Freitag, 06.02.2026, Stacion Sirena, Corcovado
Die Nacht war warm und klebrig, das Laken zum Zudecken für mich überflüssig. Ich erinnere mich an die Szene im Buch Homo Faber, in der das klebrige Herumliegen beschrieben wird. So fühle ich mich. Ohrstöpsel sind wichtig, die Nacht war nicht ruhig. Anja konnte vor lauter faszinierenden Geräuschen der Nacht wenig schlafen, allen voran Schnarchen.
Um 4:30 klingelt der Wecker, zügig machen wir uns ausgehfertig. Um 5 Uhr geht es mit Stirnlampen los. Frühstück gibt’s nach der morgendlichen Tour. Ein bisschen unheimlich finde ich es schon, denn man weiß ja nicht, was für Viechzeug jetzt unterwegs ist. Taranteln und Giftschlangen gibt es hier, und jede Menge Spinnen – der Waldboden glitzert voller reflektierender Spinnenaugen. Mit Guide Christian aber kein Problem, und bald fängt es an zu dämmern, mit dem Licht kommt Sicjerheit. An Fotos ist natürlich noch nicht zu denken dafür genügt es nicht.

Wir entdecken Frösche, die sich eng an Blätter kleben, um nicht aufzufallen. Eine Gottesanbeterin wartet auf Beute. Dicke Nachtfalter schwirren durch das Lampenlicht. Eine Fledermaus huscht um unsere Köpfe. Einen Ziegenmelker können wir kurz beobachten. Wir gehen bis zu einem Fluss, Krokos können wir aber keine entdecken. Wenn sich Gruppen begegnen, tauschen die Guides schnell ihre Entdeckungen aus, so dass es mehr zu zeigen gibt.




Wieder an der Station gibt es ein riesiges Frühstück, diesmal mit Hühnchen. Nicht auf dem Teller, nein, es läuft gemütlich direkt neben unserer Veranda entlang. Danach kurze Pause, und um 8:30 wieder in den Wald. Zur Ruhe kommt man nur kurz, bevor wir wieder nach Unbekanntem Ausschau halten und von Christians scharfen und geübten Augen überrascht werden.

Die zweite Tour führt uns an den Strand, zum ersten Mal stehen wir am Pazifik – immer gerade aus, nächster Halt Neuseeland, Australien, Papua-Neuguinea, Japan. Dreh einen Globus, oder den Erdball in Google Earth, mal so, dass der Pazifik den meisten Raum einnimmt, dann ist kaum noch Land zu sehen. Unvorstellbar weit.
Wir entdecken ein Rudel Nasenbären, das am oberen Rand des Strandes im Sand nach Futter sucht, und etliche der kleinen Krabben vernascht, die hier um unsere Füße wuseln. Ein großer Jesus Christ Lizard sonnt sich auf einem Baumstamm, mit über einem halben Meter von Kopf bis Schwanzspitze die größte Echse, die ich wild gesehen habe. Ein Tapir, der tagsüber im Schlamm schläft, und von dem wir durch das Blattwerk hindurch nur Schnauze und Öhrchen erspähen können.


Mittags verabschieden sich 3 Leute unserer Gruppe, sie fahren per Boot zurück. Zu siebt ist es gleich viel ruhiger und gemütlicher, vielleicht auch weil die Amerikanerin jetzt weg ist.
Spätes Mittagessen um 13 Uhr, Pause und Siesta bis 14:30, dann zum dritten Mal los. Wanderwege um Sirena Station sind breit und gut, viele Tagestouristen kommen früh per Boot und sind ab Mittag wieder weg, dann wird es schlagartig ruhiger. Wir laufen weniger, können dafür mehr Gucken. Zum Glück ist es meistens bewölkt, im Gegensatz zu gestern finde ich es regelrecht erträglich, so dass die schwelenden Kopfschmerzen verschwinden und ich spürbar klarer denken kann. Jetzt setzt auch mehr Neugierde ein.
Wir sehen einige schöne Spinnen, allen voran der Golden Orb Weaver, von dem ein Prachtexemplar die Station gegen Mücken verteidigt. Immer wieder sind Affen hoch über uns in den Bäumen. Teils neugierig schauen sie zu uns hinab (oder auf uns herab?), teils ignorieren sie uns einfach, wohlwissend, dass wir nicht zu ihnen rauf kommen.
Arachnophobie Trigger Warnung!







Dann große Aufregung: Das erste Freddy! Kannst du es erkennen?

Guide Christian ist klasse. Erst hat er studiert, dann mehrere Jahre lang die Ausbildung zum Guide gemacht. Jetzt ist er Freelancer und sehr viel draußen unterwegs. Das macht ihm sichtlich Spaß, er scheint seine Berufung gefunden zu haben. Er trägt viel Verantwortung für die Gruppe, insbesondere auf den langen Wanderungen. Die häufigsten Probleme sind wohl Umknicken, Hitzschlag und verdorbener Magen. Das hat er dann gut um Griff. Sollte sich jemand ein Bein brechen oder sowas, dann muss natürlich improvisiert werden, dann wird es spannend.
Zum Sonnenuntergang sind wir am Pazifik. Das Wasser ist warm wie in der Badewanne, irre. Wir entspannen, aber nicht nur die Romantik lockt uns zu dieser Tageszeit hierher. Wir warten auf den Tapir, auf dass er Lust hat, mit Einbruch der Dunkelheit aus seinem Schlammbad zu kommen. Aber leider verkrümelt er sich entweder in eine andere Richtung, oder er döst einfach noch weiter, bis die glotzenden Menschenaffen endlich vondannen gezogen sind.

Wir genießen ein ordentliches Abendessen, und – zack – ist schon wieder Schlafenszeit. Um 8 Uhr geht – klack – das Licht aus. Gut so, denn morgen steht unseren strapazierten Füßchen ein ordentlicher Marsch bevor. Gestern waren es knapp über 20km, heute insgesamt rund 15 km. Es kommt doch einiges zusammen. So holen wir uns reichlich Schlaf, diesmal sogar besseren als vorherige Nacht.




































































































