Archiv der Kategorie: Allgemein

Tag 9: die Fjell-Probe

Früh geht es los. Naja, also, bis alles gepackt ist, vergeht doch Zeit. In so ner Hütte verteilt sich das ganze Zeug aus den Taschen unheimlich schnell in alle Ecken. Wir wollen zusammen fahren, so wie es mit dem Tempo passt. Und wir wollen früh los, da nachmittags oben im Fjell nieseliger Dauerregen vorhergesagt ist. Hmja. Erstmal rollt es sich ganz gemütlich das Setesdal hinab. Sonntags früh schlafen auch Norweger offenbar länger, denn es ist kaum Verkehr, und wir genießen die Felskulisse in der Morgensonne.

Aber wer ins Fjell will, muss auch hoch. Ohweh. Was dieses Fjell denn nun sei, fragen mich die beiden. Heiße das nun „Berg“ oder „Gebirge“ oder was? Hm, so richtig übersetzen lässt es sich nicht, und vergleichen auch nicht recht. Nun, wir werden es erleben. Aber zunächst lerne ich die Lektion, dass die Wahl der Gangschaltung für Norwegen definitiv eher 3×10 sein sollte. Ich habe vorn nur 2 Kettenblätter und wünsche mir einen leichteren ersten Gang. Aber gut, wird schon. Durch ein Skigebiet mit über 50km präparierten Loipen (im Winter natürlich, nicht jetzt), in dem alle Häuser durch Grasdächer gut getarnt und unaufdringlich sich in die noch eher waldiger Landschaft fügen. Aber der Wald wechselt bald auf niedrige, knorrige Moorbirken. Offenbar sinkt die Baumgrenze zur Küste hin deutlich.

Oh, das kenn ich doch schon. Wird wohl nicht das letzte Mal sein. Hmja, wird das Essen wieder besonders lecker werden heute.
Schmale Straße, Bach, Wald, Wolken. Erstaunlich viele Autos hier unterwegs. Und ich glaube, ich rieche die Autos immer mehr!
Alleine hätte ich das nicht hinbekommen
Da beschlägt die Linse. Verfloxt. Naturfilter ersetzt Instagram-Filter.
Jeder hat mir davon abgeraten, nen Seitenständer zu montieren. Bisher funktioniert er bestens.

Und endlich, nach 800hm, haben wir es geschafft und sind oben in der kargen Landschaft mit diesen ganz eigenen Grüntönen, vielen Bächlein und Seen, und jeder Menge Fels. E ist nicht bergig, aber alles andere als flach. Eher wild zerfurcht voll flacher Stückchen und senkrechter Felswände. Gletscher haben dies wohl geformt, auf Satellitenbildern sieht man vielerorts schön die Schleifrichtung der Eiszungen. Wenn man mittendrin steht, erkennt man das gar nicht, nur geübte Geographenaugen können hier die Landschaftsgeschichte gut lesen. Die Flora wirkt wie ein Garten, kunstvoll und wunderhübsch sind die Arten arrangiert, immer wieder fließt ein kleiner Bach. Die Farben dieser Landschaft sind schön, und auch Thomas und Tina sind hin und weg, und finden das Fjell unvergleichlich. Ja, das ist das Fjell.

Blick zurück. Yay, fast oben. Bis auf 1050m haben wir uns raufgestrampelt.
Überall laufen Schafe rum. Die Autofahrer bremsen bei uns mehr als bei den Schafen. Puh.
Irre auch die vielen Findling jeglicher Größe

Wir haben Gegenwind, und hier oben merkt man es deutlich. Am höchsten Punkt auf 1050m sind wir nassgeschwitzt und dem Wind ausgesetzt. Da zieht ein Regen heran und wir beeilen uns, die Regenklamotten überzuwerfen: Jacke, Hose, Schuhüberzieher. Bibbernd fahren wir bergab, bald wieder auf und ab und auf… flach gibt es nur kurz und eher selten. Gegessen haben wir nichts, und ich merke, wie ein Loch da ist, wo mein Bauch sein sollte. Die Beine sind leer, die Kraft ist weg, der Wind nervt, die 7°C fühlen sich eisig an. Das Fjell testet uns. Gestern noch hat Thomas die Karte studiert, wo man wild Zelten könnte, heute schaut er grübelnd und überlegt, wo ein Zelt gut stehen könnte. Entwender ist es steil oder nass oder steinig, oder dem Wind ausgesetzt. Gemütlich sieht das alles nicht aus, und so kommt schnell die Gemütlichkeit einer Hütte ins Gespräch. Aber erstmal nach Suleskard kommen und dann schauen wie Wetter und Beine aussehen. Und endlich kommt es in Sicht, die letzte Steigung für heute ist geschafft, jetzt rollen wir grinsend hinab. Und ratz fatz haben wir Süßteilchen und Kaffee in den kalten Pfoten 🙂

Yeah, Abfahrt!
Endlich wieder Süßteilchen und Kaffee, diesmal Zimtbøller

Schnell ist klar, wir nehmen ne Hütte nach 1100hm und nee groben Planung für morgen passt das einfach am besten. Wie wir mit Nass und Schwitzen und Kälte und Wind am besten umgehen, und dann noch wild Zelten, das müssen wir wohl noch lernen. Ich werde es probieren, das ist sicher. Beim Wandern weiß ich gut, wie das geht, aber Radeln ist anders. Ich schwitze mehr, und einen Zeltplatz abseits der Straße zu finden erfordert viel Suchen. Dafür kriegen wir ne urgemütliche Hütte mit Dusche und Backofen. Ich hab sogar mein eigenes Zimmer.

Diesmal mit Grasdach 🙂
Super gemütlich und prima ausgestattet. Im Bad hängen 20 Haken, im Eingang ne Wäscheleine, so können alle Sachen trocknen.

Frisch geduscht können wir im kleinen, super sortierten Markt einkaufen. Da der Laden bald schließt, und ich dank Norwegisch mit der Verkäuferin vorher schon ins Gespräch gekommen war, bietet sie uns nun die übrigen Gebäcke als Geschenk an, bevor sie in den Müll wandern. So bekommen wir nochmals 6 riesige Zimtbøller und beginnen bald mit dem Gelage, allem voran frische Pizza! Okay, ja, vorgebackene Böden haben wir gekauft, aber die sind prima und wir bald satt.

Omnomnom

Bald trennen sich unsere Wege wieder. Zwar haben wir uns erst vorgestern getroffen, aber es kommt uns schon wie ne Ewigkeit vor, die wir zusammen unterwegs sind. Ich bin gespannt darauf, wie es ist, wieder alleine unterwegs zu sein. Ich freue mich auch drauf, so gut das hier gerade auch tut. Aber morgen müssen wir wieder früh raus, also jetzt schnell schlafen. Ist eh schon viel zu spät. Philosophische, reflektierende Gedanken kommen wohl eher wieder, wenn ich Zeit für mich habe. Aber im Moment geht es mir echt gut, die Tage sind schön und erfüllt, und ich kann es voll genießen.

Tag 8: Im Fjell regnet es

Eine kleine Hütte, so groß und luxuriös sie im Verhältnis zum Zelt sein mag, ist zu viert ziemlich eng. Aber es ist gut, wir verstehen uns bestens. So wurde es gestern spät, und heute schlafen wir bis 8 Uhr, also quasi ewig. Ein ausgedehntes Frühstück folgt, inklusive frischem Obst und Müsli und Tee und guten Gesprächen.

