?

Etwas nach mir kommen die Lüneburger aus ihrem Nest gekrochen und gesellen sich zum gemeinsamen Mampfen zu mir. Wir tauschen Tipps, Geschichten und Campingplatzempfehlungen aus, und ich kann noch meine bestmögliche Abschätzung geben, wo auf deren Weg noch ein Fleckchen Schnee zu finden sein könnte, um ein cooles Filmprojekt von Seya vollenden zu können. Hey, wenn es fertig ist, will ich es auch gern bewundern dürfen, okay?
Anschließend geht Casjen noch ne Runde am Kai angeln, und ich probiere mal, ob ich das im letzten Jahr Gelernte noch kann – und tatsächlich fliegt der Gummifisch schön hoch und weit. Leider beißt bei meinen 3 Würfen nix, das wäre jetzt echt der Hit gewesen, hätte ich mir noch mein Abendessen aus dem Fjord gezaubert.

Anschließend gibt es zum Ausgleich zur gestrigen Bulliführung eine flinke Zelt Führung, dann müssen die 4 auch los. Es kehrt Ruhe ein auf dem kleinen Platz, und ich schlendere durch die wenigen Straßen. Irgendwie treibt es mich wieder bergan, aber nach kurzer Zeit wird klar, daß ich heute keine Bergwanderung machen sollte, wenn ich bald wieder radeln will. Das Herz sagt Wandern, die Beine sagen Pause, der Kopf beschließt: lieber bald Radeln.


Zu Mittag gibt es Käsebrote. Abendessen hab ich auch gejagt, diesmal mit Plastikkarte als Köder, und bei der Gelegenheit herausgefunden, wie man etwas zu ner Poststelle bestellen oder verschicken kann. Das ist praktisch, will ich doch bei der anstehenden Bundestagswahl meine Stimme nicht durch Urlaub abhanden kommen lassen.
Dann ins Café, welches ja, wie alles hier im Ort, auch dazu gehört. Dort kann ich einer weiteren Waffel nicht widerstehen, natürlich mit Kaffee. Der Wikingerroman wird weiterstudiert, und streckenweise kann ich ihn bereits flüssig lesen. Auch schafft mein Hirn inzwischen, Gesprochenes besser in Worte zu zerlegen und deren Bedeutung zu erschließen, bevor mein Gegenüber meint, ich hätte nen inneren Blue Screen. Yay.

„Weißware“ nennen die Lüneburger das, was hier jetzt abends eintrudelt. Bald ist mein kleines Zeltchen eingepfercht zwischen großen weißen Kisten, und irgendwer lässt laut Musik laufen. Ich koche etwas griesgrämig, schaue heute nicht einladend in die Gesichter, und verziehen mich zum Mampfen an den ruhigen, einsamen Kai. Da ist es besser. Vielleicht sollte ich morgen mal wild zelten, endlich. Das blöde bei Pausentagen im Zelt ist, dass mir die Alleine-Zeit fehlt, die ich sonst auf dem Rad genieße.

So, 3 Wochen mache ich das also nun schon. Wow. Ich war mir nicht sicher, ob ich nach einer Woche nicht vielleicht genug hätte, und jetzt denke ich, dass die übrigen 3 Wochen doch gar nicht genug sein werden! Allerdings ist das Wetter derzeit ungewöhnlich schön und gut. Das wird so nicht bleiben. Ich bin zwar materiell gerüstet für echtes norwegisches Wetter, mental wird sich das aber erst noch erweisen. Die norwegische Wetter-App heißt „Yr“, und das bedeutet „Nieselregen“. Noch Fragen?
Ich habe Lust, weiter zu fahren. Ja. Es ist intensiver als gedacht, und natürlich anders als gedacht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich derart oft herzlich schönen Anschluss finde. Und ich hätte gedacht, dass ich mehr Fotoprojekte verfolgen würde, statt wie jetzt eher Gelegenheitsfotos mit der DSLR zu machen – die sind vermutlich auch schon schön, aber eben eher zufällig. Ich hatte gehofft, dass ich jeden Tag fahren kann, und nicht so viel Pause benötige, aber das kommt vielleicht noch, denn fitter werde ich offenbar.
Beim Bergwandern gibt es eine gute Regel zum Abschätzen, wie lange man für eine Etappe benötigen wird, und die klappt bei mir auch hier beim Radeln. Dazu muss man wissen, wie viele km man pro Stunde schafft, und wie viel Höhe man pro Stunde schafft. Für die anstehende Etappe errechnet man daraus die Zeit, die man für die Strecke benötigen wird, und die Zeit, die man für die Höhe benötigen wird. Vom diesen 2 Zeiten nimmt man die größere, und addiert ⅓ der kleineren. Das kommt ziemlich gut hin. Das ist die Zeit in Bewegung, auf diese kommt nochmal ⅓ bis ½ für Pausen, Fotos, Einkaufen, Essen, Orientieren, Umziehen drauf. Damit kann ich jetzt gut kalkulieren, was umso wichtiger wird, je kürzer die Tage werden.

Ist die Arbeit vergessen? Tatsächlich denke ich sehr wenig daran. Die überwältigende Realität hier verdrängt Gewesenes schnell, setzt Gefühle frei. Die Idee, den Kopf frei zu kriegen, funktioniert gut. Ob ich wirklich in nen anderen Modus komme, oder nur den selben Modus mit anderer Aktivität fahre, kann ich gerade gar nicht sagen. Dazu muss ich später diesen Blog lesen 🙂 Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich dies hier tue, freue mich oft, genieße es hier. Zelten macht immer noch Spaß, und Radfahren auch. Also ist es wohl gut, schlussfolgert meine Ratio, und stimmt damit mit meiner Emotio bestens überein. Schon wieder huu-huuut der Kauz und ruft den Schlaf herbei. Huuuuu.





































































































