Regen macht die Berge schön. Welcher Fotograf will schon Sonne?

Der junge Lüneburger will heute schon weiter, gediegen das Setesdal herabrollen, um morgen in Kristiansand zu sein. Das nieselige Wetter hält ihn ne Weile ab, wir tauschen uns über Fotografieren und Radeln aus. Seine Fotos sind schön, sein Reisegeist beeindruckend, sein Mut zum Probieren lassen ihn bestimmt noch ne Menge in der Welt erleben, und Dinge und Leute bewegen. Hey, wenn Du das liest… weiterhin gute Fahrt, allzeit Luft in den Reifen und den Blick zum Horizont und weiter.

Ja, auf Grasdächern sprießen sogar Bäume, wenn man mit der norwegischen Flagge davor herumwedelt.

Wir 3, machen es uns noch gemütlich, denn oben im Fjell, wo wir hin wollen, regnet es heute ganz widerlich. Der Regen zieht von Westen heran, bleibt in Fjorden und Bergen hängen, hier kommen nur Schauer an. Zwischen diesen jagen wir Mampf im Supermarkt, dazu noch Schokobøller. Nein, die knallen nicht, Bøller heißt einfach Brötchen. Im nordischen Rezept ist Kardamom drin, das finde ich total super.

Das Flüsschen Otra, welches das Setesdal hinabfließt

Nachmittags packt uns doch noch der Bewegungsdrang. In der Nähe gibt es den höchsten Wasserfall des ganzen langen Tals. 10km mit Gegenwind bergan geradelt und noch ein paar km gelaufen, lassen wir uns bereitwillig beeindrucken von dem wirklich schönen Gloppefossen.

Tina zaubert in der winzigen Küche das Abendessen, eine große Gemüsepfanne mit Kartoffeln und kleinen Dingen, die weg müssen, entweder weil im Glas und Glas sehr schwer ist, oder weil kleine Reste halt einfach doof sind. Durch das gemeinsame Kochen ist mein halber Liter Olivenöl tatsächlich jetzt schon leer, ich flitze zum Supermarkt, während Thomas noch an seinem Sattel herumschraubt. Nach dem Essen gelüstet es uns nach Eis, so dass die beiden kurz vor Ladenschluss noch welches erbeuten. Ein echter Bonus bei der viele Bewegung ist, dass man so viele leckere Sachen essen darf.

Unsere Hütte kostet lediglich € 50 pro Nacht, also 17 pro Person. Das ist echt günstig. Zwar mit Gemeinschaftsbad, das 100m weg ist, aber wenn man € 80 pro Nacht zahlen möchte, hat man ein eigenes Bad in der Hütte. Thomas und ich lernen, dass der Campingplatzbesitzer erst seit einem Jahr den Platz hat und kräftig am renovieren ist. Die Anfänge sieht man, aber es gibt, wie er frei heraus sagt, viel zu tun. Da er nur mäßig Englisch spricht, fordert er mein Norwegisch ganz schön! Macht Spaß, und ich entwickle derzeit viel Mitgefühl für Menschen, die Deutsch lernen und radebrechend ihr Bestes geben.

Heute war ein schöner Tag. Ungewöhnlich gesellig nach den fast schon etwas einsamen letzten Tagen. Mir geht’s gut, und meine Kniesehne zickt nur noch wenig. Den Anstieg morgen wird sie überleben. Noch ist reichlich Voltaren in der Tube. Und gerade meldet die Wettervorhersage, dass ich keinen Tag in Soleskard im Regen ausharren muss, sondern Montag bereits in den Lysefjord hinabdüsen kann. Insgesamt soll das Wetter die nächste Woche prima werden. Lange schon hab ich mich nicht mehr so sehr über nen Wetterbericht gefreut! Yeah!

Tag 7: 4 Radler, bitte

Yay, pünktlich zum Aufstehen nieselt es. Hach, wie schön. Nee, ehrlich, denn so darf ich noch liegen bleiben, ohne ein schlechtes Gewissen auszubrüten. Zwar heißt das auch, dass das Zelt wieder nass eingepackt wird, aber bisher ist es später immer trocken geworden. Tatsächlich braucht es wieder eineinhalb Stunden, bis ich abfahrbereit bin. Die Wetterstimmung ist herrlich, die steilen Wände des Tals hängen voller Wolkenbänder.

So gern hätte ich nen Zeitraffer vom packen, aber bisher hab ich keine Idee, wie ich das machen soll.

Hoffentlich seh ich das gleich von den Serpentinen aus. Ah ja, die Serpentinen. Da war doch was. Gestern noch total egal, sieht das heute ganz anders aus.

Das Knie ist gut mit Voltaren geschmiert, wird schon.
Yay! Links unten der Campingplatz, weit bin ich noch nicht gekommen, aber schon ne dreiviertel Stunde unterwegs.

Es geht tatsächlich ins Fjell heute, das ist schön. Erst an vereinzelten Wohnhäusern, dann an einem Stausee, weiter an einem Skigebiet vorbei. Bedeckt ist es, und gelegentlicher Nieselregen kühlt mich angenehm. Fehlt nur noch ein Elch, das würde gerade passen.

Skigebiet mit hübschen Grasdächern auf den zu mietenden Hütten. Sogar noch Restschnee ganz oben in den Felsen

Gerade überlege ich, was wohl wäre, wenn ich ne Panne hätte. Ich hab 6 Tage lang keine Reiseradler gesehen, nur ne handvoll Rennradler. So formuliere ich die Lektion für heute: wenn Du hier ne Panne haben solltest, rechne besser nicht mit anderen Radlern die Dir aushelfen können. Und just 5 Minuten später komm ich an ner Picknickbank vorbei, wo 3 Reiseradler sich unterhalten! Kurz geschnackt, fahre ich bald weiter, hab mich aber schon sehr gefreut, Gleichgesinnte zu treffen. Natürlich Deutsche, sonst tut sich das ja auch niemand freiwillig an. Aber bald geärgert, denn Picknick wäre eigentlich ne prima Idee gewesen. Hmja. 10 km weiter finde ich die nächste Bank und mampfe Erdnussbuttermarmeladenbrote, da kommen 2 der Radler vorbei. Bald hab ich sie eingeholt, und wir Radeln zusammen weiter.

Just… Wow! Endlich. Dafür bin ich hier.
Der erste kleine Wasserfall, der diesen Namen verdient.

Als es endlich bergab ins Setesdal geht, kriege ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht! Die Abfahrt ist super, mein Gestrampel von heute früh kriege ich zurück, und das Setesdal ist die reinste Naturgalerie. Immer wieder bremsen wir scharf, um die Aussicht zu genießen und ein Bild zu machen. Endlich keine bewaldeten Hänge mehr, sondern blanke Felsflanken, die glatt und steil das Tal säumen, schier unerzwinglich wirken. Jetzt bin ich allmählich im gebirgigen Teil angekommen, für den ich hergekommen bin. Die nächste Etappe wird hinauf führen, über diese Felswände hinweg. Ich bin so gespannt! Die allmähliche Wandlung von Oslo bis hierher wird wohl mit der Abfahrt hinab in den Lysefjord kulmineren.

Abwärts im schönsten Sinne.

Zusammen mit den beiden Radlern rolle ich zum nächsten Campingplatz, wo wir ne Hütte nehmen wollen. Da wir uns gut verstehen, und alle viel zu erzählen haben, nehmen wir eine gemeinsam. Und wie wir gerade eingeräumt und die Zelte getrocknet haben, trudelt der vierte Radler vom Fjell ein, der mit seinen 18 Jahren alleine von Schweden über Oslo und dem Setesdal nach Kristiansand fährt, dann über Dänemark heim. Den laden wir dazu ein, der wollte schon alleine ne Hütte mieten. Armer Platzwirt, der verdient an uns heute nicht viel.

Ah ja, Grasdächer, da war doch was. Hier ein Buswartehäuschen…
… und hier Häuser auf dem Campingplatz.
Unsre kleine Hütte hat leider kein Grasdach, ist kompakt und gemütlich, und gegenüber nem Zelt der reinste Luxus.

Wir kaufen ein, kochen und erzählen. So wird es spät, bis ich hier zum Schreiben komme. Morgen verbringen wir den Tag hier, denn das Wetter ist grad eher so mäßig. Hoffentlich geht es übermorgen dann weiter. Montag dann nochmals Regen aussitzen, und Dienstag nach Lysebotn. Ginge zwar auch bei Regen, aber die Zeit habe ich, um es dann voll genießen zu können. Ob wir zusammen weiter Radeln, wissen wir noch nicht, vermutlich wird jeder sein Tempo machen, auch wenn die Strecke die gleiche ist. Aber langweilig wird uns morgen nicht so schnell.

Auf dem Weg zur Dusche. Siehst du die winzigen Bäume oben an der Felskante?

Tag 6: eine kleine Stabkirche zwischendurch

Erholungstag. Wenn das hier an etwas scheitert, dann vermutlich an ner Kniesehne, die sich ein bisschen überanstrengt zeigt. Hmja, hab ja Zeit. Erstmal bleib ich liegen, denn zum einen will ich nur runter nach Dalen rollen, zum anderen tröpfelt es just da, als ich mich überwinden will, den warmen Schlafsack zu verlassen. Wirklich kalt sind die Nächte mit 10 – 15°C nicht, aber wenn man mal aufsteht, bleibt man in Bewegung – und da hab ich grad keine Lust drauf. Tobende Elstern hin oder her.

So ist es 8 Uhr, bis ich endgültig wach bin, scheinbar noch immer der Erste, der sich auf dem kleinen Platz regt. Oder die anderen krauchen in ihren Wohnwägen herum, ohne dass man was mitbekommt. Finde es irgendwie schön, mit dem Zelt unmittelbar draußen zu sein, statt in so ner Box zu sitzen. Aber zugegeben, ausprobiert hab ich es noch nicht. Mein Frühstück ist wieder Tee und Müsli: unten im Topf ein knapper Liter Tee, den ich mit der kleinen Tasse abschöpfe, so dass ich immer heißen Tee zu trinken habe. Und oben drauf weicht und wärmt das mit reichlich Kakaopulver angerührte Müsli vor sich hin. Das steht schön hoch, da kann ich direkt draus löffeln.

Schlonziger Mampf mit Seeblick. Die kleine Tasse steht daneben. Verfloxt, schon passen Bild und Text nicht zusammen.

Das „Runter“ gestaltet sich überraschend steil aufwärts. Aber es ist ruhig, halbwegs hübsch hier, und so hechle ich mich voran, inklusive Pause nach 250hm – das muss ich mir jetzt angewöhnen. Und dann rollt es doch sehr nett, und ganz unversehens kommt die Stabkirche von Eidsborg um die Kurve. Wegen dieser habe ich die Route so gewählt, denn diese wundersamen Gebäude sind immer nen Besuch wert. Diese steht seit über 800 Jahren, also etwa so lange wie die Strahlenburg in Schriesheim. Nur jene ist aus Stein, diese aus Holz. Klar, da kam kein Ritter und hat sie bekämpft. Im Gegenteil wurde die Kirche viel gepflegt und umgebaut, bis sie auf einen älteren Stand restauriert wurde, aber immer noch als Kirche von der Gemeinde genutzt wird.

Niedlich, uralt, und immer noch genutzt, die Stabkirche von Eidsborg
Drinnen wurde alles lustig bemalt, teils übertäfelt, umgestaltet, erst spät befenstert… Lange Geschichte
Rechts ist einer der 4 Stäbe dieser kleinen Kirche, also senkrecht in der Erde steckende Baumstämme, welche das Gebäude tragen.
Die Holzschindeln wurden original mit Holznägeln befestigt.
Der verkohlte Look kommt von der Pflege: alle 3 – 6 Jahre wird die Kirche mit Teer eingepinselt. Deshalb duftet es auch so herrlich harzig!

Im angeschlossenen Telemarkmuseum gibt es, wär hätte es vermutet, Waffeln mit Kaffee! Und warum das was Besonderes hier ist, muss ich euch einfach zeigen. Man bekommt eine kleine Auswahl an Rømme und Marmeladen, mit denen man sich die Waffel dick belädt und dann mit der Kuchengabel zum Kaffee isst. Das gibt es nur hier. Ah, und das Museum war auch echt sehenswert

Vaffler med rømme og syltetøy
Die Bunad ist die traditionelle Tracht der Norweger. Jeder hat eine, und mindestens am 17. Mai, dem Nationalfeiertag, wird sie ausgeführt.
Grasdächer gibt es nicht nur im Museum. Für mich gehören sie schon zum normalen Landschaftsbild, aber ich schaue, dass ich ein paar Hübsche ablichten werde.

Wie ich gerade wieder aufs Rad steigen will, quatscht mich ein Norweger an, der mit seinen 67 Jahren schon über 40 mal an dem Radrennen Trondheim – Oslo mitgemacht hat (sein Rekord: 14 Stunden für 580km) und in Norwegen jede Straße kennt. Wirklich jede. Er fragt mich nach meiner Route aus und gibt mir für jeden Abschnitt Tipps! Wow. Läuft. Und dann läuft es endlich wirklich bergab, hinunter nach Dalen.

Endlich mal so steil runter. Naja, morgen früh geht es ebenso wieder rauf. Ist mir heute aber total egal.
Dalen. Links der Zeltplatz, rechts ganz hinten die richtigen Berge.
Kein Fjord, nur ein See, der Bandak. Aber ganz sicher auch von nem Gletscher ausgehobelt. Ist das Ende des Telemark-Kanals.

Der Zeltplatz ist super! Der Besitzer schreibt auf der Website, dass er seine Reiseerfahrung einsetzt und einen wirklich schönen Platz gestaltet. Mit den besten Methoden eines Researchers und Designers gelingt es ihm, einen der besten Plätze zu gestalten, die ich kenne. Als Beispiel die Dusche: viele Kleiderhaken, Spritzschutz für die Sachen, kein Münzautomat, und nicht direkt neben den Toiletten, dazu sauber und hell. Er ist mit den Duschköpfen noch nicht ganz zufrieden und will sie austauschen. Hier komm ich wieder her – auch, weil es einiges zu unternehmen gilt, wie z.B. nördlich des Sees 3 Stunden lang entlang der oberen Kante nach Lårdal wandern und mit der Fähre zurück fahren. Hütten gibt es auch auf fast allen Zeltplätzen zu mieten, kosten so ab 40 Euro. Ausstattung und Zustand variieren stark, da weiß man vorher nie genau, was man bekommt. Ist aber eine schöne Alternative zum Zelten, wenn man ohne WoMo reist. Hotels sind völlig überteuert und eigentlich nur für Geschätsreisende, bei denen die Firma zahlt. Aber ich bleib im kleinen grünen Stoffpalast und habe hier sogar ne Steckdose auf der Zeltwiese!

6 Haken für Klamotten, dazu die Bank! Blanker Luxus. Das Holzdingens war nur in meiner Dusche auf dem Boden, keine Ahnung.
Konnte leider keinen Blick rein werfen
Der See diesmal ein bissl weiter weg, dafür drum herum Wasser. Der Platz liegt auf ner Insel. Bin später noch etwas von der Lampe abgerückt.

Im Supermarkt mache ich fette Beute, vor allem aber Voltaren für die Sehne. Wünscht mir Glück. Zur Not gibt es ne Pause demnächst. Aber noch geht es gut, ohne dass es zu arg wird. Auch ganz besonders: frische Paprika, die ich in reichlich Olivenöl anbrate, dann die Kichererbsen ein bisschen mitschmurgeln lasse, und mit Tomatenpulpe ablösche. Dazu Pesto rein und genau richtig viel Salz dazu. Fast hätte ich sogar ne Zwiebel gekauft… Vielleicht morgen.

Morgen Brot (und was für eines!) zum Frühstück, Osaft jetzt gleich, den Apfelsaft für unterwegs. Und Nøkkelost ist Kümmelkäse, den kenn ich auch nur von hier. Mjam.

Einmal noch zum Wasser latschen, und den Ausblick von ganz vorne unten genießen. Das beendet den Tag für mich dann auch. Irgendwie war ich heute teils echt verwirrt, keine Ahnung warum. Ob das die Nachwirkung des gestrigen schönen Tages war? Oder die Zusicherung mehrerer Norweger, dass ich die Tour packen werde und ich mir allmählich wirklich vorstellen kann, es durchzuhalten?

Hey, eins sei gesagt: so hübsch das alles hier ist, ist es auch echt anstrengend. Ich mach das nicht einfach mal eben so, das ist alles hart an der Grenze. Nicht nur das Radeln, sondern… alles. Die Umstellung ist heftig: vorher 6h zoomen am Tag, ewig vor dem Rechner hocken, und die ganze Zeit über so total abstrakte Sachen wie Unternehmenssoftware diskutieren, sinnieren, schwadronieren und lästern, das Ganze durchgetaktet von einem sich erbarmungslos wie von selbst füllenden Terminkalender. Und jetzt? Ständig die Wahl haben, ständig selbst Entscheidungen treffen was ich tun will, alles mit mir selbst ausmachen, nur in Abstimmung mit Körper und Wetter, dazu den ganzen Tag in Bewegung. Ich gewöhne mich allmählich, denke ich. Hoffe ich. „Ja klar, wirst du schon! Gib dir Zeit.“ sagst Du jetzt vermutlich. Noch hoffe ich drauf. Bald werde ich hoffentlich auch dran glauben können 🙂

Für die Zahlenliebhaber: 700 Meter erhebt sich die Wand links über den See. Für alle anderen: einfach zauberschön.

Tag 5: über das Øyfjell

Auf Strava heiße ich übrigens „Uwe von den Pfoten“

Nie wieder ein Zeltplatz so nah an Hauptverkehrsstraßen, wenn es sich vermeiden lässt. Die 3 Nächte davor waren geprägt von absoluter Stille, und jetzt erlebe ich, was für nen irrsinnigen Krach wir Menschen mit uns bringen. Klar, Tür zu und 3-fach-Verglasung, dann ist Ruhe im Haus. Aber Vogelnester haben das nicht. Hm. Und Zelte auch nicht. Ein bisschen muffelig starte ich in den Tag, die umtriebigen Elstern halten mich eh schon seit 6 Uhr wach. Ja, auch manche Vögel, so schön und schlau sie sein mögen, machen ganz schön Radau.

Tee macht wach. Sehe ich schon wach aus? Braucht wohl ein bisschen, bis er wirkt.

Neben dem Zelt steht eine winzige Hütte. Eigentlich Ein Witz von einer Hütte. Da sie gerade leer steht, mache ich es mir vor dem Eingang bequem. Am See Zelten ist schön, aber morgens ist alles nass. Wenn man zeitig los will, muss man diese Nässe meiden. Die Sonne kommt erst spät über den Berg und kann gar nicht so früh mit dem Trocknen anfangen. Über Nacht hab ich alle Taschen im Zelt, damit keine Feuchtigkeit rein zieht. Ich werde nie wieder behaupten, dass ein 3-Personen-Zelt mit großem Vorzelt zu groß für mich alleine ist. Und immer wieder komme ich zu dem Schluss, wie praktisch doch Häuser sind. Außer halt, dass man sie so schlecht mitnehmen kann.

Um 9 geht’s los. Die Sonne scheint, im Schatten ist es frisch. Die Straße erst breit und norwegisch voll (= deutsch fast unbefahren), geht es nach Flatdalen, also Flachtal. Wenn ein Tal nichts hat, außer dass es flach ist, und dieses Merkmal das Tal so sehr von den umliegenden Tälern abhebt, dass es namensstiftend ist, dann wisst ihr, was mich sonst erwartet. Die wenigsten Täler heißen Flatdalen. Oder aber die Einwohner haben den Namen demokratisch gewählt, was ja immer zu den miserabelsten Benennungen führt.

Ja, stimmt. Flaches Tal – keine Selbstverständlichkeit.
Es gibt tatsächlich noch verrücktere Gefährte. Ok, klar, das ist Kunst. Man beachte aber den Allradantrieb!

Das schön Schreckliche an der guten Planung ist ja, dass mein Garmin Fahrradtachonavi genau weiß, wann welche Steigung kommt, und mir das auch sagt, sogar als Grafik im Display anzeigt. Inklusive durchschnittliche Steigung, noch zu erstrampelnde Höhe, und dass ich erst ganz unten bin. Ich weiß ja ganz gern, was auf mich zukommt, so kann ich die Kräfte gut einteilen. Aber ein bissl deprimierend ist es morgens schon: 9km mit 4%, dann 3 km Ruhe, dann 6km mit 4%. Fieserweise geht es zwischendurch auch mal bergab, so dass sich da auch schnell mal Abschnitte mit 10% reinschmuggeln. Aber solange die überschaubar kurz (100hm) sind, geht das. Zum Glück lenkt die Landschaft meinen Blick zunehmend vom Tacho ab.

Zwischen Fels und Fels fließt ein Bach so tief unten, dass ich ihn partout nicht sehen kann
Jetzt gleich auf. Der schafft Steileres als ich.
Ob das der gleiche Künstler ist? Oder sammelt da jemand liegen gebliebene Reiseräder ein?
Ist so schön, da kann ich mich nicht auf ein Bild beschränken.

Endlich oben im Fjell. Und wenn man denkt, hier ist nur Fels, wird man von Bauernhöfen und großen Seen überrascht. Erstmal Pause. An einem winzigen Supermarkt hab ich mir Osaft gekauft, das scheint meine neue Wunderwaffe zu sein. Dazu ein Käsebrötchen, und schon radel ich auf 800m durch gebirgige Landschaft voller Moore, Fels und lichterem Wald. So wollte ich das, so ist es herrlich. Die Straße ist längst schon fast gänzlich unbefahren, auch für norwegische Verhältnisse. Hab ich schon erwähnt, dass ich hier überall LTE Empfang habe?

Grün und flach. Prima zum wild Zelten, oder? Hmm… Zumindest gehen die Heringe gut in den Boden.

Bald geht es auch mal schön bergab. Ich rolle gemütlich, will es heute bei 60km genug sein lassen. Der Campingplatz ist winzig, Zelter kommen hier scheinbar eher selten vorbei. Trotzdem kein Problem. Ne Dusche gibt es nicht, aber im See kann man baden, was ich auch gleich tue, mit der Radhose als Badehose. Ist ja ne Triathlonhose, die kann das, und ist auch gleich schön sauber. Auf dem Platz gibt es gelegentlich Konzerte. Die Bühne hat etwa 3m², die Musik ist von lokalen Künstlern. Ich muss mal „Løse Fugler“ (lockere Vögel) auf Spotify anhören, die spielen wohl morgen hier.

Und schon wieder das Zelt am See, Premiumplatz mit der besten Aussicht. Und der meisten Sonne.
Morgen und am Wochenende gibt es Konzert. Sowas gibt’s auch nur auf den kleinen Plätzen.

Mein Norwegisch kommt mir hier sehr zu Gute. Ich verstehe zwar Gesprochenes nur schwer, aber das wird hoffentlich auch besser jetzt. Und ich komme echt ins Gespräch mit Leuten! Wer außer Norwegern spricht schon die Sprache, wer lernt das freiwillig? Wenn man Englisch und Deutsch kann, ist Norwegisch echt einfach. Die Grammatik ist wie die Deutsche, nur etwa 1/3 davon. Und sowas wie „slappe bein“ versteht man sofort, wenn es ums Radeln geht 😉

Heute war ein guter Tag. Und jetzt spielt der ältere Herr der netten Nachbarn aus dem Wohnmobil auf dem Akkordeon mir gänzlich unbekannte Lieder, durchaus anspruchsvoll und schön. Die Sonne senkt sich über den See, die Luft wird angenehm kühl, der Himmel ist blau. Die Welt ist gut.

Tag 4: am See lang

Ich hadere mit dem Gedanken, heute Abend wild zu Zelten, irgendwo im Øyefjell. Sollte ich hinreichend erholt sein, würden die 800hm bis dahin mich nicht hindern. Trotzdem lass ich es gemütlich angehen. Das Wetter ist so gut, ich brauche sogar Sonnenschutz in Form von Creme und Mütze. Alles soll trocken werden heute, ist ja auch unnötiges Gewicht. Und miefen werden die Sachen noch früh genug. Klar kann ich waschen, hab auch ein bisschen Waschpulver dabei, um Einzelteile sauber zu kriegen, und zur Not gibt es auf den meisten Campingplätzen ne Waschmaschine. Aber trocken ist schöner.

Unglaublich still hier.

Hab ich schon erwähnt, dass ich hier überall LTE Empfang habe? Und das mit voller Signalstärke. Ich bin 10km vom nächsten Kaff mit 1000 Einwohnern entfernt, um mich herum See, Wald, Berge, und hab besseres Netz als daheim. Irre. Das ist echt keine Frage der Technik und des Könnens, sondern klar eine Frage des Wollens.

Also los, ich will ja nicht weit kommen, aber schon ein bisschen. Genüsslich am See entlang, das klingt so nett und harmlos. Aber zack bumm, ich schiebe. Ja, ich schiebe die 13% Steigung hoch. Weit ist es ja nicht, aber weit genug, um den Puls explodieren zu lassen, sogar im ersten Gang. Aber hey, dafür geht es gleich hübsch runter, und ich sause am See entlang! Herrlich! Lektion 1: die Mütze sitzt auch bei 48km/h stabil. Upsi, so schnell will ich doch gar nicht fahren.

Die Straße ruhig, die Gegend schön, so wollte ich das genießen. Echt fein.
Immer noch der Seljordvatnet.
Straße, Berge, See, Wolken… Ich hör ja schon auf 🙂

Zwar könnte ich, aber ich merke, ich sollte heute nicht fiese Berge hoch strampeln. Nun gut, dann eben nur bis in das Heimatstädtchen von Selma und dort ein bisschen Ausschau nach ihr halten. Stellte sich nämlich raus, dass Vollmilchschokolade nicht ganz ihr Geschmack war, so dass sie nicht lange blieb. Nächstes Mal versuche ich es mit Zartbitter. Schade, hätte gern noch ein paar ihrer Geschichten gelauscht, wie sie einsame Angler verschreckt, denen eh niemand glauben wird.

Der See liegt auf 120m, die Berge im Norden und Westen sind 1200, sogar 1300 hoch. Das ist wie der Schauinsland vor Freiburg. Da kann man auch noch ein bisschen bleiben. Leider ist es hier nicht so idyllisch, die große Straße am Nordufer des Sees macht Lärm, und Herumstrolchen im Blaubeergestrüpp ist hier nicht. Mit dem Rad will ich nix erkunden, Kräfte sparen und Knochen schonen. So wird es mir doch etwas langweilig. Ein paar vorbeiwatschelnde, überraschend neugierige Stockenten sorgen für etwas Abwechslung. In letzter Minute entdecke ich, dass es nen Bäcker gibt, der gleich schließen wird. Also doch aufs Rad und schnell ein Süßteilchen gejagt, sogar ein Mandelhörnchen! Damit lässt es sich wieder Wikingergeschichten studieren.

Lecker Mampf für Kopf und Geist.
Was heißt „quack“ wohl auf norwegisch? „kvåk“?

Im Supermarkt jage ich nen Osaft, Brøtchen und Kæse für morgen, und für heute Abend Ertestuing – Erbseneintopf. Der ist schon fester Bestandteil unserer norwegischen Wanderküche, ist nämlich lecker und in 5min fertig. Halber Liter Wasser, reichlich Öl und etwas Salz dazu, nen halben Räuchertofu reingewürfelt, und schon ist’s lecker und fertig.

Ich freue mich auf morgen, auf das Øyefjell. Endlich wieder den Tag lang bewegen. Doof, wenn es außer Bewegung wenig zu tun gibt, ich mich aber erholen muss. Damit muss ich jetzt umgehen lernen. Mal sehen, wie das gehen wird.

Tag 3: zur Ruhe kommen

Tja, das ist gar nicht so einfach, das zur Ruhe Kommen. Eigentlich wollte ich heute zumindest nach Seljord, um nach Selma Ausschau zu halten und morgen dann übers Øyefjell nach Dalen zu fahren, was noch mal ne Tour wie die letzten beiden Tage wäre. Meine Beine sagen eindeutig, dass sie heute keine Pedale betätigen wollen. Trotzdem will ich unbedingt weiter, muss doch die Zeit maximal nutzen, und mit dem Wetter passt es so gut und…

Und erst allmählich spüre ich, was ich längst weiß, aber erst jetzt allmählich begreife: Nach einem Job, der mich von Termin zu Termin getrieben hat, bei dem es immer stapelweise unerledigte Arbeit gab, und ich mir selbst immer noch zusätzliche Aufgaben auferlegt habe, ist es verflixt schwer, nichts zu tun. Obwohl Zeit ist, und der Körper sagt: lass gut sein heute, fühle ich mich gedrängt, drängen ich mich selbst voran. Die gewohnte Sicht der Welt, dass Müßiggang gleich Zeitverschwendung ist, gilt hier aber nicht mehr. Gut, dass mich die eigenen Knochen Bremsen und unvorhergesagte Regenschauer mir die Entscheidung leichter machen, heute einfach hier zu bleiben. Gut, dass es hier keine privaten Projekte gibt, die man stattdessen erledigen kann. Gut, dass es hier keine Computer gibt. Ist ja auch echt schön hier. Also, zur Ruhe kommen.

Alle paar Minuten ändert sich die Wolkenstimmung

Ein kleiner Rundgang über die Halbinsel verscheucht den letzten Bewegungsdrang. Herrlich finde ich die Flora hier, das Blaubeergestrüpp, die üppigen Flechten und Moose, die dunkleren Moorbirken. Dazu immer wieder Fels. Es ist Regen gemeldet, aber ungewiss, wieviel. Jedesmal, wenn es anfängt, grüble ich, ob ich nicht umdrehen soll. Aber spätestens morgen kann alles trocknen, und so schnell komm ich nicht wieder hierher. Also los, weiter. Socken nass, Zehen im Wasser? Egal. Hauptsache, die Kamera bleibt überwiegend trocken.

Über die Halbinsel führt ein kleiner Pfad, herrlich lichter Wald mit Fels durchsetzt
Und alles voller Blaubeeren. Leider nur noch die Büsche, denn die Beeren waren vor kurzem schon reif.
Ein kleines idyllisches Moor voll hübscher STIMMUNG, Pflanzen und Stechmücken
Das Islandmoos liebe ich! Hier wächst es in rauen Mengen unter den Blaubeeren und der blühenden Heide
Das Ende der Halbinsel, gerade setzt wieder Regen ein, der siebzehnte heute.

Nachmittags soll es mehr regnen. Zeit, was zu essen. Süßteilchen und Kaffee gibt es hier nicht, aber der wohlsortierte Minimarkt backt Brot frisch auf. Naja, also zugegeben, bei meinem Anspruch an Brot würde ich hier lieber von Brotsurrogat oder „sogenanntes Brot“ reden. Aber eigentlich geht es mir mehr um ne anfassbare Unterlage für Erdnussbutter und eingeschmuggelte, selbstgemachte Feigenmarmelade, die ich in einem Becher Erdnussbutter getarnt habe. Zugegeben, auch aus Gewichtsgründen. Noch ein bissl Käse als Abwechslung, und los geht das Mampfen. Bin zuversichtlich, dass das… ähm ja, nennen wir es der Einfachheit halber Brot… also dass das Brot morgen verputzt sein wird.

Im Minimarkt des Campingplatzes decke ich mich ein
Brot- und Studierzeit

Jetzt noch studieren, nämlich die norwegische Sprache. Nach einem Jugendbuch kämpfe ich mich nun durch einen Roman. Dabei lese ich erst stirnrunzelnd eine Seite, dann les ich sie nochmal. Dann lese ich sie laut. Dann schaue ich alle unbekannten Wörter nach, begleitet von zahlreichen Oooohs und Aaaahs. Und dann les ich die Seite noch einmal. Wenn das geschafft ist, ist die Spannung so groß, wie die Geschichte weitergeht, dass ich übereifrig die nächste Seite beginne und anfangs wieder wenig verstehe. Und so weiter. 20 Seiten und 2 Stunden später kann ich nicht mehr.

Ansonsten passiert nicht viel, und trotzdem lerne ich was. Lektion 1: traue nie Deiner Fähigkeit, genau eine Sprudeltablette aus dem Röhrchen in eine volle Tasse Wasser zu schütteln. Lektion 2: ein Liter Tee am Morgen genügt vollauf, mehr muss nicht. Lektion 3: Waschbenzin heißt auf norwegisch „renset bensin“ und gibt es im Zweifel in der Apotheke. Das brennt sauberer, verstopft den Kocher nicht so schnell, stinkt nicht so sehr, und ist nicht so gesundheitsschädlich wie Autobenzin mit seinen ganzen Zusatzstoffen.

So darf der Tag aufhören.

Tag 2: auf zu Selma

Viel hat es geregnet. Aber pünktlich zum Morgen hört es auf. Draußen ist alles nass, also koche ich Tee im Zelt, und der Teller dient als Deckel, in dem ich gleich ein Müsli mit der Abwärme aufwärme. Kalt ist es nicht wirklich. Meinen liebevoll auf den Namen „Bratröhre“ getauften Schlafsack musste ich längs ganz aufmachen, damit ich nicht durchgegart aufwache. Aber wer ist jetzt Selma?

Also um 6:30 losgelegt, und mit allem drum und dran und Frühstücken und Tee trinken und wieder neu packen und Zelt trocken wischen und alles versorgen ist es doch 8:30 bis ich aufs Rad steige. Diesmal gleich in kurzen Sachen, denn es geht bergan, und ich hab ja von gestern gelernt.

Sieht die ganze Zeit so aus. Eigentlich nix besonderes. Aber echt hübsch.
Man bemerke die ganzen Häuschen am See. Nicht viele, aber doch immer wieder Häuser in der Landschaft.
Heute geize ich nicht so sehr mit Pausen.

Und dann endlich Aussicht auf die Telemark. Was auf der Karte wie ein ganz nettes Vorgeplänkel vor den Fjorden und Gebirgen und Hochebenen aussieht, ist mehr als nur ganz nett. Viel mehr sogar. Unzählige riesige Seen an mitunter 1000m höheren Bergen sowie viel Wald machen Lust, die Telemark zu erkunden. Ich durchfahre sie von Ost nach West, und endlich bin ich auf einer der winzigen, einsamen Straßen, die 25km lang am Follsjå vorbei nach Notodden führt. Bilder gibt es davon keine, ich hatte das Grinsen im Gesicht und hab es einfach genossen. Ah, doch, die Aussicht gibt’s.

Der Follsjå und die, hier noch mäßig hohe, sich allmählich entfaltende Telemark.

Endlich in Notodden. Es ist Sonntag 11 Uhr, und alles hat zu. Alles. Nach 40km steht es mir nach Mampf, aber es gibt nix. Dabei ist jetzt doch Zeit für Süßteilchen und Kaffee! Ein Glück ist die Stabkirche von Heddal nicht weit, und dort gibt es ein Café. Wenn die heute nicht geöffnet haben, sind sie selbst schuld. Also nix wie hin. Die Stabkirche hatten wir vor einigen Jahren besucht, damals auch ausgiebig besichtigt. Andere Kirchen schau ich höchstens mal kurz müde an, aber Stabkirchen haben ein ganz besonderes Flair. Da muss man gar nicht christlich oder sonstwie religiös sein, um sich davon faszinieren zulassen. Die Stäbe sind Baumstämme, die senkrecht in der Erde stecken und das Gebäude tragen – und das seit 800 Jahren! Führungen lohnen auch immer.

Rechts der Glockenturm. Die Kirche selbst kann keine Glocke tragen.
So groß sind die übrigens gar nicht. Sehen auf Bildern immer viel größer aus als sie sind.
Ich mag das mit Friedhof direkt außen rum.
Und dann das Beste: Waffeln mit Rømme und Erdbeermarmelade. Übrigens eignet sich ein Fahrrad prima als Wäscheständer.

Diesmal kein Kaffee, denn der hat mir gestern den Puls hochgehen lassen, der soll ja schön brav unten bleiben, damit ich nicht in den Leistungssportmodus falle. Nun stehe ich vor der Wahl, ein viel befahrenes Tal zu erdulden, oder ne einsame Straße über nen Berg zu hecheln. Was ne Frage, der Berg natürlich. Lektion 1 für heute: 300 hm mit 10% sind nicht gut, selbst mit Pausen. Aua. An dieser Stelle ein Hoch auf norwegische Autofahrer, die mit viel Abstand und Geduld selbst im Schritttempo geduldigst bis um die Kurve warten, um garantiert sicher überholen zu können. Das gibt es daheim selten, hier ist es die Regel. Und das macht das Radeln hier entspannt und ungefährlich. Und wo ist jetzt Selma?

Luft ist raus. Konzentration für Bilder machen ist weg. Oh, das hat weh getan. 5 oder 7 Prozent Steigung sind prima, aber 10 sind mit der Beladung heftig. Werde ich meiden.

Idyllisch geht es gemächlich bergab. Wobei das nicht heißt, dass es nicht auch immer wieder kurz und heftig bergauf geht. Mit dem Rennrad ginge es raus aus dem Sattel und im Wiegetritt den kurzen Sprint bergan, aber das darf ich mir nicht gönnen, damit ich morgen auch wieder radeln kann. Kostet also nicht nur Kraft, sondern auch noch Geduld und Nerven. Aber die Landschaft entschädigt! Sorry, keine Bilder von hier, denn entweder wollte ich bergab nicht bremsen, hab bergauf geschnauft, oder beim halbwegs ebenen Rollen lassen mich erholt. Nächstes Mal mehr Pausen, und damit mehr Bilder.

Die breiten Täler scheinen die Kornkammer Norwegens zu sein. Endlos ziehen sich Felder dahin, gesäumt von steilen Hängen voll Fels und hartnäckigen Bäumen. Es ist auch viel los, so dass ich schaue, zügig von der viel befahrenen Straße runter zu kommen. Und da ist er endlich, der Seljordvatnet. Der See ist über 20km lang und 150m tief, und damit, obwohl eher einer der kleineren großen Seen hier, groß genug, um einer entfernten Verwandten von Nessi Platz zu bieten. Und die heißt, ihr habt es erraten, Selma. Sie hat es sogar in die Wikipedia geschafft, und im Ort Seljord steht extra ein Beobachtungsturm zum Ausschau halten.

Der See Seljordvatnet, Heimstatt von Selma
Oh mein Gott, es kommt genau auf mich zu!
Gleich nach dem Zücken der Kamera zücke ich meine letzte Hoffnung: Schokolade. Und siehe da, damit gewinnt man immer Freunde. Von wegen Ungeheuer.

Mein Zelt ist schnell wieder aufgestellt, geduscht ist auch gleich, die Radlklamotten mit Wasser im Becken gewaschen. Und wie es ans Kochen geht, zieht doch noch unvorhergesagter Regen auf. Oder doch nicht. Oder doch? So unentschieden das Wetter, entscheide ich mich schnellstens für Kochen im Zelt. Diese besondere Form der Romantik möchte ich euch nicht vorenthalten. Benzinkocher im Zelt erfordert etwas Erfahrung, aber geht. Eine Tasse Linsen, zwei Tassen Wasser, Salz, und kochen lassen. Dann Salz, reichlich Olivenöl, Currygewürz, Tomatenmark, Tofuwürstchen reingeschnippelt und Salz. Fertig. Warum ist das jetzt versalzen, verflixt? Das war wohl Lektion 2: nach viel Schwitzen trotz der unbändigen Lust auf Salziges lieber dem Nachsalzen ne Chance lassen.

Lektion 3: Fahrräder sind die besseren Wäscheständer
Auf ner Halbinsel gelegen ist der Telnessanden echt idyllisch. Ich mag das Wort nicht, aber hier passt es unglaublich oft.
Alles bereit? Los geht’s. Ein Bein schläft immer ein dabei, das gehört so.
Nicht wirklich instagrammable, dafür reichlich Eiweiß und Kalorien. Und Salz.
Hmm, die Wolke da hinten könnte auch Selma sein, oder?

Tag 1: weg von Oslo

Rückenwind und Regenansage für morgen haben mich angetrieben. Was? Sportlicher Ehrgeiz? Neinnein, der war ganz sicher nicht schuld.

Als wir das erste Mal in Oslo waren, wollten wir uns nur mal nen Tag umschauen. Dass wir dann gleich 3 Tage in der beschaulichen Hauptstadt bleiben würden, hätte ich vorher vehement bestritten. Oslo ist sehenswert. Heute will ich aber schnell weg, denn so autoarm die Innenstadt umgestaltet wird, so verkehrsreich ist der Speckgürtel. Entlang der größten Straße gen Westen radle ich auf vorzüglichen Radwegen und verfahre mich dank des Garmin nur 3 mal. Entgegen kommen mir anfangs unzählige Läufer, so dass sich mein Eindruck der ach so sportlichen Norweger vertieft – bis ich die Startnummern wahrnehme, die alle tragen. Anfangs noch in langen Sachen schwitze ich bald und bin froh, dass ich die Radlhose und das Trikot vorsorglich drunter hatte. So geht es besser die Küste entlang, vorbei an unzähligen Häfen für hübsche kleine Bootchen, an zahlreichen Industriegebieten, trölf mal die Autobahn querend. Aber ich darf mich zielgerichtet bewegen statt nur auf Deck im Kreis laufen. Es kommt Laune auf.

Sowas will ich daheim auch haben
Blick zurück auf den Oslofjord

Kaum biegt man ab von der Küste, geht es schon bergauf. Aber hey, davon wird es noch mehr geben, hab ich gehört. So richtig Lust auf Fotos machen hab ich nicht, und ehrlich gesagt ist die Gegend auch nicht sonderlich fotogen. Also lieber strampeln. Nach 40km zeigt sich, dass das frühe Frühstück sehr früh gewesen war, so dass ich in Drammen an der Backstube (sic!) auf dem belebten Marktplatz nicht vorbei komme. Kaffee und Süßteilchen könnten hier echt zur Gewohnheit werden.

Wenigstens ein paar der Kalorien nachladen

Norweger haben Sinn und Geld für Architektur, das sieht man immer wieder. Auf dem Land gibt es die klassischen Holzhäuser, aber die Städte lassen sich sehen. Brücken, Straßen und Tunnels können sie auch gut.

Hübsche Gebäude, aber zu wenig Zeit für Architekturstudien
Yay, bergab! Abbremsen hat echt Überwindung gekostet

Die Landschaft verändert sich, es wird waldiger und hügeliger. Und endlich sehe ich das erste Schild, das vor Elchen warnt. Das Wetter ist angenehm, bissl Sonne, viele Wolken, knapp 20°C. Und irgendwie kommen allmählich doch ein paar Höhenmeter zusammen. Kurz vor Kongsberg suche ich den nächsten Zeltplatz. Eigentlich wollte ich heute bis Notodden kommen, aber davon trennen mich 450hm, welche ich gerade nicht in meinen Beinen fühle. Alternativ gibt es einen hübschen, abgelegenen Zeltplatz etwas abseits der Route, zu dem es nur halb so hoch hinauf geht, zudem nur 20 statt 30km bis hin. Heute wird mit den Füßen abgestimmt, und so geht es mit kleiner Pause Kongsberg mit Schokokeksantrieb den letzten Berg rauf. Die Straße ist ruhig, die Hügel höher, durchsetzt mit hohen Felswänden. Also, für heimische Verhältnisse hoch – hier ist das eher Standard, so dass mich ein Autofahrer verblüfft anschaut, als ich von der nach nordischem Maßstab gar nicht so spektakulären Aussicht ein Foto mache.

Elche? Will sehen!
Radl pausiert, damit es für den letzten Hügel fit ist
Mehr Sauerstoff! MEHR!
Heut früh war fitter
Endlich! Es wird nordisch wild.

Endlich am Zeltplatz! Schnell das mobile Nest aufgestellt, geduscht und nen großen Topf Spaghetti gemacht – so viel, dass ich gar nicht alles auf einmal essen kann. Also 2 Gänge draus machen. Die Sonne scheint noch beim Kochen, aber kaum setze ich die Gabel an, tropft es. Ein Regenbogen in der Richtung, aus der der Wind bläst, lässt mich nur kurz innehalten, um dann schleunigst alles ins Zelt zu packen. Gerade rechtzeitig, denn schon zeigt mir der Norden, dass er mich mit Rückenwind und Sonnenschein bisher echt verwöhnt hatte. Aber morgen früh soll es rechtzeitig nach dem Frühstück aufhören. Mein Mampf ist schon etwas abgekühlt, und so kann ich genüsslich nachtanken.

So. Genau so soll es sein.

Morgen steht eine etwas kleinere Etappe an – entweder über den Berg, oder drum herum. Ich hab echt nicht gemerkt, wie heute über 1100hm zusammenkamen. Übermorgen ist vermutlich Ruhetag, also maximal 30km, denn da soll es viel regnen. Jetzt aber werde ich die doch ziemlich müden Beinchen lang machen und beim gemütlichen Trommeln der Regentropfen auf dem Zelt sicher bald einschlafen.

Mampf bei Regen ohne Aussicht. Aber trocken und lecker.
Gute Nacht

Anreise

Spät abends zum Bahnhof und mit 2 mal Umsteigen bis Kiel. Hmja. Bahn und Fahrrad kann schon knifflig sein. Leider hatte man beim alten ICE Typ 1 keine Fahrräder eingeplant, und ausgerechnet der fährt Heidelberg – Kiel. Also etwas umständlicher, aber geht schon. Trotz Oberleitungsschaden und zwischenzeitlichen Verspätungen klappt alles.

Wer aber glaubt, querliegend auf 3 Sitzen im Intercity Schlaf finden zu können, wird eines Besseren belehrt. Die sind wohl absichtlich so gestaltet, dass das nicht bequem ist. Trotzdem liegen alle im Wagen quer und quälen sich durch die lange Nacht. Ausgerechnet kurz vor der geplanten Ankunft falle ich doch noch in etwas tieferen Schlaf, so dass ich meinen Wecker überhöre und etwas panisch mein Rad belade. Auf die Bahn ist aber Verlass, denn Dank 20min Verspätung lässt der Stress bald nach.

Mein fernblauer Randonneur steht gut in der Tingelbahn…
… und ich kriege jetzt schon die Augen nicht mehr weiter auf. Hinter mir der gemütliche, schnelle ICE. Was ein Hohn 🙂

Kiel empfängt mich freundlich. Naja, zumindest das Wetter ist gut, und der Fähranleger viel zu nah, so dass ich gar nix von der Stadt zu sehen kriege. Gegen eine Spritztour durch die Stadt spricht die Müdigkeit, die ich stattdessen mit Kaffee und Süßteilchen zermürbe, bevor sie mich nieder macht.

Hübsche kleine Bootchen

Irgendwie vergisst jeder, dass es Fahrräder gibt. Jedenfalls ist auch die Fähre nur mäßig drauf eingestellt, und so suche ich auf Website und um den Anleger, wie ich denn nun zu dem großen Bootchen komme. In den Aufzug zum Terminal passt das Rad nicht rein, also schlussfolgere ich, dass ich mich zu den Autos gesellen darf.

Tja also ääh… Wie komm ich da jetzt hin?
Das kleine hübsche Bootchen hätte auch genügt für mein bissl Gepäck.
Schön stehen bleiben!

Immerhin darf ich mit dem Radl vor alle Autos, im Schatten warten bis der Check-In beginnt, und ganz alleine als Erster zum Maschinenmaul rollen. Dann schaue ich ne Stunde zu, wie ein LKW Anhänger nach dem anderen an das Seemonster verfüttert wird, und als Nachtisch unzählige Autos verschluckt werden. Endlich darf ich auch, und verzurre mein Radl gut, schultere das Gepäck und suche meine Kabine.

Tschüss

Die Fähre ist mehr ein Kreuzfahrtschiff, das Restaurant am Heck zeigt das wohl am besten. Es wird alles getan, um den Passagieren Geld aus der Tasche zu zaubern, inklusive Shopping Mall, Casino und Nachtclub. Immerhin ist das Leitungswasser mit nem MuViTab trinkbar, und es gibt sogar vegane Pizza! Die Große-Belt-Brücke begeistert wie immer, aber ich denke mir diesmal irgendwie, dass solche gigantischen Bauwerke doch nix im Meer verloren haben.

Dann doch lieber Pizza, die übrigens echt gut ist.
Es hat nur „Aaaah“ und „Oooh“ und Beifall gefehlt.

Bald verkrümel ich mich auf meine Kabine und lese mein norwegisches Buch, um mit der Sprache wieder warm zu werden. Als mir aber mitten im Studieren das Wörterbuch aus der Hand fällt, gebe ich mich doch genüsslich einem Nickerchen hin. Danach dreh ich noch ne Runde über das volle Deck (kann es nicht mal ein bissl ungemütlicheres Wetter sein?) und bin bald, trotz schöner Lichtstimmung, nach fast 24h Dauerbemenschung in der Kabine und schlafe bald tief und fest ein.

Schräg, ja. Das Meer fließt ab. Will auch nach Norden, weil es längst weiß, dass es da schön ist. Schau ich arg genervt?

Der Speckgürtel reicht weit entlang des Oslofjords, So stehen über 20km weiter im Süden die Küste und alle Inselchen voll mit Freizeithäuschen und Bootsanlegern. Bis man wirklich da ist, dauert es ganz schön lange. Leider werden wir vorzeitig von Deck verscheucht, damit Corona-konform alle in den Kabinen warten und deckweise zu den Autos dürfen. Also werfe ich mich in lange Radelklamotten, packe alle Taschen noch optimaler, schleppe sie zum Randonneur (der mangels Seegang brav stehen geblieben ist) und frage mich beim Beladen, ob das mit etwas Übung nicht auch schneller gehen kann. Immerhin dürfen wir 2 Radler fast als erste von Bord, zwischen den bereits wartenden Autos durch, und dank Impfzertifikat sogar an der obligatorischen Teststation vorbei. So. Da wäre ich also. Jetzt kann es wirklich los gehen.

Boote und Häuser
Häuser und Boote
Und… ach, ihr wisst schon. Ganz hinten Oslo, also der Stadtkern mit Brygge, Rathaus, Festung und Oper.